Energie

RWE-Tochter Vor der Fusion mit Eon wächst bei Innogy die Unruhe

Auf den erfolgreichen Börsengang von Innogy erfolgte die schnelle Ernüchterung: Der Newcomer verliert seine Selbstständigkeit. Die Wut ist groß.
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RWE-Tochter: Vor der Fusion mit Eon wächst bei Innogy die Unruhe Quelle: Reuters
Innogy

Innogys Mutterkonzern RWE hat mit Eon ein Tauschgeschäft im Wert von rund 20 Milliarden Euro vereinbart.

(Foto: Reuters)

DüsseldorfNur eine Woche nach dem Säureattentat sollte sich für Innogy-Finanzvorstand Bernhard Günther auch beruflich alles ändern. In der Nacht von Samstag auf Sonntag, am 11. März dieses Jahres, verbreitete sich über die Nachrichtenagenturen eine Ad-hoc-Mitteilung, deren Inhalt die deutsche Energiewirtschaft umkrempeln wird – das Ende für den Versorger Innogy.

Innogys Mutterkonzern RWE, Deutschlands größter Stromproduzent, hatte mit Konkurrent Eon ein Tauschgeschäft im Wert von rund 20 Milliarden Euro vereinbart – Innogy soll zerschlagen werden. Dabei will Eon die Sparten Vertrieb und Netz übernehmen, RWE die Stromproduktion mit erneuerbaren Energien.

Durch den Deal steigt Eon zu einem der größten europäischen Versorger mit gut 50 Millionen Kunden auf. RWE wird einer der mächtigsten Stromproduzenten werden, der die gesamte Palette abdeckt – neben Atom-, Kohle- und Gaskraftwerken künftig auch wieder Wasserkraft, Wind- und Solarenergie. Innogy dagegen verliert die Selbstständigkeit.

Günther erfuhr davon im Krankenbett. Gerade erst hatte er die Intensivstation verlassen. Er fand die Nachricht zwischen den aufmunternden Mails, die ihm mitfühlende Mitarbeiter und geschockte Manager anderer Konzerne geschickt hatten.

Für den 51-Jährigen war das ein weiterer Schlag. Lange Zeit hatte er selbst für RWE gearbeitet und war als Finanzvorstand maßgeblich an der Gründung von Innogy Anfang 2016 beteiligt gewesen. Damals steckte RWE in einer ernsten Krise. Die konventionellen Kraftwerke litten unter der Energiewende und der Konzern häufte Schulden und Verluste an.

Der RWE-Vorstand unter Führung des damaligen Chefs Peter Terium und unter Beteiligung von Günther beschlossen das ertragreiche Geschäft mit erneuerbaren Energien, Vertrieb und Netzen in der neuen Innogy SE auszugliedern, um Kräfte freizusetzen.

Mitarbeiter fühlen sich verraten und verkauft

Der Befreiungsschlag gelang: Der Börsengang im Herbst war ein voller Erfolg. Die Anleger nahmen die erste Tranche von 23 Prozent zum Höchstpreis ab. Innogy wurde auf einen Schlag zum wertvollsten deutschen Energiekonzern – noch vor Erzrivale Eon. Voller Elan verschrieben sich Terium und Günther dem Projekt und entschieden sich für die Führung des neuen Unternehmens.

Nun wird dem Newcomer die Selbstständigkeit wieder genommen. Bei vielen der 40.000 Mitarbeiter ist darüber die Wut groß. Sie fühlen sich von der RWE AG, die noch 77 Prozent der Anteile hält, verraten und verkauft.

Hinzu kommt, dass die Unruhe ohnehin schon gewaltig war. Im Dezember hatte Innogy den Markt mit einer Gewinnwarnung überrascht, der die Anleger an der Zukunftsfähigkeit zweifeln ließ. Die Aktie brach um 20 Prozent ein, Vorstandschef Terium wurde gefeuert. Dann schockte das Säureattentat auf Günther die Belegschaft.

Eine Woche später gab RWE den Verkauf bekannt. Zwar ist der Deal noch nicht besiegelt, ist aber kaum noch zu stoppen. Schließlich hat sich Eon direkt von RWE die Kontrollmehrheit gesichert. So geht es für den Vorstand von Innogy vor allem um eine faire Integration. Er muss die Rechte der eigenen Beschäftigten wahren – und möglichst viel von Innogys Identität in den fusionierten Konzern retten. Daran will sich Bernhard Günther beteiligen.

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