Energie

RWE-Chef Terium „Lange halten wir das nicht mehr durch“

Unrentable Kraftwerke und enorme Schulden – der Energieversorger RWE macht die schwerste Zeit seiner Geschichte durch. Ein Ausweg aus der Misere ist nicht in Sicht. Konzernchef Peter Terium ruft nach dem Staat.
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Trend verschlafen? RWE schultert Milliardenverlust

EssenEs ist einer seiner schwersten Auftritte, den RWE-Chef Peter Terium an diesem sonnigen Dienstag in Essen absolvieren muss. Erhobenen Hauptes läuft er in grauem Anzug durch die Hallen der Philharmonie, zwischendurch muss er Hände schütteln, bevor er schließlich in den Saal geht. Dort muss er sich das erste Mal wegen des Nettoverlusts von 2,8 Milliarden Euro der Öffentlichkeit stellen.

Seit dem Zweiten Weltkrieg war der Energieversorger RWE stets ein Goldesel, doch die Zeiten sind vorbei. Auch der Ausblick für das laufende Jahr ist alles andere als rosig. „Nach Feiern ist uns schon lange nicht mehr zumute“, sagt Terium auf der Bilanzpressekonferenz, „wir befinden uns in einer überaus schwierigen Phase.“ Auch Finanzvorstand Bernhard Günther findet persönliche Worte: „Ich bin jetzt 15 Jahre bei RWE, noch vor zwei, drei Jahren hätte ich mir einen Nettoverlust bei RWE nie vorstellen können“, sagt er. „Die Lage ist ernst, sehr ernst, aber sie ist nicht hoffnungslos.“

Terium steckt in der Klemme. Sein Vorgänger Jürgen Großmann hat ihm hohe Schulden hinterlassen. Den Konzern drücken Verbindlichkeiten von fast 31 Milliarden Euro, da ist eine Reduzierung der Schuld im vergangenen Jahr um zwei Milliarden Euro nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Außerdem brechen wegen der Umstellung der Stromversorgung auf erneuerbare Energien die Gewinne aus der konventionellen Stromerzeugung weg. Weil zeitweise zu viel Strom produziert wird, werden Gas- und Kohlekraftwerke immer seltener angeschaltet. „Wir rechnen damit, dass wir noch in den nächsten Jahren Überkapazitäten haben werden“, sagt Finanzvorstand Günther.

„Lange halten wir das nicht mehr durch“, betont Terium am Dienstag. „Die Zeit drängt. Es muss sofort gehandelt werden. Die Politik muss reagieren, und zwar jetzt“. Bei 20 bis 30 Prozent der Kraftwerke deckten die Erlöse inzwischen nicht mehr die Kosten.

Um die Wirtschaftlichkeit der konventionellen Kraftwerke wiederherzustellen, fordert Terium die Einrichtung eines sogenannten Kapazitätsmarktes. Das heißt, die Versorger sollen auch für die bloße Vorhaltung von Kraftwerken entlohnt werden. Man wolle jedoch keine Subventionen, betont der Niederländer.

Und er setzte die Politik nicht nur mit Worten unter Druck. Statt wie bisher geplant 3100 Megawatt sollen 4400 Megawatt Stromerzeugungskapazität vom Netz genommen werden – die könnten im Ernstfall fehlen, wenn es um eine sichere Stromversorgung in Deutschland geht. Verkaufen will er die Kraftwerke jedoch nicht – Terium wartet ab. „Gaskraftwerke stehen zurzeit nicht zum Verkauf“, betont er.

Handelsblatt Energie Briefing
RWE ist immer noch wenig grün
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53 Kommentare zu "RWE-Chef Terium: „Lange halten wir das nicht mehr durch“"

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  • @yahel. da gebe ich Ihnen recht. Aber ich meinte das auch anders. leider würde meine erklärung hier dazu unweigerlich gelöscht/zensiert werden. Naja, vii denken Sie sich ja den teil.

  • @macuser

    Das mag schon stimmen. Aber mondahu würde nicht mit Herrn Terium tauschen, auch dann nicht wenn es das doppelte wäre. Zutrauen würde er sich denn job allerdings durchaus.

  • Schauen wir uns das ganze doch noch etwas genauer an:
    1.)Der Atomausstieg wurde nochmals verlängert was haben Sie getan? Nichts! Aus welchen Gründen? Weil die Laufzeit nochmals verlängert wurde. Schalten die anderen EU-Staaten ihre AKWs auch ab? Nein sie bauen sogar neue.
    2.) Es bestand vor 30 Jahren kein Bedarf neue Trassen zu bauen warum auch? Solange ein Netzbetreiber nicht weiß wo neue Kraftwerke gebaut werden kann dieser auch schlecht planen. Wenn man neue Trassen bauen wollte gab es von Kommunen und Bürgern immer Klagen. Jetzt hat man ein Gesetz rausgebracht und trotzdem gibt es Klagen. Siehe man sich Bayern und Tennet an das sagt doch alles.
    3.)Das ist wieder wie alles andere in Deutschland es wird geredet aber verlässliche Rahmenbedingen gibt es nicht.
    Wasser und Strom kann man nicht vergleichen, denn das eine ist ein Monopol und das andere steht unter Wettbewerb. Strom ist ein Gut wie jedes andere auch und sicherlich kein Gemeingut.

