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Energie

Quartalszahlen Ölriese BP rutscht tief in die roten Zahlen

Die schwache Nachfrage und der fallende Ölpreis haben BP im ersten Quartal zu schaffen gemacht. Der Ölkonzern verbucht einen Milliardenverlust.
28.04.2020 - 11:54 Uhr Kommentieren
Der britische Ölriese bekommt die Auswirkungen der weltweiten Coronakrise zu spüren.  Quelle: REUTERS
BP

Der britische Ölriese bekommt die Auswirkungen der weltweiten Coronakrise zu spüren. 

(Foto: REUTERS)

London, Düsseldorf Den britischen Energieriesen BP trifft es im ersten Quartal gleich doppelt schwer: Die weltweite Coronakrise hat die Nachfrage nach dem schwarzen Rohstoff überraschend einbrechen lassen und die ohnehin schon niedrigen Ölpreise weiter fallen lassen. Vergangene Woche stürzte der Preis für US-Öl dann zum ersten Mal in der Geschichte ins Minus.

Das seien wohl die brutalsten Zeiten gewesen, die man sich nur vorstellen kann, kommentierte Bernard Looney seine ersten Wochen an der Firmenspitze. Erst Anfang Februar übernahm der 50-Jährige den Chefposten von Bob Dudley. 

Jetzt rutscht der Ölriese in die roten Zahlen. BP verbucht in den ersten drei Monaten des Jahres einen Milliardenverlust. Unter dem Strich macht das Londoner Unternehmen ganze 4,37 Milliarden Dollar Minus. Der bereinigte Gewinn fällt in der Folge von 2,3 Milliarden Dollar im Vorjahr auf 791 Millionen Dollar, der operative Cashflow von fast sechs Milliarden Dollar auf nur noch etwas über eine Milliarde.

Für die Ölbranche waren die vergangenen Monate eine besonders harte Bewährungsprobe. Schon vor dem Ausbruch der weltweiten Pandemie standen die Rohstoffkonzerne unter Druck. Die Preise für Öl und Gas waren extrem niedrig, was maßgeblich daran liegt, dass die Unternehmen schon vor der Krise mehr Öl und Gas produzierten, als die Welt verbraucht hat. 

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    Zu viel Öl auf dem Markt drückt den Preis, der pro Barrel der Sorte Brent schon im vergangenen Jahr um fast 20 Prozent gefallen ist. Ähnlich sieht die Situation auf dem Gasmarkt aus. Besonders stark trifft es das viel gehypte Flüssigerdgas, kurz LNG (Liquefied Natural Gas). Hier fielen die Preise 2019 sogar um fast 40 Prozent.

    BP-Chef hält an Zielen fest

    Der Schlagabtausch zwischen den beiden Ölfördergiganten Saudi-Arabien und Nordamerika verschärfte die Situation zunehmend. Die Preise für Rohöl fielen weiter. Als dann aufgrund von Corona erst die Nachfrage in China einbrach und dann im Rest der Welt, traf das auch die Ölpreise massiv.

    „Unsere Branche wurde von Angebots- und Nachfrageschocks in einem noch nie dagewesenen Ausmaß getroffen“, kommentiert Bernard Looney am Dienstag.

    Trotzdem hält der BP-Chef an den Zielen für 2020 fest. Dafür sollen vor allem Kosten und Ausgaben des Unternehmens massiv gesenkt werden. Bereits Anfang April hatte BP angekündigt, die organischen Investitionsausgaben im laufenden Jahr auf insgesamt 12 Milliarden US-Dollar zu begrenzen. Das sind circa 25 Prozent weniger als ursprünglich geplant.  

    Er sei zuversichtlich, dass BP durch die Krise kommen werde, zeigt sich Looney überzeugt. „Es ist brutal, die Zukunft ist ungewiss, ich habe aber Vertrauen in die Stärke des Unternehmens.“ Nicht zuletzt habe man aus der Ölkatastrophe von Deepwater Horizon gelernt. Analysten sind da weniger euphorisch.

    Obwohl der Gewinn etwas über den durchschnittlichen Erwartungen lag, äußerten sich Experten zurückhaltend. Die Entscheidung, in einem Quartal mit einem schwächelnden Cashflow, dem Ansteigen der Nettoverschuldung und einem schlechten Ausblick auf das zweite Quartal eine vollständige Dividende zu zahlen, lasse sich schwerlich als „umsichtig“ bezeichnen, kommentiert Analyst Alastair Syme von Citi Research die Nachrichten. Denn trotz der schlechten Zahlen will BP die Quartalsdividende um 2,4 Prozent auf 10,5 Cent je Aktie erhöhen.

    Lagerkapazitäten gehen zur Neige

    Das Unternehmen vertrete die Meinung, dass diese Krise von kurzer Dauer ist und dass die Bilanz das aushalten könne. Wenn sich die Krise tatsächlich als kurzes Intermezzo herausstelle, könnte sich das Vorgehen auszahlen. „Aber hat wirklich schon jemand so viel Klarheit?“, gibt der Citi-Analyst zu bedenken. Die Dividendenentscheidung erhöhe die Risiken für die Zukunft. Er hat den Titel mit „Neutral“ bewertet.

    Analyst Adam Vettese von der Londoner Handelsplattform eToro sieht die Situation positiver: Es möge zwar einige Zeit dauern, bis die Branche aus dem Schlimmsten heraus ist, meint der Analyst, aber die Aktien von BP seien derzeit sehr günstig und böten „eine großzügige Dividendenrendite von zehn Prozent, was für Investoren auf der Suche nach einem Schnäppchen eine sehr verlockende Aussicht ist.“ Innerhalb von einem Monat ist der Preis für eine Aktie des Milliardenkonzerns um fast 30 Prozent gefallen. Bei den anderen Ölmultis sieht es nicht besser aus.

    Zwar hat sich der Ölpreis mittlerweile wieder etwas erholt, am Dienstag kostete ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent 19,42. Die US-Sorte WTI wird aktuell mit 10,43 Dollar je Barrel gehandelt. Im Vergleich zum Vorjahrjahreszeitraum sind die Preise damit aber trotzdem um über 80 Prozent gefallen. 

    Die Lage ist nach wie vor angespannt und könnte sich weiter verschärfen. Denn das viel zu hohe Angebot auf dem Markt zieht ein zweites Problem nach sich: die Lagerkapazitäten gehen zur Neige. Die Ölproduzenten müssen sich langsam aber sicher auf eine wesentlich niedrigere Ölnachfrage in der Welt einstellen.

    Mehr: Der Ölpreisverfall ist ein Warnsignal für die Weltwirtschaft.

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