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Preiskampf der Erneuerbaren Die nächste Solarschwemme aus China droht

Völlig überraschend hat die chinesische Regierung eine Förderkürzung für Solarenergie verkündet. Dadurch spitzt sich der Preiskampf auf dem Weltmarkt zu.
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Solarstrom: Die nächste Solarschwemme aus China droht Quelle: dpa
Solaranlage

Weltweit boomen zwar die Ausbauzahlen für Photovoltaikanlagen, nur die Preise sinken immer weiter.

(Foto: dpa)

DüsseldorfKaum hat sich der internationale Solarmarkt einigermaßen stabilisiert, droht schon der nächste Preissturz. Auslöser ist die Ankündigung der chinesischen Regierung, ihre Solarförderungen drastisch zu kürzen – mit fatalen Folgen für die Solarbranche.

Von heute auf morgen verkündete Chinas Nationale Entwicklungs- und Reformkommission (NDRC), die Fördermittel für die gesamte Solarindustrie zu kürzen und neue Projekte deutlich einzuschränken. Aktien von Solarfirmen wie Jinko Solar, SMA oder Rec brachen innerhalb kürzester Zeit um bis zu 30 Prozent ein.

SMA-Chef Pierre-Pascal Urbon bezeichnete die Ankündigung der chinesischen Regierung bei der Vorstellung der Halbjahreszahlen am Donnerstag als „dramatisch“. Der Wechselrichterhersteller aus Kassel musste seine Wachstumsprognose für den internationalen Markt um zwanzig Prozent nach unten korrigieren.

Weltweit boomen zwar die Ausbauzahlen für Photovoltaikanlagen (PV), nur die Preise sinken immer weiter. Durch den Kursschwenk in Peking verschärft sich dieser Abwärtstrend nun massiv: Die chinesischen Produzenten wurden unvorhergesehen von den Änderungen getroffen. Sie sitzen auf unzähligen Modulen, mit denen sie jetzt zu Billigpreisen den restlichen Weltmarkt fluten. Der ohnehin harte Preiskampf auf dem Solarmarkt wird sich weiter verschärfen.

Die Preise für Solarmodule sind in den vergangenen zehn Jahren nach Aussage des Bundesverbandes für Solarwirtschaft (BSW) bereits um mehr als 85 Prozent gesunken. Auch in Deutschland waren es Billigmodule aus China, die den Markt 2012 für fast sechs Jahre zum Kollabieren brachten.

Viele deutsche Solarmodulhersteller- und Zulieferer schlitterten im Wettstreit mit chinesischen Anbietern in die Insolvenz. Erst im vergangenen Jahr konnte die verbliebene deutsche Solarindustrie erstmals wieder auf niedrigem Niveau wachsen, jetzt muss sie sich bewähren.

Mit der Fördereinschränkung innerhalb Chinas wird der Wettbewerb in den kommenden Monaten deutlich anziehen. Im vergangenen Jahr stemmte die Volksrepublik mit 53 Gigawatt (GW) Ausbauvolumen noch mehr als die Hälfte des weltweiten Photovoltaikzubaus.

Verschärfter Preisdruck

Durch Obergrenzen für die Einspeisung von Solarstrom in die Netze und reduzierte Einspeisevergütungen hat die Regierung in Peking ihr Ausbauvolumen jetzt halbiert. Solarfirmen auf der ganzen Welt können also nicht mehr auf einen stetig wachsenden chinesischen Markt setzen.

„Der chinesische Markt ist jetzt erstmal komplett zum Stillstand gekommen. Bestehende Projekte sind gestoppt und die Aussagen der chinesischen Regierung lassen darauf hindeuten, dass in diesem Jahr kaum noch etwas hinzugebaut wird“, sagt Warburg-Research Analyst Arash Roshan Zamir.

Das wird nach Ansicht des SMA-Chefs dazu führen, dass sich der ohnehin schon kleine Markt noch einmal „in einem rasanten Tempo“ konsolidiert. Lior Handelsmann, Chef des israelischen Solarkonzerns Solaredge, rechnet zwar ebenfalls mit einem verschärften Preisdruck für Modulhersteller, sieht aber auch positive Nebeneffekte. „Es wird dem internationalen Solarmarkt außerhalb Chinas nochmal einen Schub verleihen, schneller zu wachsen, als die Preise fallen“, sagte er dem Handelsblatt.

Tatsächlich erwartet der Verband der europäischen Solarindustrie, Solarpower Europe, ein weiteres Rekordjahr. Trotz der Nachrichten aus China habe man die Prognose der weltweit neu installierten Leistung in diesem Jahr nur fünf Gigawatt nach unten korrigieren müssen, auf 102 Gigawatt.

Verbandschef James Watson geht davon aus, dass unter anderem eine steigende Nachfrage sowie Projekte beispielsweise in Indien, dem Nahen Osten, Südostasien, Lateinamerika und Afrika die Abschwächung in China kompensieren könnten.

Sinkende Preise sorgen außerdem dafür, dass die ohnehin schon günstige Solarenergie attraktiver gegenüber fossilen Energieträgern oder auch Strom aus Windkraftanlagen wird. „Trotzdem werden viele kleinere Unternehmen diesen erneuten Preissturz nicht überleben“, warnt Roshan Zamir.

Doch auch größere Konzerne wie SMA bleiben lieber vorsichtig. Vorstandschef Urbon bekräftigte am Donnerstag zwar die Jahresziele – allerdings unter dem Vorbehalt, dass Projekte nicht in Erwartung weiter fallender Preise in größerem Umfang verschoben werden. Zudem warnte er vor einem niedrigeren Marktwachstum als Folge der restriktiveren Solarförderung in China.

Die möglicherweise wackelnde Prognose verschreckte die Anleger: Die SMA-Aktie brach im TecDax um bis zu 14,2 Prozent ein.

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