Energie

Raubbau an einem wichtigen Rohstoff Sand wird zur Schmuggelware

Um wertvolle Rohstoffe wie Öl und Gas ist ein weltweiter Wettkampf entbrannt. Doch weitgehend unbemerkt von der Öffentlichkeit ringt die Industrie ebenso um Sand. Die Ressource avanciert zur begehrten Schmuggelware, Mafia-Strukturen ranken sich um den Abbau. Ein Filmemacher zeigt die gravierenden Folgen des Raubbaus.
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Sand ist heutzutage Bestandteil zahlreicher Alltagsprodukte, häufiger noch als Erdöl. Quelle: Arte Sendeanstalt/Copyright

Sand ist heutzutage Bestandteil zahlreicher Alltagsprodukte, häufiger noch als Erdöl.

(Foto: Arte Sendeanstalt/Copyright)

DüsseldorfStrand, Urlaub, Entspannung, und Sonne – das verbinden die meisten Menschen mit Sand. Das ist oft schon alles, was uns im Alltag an dem sonst unscheinbaren Material interessiert. Doch ist Sand tatsächlich so unscheinbar? Wo finden wir in unserem Umfeld noch Sand, außer am Strand? Welche Rolle spielt er in unserem Alltag? Und ist er unendlich verfügbar?

Diesen Fragen ist der französische Filmemacher Denis Delestrac nachgegangen. Er zeigt in einer Dokumentation, die im deutsch-französischen Kulturkanal Arte lief, welch wichtige Rolle Sand in unserem Alltag und für unsere Lebensweise spielt. So begehrt und knapp wird der Sand, dass er zur Schmuggelware avanciert. Delestrac zeigt, welche schwerwiegenden Folgen der zum Teil in Mafia-Manier betriebene Raubbau der Ressource für die Küsten hat. Der Titel der auf Deutsch mit „Sand – die neue Umweltzeitbombe“ angerissenen Reportage kommt im französischen Original übrigens wesentlich nüchterner daher: Frei übersetzt lautet er „Sand – Untersuchung eines Verschwindens“.

Schon im Vorspann gibt der Film geschickt einen düsteren Ausblick: Delestrac zeigt historische Amateur-Urlaubsfilme mit badenden Menschen am Strand, aufgenommen in den 1960er oder 1970er Jahren. Über die Bilder lesen Sprecher Meldungen von Stränden, die das Meer wegspülte. Die Botschaft: Die Strände, unsere Urlaubsparadiese, könnten schon bald von der Erosion hinweggerafft sein und nur noch als schöne Erinnerung übrig bleiben.

Der Grund für die dramatische Entwicklung ist die Bedeutung von Sand als Rohstoff. „Ich bezeichne Sand gern als den unbekannten Helden unserer Zeit“, sagt Michael Welland, Geologe, Autor eines Buches über Sand und Blogger, in der Dokumentation. „Denn er ist in unserem Alltag allgegenwärtig, ohne dass wir uns dessen immer bewusst wären.“

Sand ist in alle Ecken unseres Alltags eingedrungen. Geschmolzen und zu Glas verarbeitet steht er in jedem Supermarkt. Siliziumdioxid, aus dem ein Großteil der Sandvorkommen besteht, findet sich etwa in Wein, in Wasch- und Reinigungsmitteln, Zahnpasta oder Kosmetika.

Sand enthält zudem Minerale und Metalle wie Silizium, Thorium, Titan oder Uran. Vom Sand stammen wichtige Rohstoffe, die unter anderem in Mikrochips verwendet werden. „Ohne hochwertigen Sand könnten überhaupt keine Chips hergestellt werden“, sagt Kiran Pereira, Umweltexpertin vom King’s College in London. Aus Sand gewonnene Minerale sind die Speerspitze unserer Informationsgesellschaft. Ohne diese würden Computer, Geldautomaten oder Handys nicht funktionieren.

