Energie

Rekordkosten für Noteingriffe Stromnetz unter Druck

Im Norden Windstrom im Überfluss, im Süden Mangel: Die regionale Unwucht der Energiewende setzt das deutsche Stromnetz unter Druck. Der Netzbetreiber Tennet berichtet von Rekordkosten für Noteingriffe.
6 Kommentare

„Harte Wirklichkeit“ – So teuer wird es für die Verbraucher

„Harte Wirklichkeit“ – So teuer wird es für die Verbraucher

Bayreuth/BonnDer Ausbau der erneuerbaren Energie setzt das deutsche Stromnetz immer stärker unter Druck. Der große Stromnetzbetreiber Tennet, dessen Netzgebiet in der Mitte Deutschlands von Schleswig-Holstein bis zum Süden Bayerns reicht, musste deshalb 2017 fast eine Milliarde Euro für Noteingriffe ins Netz zahlen. Das teilte Tennet am Montag auf der Grundlage vorläufiger Zahlen mit.

Die Eingriffskosten lagen 2015 noch deutlich niedriger bei 710 Millionen Euro, im windschwachen Jahr 2016 sogar nur bei 660 Millionen Euro. Die Kosten werden über die sogenannten Netzentgelte auf den Strompreis umgelegt und landen am Ende beim Verbraucher.

Das sind die größten Kraftwerke der Welt
Wasserkraft: Drei-Schluchten-Staudamm (China)
1 von 12

Der Jangtse liefert das Wasser für dieses gigantische Kraftwerk. 32 Turbinen sorgen für eine Nennleistung von 22.500 Megawatt. Damit ist der Drei-Schluchten-Damm nicht nur das größte Wasserkraft, sondern das größte Kraftwerk überhaupt weltweit.

Groß wie die Leistung war auch die Kritik an dem Bauwerk, das eine einzigartige Landschaft zerstörte und die Umsiedlung vieler Menschen nötig machte. Andererseits dient der Damm auch dem Hochwasserschutz in der oft von den Fluten heimgesuchten Region: Allein im 20. Jahrhundert kamen drei Millionen Menschen bei Überschwemmungen des Jangtse ums Leben.

Kernkraft: Kashiwazaki-Kariwa (Japan)
2 von 12

Trotz der Reaktorkatastrophe von Fukushima setzt Japan nach wie vor auf die Kernkraft. Das größte Kernkraftwerk ist Kashiwazaki-Kariwa in der japanischen Präfektur Niigata. 8.200 Megawatt liefern seine insgesamt sieben Reaktoren, damit ist die Anlage das leistungsstärkste Kernkraftwerk der Welt.

Seit 1985 in Betrieb, musste das Kraftwerk im Lauf der Jahre wiederholt abgeschaltet werden, unter anderem wegen Beschädigungen durch Erdbeben. So war die Anlage nach einem Beben am 16. Juli 2007 für insgesamt 21 Monate außer Betrieb. Ins Gerede kam der Reaktor auch 2002, nachdem der Betreiber Untersuchungsberichte gefälscht und Störfälle zu vertuschen versucht hatte.

Windkraft: Windpark Gansu (China)
3 von 12

Am Rand der Wüste Gobi entsteht der weltweit größte Windpark an Land. 2010 gingen hier die ersten Windräder ans Netz, bis 2020 sind Windanlagen mit einer Gesamtleistung von 20.000 Megawatt geplant. Würden diese Windräder 4000 Stunden im Jahr unter Volllast laufen, ließe sich die Nennleistung von etwa 15 Kernkraftwerken erreichen.

Offshore-Windpark: London Array (GB)
4 von 12

2013 eröffnete der damalige Premierminister David Cameron den Windpark in der Themsemündung. Mit 175 Windräder und 630 Megawatt Gesamtleistung ist die Anlage die größte ihrer Art weltweit. Eine zweite Ausbaustufe, die zusätzlich 240 Megawatt bringen sollte, wurde 2014 gestoppt - unter anderem wegen möglicher Auswirkungen auf die Seevögel-Population in dem Gebiet.

Thermisches Solarkraftwerk: Ivanpah (USA)
5 von 12

In der kalifornischen Mojave-Wüste steht das weltgrößte solarthermische Kraftwerk: Mehr als 300.000 Spiegel fokussieren die Sonnenstrahlung auf drei Solartürme. Dort heizt sich Wasser auf, der Wasserdampf wird dann über Turbinen zur Energiegewinnung genutzt. Die Nennleistung der Anlage liegt bei 392 Megawatt.