  • @freiburgerschueler

    So kann nur jemand argumentieren, der noch nie mehr als sein Nettogehalt in der hand hatte und für den Technik darin besteht, abends das Licht anzuknipsen.

  • Na zu gierig waren sie sicher nicht.Der Gewinn sinkt seit 2007 beständig-also nichts mit 20%.Deshalb geht auch seit Jahren der Aktienkurs zurück.Die Börsianer interessiert nicht wie man sein Geld verdient,sondern das es überhaupt verdient wird.
    RWE steht jetzt so hoch wie vor 21 Jahren,als der DAX bei unter 2000 notierte.
    Glauben Sie das ist ein Zufall ? Glauben Sie 70% Kursverlust in gut 6 Jahren sind rein zufällig passiert ?
    Operativ mag man noch verdienen,aber an der Börse zählt nur "was hinten rauskommt".Dieser Spruch von Kohl,ist übrigens von der Börse entlehnt.

  • Zitat: „Ich hab da mal ne Frage: wenn wir jetzt auf jede KWh Strom 6,24 Cent EEG-Umlage zahlen müssen und der Ökostrom 24% ausmacht, heisst das dann nicht, dass eine KWh Ökostrom allein 26 Cent Gestehungskosten hat?“

    Nein!!
    Es ist unmöglich aus der EEG-Umlage auf Stromgestehungskosten zu schließen. Die letzte Erhöhung der EEG-Umlage wurde zu ca. 75% dadurch verursacht, dass der Börsenstrompreis weiter nachgab und viel mehr Firmen von der EEG-Umlage befreit wurden. Das sind ja Einflüsse, die völlig unabhängig von den Stromgestehungskosten sind. Der in 2013 erfolgte Ausbau der erneuerbaren Energien (einschließlich der garantierten Vergütung) spielte bei der Erhöhung der EEG-Umlage kaum noch eine Rolle (+0,15 Cent/kWh)

    Die Stromgestehungskosten werden auch kaum steigen, wenn im Jahr 2050 ca. 90% des Stroms aus erneuerbaren Energien generiert wird.
    Ich finde diese Studie interessant:
    http://tu-dresden.de/die_tu_dresden/fakultaeten/fakultaet_wirtschaftswissenschaften/bwl/ee2/dateien/ordner_enerday/ordner_enerday2013/ordner_vortrag/Enerday%202013-Totschnig%20-%20TUWIENV3.pdf
    Nach dieser Studie kann man heute von durchschnittlichen Stromgestehungskosten von 7 Cent/kWh ausgehen. Wenn 90 % des Stroms aus erneuerbaren Quellen kommt, liegt man bei 8,4 Cent / kWh. Dafür wird aber nur 11 % der heutigen CO2-Menge je kWh emittiert. Das ist ja auch das Ziel der ganzen Anstrengung.

  • Szenario:
    RWE geht kaputt, Kunden werden freigesetzt. Unrentable Anlagen liegen brach. Investoren verlieren Geld, das Sie über hatten, um es Jahrelang irgendwo anzulegen, um noch mehr Geld zu haben und es wieder anzulegen, etc. Branchenüberlebende kompensieren Nachfrage. Ausländische Anlagen werden günstig an jeweilige Lokalmatadore freigesetzt. Arbeitnehmer müssen von Branchenüberlebenden eingestellt werden, da zusätzliche Kapazitäten bewältigt werden müssen. Branchenüberlebende fangen an wirtschaftlicher zu arbeiten und entwickeln Lösungen, statt ununterbrochen zu wehklagen, denn sonst sind sie die nächsten. Zu guter Letzt, nach dem alle scheiterten das Neue zu vollbringen und den Fortschritt zu entdecken, wird der Staat, als Sozialstaat dei Stromversorgung wieder übernehmen und der Steuerzahler trägt dann die Last, weil er dann die letzte Instanz ist. Aber nicht so, nicht jetzt, es ist viel zu früh an der Stelle aufzugeben. Dann kommt früher oder später die Wiedereinführung eines liberalisierten Strommarktes mit neuen schönen Methoden um finanzielle Mittel zu privatiesieren. Was sollte daran falsch sein? Hier trennt sich gerade die Spreu vom Weizen. E.ONs Aktienkurs wird schon wieder steigen, sobald ein Hauptkonkurrent sich dem Wandel der Zeit geschlagen geben muss. Hier geht es gerade darum, wer besser über die Jahre gewirtschaftet hat, wer hat das dickere Pollster, um seinen Konkurrenten zu überleben und wer hat dann das Privileg, die Innovation Energiewende als Herold zu überstehen?

