Power-To-X: Shell und Uniper wollen Wasserstoffwirtschaft in Europa voranbringen
Shell hat kürzlich die größte europäische Wasserstoff-Elektrolyseanlage in Betrieb genommen und will damit 1300 Tonnen grünen Wasserstoff pro Jahr produzieren.
Foto: dpaDüsseldorf. Der britisch-niederländische Ölkonzern Shell und der Düsseldorfer Energiekonzern Uniper haben am Dienstag eine Absichtserklärung unterzeichnet, um die Entwicklung der Wasserstoffwirtschaft in Europa zu beschleunigen.
Dafür wollen die beiden Unternehmen unter anderem gemeinsame Projekte in Deutschland, den Niederlanden und anderen europäischen Ländern vorantreiben. „Kooperationen wie diese sind notwendig, um den Übergang zur Nutzung von Wasserstoff sowohl im Verkehr als auch in der Industrie zu beschleunigen“, sagte Paul Bogers von Shells Wasserstoffsparte „Shell Hydrogen“ in einem Statement.
Vor allem beim Thema Infrastruktur hoffen die beiden Konzerne auf Synergien. Der Transport von Wasserstoff aus den Häfen Rotterdam und Wilhelmshaven nach Nordrhein-Westfalen soll im Mittelpunkt der angekündigten Zusammenarbeit stehen.
Am vergangenen Freitag hatte Shell in seiner Rheinland-Raffinerie in Wesseling bei Köln nach zwei Jahren Bauzeit die aktuell größte Wasserstoff-Elektrolyse-Anlage Europas in Betrieb genommen. Die Anlage mit einer Kapazität von zehn Megawatt soll pro Jahr rund 1300 Tonnen grünen Wasserstoff produzieren. Die Kapazität soll schrittweise auf 100 Megawatt erweitert werden.
Auch Uniper hatte erst vor wenigen Wochen ein Großprojekt angekündigt. In Wilhelmshaven soll zum einen ein Importterminal für grünes Ammoniak entstehen. Das klimaneutral erzeugte Gas soll dann in einem sogenannten Ammoniak-Cracker zu Wasserstoff verarbeitet werden können. Gleichzeitig ist der Bau einer Elektrolyse-Anlage zur Produktion von Wasserstoff mit einer Größenordnung von 410 Megawatt (MW) geplant.
Importterminal und Elektrolyse gemeinsam könnten den Angaben zufolge jährlich rund 295.000 Tonnen Wasserstoff produzieren und damit rund zehn Prozent des prognostizierten Bedarfs für ganz Deutschland im Jahr 2030 decken.
Wasserstoff ist vor allem für Stahl- und Chemiebranche wichtig
Zusätzlich wollen die Düsseldorfer die Versorgung mit Wasserstoff von den Standorten Rotterdam und Wilhelmshaven zur Rheinland-Raffinerie von Shell in Wesseling und Köln-Godorf entwickeln. Das Uniper-Kraftwerk in Gelsenkirchen-Scholven soll außerdem andere Großkunden entlang der Pipeline-Trassen perspektivisch mit Wasserstoff versorgen.
Für die deutsche Industrie ist das Thema Wasserstoff zentral. Sowohl die Stahl- als auch die Chemieproduzenten setzen große Hoffnungen darauf, ihre Prozesse mithilfe des klimaneutralen Gases zu dekarbonisieren. Der Thyssen-Krupp-Konzern etwa will seinen Stahl in Zukunft nicht mehr mit Koks, sondern mit Wasserstoff erzeugen.
Dafür braucht es große Mengen an Ökostrom, um den benötigten Wasserstoff klimaneutral zu produzieren. BASF-Chef Martin Brudermüller betonte auf dem Handelsblatt-Wasserstoffgipfel, dass Deutschland beim Aufbau einer Wasserstoffwirtschaft den Anschluss verlieren könnte, wenn vonseiten der Politik nicht bald die richtigen Rahmenbedingungen gesetzt würden.