Photovoltaik-Solarkraftwerk: Longyangxia Dam Solar Park (China)
6 von 12

Strom aus Sonne gewinnt auch das weltgrößte Photovoltaik-Kraftwerk. Die Anlage im Gebiet der Longyangxia-Talsperre in der chinesischen Provinz Qinghai erstreckt sich über mehr als 20 Quadratkilometer und bringt es auf eine Nennleistung von 850 Megawatt.

Öl: Shoaiba-Kraftwerk (Saudi-Arabien)
7 von 12

Wo sonst als im Ölstaat Saudi-Arabien sollte das weltgrößte Ölkraftwerk stehen? Auf eine Leistung von 5600 Megawatt bringt es die Anlage an der Küste des Roten Meeres. Das zum Betrieb des Kraftwerks nötige Süßwasser liefern angegliederte Meerwasser-Entsalzungsanlagen, die ihrerseits vom Kraftwerk mit Energie versorgt werden.

Noteingriffe werden nötig, wenn Stromleitungen fehlen, um vor allem Windstrom von Norden nach Süden zu bringen. Im stürmischen Herbst und Winter müssen im Norden dann immer wieder Gas- und Kohlekraftwerke heruntergefahren oder Windparks gegen Kostenerstattung abgeschaltet werden, weil sonst mehr Strom produziert würde als die Netze aufnehmen können. Damit im Süden dennoch nicht die Lichter ausgehen, müssen dort zugleich konventionelle Reservekraftwerke hochgefahren werden.

„Das Netz ist wegen des starken Zubaus der Erneuerbaren weiter extrem belastet. Wir brauchen zwingend ein Energiewende-Netz, also die vom Gesetzgeber bereits beschlossenen Netzausbauprojekte“, forderte Tennet-Geschäftsführungsmitglied Lex Hartmann. „Bis dahin sind Netzengpässe, hohe Kosten für die Verbraucher und eine zunehmend instabile Versorgung die harte Wirklichkeit.“ Tennet hat wegen der großen Ausdehnung seines Netzgebietes auch den größten Anteil an den deutschen Netzeingriffskosten.

Auch der Präsident der Bundesnetzagentur, Jochen Homann, sieht Milliardenkosten auf die Verbraucher zukommen: „Die Stabilisierung der Netze ist komplexer geworden und kostet uns alle viel Geld. Diese Kosten sinken erst durch die großen Stromleitungen“, sagte Homann. Allerdings hält der Behördenchef die Versorgung auch in der Zwischenzeit bis zum Start der neuen Leitungen für sicher: „Eine Warnung vor Stromausfällen bis dahin wäre übertrieben.“

Tennet baut selbst zusammen mit dem Netzbetreiber TransnetBW die „Schlagader der Energiewende“, die Stromverbindung Südlink für den Transport von Windstrom von der Nordsee nach Bayern und Baden-Württemberg. Nach jetzigem Planungsstand soll sie 2025 fertig werden, falls Klagen den Bau nicht aufhalten. Homann unterstrich diesen Zeitplan: „Es bleibt unser Ziel, dass die neuen Nord-Süd-Verbindungen 2025 in Betrieb gehen können.“

Handelsblatt Energie Briefing
  • dpa
Startseite

Mehr zu: Rekordkosten für Noteingriffe - Stromnetz unter Druck

6 Kommentare zu "Rekordkosten für Noteingriffe: Stromnetz unter Druck"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Der Artikel ist ein Alarmruf der Netzbetreiber der versucht den Irrsinn des Umbaus der Stromversorgung auf eine an ökoreligiösen Visionen orientierten Systems zu verdecken.

    Sachlich gesehen erfolgt die Einspeisung des umweltschädlichen Stroms aus Wind- und Sonne entsprechend den Launen des Wetters, der Tages- und Jahreszeit. Mit zusätzlichen Höchstspannungsleitungskapazitäten lassen sich regionale Stromüberschüsse besser national verteilen. Die Grundherausforderung bleibt bestehen.

    Die Grundherausforderung ist, dass ein bedarfsorientiertes Stromnetz nicht stabil mit Zufallsstrom betrieben werden kann. Stromerzeugung und Nachfrage müssen in jedem Augenblick gleich sein. Die Netzstabilität wird durch die verbleibenden modernen Grosskraftwerke sichergestellt.

