Energie
LNG

Ein Flüssiggastanker von Qatar Petroleum.

(Foto: PR (Screenshot))

Qatar Petroleum Der weltgrößte Flüssiggas-Exporteur aus Katar drängt auf ein Terminal in Deutschland

Saad Al Kaabi, der Chef des weltgrößten Flüssiggas-Konzerns, kündigt ein Engagement in Deutschland an. Damit befeuert er die Debatte um die Ostsee-Pipeline Nord Stream 2.
Update: 05.09.2018 - 13:46 Uhr 2 Kommentare

DohaDer weltgrößte Exporteur von Flüssiggas (LNG) bringt sich in die deutsche Energiedebatte ein. „Wir sind sehr ernsthaft an einer Beteiligung an einem deutschen LNG-Terminal interessiert und reden mit beiden Firmen – Uniper und RWE“, sagte der Chef von Qatar Petroleum, Saad Al Kaabi, dem Handelsblatt. Die beiden deutschen Unternehmen wollen ihr Geschäft mit LNG ausbauen.

Es gebe beim Bau von Flüssiggas-Terminals zwei Modelle, erklärt Al Kaabi: Man könne einen Teil der Kapazität eines Terminals unter Vertrag nehmen und sich so Liefermöglichkeiten erschließen. Oder man könne Anteilseigner eines solchen Terminals werden. „Die Erbauer müssen sich überlegen, was sie wollen, und wir müssen entscheiden, was am besten für uns ist“, meinte Al Kaabi.

RWE konzentriert sich nach eigenen Angaben bei den Gesprächen mit Qatar Petroleum aber auf die Möglichkeit künftiger Gaslieferungen. „Wir sprechen mit Qatar Petroleum nicht über eine Beteiligung an einem LNG-Terminal in Deutschland. Wir sprechen mit Qatar Petroleum aber über Gaslieferverträge nach Deutschland“, sagte eine RWE-Sprecherin am Mittwoch.

Die Essener betonten, dass LNG grundsätzlich ein interessanter Markt sei, in dem der Konzern auch weiter wachsen wolle. Von Uniper gab es zunächst keine Stellungnahme.

Mit seinen Aussagen trifft der Chef von Qatar Petroleum ins Herz der aktuellen Energiedebatte in Deutschland. Dort wird erbittert gefochten zwischen Vertretern der traditionell an Russlands Gasriesen Gazprom orientierten deutschen Versorgern, die die zweite Ostsee-Pipeline Nord Stream 2 wollen, und russlandkritischen Kräften.

Deren politisches Sprachrohr ist US-Präsident Donald Trump. Statt mehr Energieabhängigkeit von Russland wollen diese Vertreter mittels amerikanischer Flüssiggaslieferungen eine größere Diversifizierung deutscher Energieimporte verfolgen.

Zuletzt hatte die Bundesregierung als Entgegenkommen an Trump die finanzielle Förderung des Baus eines LNG-Terminals im Norden Deutschlands in Aussicht gestellt – entweder in Brunsbüttel an der Elbe, in Stade oder in Wilhelmshaven.

Unterschiedliche Konsortien ringen dabei um den Zuschlag. Aus katarischen Regierungskreisen verlautete, dass Doha den Standort Brunsbüttel präferiere. Qatar Petroleum ist schon jetzt an LNG-Terminals in Italien und Wales beteiligt und liefert nach Holland, Spanien, Polen und Frankreich.

„Die Bundesregierung hat großes Interesse daran, dass in Deutschland ein LNG-Terminal entsteht“, hatte Norbert Brackmann, CDU-Bundestagsabgeordneter und Koordinator der Bundesregierung für die maritime Wirtschaft, zuvor dem Handelsblatt gesagt. Die EU hofft, dass sich durch mehr Importe aus den USA Strafzölle auf europäische Auto-Lieferungen nach Übersee vermeiden lassen, was vor allem deutsche Autobauer träfe.

Katar profitiert so oder so

Katar profitiert indes wegen seiner ausgeklügelten Strategie im Bereich verflüssigten Erdgases (LNG) in jedem Fall: Entweder durch katarische LNG-Lieferungen nach Deutschland oder durch US-Flüssiggasexporte dorthin. Denn Qatar Petroleum (QP) hat stark in den US-Flüssiggasmarkt investiert.

