Energie

RWE-Ökostromtochter Innogy stellt Ausgaben auf den Prüfstand

Erst vor Kurzem musste Innogy-Chef Peter Terium wegen mangelnder Kostendisziplin seinen Platz räumen. Nun will die RWE-Ökostromtochter Innogy weitere Kosten senken und stellt ihre Ausgaben auf den Prüfstand.
Update: 02.01.2018 - 17:45 Uhr Kommentieren
Der Ökostrom-Konzern will Kosten einsparen. Quelle: dpa
Innogy-Zentrale in Essen

Der Ökostrom-Konzern will Kosten einsparen.

(Foto: dpa)

DüsseldorfDie RWE-Ökostromtochter Innogy wirbt nach dem vorzeitigen Abgang des früheren Konzernschefs Peter Terium mit zusätzlichen Kostensenkungen um Vertrauen am Kapitalmarkt. Der Vorstand überprüfe derzeit alle nicht unbedingt notwendigen Ausgaben, teilte das Unternehmen am Dienstag mit. Details würden bei der Vorlage der Bilanz am 12. März vorgestellt. Es gebe derzeit aber keine Notwendigkeit für zusätzliche Eigenkapitalmaßnahmen. Terium musste kurz vor Weihnachten gehen, nachdem der Vorstand mit einer Prognosesenkung die Aktie auf Talfahrt geschickt hatte.

„Nachhaltiges Ergebniswachstum in Übereinstimmung mit Innogys Finanzzielen zu liefern ist unsere Haupttriebfeder bei der Umsetzung unserer Strategie“, erklärte Finanzchef Bernhard Günther. „Wir sind uns der Bedeutung voll bewusst, die der Kapitalmarkt einer stabilen und attraktiven Dividende sowie einer angemessenen Verschuldung beimisst.“ Der Verschuldungsfaktor – das Verhältnis von Nettoschulden zum bereinigten Ebitda – solle etwa bei 4,0 liegen. Für die Dividende gelte weiter eine Ausschüttungsquote von 70 bis 80 Prozent des bereinigten Nettoergebnisses

Günther reagierte damit auf die Kritik aus dem Aufsichtsrat. Dieser hatte kurz vor Weihnachten zwar die vom Vorstand verfolgte Unternehmens- und Finanzstrategie grundsätzlich unterstützt, jedoch auf „die Notwendigkeit eines höheren Stellenwertes der Kostendisziplin und einer fokussierten Wachstums- und Investitionsstrategie“ verwiesen. Innogy nehme nun die „diskretionären Ausgaben“ unter die Lupe, kündigte der Vorstand an. Zur Höhe machte er keine Angaben. Die Summe sämtlicher Investitionen hatte der Konzerns für 2017 bis 2019 mit bis zu sieben Milliarden Euro berechnet und für 2018 bis 2020 mit bis zu zehn Milliarden Euro angeben.

Der Schwerpunkt der Investitionen von 2018 bis 2020 liege in den Kerngeschäften Ökostrom, Netze und Vertrieb, bekräftigte Innogy. Attraktive Wachstumsmöglichkeiten gebe es in den Bereichen Elektromobilität, Breitband und Solar. Der Konzern prüfe, ob bei der Finanzierung von Wachstumsprojekten durch verschiedene Möglichkeiten bei der Eigentümerstruktur Kosten gesenkt werden könnten. Viele Versorger holen sich etwa bei den hohen Investitionen für Offshore-Windparks Partner ins Boot.

Unterdessen hat die Innogy-Mutter RWE die konventionelle Stromerzeugung neu geordnet. Damit trennt RWE das Geschäft mit Braunkohle und Kernenergie, das von RWE Power geführt wird, stärker von der übrigen Erzeugung ab. Die Stromproduktion aus Gas, Steinkohle, Wasserkraft und Biomasse ist jetzt bei RWE Generation gebündelt. Mit dem Schritt will RWE die beiden Stromerzeugungsgesellschaften flexibler machen und sie noch stärker auf ihre jeweiligen Energieträger ausrichten, wie RWE-Konzernchef Rolf Martin Schmitz am Dienstag sagte.

RWE ist zudem im Energiehandel aktiv und hält rund 77 Prozent der Innogy-Aktien. Der Ausstieg aus der Kernenergie ist bereits fix. Und auch die Stromerzeugung mittels Braunkohle könnte nur noch von begrenzter Dauer sein. Unter den konventionellen Energieträgern steht insbesondere die Braunkohle in der Kritik, weil bei der Verstromung besonders große Mengen des Treibhausgases CO2 entstehen.

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