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Energie

Prozess gegen Juwi-Gründer Ein unmoralisches Angebot

Schmiergeld in Thüringen: Öko-Pionier Matthias Willenbacher soll einen Amtsträger in Eisenach bevorteilt haben. Heute steht der Gründer und Ex-Vorstand des Windparkbauers Juwi vor Gericht.
Matthias Willenbacher hat immer wieder versucht, das Verfahren gegen Geldauflage zu beenden. Quelle: Andreas Labes
Gründer und Ex-Vorstand des Windparkbauers Juwi

Matthias Willenbacher hat immer wieder versucht, das Verfahren gegen Geldauflage zu beenden.

Meiningen Er schuf aus einer Studentenbude einen Milliardenkonzern und schrieb nebenbei noch einen Bestseller. An diesem Montag steht Matthias Willenbacher, Gründer und Ex-Vorstand des Windparkbauers Juwi, vor Gericht. Vor der ersten Strafkammer des Landgerichts Meiningen (Thüringen) muss er sich wegen Korruption verantworten. Im Fall einer Verurteilung drohen ihm bis zu drei Jahre Haft.

In seinem Buch „Mein unmoralisches Angebot an die Kanzlerin“ versprach Willenbacher 2013, die Hälfte seines Unternehmens zu verschenken, wenn Angela Merkel bis 2020 die Energiewende gelingt. Sein Prozess in Meiningen dreht sich um ein anderes unmoralisches Angebot. Willenbacher soll den früheren ehrenamtlichen Beigeordneten der Stadt Eisenach geschmiert haben, um in der Region leichter an Flächen für neue Windparks und an Aufträge für die Modernisierung bestehender Windräder („Repowering“) zu gelangen.

Im Kern geht es um einen Beratervertrag aus dem Jahr 2010, den Willenbacher als damaliger Vorstand der Juwi AG mit dem früheren Thüringer Innenminister Christian Köckert (CDU) abgeschlossen hat. Köckerts Auftrag: „Betreuung verschiedener, relevanter politischer Entscheidungsträger“. Das Problem: Gegenstand der Vereinbarung sollen auch mögliche Amtshandlungen von Köckert in seiner Eigenschaft als ehrenamtlicher Beigeordneter und stellvertretender Bürgermeister der Stadt Eisenach gewesen sein.

Unter anderem beeinflusste Köckert zu Juwis Gunsten eine Beschlussvorlage des Stadtrats zur Erweiterung von „Windvorranggebieten“. Außerdem beschaffte er dem Unternehmen wohl eine behördeninterne Liste mit Standortkoordinaten bestehender Windräder.

Die Staatsanwaltschaft Erfurt sah in all dem eine unerlaubte Vorteilsgewährung von Willenbacher an Köckert - und klagte beide im Sommer 2013 an. Während der Ex-Innenminister bereits im Frühjahr 2015 vom Bundesgerichtshof für schuldig befunden wurde, hält sich der Unternehmer weiter für unschuldig. Ihm sei nicht bekannt gewesen, dass Köckert in Eisenach Amtsträger war, sagte sein Verteidiger Gernot Zimmermann dem Handelsblatt. Auch sei die Frage der Amtsträgereigenschaft laut Zimmermann strittig, denn inzwischen lägen gegenteilige Bewertungen durch ein Gutachten der Uni Halle-Wittenberg vor.

Das Gericht dürfte für eine schnelle Lösung offen sein
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