Das Emirat hat zudem bisher mehr als 20 Milliarden Euro in deutsche Firmen investiert – das Engagement reicht von einem VW-Anteil, über eine Beteiligung bei der Deutschen Bank, Siemens, SolarWorld, Hapag-Lloyd, Hochtief bis hin zu großen deutschen Immobilien.

Katars Emir, Scheich Tamim bin Hamad Al Thani, will am Freitag zusammen mit Bundeskanzlerin Angela Merkel in Berlin auf einer Investorenkonferenz weitere Milliardeninvestments in Deutschland verkünden, wie der katarische Finanzminister Ali Scharif al-Emadi am Montag im Handelsblatt ankündigte.

Die Energiewirtschaft ist dabei der Schlüssel für das kleine Emirat, das vom Nobody am Persischen Golf zum weltgrößten Flüssiggasexporteur aufgestiegen ist. QP-Chef Al Kaabi hält die Entscheidung der Bundesregierung, erstmals auch auf Flüssiggas zu setzen, für richtig: „Das erhöht die Versorgungssicherheit. Diversität auf dem Energiesektor ist für ein Land wie Deutschland sehr wichtig“, sagte er in seinem Vorstandsbüro im QP-Tower.

„Wir wollen Teil der Lösung der Gaslieferfrage für Deutschland werden. Wenn Deutschland ein eigenes Terminal will und Bezug aus verschiedenen Quellen, dann sind wir dazu bereit, aus Katar zu liefern und als QP auch aus anderen Ländern der Welt.“

Al Kaabi hält auch die Diskussion über zu hohe Preise für LNG gegenüber russischem Pipeline-Gas für verfehlt: Zwar sei es „deutlich teurer, Gas zu verflüssigen, auf Tankern bei extrem niedrigen Temperaturen zu produzieren und in LNG-Terminals wieder gasförmig zu machen“.

Doch „Deutschland braucht sehr viel Erdgas – und zwar russisches Gas aus einer Pipeline und Gas aus anderen Quellen. Und ich sehe das nicht als Konkurrenz zwischen uns und Russland, sondern als Frage, ob der Markt nicht groß genug und die Nachfrage nicht so groß ist, dass da Platz für alle ist“, sagte Al Kaabi. Jeder Markt wolle und brauche Diversität.

Qatar Petroleum setzt massiv auf Expansion

QP hat sehr früh auf die damals noch als exotisch geltende Technologie der Gasverflüssigung gesetzt, als Katar Anfang der 1970er-Jahre das weltgrößte Erdgasfeld entdeckte unter dem Persischen Golf. Inzwischen ist der Konzern global im LNG-Markt investiert.

Al Kaabi kündigte an, dass sein Unternehmen massiv auf Expansion setze und binnen acht Jahren seine Öl- und Gasförderung von heute 4,8 Millionen Barrel täglich (mbpd) auf 6,5 mbpd steigern werde. Zum Vergleich: Der weltgrößte Ölkonzern – Saudi Aramco – fördert momentan allein Öl im Umfang von mehr als zehn Millionen Barrel täglich. Aber westliche Branchenriesen wie Exxon-Mobil produzieren Öl und Gas im Umfang von gut 3,9 mbpd, Shell von 3,7 mbpd.

„Wir haben die Optimierungsphase abgeschlossen und sind im Wachstumsmodus“, sagte Al Kaabi. Zum Jahresbeginn hatte QP seine LNG-Töchter Qatargas und RasGas – jeweils Joint Ventures mit Weltmarktführern aus dem Westen wie Exxon, Shell und Total – zu Qatargas fusioniert. Das bringe Synergieeffekte von „vier Billionen Rial, umgerechnet rund 900 Millionen Euro jährlich“, erhöhte Al Kaabi bisherige Prognosen im Handelsblatt-Interview deutlich.

Zudem verfolgt QP auf anderen Feldern eine klare Wachstumsstrategie: Laut Al Kaabi wolle sein Konzern in Kürze den größten Ethan-Cracker im Nahen Osten bauen und suche dabei Partner. Damit würde QP zu einem global führenden Petrochemie-Konzern aufsteigen. Zugleich solle „in wenigen Wochen“ die Privatisierung des bisher 49-prozentigen QP-Anteils am katarischen Aluminiumkonzern Qatalum bekanntgegeben werden.

Katars Emir habe entschieden, die bisher QP gehörenden Qatalum-Aktien (eines Joint Ventures mit der norwegischen Norsk Hydro) zu Vorzugskonditionen an Katars 300.000 Staatsbürger auszugeben, die dann entweder Dividenden aus der Aluminiumproduktion bekämen oder ihre Anteile über Dohas Börse an Ausländer verkaufen dürften.