Und noch an anderen Stellen haben die Filmemacher Produkte gefunden, für deren Herstellung Sand essenziell ist. Wer von einem Ort zum anderen reist, denkt nicht daran, wie viel Sand in unseren Verkehrsmitteln steckt. So verbirgt er sich etwa in Flugzeugen unter anderem im Kunststoff, im Leichtmetallrumpf, in den Triebwerken, den Farben bis hin zu den Reifen. „Sand ist wie Luft zum Atmen: Wir denken nicht an sie, könnten ohne sie aber nicht leben“, sagt Pereira.

Doch unsere Abhängigkeit geht noch weiter. „Den größten Sandbedarf hat natürlich der Bausektor“, sagt Geologe Welland. Seit rund 150 Jahren wird Sand mit Zement zu Beton vermischt und zusammen mit Stahl verbaut. Dieser Stahlbeton prägt unsere gesamte Infrastruktur und das Gesicht unserer Städte. Cyrille Simonnet, Direktor des Architektur-Instituts der Universität Genf, fasst es so zusammen: „Was den Bausektor revolutionierte, war die Erfindung des Stahlbetons.“

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15 Kommentare zu "Raubbau an einem wichtigen Rohstoff: Sand wird zur Schmuggelware"

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  • ... und was fuer eine schwachsinnige Ueberschrift ist das hier: Indonesischer Kahn-Kapitaen mit Kippe im Mund ? Was hat das mit dem Inhalt zu tun ? "Journalismus neu" ?

  • Ich fürchte, das Sommerloch naht ;–))

    Schönes WE

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich. http://www.handelsblatt.com/netiquette

  • Haben wir gerade 1. April? Sand kann man übrigens günstig aus Mauretanien et all nach Europa importieren...

  • Fortsetzung zu Shifty:

    1- Kies bedeutet Korngröße 2 bis 63 mm, ansonsten gelten dieselben Definitionen.

    2- Mangels Kies ist in weiten Gegenden (Küstennähe) die Betonherstellung mit Sand üblich, weil wirtschaftlicher. Nachteilig ist der höhere Zementverbrauch, da die zu umhüllende Kornoberfläche mit kleinerer Korngröße gewaltig zunimmt. Letzten Endes ist dies eine wirtschaftliche Überlegung, was billiger ist, mehr Zement zu verarbeiten oder Kies von weit herbei zu karren.

    3- Im Landesinnern (z.B. Süddeutschland) können sich die Verhältnisse umkehren. Statt Sand wird dann gebrochener Kies verwendet. Nachteil ist die schwierigere Verarbeitbarkeit. Solcher Beton erfordert mehr Verdichtungsarbeit, um die Hohlräume zu minimieren. Es ist also auch eine Frage der Wirtschaftlichkeit.

    4- Man könnte Abbruchmaterial verwenden. Das gibt es heute reichlich, weil fast überall etwas abgebrochen und auf Deponie gefahren wird, bevor gebaut wird. Problematisch ist, daß man eigentlich nie weiß, was da genau drin ist. mondahu erinnert sich noch gut an das Häuschen, das sein Onkel kurz nach dem Krieg mit aus gemahlenem Bauschutt gefertigten Hohlsteinen gebaut hat. Besseres gab es einfach damals nicht. Nach einigen Jahren mußten alle Wände ausgewechselt werden, da es zu schweren Ausblühungen kam, die die Struktur der Steine zerstörten.

    5- Mit dem Meer ist nicht zu spaßen. Jede Gleichgewichtsstörung rächt sich unmittelbar, langsam zwar aber unerbittlich. Und oft da, wo man es gar nicht vermutet.

    6- Am Ende laufen alle Überlegungen auf daselbe hinaus: Die Erde ist bereits übervölkert. Allein in der Lebensspanne von mondahu hat sich die Weltbevölkerung verdreifacht. Er hat schon längst Platzangst, hat seinen Wohnsitz an Land aufgegeben und lebt auf dem Meer.

