Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke
Energie

Raubbau an einem wichtigen Rohstoff Sand wird zur Schmuggelware

Seite 4 von 9:
„Er kann Arabern Sand verkaufen“
Indonesiens Fischer sehen sich in ihrer Existenz bedroht. Quelle: dpa

Indonesiens Fischer sehen sich in ihrer Existenz bedroht.

(Foto: dpa)

Der Reichtum an Wüstensand ist für jegliche Bauvorhaben also völlig nutzlos. Meeressand haftet zwar zusammen, ist aber nicht unerschöpflich, wie die bittere Erfahrung aus Dubai zeigt. „Sand ist keine nachhaltige Ressource“, zieht Welland als Schluss.

Die Vorkommen Dubais sind erschöpft. Doch das Emirat hat eine Reserve Tausende Kilometer entfernt gefunden, die es ihm erlauben, die Bauwut fortzusetzen. Die Ironie: Das von Wüste umgebene Land importierte Sand aus Australien, um das nächste ehrgeizige Bauprojekt Burj Khalifa, das höchste Gebäude der Welt, zu errichten. „Auf Englisch gibt es das Sprichwort: Er kann Arabern Sand verkaufen. Das ist witzig gemeint. Doch in Dubai ist es Realität geworden“, sagt George Boden, Kampagnenleiter der Organisation Global Witness.

Die Sandkrise in Dubai ist bei weitem kein Einzelfall, sondern veranschaulicht einen weltweiten Trend. Ob als Baustoff oder wegen seiner Mineralien: Sand ist weltweit gefragt. Das weltweite Handelsvolumen beziffert sich auf 70 Milliarden Dollar pro Jahr. 3500 australische Unternehmen exportieren Sand auf die arabische Halbinsel. Die Gewinne haben sich verdreifacht. Australien verdient mit seinem Sand jährlich fünf Milliarden Dollar. Es ist ein gewaltiges Geschäft, immer mehr steigen ein.

Doch die Nebenwirkungen des Abbaus sind in einigen Exportländern bereits spürbar. „Bei der Sandgewinnung werden natürlich auch alle Tiere und Pflanzen, die am Meeresboden leben, angesaugt“, sagt Chou Loke Ming, Professor für Meeresbiologie von der Universität Singapur. „Dadurch werden all diese Lebewesen getötet.“ Außerdem sind sie Teil der Nahrungskette in der Wassersäule über ihnen. Viele Fische tauchen zum Meeresboden und leben von ihnen.“ Sand ist also ein wichtiges Element des marinen Ökosystems, von dem das Überleben vieler Arten abhängt.

Dafür gehen die Dokumentarfilmer auf Spurensuche vor Ort in Indonesien. Wie viele Archipele besteht Indonesien aus zahlreichen Inseln, die buchstäblich auf Sand gebaut sind. Der intensive Abbau dieser Ressource setzt eine Kettenreaktion in Gang, deren Auswirkungen nicht nur auf dem Meeresboden zu sehen sind.

Der exzessive Sandabbau bringt Tausende Familien in Bedrängnis. Denn 92 Prozent des indonesischen Fischbedarfs wird durch traditionelle Fischerei gedeckt. „Wir verlieren durch den Sandabbau unsere Korallenriffe, unsere Fische, die Fischer ihre Lebensgrundlage, ihre Familien haben kein Einkommen mehr. Wir verlieren alles“, klagt Riza Damanik, Direktor der lokalen Nicht-Regierungsorganisation People’s Coalition for Fisheries Justice.

