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Energie

Räumungsaktion im Braunkohlerevier Nach Tod eines Journalisten setzt NRW die Räumung im Hambacher Forst vorerst aus

Bei einem Sturz von einer Hängebrücke ist ein Journalist im Hambacher Forst ums Leben gekommen. Der NRW-Innenminister ließ die Räumung abbrechen.
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Aktivisten knien der Polizei gegenüber, nachdem ein Journalist zu Tode gekommen ist. Quelle: dpa
Hambacher Forst

Aktivisten knien der Polizei gegenüber, nachdem ein Journalist zu Tode gekommen ist.

(Foto: dpa)

BuirUm kurz vor 16 Uhr ist es im Hambacher Forst schlagartig still. Wenige Minuten zuvor erreichte die Waldbewohner die Nachricht über Funk: Ein Mann war aus circa 20 Metern gestürzt. Dabei handelte es sich um einen jungen Journalisten, der die Räumungen in dem Waldstück bei Köln schon seit längerem dokumentierte. Wenige Minuten später finden sich zahlreiche Aktivisten am Unfallort ein und sitzen still im Schneidersitz auf dem Waldboden. Am frühen Abend kam dann die erschütternde Nachricht, dass er seine schweren Verletzungen nicht überlebt hat.

Wenig später kündigt die Nordrhein-westfälische Landesregierung an, die Räumungsarbeiten im Braunkohlerevier „bis auf Weiteres“ auszusetzen. „Wir können jetzt nicht einfach so weitermachen“, sagte NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) am Mittwochabend.

Der Mann habe seit längerem das Leben der Aktivisten in den Baumhäusern im besetzten Wald auf seinem Blog dokumentiert, sagte ein Polizeisprecher bei einer kurzfristig angesetzten Pressekonferenz am Rande des Waldes. Rettungs- und Polizeikräfte hätten nach dem Absturz vergeblich Erste Hilfe geleistet.

Der Polizeisprecher sagte, zur Zeit des Unglücks „fanden keine polizeilichen Maßnahmen in der Nähe der Unglücksstelle und am genannten Baumhaus statt“. Der Journalist habe gerade seine volle Speicherkarte austauschen wollen, dabei sei er abgestürzt. Alle Arbeiten zur Räumung im Hambacher Forst seien nach dem Unfall sofort eingestellt worden.

Schon seit sechs Tagen räumt die Polizei die mehr als 50 Baumhäuser, die sich quer über den Forst verteilen. Über 100 Aktivisten besetzen das Gebiet schon seit mehreren Jahren, um gegen die geplante Rodung des Energiekonzerns RWE zu demonstrieren.

Der Hambacher Forst liegt nur wenige Meter neben dem Tagebau Hambach, aus dem jährlich rund 40 Millionen Tonnen Braunkohle gerodet werden. Die Fällung der verbliebenen 200 Hektar, von dem einst 4000 Hektar großen Waldgebiet, ist aus Sicht des Unternehmens notwendig, um den Abbau wie geplant fortzusetzen.

Die Polizei ist seit einer Woche mit einem Großaufgebot vor Ort. Hundertschaften aus Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Bayern und Baden-Württemberg sind im Einsatz. Sie befürchten schon seit Wochen, das die linksautonome Szene für den Hambacher Forst mobil macht, bislang ist es bei aber überwiegend ruhig geblieben. Bisher wurden 39 der fast 60 Baumhäuser beseitigt.

Während von den ältesten Baumhaussiedlungen mit Namen wie Gallien, Oaktown und der Norden schon nichts mehr übrig ist, sind Dörfer wie die Kleingartensiedlung und Lorien noch ungestört. Immer noch sollen sich knapp hundert Aktivisten im Wald aufhalten. Auch wenn die Polizei versucht niemanden mehr reinzulassen, gelangen immer wieder einzelne Umweltschützer über die Felder in den Wald.

Neue Barrikaden und auch Baumhäuser werden immer noch gebaut. Von den Menschen aus der Umgebung bekommen die Aktivisten Essen und Wasser. Überall huschen die Aktivisten durch den Wald und schauen zu, wie die Polizei Stück für Stück vorrückt. Am Mittwoch hatte die Räumung von Beechtown erst vor wenigen Stunden begonnen, als sich der tödliche Unfall ereignete.

„Ich bin zutiefst erschüttert und fassungslos, dass dieser Mensch, der ein Freund von uns ist und das Leben im Wald dokumentiert hat, heute im Hambacher Forst sein Leben verloren hat“, sagte eine Aktivistin, unter Tränen auf einer kurzfristig einberufenen Pressekonferenz am Mittwochabend. Als Konsequenz wurde die Forderung erhoben, die Arbeiten im Wald einzustellen. „Es dürfen keine weiteren Menschenleben gefährdet werden“, schrieben die Aktivisten auf dem Kurznachrichtendienst Twitter. „Was jetzt nötig ist, ist ein Moment der Ruhe.“

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