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Energie

Power-To-X Wasserstoff-Start-up Sunfire startet Produktion von E-Fuels im industriellen Maßstab

Bislang gab es nur kleine Testprojekte für die Herstellung von synthetischem Kraftstoff. Das Dresdner Start-up Sunfire startet jetzt in die kommerzielle Massenproduktion.
08.06.2020 - 18:00 Uhr 8 Kommentare
Sunfire: Start-up will Anlage zur Produktion von synthetischen Kraftstoffen bauen Quelle: Sunfire
Wasserstoffproduktion

Das Unternehmen Sunfire (im Bild die Produktion in Dresden) baut seine erste kommerzielle E-Fuels-Produktion in Norwegen.

(Foto: Sunfire)

Düsseldorf Während die Bundesregierung in den vergangenen Tagen noch die letzten Details für die lang ersehnte Wasserstoffstrategie diskutiert hat, schafft das Dresdner Start-up Sunfire im Ausland Fakten: Gemeinsam mit mehreren europäischen Partnern will das Wasserstoffunternehmen in Norwegen die erste Anlage zur Produktion von synthetischen Kraftstoffen im industriellen Maßstab bauen. Das erfuhr das Handelsblatt vorab.

„Wir verlassen die Pilotphase und gehen jetzt zum ersten Mal in die Kommerzialisierung“, sagte Sunfire-CEO Carl Berninghausen im Gespräch mit dem Handelsblatt. 2023 soll die Produktion mit zehn Millionen Litern pro Jahr starten. Ab 2025 sind 100 Millionen Liter synthetischer Kraftstoff pro Jahr geplant. „Wir müssen zeigen, dass es funktioniert und auch wirtschaftlich ist. Dann werden andere unserem Beispiel folgen“, ist Berninghausen überzeugt.

Die sogenannte Power-to-X-Technologie (PtX) gilt als wichtiger Baustein für eine erfolgreiche Energiewende. Mithilfe des strombasierten Elektrolyseverfahrens werden CO2 und Wasser zu Wasserstoff umgewandelt, der dann entweder direkt eingesetzt oder auch gespeichert werden kann. Er lässt sich aber auch wieder in Strom umwandeln oder zu Gas und synthetischem Kraftstoff (E-Fuels) weiterverarbeiten. Wird für die Elektrolyse Ökostrom verwendet, ist auch das Endprodukt entsprechend grün.

Den Nutzen von grünem Wasserstoff sehen Experten in der Luft- und Schifffahrt, aber auch in großen Teilen der Industrie – zum Beispiel in der Chemie- oder Stahlbranche, wo Wasserstoff heute noch ausschließlich aus fossilen Energiequellen hergestellt wird. Gerade erst am Montag hat der Stahlriese Thyssen-Krupp verkündet, die Produktion seiner Wasserstoffanlagen noch einmal zu beschleunigen. Die grüne Alternative soll in zehn Jahren die Kokskohle bei der Befeuerung der energieintensiven Hochöfen ablösen.

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    Länder wie Japan, Österreich und die Niederlande haben bereits eigene Wasserstoffstrategien vorgelegt, und auch die Bundesregierung konnte sich nach monatelangen Diskussionen auf einen gemeinsamen Kurs einigen. Sie will Deutschland auf diesem Feld zum „Ausrüster der Welt“ machen, heißt es im Eckpunktepapier für das Konjunkturpaket. Die Entwicklung von Produktionsanlagen soll gefördert werden, außerdem wird der Strom für die Wasserstoffanlagen von der EEG-Umlage befreit. Bis 2030 sollen zunächst Anlagen von bis zu fünf Gigawatt Gesamtleistung entstehen, bis 2035 sollen weitere Kapazitäten dazukommen.

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    Sunfire hat sich für die erste Produktionsanlage trotzdem gegen einen Standort im Heimatland entschieden. „Wir können in Deutschland gar nicht genug erneuerbare Energien generieren, um den Kraftstoffsektor zu dekarbonisieren. In Ländern wie Norwegen allerdings schon“, erklärte CEO Berninghausen den Schritt. Die Elektrolyse könne man dort immerhin mit 100 Prozent grünem Strom versorgen. Teil des europäischen Konsortiums mit dem Namen Norsk e-Fuel sind neben Sunfire unter anderem der Anlagenbauer Paul Wurth, das von zwei deutschen gegründete schweizerische Start-up Climeworks und die grüne Investmentfirma Valinor aus Norwegen.

    Man sei schon mit einer ganzen Reihe von potenziellen Abnehmern im Gespräch, vorwiegend aus der Flugkraftstoffbranche. Die ersten Kunden müssen allerdings einen ziemlich hohen Preis zahlen. „Unsere Partner werden am Anfang 3,50 Euro pro Liter bezahlen. Das ist natürlich kein dauerhafter Preis, aber für den Einstieg nötig, damit wir auch schnell wirtschaftlich arbeiten können“, rechtfertigt Berninghausen.