Doch die Auswirkungen können noch viel weitreichender sein: Sie treffen nicht nur die Meeresflora und -fauna, sondern greifen sogar die Küstenlinien selbst an. „Eine Insel aus Sand entsteht aus dem natürlichen Zusammenwirken von Wind, Wellen und Wasserströmungen“, schildert Geologe Welland. „Wenn Sie den Sand entfernen, stören sie dieses natürliche Gleichgewicht und die Wellen und Strömungen beginnen, den restlichen Sand in Bewegung zu setzen.“

Durch den Sandabbau entsteht eine Delle am Meeresgrund. Diese Delle wird durch Strömungen, Wellen und Gravitation wieder aufgespült. Dabei wird Sand von den Küsten weggeschwemmt. Der Sandabbau verursacht an den nahegelegenen Küsten und Inseln weithin sichtbare Auswirkungen und hat katastrophale Folgen für Strände und Inseln. „Eine Insel kann ganz einfach verschwinden“, so Welland.

Handelsblatt Energie Briefing
Indonesischer Kahn-Kapitän mit Kippe im Mund
Seite 123456789Alles auf einer Seite anzeigen

Mehr zu: Raubbau an einem wichtigen Rohstoff - Sand wird zur Schmuggelware

15 Kommentare zu "Raubbau an einem wichtigen Rohstoff: Sand wird zur Schmuggelware"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • ... und was fuer eine schwachsinnige Ueberschrift ist das hier: Indonesischer Kahn-Kapitaen mit Kippe im Mund ? Was hat das mit dem Inhalt zu tun ? "Journalismus neu" ?

  • Ich fürchte, das Sommerloch naht ;–))

    Schönes WE

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich. http://www.handelsblatt.com/netiquette

  • Haben wir gerade 1. April? Sand kann man übrigens günstig aus Mauretanien et all nach Europa importieren...

  • Fortsetzung zu Shifty:

    1- Kies bedeutet Korngröße 2 bis 63 mm, ansonsten gelten dieselben Definitionen.

    2- Mangels Kies ist in weiten Gegenden (Küstennähe) die Betonherstellung mit Sand üblich, weil wirtschaftlicher. Nachteilig ist der höhere Zementverbrauch, da die zu umhüllende Kornoberfläche mit kleinerer Korngröße gewaltig zunimmt. Letzten Endes ist dies eine wirtschaftliche Überlegung, was billiger ist, mehr Zement zu verarbeiten oder Kies von weit herbei zu karren.

    3- Im Landesinnern (z.B. Süddeutschland) können sich die Verhältnisse umkehren. Statt Sand wird dann gebrochener Kies verwendet. Nachteil ist die schwierigere Verarbeitbarkeit. Solcher Beton erfordert mehr Verdichtungsarbeit, um die Hohlräume zu minimieren. Es ist also auch eine Frage der Wirtschaftlichkeit.

    4- Man könnte Abbruchmaterial verwenden. Das gibt es heute reichlich, weil fast überall etwas abgebrochen und auf Deponie gefahren wird, bevor gebaut wird. Problematisch ist, daß man eigentlich nie weiß, was da genau drin ist. mondahu erinnert sich noch gut an das Häuschen, das sein Onkel kurz nach dem Krieg mit aus gemahlenem Bauschutt gefertigten Hohlsteinen gebaut hat. Besseres gab es einfach damals nicht. Nach einigen Jahren mußten alle Wände ausgewechselt werden, da es zu schweren Ausblühungen kam, die die Struktur der Steine zerstörten.

    5- Mit dem Meer ist nicht zu spaßen. Jede Gleichgewichtsstörung rächt sich unmittelbar, langsam zwar aber unerbittlich. Und oft da, wo man es gar nicht vermutet.

    6- Am Ende laufen alle Überlegungen auf daselbe hinaus: Die Erde ist bereits übervölkert. Allein in der Lebensspanne von mondahu hat sich die Weltbevölkerung verdreifacht. Er hat schon längst Platzangst, hat seinen Wohnsitz an Land aufgegeben und lebt auf dem Meer.

  • Erst wenn der letzte Baum gerodet, der letzte Fluss vergiftet, der letzte Fisch gefangen ist, werdet ihr merken, dass man Geld nicht essen kann.