    Die Solarenergie fällt zur Hälfte in ca. 500 Stunden im Jahr (8760 Stunden) an, die Windenergie zu 50% in ca. 1000 Stunden/Jahr. Ein weiterer Ausbau der umweltschädlichen Windmühlen und Solaranlagen erhöht die Überschüsse die nicht sinnvoll genutzt werden können. Die verbliebenen modernen Grosskraftwerke werden mit sehr schnellen Lastwechseln überfordert. Der Wirkungsgrad sinkt, die Kraftwerke leiden unter Materialermüdung.

    Insgesamt wird die Stromversorgung umso teurer und instabiler je näher das an ökoreligiösen Visionen orientierte Ziel kommt.

  • Historie: Auf Druck der Anwohner sollten Erdkabel verlegt werden. Der Bayerische Ministerpräsident hatte sich dafür eingesetzt. Deren Verlegung dauert länger als der Bau neuer Stromtrassen und kostet auch mehr, man schätzt, dass die Erdkabel alle 20-40 Jahre ausgetauscht werden müssen. (50Hertz Transmission GmbH). Hätte man nur auf Stromtrassen gesetzt hätten Anwohner dagegen geklagt, es hätte Jahrelange Verzögerungen gegeben. Die Entscheidung zum Atomausstieg war eine Panikreaktion als Antwort auf die Havarie im Kernkraftwerk Fukushima in Japan 2011. An die Folgekosten konnte man damals noch nicht denken.

  • So wir zahlen für den Ökostrom der Dachanlagen
    Wir zahlen für Strom der nicht eingespeist werden kann
    weil die Unternehmen nicht rechtzeitig die Netze erweitert haben
    Wir zahlen also für das Pennen der Industrie und der Politik.
    Das ist Risiko freies verdienen.
    Wir verschenken sogar den Strom ans Ausland den wir nicht verbrauchen können.

    Wir alle wissen, das der Wechsel des Erdmagnetfelds mit seinen Kurzeitigen folgen kommen wird
    Wir wissen das der Klimawandel kommt.
    Warum bauen wir die Netze nicht gleich dafür um.
    Unterirdische Leitungen. Teuer aber zukunftssicherer als die Freileitungen
    Wo ist die Planung von Inseln die miteinander verbunden sind?
    Das ganze ist doch wieder nur für die nächsten 5 Min gedacht, Möglichst billig, möglichst viel Gewinn für die Betreiber. Aber was sagen die Industrie Stromkunden? auch hier schweigen, keine Absicherung für den Kriesenfall

  • Der Zeitpunkt naht, an dem die letzten Atomkraftwerke in Bayern abgeschaltet werden sollen und die Stromversorgung dann ganz auf die Stromlieferungen aus dem Norden angewiesen sein wird.

    Hat man denn völlig vergessen, wie störanfällig Hochspannungsleitungen sein können, wenn sie nicht im guten Verhältnis mit den betroffenen Gemeinden und Landkreisen errichtet werden. Gar nicht zu sprechen von möglichen Aktivitäten engagierter "Terroristen"!

    „Zeitzeugen“ können sich bestimmt noch an die späten 50 er und frühen 60er Jahre des vorigen Jahrhunderts erinnern, in denen in Südtirol häufig Strommasten von Überlandleitungen gesprengt wurden , was zu erheblichen Schwierigkeiten mit der Stromversorgung in Norditalien und letztendlich dann zu einem besseren Autonomiestatus der Südtiroler geführt hat.
    Der Zuverlässigkeit der Stromlieferungen aus dem Norden muss also große Aufmerksamkeit geschenkt werden. Dazu müssen aber wenigstens zwei oder mehrere Versorgungsstränge vorhanden sein, um gegebenenfalls durch weitere Querverbindungen trotz eventuell gestörter Trassen die Versorgung zu gewährleisten. Wo werden solche Aspekte in der Auslegung der bis 2025 fertigzustellenden Versorgungsleitungen berücksichtigt ??
    Kann man so für die Zukunft der Energieversorgung eines ganzen Landes planen, ohne die technischen Erfahrungen früherer Jahre einzubeziehen ? Da wären dann teure Noteingriffe kaum mehr möglich und landesweite Stromausfälle nicht mehr abwendbar.
    "Notstandsgebiet Bayern" !!

  • http://www.wiwo.de/unternehmen/energie/strompreis-das-schwarze-geheimnis-der-energiewende/20516048.html

    Amen.

    Ein Vorteil hat dieses Oligarchensystem...es wird früher Nacht.

    Gute Nacht :D.

  • Ein weiterer, typischer Merkel Murks.

    Die Verfehlungen dieser Frau sind beispielhaft. Und noch immer ist diese Inkompetenz in Person an der Macht. Unfassbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%