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Energie

Rohstoffkonzern Glencore legt größte Kobaltmine im Kongo still

Der Schweizer Konzern stemmt sich gegen den Preisverfall des Elektroauto-Metalls. Auch sonst hat der einstige Gewinn-Garant zu kämpfen.
Update: 07.08.2019 - 15:49 Uhr Kommentieren
Der Rohstoffriese kämpft mit Problemen im Kobalt-Geschäft. Quelle: Reuters
Glencore-Zentrale im Schweizer Baar

Der Rohstoffriese kämpft mit Problemen im Kobalt-Geschäft.

(Foto: Reuters)

Frankfurt Der Schweizer Rohstoffriese Glencore lässt die Produktion in seiner Kobaltmine Mutanda im Kongo für zwei Jahre ruhen. Das kündigte Glencore-Chef Ivan Glasenberg am Mittwoch in einer Telefonkonferenz an und bestätigte einen entsprechenden Bericht der „Financial Times“. Die Mine werde in dieser Zeit gewartet, ergänzte eine Unternehmenssprecherin.

Die Produktion von Kobalt in der nahegelegenen Katanga-Mine laufe jedoch weiter. Die Mutanda-Mine ist die größte Kobaltmine von Glencore im Kongo. 2018 wurden in Mutanda nach Unternehmensangaben rund 27.000 Tonnen gefördert, in Katanga 11.000 Tonnen.

Glencore reagiert damit auf den drastischen Verfall der Kobalt-Preise. Das Metall, das vor allem für Batterien von Elektroautos verwendet wird, hat innerhalb eines Jahres mehr als drei Viertel seines Wertes eingebüßt. Dem Datenanbieter Benchmark Minerals zufolge kostete eine Tonne Kobalt im Mai 2018 noch über 100.000 Euro. Derzeit sind es rund 25.000 Euro.

Dabei hatte Glencore große Hoffnungen in das Batterie-Metall gesetzt. Die Schweizer betreiben als einer der wenigen Anbieter auf dem Weltmarkt einen industriellen Kobaltabbau, bei dem nach Unternehmensangaben Kinderarbeit und schlechte Arbeitsbedingungen verhindert werden sollen.

Dafür hat Glencore in die kongolesischen Minen einen dreistelligen Millionenbetrag investiert. Doch die Kobalt-Wette hat sich für Glencore zuletzt nicht ausgezahlt. Ende Juni kam es in der nahegelegenen Kamoto-Mine, in der neben Kupfer auch Kobalt gefördert wird, zu einem Teil-Einsturz. Arbeiter, die nicht zu Glencore gehören, hatten auf dem Gelände illegal Metall geschürft und eine Galerie in der Mine zum Einsturz gebracht. Bei dem Unfall kamen 30 Arbeiter ums Leben.

Die brachliegenden Kobalt-Preise haben Glencore zusätzlich belastet: Seit ihrem Jahreshoch im April ist der Aktienkurs um über 30 Prozent eingebrochen. Allein am Mittwoch verloren die Titel zwischenzeitlich 4,7 Prozent. „Die Nachfrage ist nicht schlecht“, sagte CEO Glasenberg zum Kobalt-Geschäft. Aber das Marktumfeld sei schwierig, insbesondere wegen des sich verschärfenden Handelskonfliktes.

Glencore mit Gewinneinbruch

Neben den Problemen im Kobalt-Geschäft hat Glencore zudem mit Korruptionsvorwürfen und schwachen Preisen für Industriemetalle wie Kupfer und Zink zu kämpfen. Die Halbjahreszahlen fielen daher schlecht aus: Der bereinigte Vorsteuergewinn (Ebit) fiel im ersten Halbjahr 2019 von acht auf fünf Milliarden Dollar. Der Konzerngewinn brach sogar von 2,7 Milliarden Dollar im ersten Halbjahr 2018 auf 226 Millionen Dollar ein. Das Ergebnis pro Aktie ging von 0,19 Dollar auf 0,02 Dollar zurück.

Mit dem Produktionsstopp versucht Glasenberg, zumindest den Preisverfall von Kobalt zu stoppen. Das Unternehmen produziert etwa 20 Prozent des weltweiten Angebots. Auch wenn Glasenberg gegenüber Analysten in Anspielung auf das Ölkartell versicherte, er wolle nicht Opec spielen: Es ist nicht das erste Mal, dass der Rohstoffkonzern solch drastische Schritte verhängt, um die Preise zu stabilisieren. 2015 kürzte Glencore seine Zinkproduktion, weil die Preise für das Industriemetall deutlich nachgegeben haben. In der Folge stiegen die Preise um 60 Prozent.

Colin Hamilton, Analyst bei BMO Capital Markets, erwartet daher, dass Glasenbergs Kobalt-Strategie Erfolg haben dürfte: „Die Aussetzung der Produktion in Mutanda dürfte einen Boden für den Kobaltpreis bilden“, sagte er gegenüber Bloomberg. „Damit verschwindet der Überschuss auf dem Markt in den kommenden Jahren.“

Mit Material von Bloomberg

Mehr: In einer Glencore-Kupfermine in Kongo kam es zu einem schweren Unfall. Dem Konzern zufolge sollen die Opfer dort illegalen Bergbau betrieben haben.

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