  • Jeder Rohstoffabbau sorgt für Zerstörung - schaut euch die Bilder der wunderbaren Apallachen an, die überwiegend wegen Kohle - auch für Deutschland - zu Wüsten gemacht werden. Kupfer findet sich nur noch in Lagerstätten mit Konzentrationen von Zehntelprozenten. Ohne massiven Einsatz von Energie - Erdöl - ebenfalls ein Rohstoff - wäre der Abbau nicht nur unrentabel, sondern unmöglich. Unsere Nachkommen werden wohl mit erheblich weniger Rohstoffen klarkommen müssen. Dauerhafter Wachstum? Lachhafter Ökonomenwahnsinn!

  • Kleiner Kommentar: Der Begriff "Sand" bezeichnet eigentlich nur eine Korngröße von mineralischen Partikeln, nämlich solche die einen Äquivalenzdurchmesser von < 2 mm und > 0,063 mm besitzen. Alternativ wird der Begriff auch für das aus solchen Partikeln aufgebaute Lockergestein verwendet. Es gibt alle möglichen Sande, z.B. Korallensand (aus zermahlenen Korallen), Muschelsand (aus zermahlenen Muscheln), Vulkansand, Sand aus feinkörnigem Gips ... Im Artikel geht es um eine bestimmte vorm von Sand, nämlich Quarzsand (aufgebaut aus Kristallen aus Siliziumdioxid). Indes glaube ich nicht, dass uns auf Dauer wirklich der Quarzsand ausgeht. Wie der Vorredner schon trefflich festgestellt hat ist die Erdkruste zu einem großen Teil aus Siliziumdioxid aufgebaut und durch Verwitterung und Abtragung gibt es ständig (wenn auch begrenzten) Nachschub. Es handelt sich also um einen nachwachsenden Rohstoff. Nur die bequem abbaubaren Vorkommen mit besonders reinem Quarzsand, der darüber hinaus die geforderten Eigenschaften für die Bauindustrie aufweist, werden sicherlich deutlich abnehmen und dafür sorgen, dass ähnlich wie beim Öl immer wahnwitzigere Förderungsmaßnahmen ergriffen werden. Und da hat die Doku dann schon recht.

  • Dank an Delestrac und ARTE dafür, dass sie sich dieses Themas angenommen haben. Der deutschen Bauwirtschaft z. B. war bereits in den sechziger Jahren bewusst, dass die Flusskiesvorkommen in absehbarer Zeit erschöpft sein würden. Es ist ein - großes!- Verdienst des Regisseurs auf den Zusammenhang zwischen der wirtschaftlichen Bedeutung von Sand und den damit vebundenen Umweltveränderungen, die zum Teil als Zerstörungen funktionaler Beziehungen in der Natur zu bewerten sind, hingewiesen zu haben. Um so bedauerlicher und erschreckender ist es, die ablehnenden, um nicht zu sagen ignoranten Stellungnahmen zur Kenntnis nehmen zu müssen. Hier wäre auch seitens der Geologen viel Aufklärungsarbeit zu leisten.

  • Würden Sie sich die Dokumentation einmal zu Gemüte führen, dann würden Sie bemerken, dass nicht nur die chemische Struktur des Sandes für die industrielle Verarbeitung von Bedeutung ist, sondern ebenso die physische. Während Sand aus dem Meer (kantige Strukturen) eine Eignung für die Betonherstellung mitbringt, ist Wüstensand (durch Windeinwirkungen rund geschliffen) komplett ungeeignet. Und jetzt versuchen Sie sich einmal vorzustellen, welche Massen an Beton und somit an "kantigem" Sand weltweit benötigt und verarbeitet werden. Nächstes mal erst informieren, dann klugscheißen. Das hat ihre Grundschulausbildung wohl versäumt Ihnen zu vermitteln. Gruß daheim

Alle Kommentare lesen
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%