  • Erst wenn der letzte Baum gerodet, der letzte Fluss vergiftet, der letzte Fisch gefangen ist, werdet ihr merken, dass man Geld nicht essen kann.

  • Jeder Rohstoffabbau sorgt für Zerstörung - schaut euch die Bilder der wunderbaren Apallachen an, die überwiegend wegen Kohle - auch für Deutschland - zu Wüsten gemacht werden. Kupfer findet sich nur noch in Lagerstätten mit Konzentrationen von Zehntelprozenten. Ohne massiven Einsatz von Energie - Erdöl - ebenfalls ein Rohstoff - wäre der Abbau nicht nur unrentabel, sondern unmöglich. Unsere Nachkommen werden wohl mit erheblich weniger Rohstoffen klarkommen müssen. Dauerhafter Wachstum? Lachhafter Ökonomenwahnsinn!

  • Kleiner Kommentar: Der Begriff "Sand" bezeichnet eigentlich nur eine Korngröße von mineralischen Partikeln, nämlich solche die einen Äquivalenzdurchmesser von < 2 mm und > 0,063 mm besitzen. Alternativ wird der Begriff auch für das aus solchen Partikeln aufgebaute Lockergestein verwendet. Es gibt alle möglichen Sande, z.B. Korallensand (aus zermahlenen Korallen), Muschelsand (aus zermahlenen Muscheln), Vulkansand, Sand aus feinkörnigem Gips ... Im Artikel geht es um eine bestimmte vorm von Sand, nämlich Quarzsand (aufgebaut aus Kristallen aus Siliziumdioxid). Indes glaube ich nicht, dass uns auf Dauer wirklich der Quarzsand ausgeht. Wie der Vorredner schon trefflich festgestellt hat ist die Erdkruste zu einem großen Teil aus Siliziumdioxid aufgebaut und durch Verwitterung und Abtragung gibt es ständig (wenn auch begrenzten) Nachschub. Es handelt sich also um einen nachwachsenden Rohstoff. Nur die bequem abbaubaren Vorkommen mit besonders reinem Quarzsand, der darüber hinaus die geforderten Eigenschaften für die Bauindustrie aufweist, werden sicherlich deutlich abnehmen und dafür sorgen, dass ähnlich wie beim Öl immer wahnwitzigere Förderungsmaßnahmen ergriffen werden. Und da hat die Doku dann schon recht.

  • Dank an Delestrac und ARTE dafür, dass sie sich dieses Themas angenommen haben. Der deutschen Bauwirtschaft z. B. war bereits in den sechziger Jahren bewusst, dass die Flusskiesvorkommen in absehbarer Zeit erschöpft sein würden. Es ist ein - großes!- Verdienst des Regisseurs auf den Zusammenhang zwischen der wirtschaftlichen Bedeutung von Sand und den damit vebundenen Umweltveränderungen, die zum Teil als Zerstörungen funktionaler Beziehungen in der Natur zu bewerten sind, hingewiesen zu haben. Um so bedauerlicher und erschreckender ist es, die ablehnenden, um nicht zu sagen ignoranten Stellungnahmen zur Kenntnis nehmen zu müssen. Hier wäre auch seitens der Geologen viel Aufklärungsarbeit zu leisten.

  • Würden Sie sich die Dokumentation einmal zu Gemüte führen, dann würden Sie bemerken, dass nicht nur die chemische Struktur des Sandes für die industrielle Verarbeitung von Bedeutung ist, sondern ebenso die physische. Während Sand aus dem Meer (kantige Strukturen) eine Eignung für die Betonherstellung mitbringt, ist Wüstensand (durch Windeinwirkungen rund geschliffen) komplett ungeeignet. Und jetzt versuchen Sie sich einmal vorzustellen, welche Massen an Beton und somit an "kantigem" Sand weltweit benötigt und verarbeitet werden. Nächstes mal erst informieren, dann klugscheißen. Das hat ihre Grundschulausbildung wohl versäumt Ihnen zu vermitteln. Gruß daheim

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