Größter Wachstumsmarkt bleibt China

QP setzt verstärkt auf Technologie-Partnerschaften mit deutschen Firmen. Aber größter Wachstumsmarkt bleibt China. So werde aktuell über eine Steigerung der katarischen LNG-Lieferungen ins Reich der Mitte im Umfang von weiteren 23 Millionen Tonnen jährlich verhandelt, hieß es in Regierungskreisen in Doha.

Vor allem aber würde Katar von der Politik von US-Präsident Trump profitieren, ist Al Kaabi überzeugt: Wenn Peking als Antwort auf US-Strafzölle mit Strafzöllen auf amerikanisches Flüssiggas reagiere, „sind US-Flüssiggaslieferungen nach China nicht mehr konkurrenzfähig und die USA würden mehr als alle anderen geschädigt“.

Al Kaabi forderte, dass „Öl und Gas aus der Politik herausgehalten werden müssen und nicht Teil von Handelskriegen werden dürfen“. Gerade die USA sollten das wissen, sie würden mehr verlieren als alle anderen. „Auch wenn ich als LNG-Produzent natürlich gewinnen würde“, so Al Kaabi. Gleiches gelte für Trumps Politik gegenüber Iran: Wenn Teheran wegen der US-Sanktionen „als Öllieferant ausfallen müsste, würde der Ölpreis massiv steigen“, prognostizierte Al Kaabi.

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2 Kommentare zu "Qatar Petroleum: Der weltgrößte Flüssiggas-Exporteur aus Katar drängt auf ein Terminal in Deutschland"

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  • Was erwarte ich von der Politik?

    Jeder möchte selbst bestimmen können, was er wo einkauft:

    Bei Strom ist das möglich, dort kann man bei sehr vielen Anbietern einkaufen.

    So möchte ich flüssiges Gas aus Katar oder USA kaufen können, aber auch russisches Erdgas - da möchte ich FREIHEIT haben.
    Freiheit im amerikanischen Sinne, ich möchte mich für amerikanisches Fracking Gas entscheiden können oder eben auch nicht.

  • Es ist völlig natürlich, dass die Konzentration auf einige wenige Konzerne weiter geht. Was sich heute per Contract verbindet, ist morgen eins. Ebenso natürlich ist, dass sich Europa und natürlich auch die Deutschen heute und in Zukunft einen immer engeren Verbund mit Russland schließen. Die russische Politik, erfolgt nach russischen Bedürfnissen, das heißt Russland is again oder versucht es zumindest. Bei all dem Bla Bla in der deutschen Presse, wird verschwiegen, dass wir die EU und die Nato, die Russen belogen und betrogen haben nach Wiedervereinigung. Mir machen die Russen und die Nordstreams weniger Sorgen als unsere unfähigen "Führungskräfte" allerorten. Die Gemengenlage mit den Arabern ist in einer gesunden Gesellschaft kein Problem, in unserer Gesellschaft jedoch die durch und durch korrupt ist (damit sind nicht die Scheine unter dem Tisch gemeint) ist das ein gefährliches Phänomen. Business muss immer die Konsequenzen sehen und nicht nur das Geld. Sonst ist die Deutsche Bank nur die sichtbare Mitte in einem schon vor langer Zeit begonnen Prozess. Wie üblich wollte man am Anfang nicht hören, in der Mitte nicht sehen und muss doch am Ende schmecken. Bei den Mietwohnungen und den Mietpreisen schmecken wir schon. Den Markt mit Gesetzen regeln, wenn man selbst nicht oder kaum mehr dabei ist, ist völlig daneben. Natürlich könnte ich Empfehlungen aussprechen, aber wozu? Es lustiger die so super Wichtigen scheitern zusehen, weil sie nicht hören, nicht sehen und am Ende doch noch schmecken. Zum Abschluss. Ja es gibt zwei Fraktionen, mindestens, die gibt es immer. In der Regel ist es Arm und Reich und so wird es am Ende auch wieder sein. Ergebnis: Wieder mehr Konzentration und mehr persönliche Geschichten. Der Erfolg ist wie, die Entnazifizierung in Deutschland, er findet nie sein Anfang und wirkt deshalb immer noch nach und Alle leben als wäre alles gut. Ich bin schon gespannt auf den neuen Gruß. Viel Spass dabei.

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