  • @ RainerFeiden

    Derzeit und über alle bis jetzt gebauten EEG-Anlagen liegen die gemittelten EEG Kosten bei ca. 26 Cent. Allerdings gilt dies nicht für neu gebaute PV- und Windkraftanlagen, denn die Vergütung liegt jetzt nur noch zw. 9 und 12 Cent/kWh. Davon muss noch der entsprechende "Marktwert" abgezogen werden (derzeit ca. 5 Cent/kWh). Entsprechend würde ein weiterer EE Zubau die spezifischen Kosten senken, aber natürlich gehen RWE & Co dann weitere sicher gelaubte Einnahmen verloren...Warum hat den RWE nicht in die EE investiert!? Antwort: Da gabs keine 20% Rendite...Man kann auch sagen: RWE & Co waren zu gierig!

  • In den frühen Lehren, eines simplen wirtschatsorientierten Studiums, spricht man von einem Akt des Wirtschaftens unter Völkern, welcher sich Handel nennt. Ob sich dieser Handel gegenüber einem Putin oder einem Hollande abspielt, spielt dabei keine Rolle unter Betrachtung der Alternative, die da heisst Autarkie mit allen Mitteln. Auf diesem Planeten schleicht ein Phänomen, welches dies auch schon vor einer Generation tat, herum, das wir als Klimawandel bezeichnen. Ich muss nicht von Kopf bis Fuss grün durch das Leben gehen, um zu begreifen, dass hier weit mehr auf dem Spiel steht, als ein jährlich geplantes Umsatzziel oder eine Gewinnprognose. Liebe Mitleser und Mitleserinnen, wir und unsere Freunde aus den Nachbarländern und aus dem Rest der Welt, haben seit mehr als einer Generation -und das, in einem der größten Branchen des Weltmarktes- etwas vergessen. Fortschritt. Fortschritt ist nicht, das Alte mit alter Technik, durch neue Technik zu ersetzten. Fortschritt ist, das Alte unbrauchbar zu machen, weil das Neue besser ist. Das Neue mit Grundzügen alter Technik voran bringen. Das und wirklich nur das, ist der Schlüssel zu neuen Lösungen auf alte Probleme. Das, ist auch das, was unser Land versucht mit Hilfe des Staats -und nur dieser ist dazu in der Lage- durch das EEG zu erreichen. Ohne Herausforderungen, gibt es keinen Fortschritt. Wenn zu Jungendzeiten gesagt wurde:"Ich schaff das nicht, ich schaff das nicht!", ist was passiert? Man hat es -oh sonderbar- nicht geschafft.
    Metaphern hin oder her, Politik hin oder her. Wer den Anforderungen des Wandels, sei er hervorgerufen durch das Umfeld Branche, Kunden oder Politik nicht meistert, der hat in der Wirtschaft nichts verloren. Zeit, womöglich. Weg mit RWE zu schreien ist mit Sicherheit nicht das Richtige, aber einer qualvoll sterbenden Geschäftsstrategie weiter Leben einzuflößen, um sich das Trauerspiel weiter anzugucken? Der Markt reguliert sich nachdem RWE weg ist von ganz alleine. Laissez Fair, genau jetzt.

  • @ goldener-storch

    „....aber die die etwas dagegen machen könnten, sitzen abends vorm fernseher und jammern über rechnungen.“

    Selbst Carl-Christian von Weizecker hat es aufgegeben gegen diesen EE Schwachsinn zu kämpfen, dem würde man sogar noch zuhören. In der EE-Branche wird mit allen Mittel um die Pfründe gekämpft und es gibt immer noch Leute, die auf die Heilsversprechen der Windmühlenprojektierer hereinfallen, weil ihnen goldene Berge versprochen werden. Sollte sich ein Gemeinderat gegen einen Windmühlenpark entscheiden, bekommt der örtliche Sportverein eben eine größere Geldspende und schon läuft die Sache. Versuchen Sie einmal gegen Menschen zu argumentieren, die voll davon überzeugt sind, daß mit den EE das Klima, die Welt und was noch alles gerettet werden kann, wenn man nur genug Windmühlen aufstellt. Das Windmühlen nur bei entsprechenden Windverhältnissen Strom erzeugen glauben die nicht. Die sind der festen Meinung, daß, wenn sich die Flügel drehen, auch Strom erzeugt wird. Und da die Politik in diesem Land korrupt bis ins Mark ist, werden Sei vielleicht die im BT überrennen können, nur ändern werden sich die Verhältnisse erst, wenn eine Partei mit Sach- und Fachverstand in die Parlamente einzieht. Solange die sog. Etablierten weiter gewählt werden, wird sich nichts ändern.

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