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Energie

Russischer Gaskonzern Gazprom feuert seinen Vizechef Alexander Medwedjew

Alexander Medwedjew galt als das Gesicht von Gazprom im Ausland. Jetzt muss der Vizechef gehen. Der russische Energiekonzern steht unter Druck.
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Der Gazprom-Vize verliert seinen Job. Das liegt vor allem an den zunehmenden Problemen, mit denen sich der Konzern konfrontiert sieht. Quelle: Heiko Meyer/Laif für Handelsblatt
Alexander Medwedjew

Der Gazprom-Vize verliert seinen Job. Das liegt vor allem an den zunehmenden Problemen, mit denen sich der Konzern konfrontiert sieht.

(Foto: Heiko Meyer/Laif für Handelsblatt)

BerlinMüde, deutlich gealtert und ohne den sonst üblichen Wortwitz – wer Alexander Medwedjew kürzlich auf der Gazprom-Konferenz im Berliner Hotel Adlon erlebte, der ahnte seinen Gemütszustand: nicht gut. „Nun geht er in Rente“, teilte sein bisheriger Arbeitgeber, Gazprom, am Dienstag lapidar auf Nachfrage mit. Am Vortag, als die Abberufung des Vizevorstandschefs bekannt wurde, gab es nicht mal eine Zeile des Danks für den 63-Jährigen, der 16 Jahre lang das Gesicht des Konzerns im Ausland war.

Offenbar ist Medwedjew in Ungnade gefallen. Er teilt damit das Schicksal von Waleri Golubew, der bisher für Gazproms Inlandsgeschäft verantwortlich war. Auch der muss nun gehen. Der 66-jährige Golubew erhielt immerhin noch per Pressemitteilung einen Dank von Gazprom-Chef Alexej Miller übermittelt. Hinter den Kulissen des weltgrößten Gasförderers ist es ein offenes Geheimnis, dass Medwedjew und Golubew die „letzten verbliebenen Miller-Gegner im Vorstand“ waren.

Der Umbau passt ins Bild. Miller steht vor großen Herausforderungen: Gegen Gazproms im Bau befindliche Ostseepipeline Nord Stream 2 zieht die US-Regierung und Präsident Donald Trump mit Sanktionsdrohungen massiv zu Felde. Und gegen den Ausbau der Schwarzmeer-Röhre Turkish Stream über Bulgarien nach Zentraleuropa weitet Washington gerade seinen Widerstand deutlich aus.

Mit der nach China gebauten Pipeline Sila Sibirii (Stärke Sibiriens) wiederum hat der Konzern zwar den asiatischen Markt erschlossen, doch die hohen Kosten drücken noch immer die Profitabilität. Hinzu kommt, dass der deutlich kleinere Gas-Rivale Novatek, der Gazprom bei der Marktkapitalisierung schon einmal überflügelt hatte, inzwischen das Erdgas-Exportmonopol des großen Konkurrenten gebrochen hat.

Auch Novatek darf inzwischen Flüssigerdgas (LNG) exportieren, vor allem nach China. Und der wie Gazprom mehrheitlich staatlich kontrollierte Ölgigant Rosneft schickt sich ebenfalls an, im Kreml seinen Wunsch nach Gasexporten durchzusetzen, berichten Moskauer Branchenexperten. Gazprom stehe mächtig unter Druck.

Dazu trägt zudem ein Korruptionsfall bei, der ganz Russland aufwühlt. Wegen Unterschlagung von Gaslieferungen im Wert von geschätzt 31 Milliarden Rubeln (umgerechnet 415 Millionen Euro) und als mutmaßlicher Auftraggeber zweier Morde wurde kürzlich der frühere Gazprom-Mitarbeiter und heutige russische Senator Rauf Araschukow mitten in einer Sitzung des Oberhauses verhaftet – für die Konzernspitze mehr als ein peinlicher Zwischenfall.

Die Abberufungen von Medwedjew und Golubew seien „die einschneidendsten Veränderungen an der Gazprom-Spitze seit 2001“, meint Alexej Belogorjew vom Institut für Energie und Finanzen in Moskau. Damals war Miller von Staatspräsident Wladimir Putin an die Gazprom-Spitze befördert worden. Beide kannten sich gut. Miller hatte Putin schon zugearbeitet, als dieser noch Vizebürgermeister von Sankt Petersburg war.

Doch auch die beiden geschassten Topmanager sind langjährige Putin-Vertraute: Golubew arbeitete wie Putin für den Geheimdienst KGB, auch er zählte zu den fleißigen Helfern des späteren Staatschefs, als dieser noch in Sankt Petersburg agierte.

Medwedjew war in den Wendejahren 1989 bis 1991 Direktor der Donau-Bank AG in Wien und vor seiner Berufung in den Gazprom-Vorstand von 1998 bis 2002 Direktor der ebenfalls dem KGB-Auslandsnetz zugerechneten IMAG Investment Management and Advisory Group in Wien. Bis heute ist Sport die große Leidenschaft von Medwedjew.

Nicht nur, dass er die WTA- und ATP-Tennisturniere in Sankt Petersburg leitet und Chef der russischen Eishockey-Liga ist: Er spielt auch regelmäßig mit dem Staatschef Eishockey. Nachtliga nennt sich die Runde, in der Putin mit Vertrauten dem Puck nachjagt. Beruflich will sich Medwedjew nun auf den Vorstandsvorsitz beim Sankt Petersburger Fußballklub Zenit konzentrieren. Diesen Posten hatte er erst Freitag übernommen.

Mehr: Korruption bei Gazprom ist immer wieder Thema. Wer als westlicher Geschäftspartner mit dem Konzern zusammenarbeitet, sollte gewarnt sein, kommentiert Handelsblatt-Korrespondent Matthias Brüggmann.

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