    Teurer Kraftstoff

    Der hohe Preis ist genau das, was grünen Wasserstoff bislang vom Durchbruch abgehalten hat. Noch arbeiten PtX-Projekte in einem kleinen Maßstab, meist auf Pilotbasis und alles andere als rentabel. Sunfire ist überzeugt, dass die Massenproduktion den Preis allerdings auf ein wettbewerbsfähiges Niveau drücken kann. „Wenn die Produktion erst einmal bei 100 Millionen Liter pro Jahr angekommen ist, werden wir auch den synthetischen Kraftstoff für ungefähr 1,50 Euro pro Liter verkaufen können“, sagt der Sunfire-Chef.

    Langfristig rechnet Berninghausen damit, dass sich der Preis bei 1,20 Euro je Liter einpendeln wird. Das ist dann zwar immer noch nicht günstig, aber immerhin in einer Liga mit anderen erneuerbaren Kraftstoffen wie Biodiesel oder Ethanol, hierzulande auch bekannt unter dem Namen E10.

    Ganz grün wird der künstlich hergestellte Kraftstoff allerdings am Anfang noch nicht sein. Das CO2, das für den Vorgang der Elektrolyse benötigt wird, kommt unter anderem von Industrieanlagen wie norwegischen Zementfabriken. „Noch gibt es unvermeidbare CO2-Flüsse, die wir zu diesem Zeitpunkt auch noch nutzen werden. Aber langfristig gehen wir davon aus, dass wir das benötigte Kohlendioxid komplett von Unternehmen wie Climeworks beziehen werden“, gibt Berninghausen zu.

    Das Klima-Start-up Climeworks liefert schon jetzt einen Teil des Klimagases. Das CO2 kommt allerdings nicht aus der Industrie, sondern direkt aus der Atmosphäre. Dort zieht Climeworks das schädliche Treibhausgas mit einer Art überdimensioniertem Luftfilter ab. „Auf der vollen Ausbaustufe werden wir in der Lage sein, den CO2-Ausstoß von schwer zu dekarbonisierenden Sektoren wie der Luftfahrt um ganze 250.000 Tonnen pro Jahr zu reduzieren“, sagt Climeworks-Chef Christoph Gebald. Die Anlage in Norwegen soll als Blaupause für mehrere Projekte im ganzen Land dienen. Aber auch in Deutschland hofft Sunfire, irgendwann synthetische Kraftstoffe herstellen zu können.

    „Es wäre ein großer Fortschritt, wenn wir unsere Technik auch in Deutschland profitabel zum Einsatz bringen können. Wenn wir grünen Strom wirklich ohne EEG-Umlage nutzen können, dann werden wir auch hier eine Produktion aufbauen“, kündigt Berninghausen an. So oder so ist er überzeugt, dass die Nachfrage das Angebot schon bald übersteigen wird.

    Mehr: Warum Deutschland seine Chancen beim Thema Wasserstoff jetzt nutzen muss.

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    8 Kommentare zu "Power-To-X: Wasserstoff-Start-up Sunfire startet Produktion von E-Fuels im industriellen Maßstab "

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • "Langfristig rechnet Berninghausen damit, dass sich der Preis bei 1,20 Euro je Liter einpendeln wird. "
      Aktuell kostet ein Liter Diesel - ohne Steuer - weniger als 50 Cent/l.
      Kerosin ist sogar noch günstiger: (0,9 $ pro 3,8 l/Gallone)
      https://www.eia.gov/dnav/pet/pet_pri_spt_s1_d.htm
      Die von Sunfire entwickelte Hochtemperatur-Elektrolyse hat noch erheblichen Entwicklungsbedarf. Speziell was die Haltbarkeit des SOFC-Stacks angeht ist noch eine Menge Luft nach Oben. ThyssenKrupp und Siemens setzen aktuell auf PEM-Elektrolyseure zur Wasserstoffherstellung und insbesondere auf deren Hochskalierung auf 10 MW und größer.

    • Fischer-Tropsch wird reanimiert. 1920 . Und dann: um eine To CO2 abzuscheiden muss man 2.500 To Luft bewegen.

    • @Herrn Hofmann
      Wie ist dann der Gesamtwirkungsgrad wenn ich mit dem Endprodukt Auto fahre, also von Windrad bis Autorad?
      Windrad zu Batterie-Autorad vernichtet veilleicht 20% der elektrischen Energie (vor allem Lade- und Entladeverlust).
      Für Windrad zu Autorad über Elektrolyse und Brennstoffzelle werden meist Verluste von 70-75% bezogen auf den Ausgangspunkt elektrische Energie angegeben.
      Bei sunfire weiß ich nicht welche Brennqualität das synthetische Rohöl hat. Mal angenommen es wäre wie Diesel, dann errechne ich einen Wirkungsgrad von rund 25%. Es würden also 75% der elektrischen Energie vernichtet.

      Dabei rechne ich wie folgt: Laut sunfire sollen in einem Projekt bei 20 MW elektrischer Leistung pro Jahr 10 Millionen Liter des sunfire Öls entstehen. Sie nennen das Rohöl-Ersatz. Ich nehme mal an das müsse nicht auch noch raffiniert werden, sondern diene direkt als Diesel-Ersatz. Dann nehme ich einen Vergleichsverbrenner mit 6 l/100km Diesel. Das ergibt eine bestimmte Fahrstrecke. Ein Batterieauto mit 0,2 kWh/km könnte mit derselben elektrischen Energie 4 mal weiter fahren.
      Wen ich falsch rechne bitte ich um Korrektur. Wen ich richtig rechne frage ich mich was das soll.

    • @Herrn Hanselmann

      Wasserstoff ist hier nicht das Endprodukt.

      Auf der Homepage von sunfire ist folgendes zu finden:

      1) Mit der Co-Elektrolyse von Sunfire kann aus Wasser in Verbindung mit Kohlendioxid und Ökostrom via Synthesegas sogar CO2-neutrales synthetisches Rohöl erzeugt werden. Das sogenannte e-Crude besteht dabei aus verschiedenen Kohlenwasserstoffen und kann Rohöl in herkömmlichen Produktionsprozessen ersetzen.

      2) In bisherigen Power-to-Liquids-Verfahren werden zwei getrennte Prozessschritte genutzt, um Wasserdampf in seine Bestandteile Wasserstoff und Sauerstoff zu zerlegen (Elektrolyse) und Kohlenstoffdioxid zu Kohlenstoffmonoxid (Reverse Wasser-Gas-Shift Reaktion) zu reduzieren. Mit der Co-Elektrolyse von Sunfire werden H2 (Wasserstoff) und CO (Kohlenstoffmonoxid) nun in einem einzigen Prozessschritt gewonnen, was die Effizienz des Gesamtverfahrens erheblich verbessert und somit auch die Investitions- (CAPEX) und Betriebskosten (OPEX) reduziert.

    • Die Bundesregierung kommt... wie immer viel zu spät - und verdient daher auch alles andere als Lob! Vor 7-10 Jahren wäre das innovativ gewesen.
      Wieviel per Wind und Solar produzierte elektrische Energie ist seitdem am Markt verschenkt worden bzw. wurde an der Leipziger Strombörse mit Zuschuss "verkauft"?! Und das wurde von den Stromkunden alles auch noch per Umlage bezahlt, ihnen also weggenommen! Die Regierung hat die Kunden also von Anfang an quasi betrogen, denn der Überschuss hätte ein Produkt erzeugen können, das auch noch Geld bringt. Stattdessen stieg die EEG-Umlage Jahr für Jahr! Die Produktion von grünem Wasserstoff hätte von Anfang an fester Bestandteil der Energiewende sein müssen und nicht erst jetzt nachgeschoben werden.

    • "Das CO2, das für den Vorgang der Elektrolyse benötigt wird" Das Verfahren kenne ich nicht. Elektrolyse ist wenn aus H2O H2 und O2 wird. Schreibfehler?

    • Interessant wäre zu vergleichen, wie weit man in China diesbezüglich schon ist. Es ist zu vermuten, dass sie in China weiter sind, da dort der Staat viel großzügiger handeln kann. Die Nachteile, die wir in Europa haben, durch die Klein-Staaterei, verstärkt durch die Schwarze Null, sollte endlich behoben werden. Wie Fachleute wissen, wurde mit der Schwarzen Null nicht gespart, sondern Zukunft unnötiger Weise verschenkt. Durch Sparen mehr zu verschenken, als am Ende dabei herauskommt, ist schon eine Leistung der deutschen Politik.

    • Ein Artikel diskreditiert sich schon allein wenn in Bezug auf CO2 von einem "schädlichen Treibhausgas" gesprochen wird. Diese Formulierung ist eine Beleidigung für den halbwegs gebildeten gesunden Menschenverstand, wenn in dieser Weise von einem ABSOLUT LEBENSWICHTIGEN GAS gesprochen wird.

      Besonders anrüchig wird es aber, wenn gleichzeitig Kommentare im HB gelöscht werden, anstelle dessen das dann Postulate wie diese stehen!
      "(...) Beitrag von der Redaktion editiert. Unterstellungen und Verdächtigungen ohne Bezug oder glaubwürdige Argumente, die nicht durch eine Quelle gestützt werden, sind nicht erwünscht. Bitte bleiben Sie sachlich."

      Wenn, dann doch Qualitätsbewusstsein auf beiden Seiten liebes Handelsblatt, oder ?!

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