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Energie
Glasfasertechnik

Alle großen Energiekonzerne und auch viele Stadtwerke wollen sich verstärkt beim Breitbandausbau engagieren.

(Foto: E+/Getty Images)

Schnelles Internet Energiekonzerne treiben den Breitbandausbau in Deutschland voran

Die deutschen Versorger beteiligen sich immer stärker am Ausbau des Netzes. Innogy verdoppelt die Investitionen – und macht der Telekom Konkurrenz.
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Düsseldorf Die Vulkaneifel in Rheinland-Pfalz ist landschaftlich ausgesprochen reizvoll – aber auch äußerst abgelegen. Auf rund 600 Meter Höhe und weit entfernt von den Ballungszentren sind die Einwohner nur im Schneckentempo im Internet unterwegs.

Im Sommer 2019 soll aber auch in der Vulkaneifel die Digitalisierung beginnen. Bis dahin werden rund 170 Kilometer Glasfaser verlegt. In 65 unterversorgten Gemeinden werden etwa 3000 Haushalte und Unternehmen sowie 26 Schulen an das Highspeed-Internet angeschlossen. 14 Millionen Euro kostet das Projekt.

Verlegt wird die Glasfaser aber nicht von der Deutschen Telekom oder einem ihrer Konkurrenten, sondern von einem Energiekonzern: Innogy. „Wir verlegen schon seit Jahren parallel zu unseren Stromleitungen auch Glasfaser. Jetzt wollen wir unser Tempo hier noch deutlich erhöhen“, kündigt Hildegard Müller, im Vorstand zuständig für Netz und Infrastruktur, im Gespräch mit dem Handelsblatt an.

Deutschlands größter Stromnetzbetreiber will nach ihren Worten die Investitionen in den Breitbandausbau „in den kommenden Jahren mindestens verdoppeln“. Zuletzt hatte das Unternehmen 100 Millionen pro Jahr investiert, künftig sollen es also mehr als 200 Millionen Euro sein. Der größte Teil davon soll nach Deutschland fließen.

Neue Geschäftsmodelle gesucht

Innogy hat schon 20.000 Kilometer an Glasfaserleitungen verlegt und bereits mehr als eine Million Einwohner an das Breitbandnetz angeschlossen. „Wir sehen aber noch viel Potenzial“, sagt Müller.

Innogy steht damit nicht alleine. Alle großen Energiekonzerne und auch viele Stadtwerke wollen sich verstärkt beim Breitbandausbau engagieren. „Der Breitbandausbau ist in der Branche ein großes Thema“, sagt Andreas Stender, Energieexperte bei A. T. Kearney. Die Energieunternehmen seien alle auf der Suche nach neuen Geschäftsmodellen. Der Breitbandausbau biete da „sehr vielversprechende Möglichkeiten“.

Die Versorger nutzen Synergien beim parallelen Verlegen von Strom- und Datenleitungen, verdienen am Vermieten der Leitungen – oder nutzen sie selbst für Telefon- und Internetangebote.

„Eon will die Breitbandaktivitäten ausbauen“, bestätigt auch Thomas König, Netzvorstand bei Eon. Aktuell analysiere der Konzern, wo Lücken im Glasfasernetz bestehen, die er „wirtschaftlich schließen“ könne. Eine eigene Einheit, „Eon Glasfaser“, kümmert sich inzwischen um den Bereich.

Aktuell betreibt Eon in Deutschland schon 25.000 Kilometer Glasfaserleitungen. Diesen Geschäftsbereich verfolgt Eon also genauso energisch wie Innogy – und die geplante Übernahme des Konkurrenten würde die Kräfte bündeln. „Gemeinsam sind wir sicherlich noch schlagkräftiger als jeweils allein“, sagt König.

Aber auch die EnBW sieht in Highspeed-Internetzugängen „eine der wichtigsten Infrastruktur-Herausforderungen Deutschlands“. „Deshalb wollen wir genau hier wachsen und haben das in unserer neuen Strategie bis 2025 verankert“, sagt Technikvorstand Hans-Josef Zimmer.

Derzeit betreibt die Tochter NetCom BW ein Netz von 11.400 Kilometer Länge. Bis 2021 sollen jährlich mindestens 200 Kilometer dazukommen. Derzeit haben dadurch 100.000 Haushalte und Unternehmen Zugang zum schnellen Internet. Bis 2025 soll diese Zahl auf 450.000 steigen.

Und selbst Regional- und Kommunalversorger bauen am Breitbandnetz mit. Besonders weit ist EWE aus Oldenburg. Das Unternehmen hat aktuell ein Glasfasernetz von 25.100 Kilometern, das nach Angaben des Unternehmens fast täglich ausgebaut wird. „Über 1,2 Milliarden Euro wird EWE in den nächsten Jahren in den Glasfaserausbau investieren“, kündigt Michael Heidkamp, Vorstand Markt, an.

Natürlich reichen die Glasfaserleitungen der einzelnen Versorger bei Weitem nicht an das Netz der Telekom heran, die zuletzt 455.000 Kilometer an Glasfaser meldete und alleine im vergangenen Jahr 40.000 Kilometer neu verlegt hat. Alles in allem summieren sich die Leitungen der Energieunternehmen aber auf rund ein Viertel – und der Anteil könnte mit Blick auf die rasante Beschleunigung in der Branche noch steigen.

Der Telekom ist das Engagement der Energieunternehmen erst einmal willkommen. Anfang des vergangenen Jahres schloss sie beispielsweise ein umfassendes Kooperationsabkommen mit Innogy beim Breitbandausbau für zahlreiche Landkreise. Innogy und die anderen Versorger helfen schließlich mit, den von der Politik mit Vehemenz eingeforderten Ausbau des Breitbandnetzes schneller voranzutreiben – und vor allem in der Fläche die Lücken zu schließen.

„Kein Unternehmen wird in der Lage sein, Deutschland im Alleingang mit Glasfaser bis zur Haustür zu versorgen“, sagt Telekom-Konzernchef Tim Höttges. „Wir sind keine Dogmatiker: Wir sind technikneutral und offen für neue Formen der Zusammenarbeit.“ Aktuell verhandelt die Telekom beispielsweise mit EWE über die Gründung eines Gemeinschaftsunternehmens, das im Nordwesten Glasfaser bis zur Haustür verlegen soll.

Wenn die Versorger neue Wohn- oder Gewerbegebiete an das Stromnetz anschließen, verlegen sie die Glasfaserleitungen einfach gleich mit, oder sie „schießen“ Glasfaser in bestehende Leerrohre ein. Mit Druckluft geht das auch über mehrere Hundert Meter.

Großes technisches Know-how

Das technische Know-how beim Verlegen neuer Leitungen und beim Betrieb von Netzen ist bei den Energieunternehmen ohnehin groß. Die EnBW beispielsweise fühlt sich mit ihrem Know-how im Betrieb von Kraftwerken, Netzen und anderen komplexen Systemen prädestiniert für den Breitbandausbau, wie Technikvorstand Zimmer betont.

Für die Versorger ist das Engagement im Glasfaserausbau ein wichtiges Argument, um die Beziehungen zu Bürgermeistern und Landräten in den Regionen zu pflegen, in denen sie Konzessionen für den Betrieb von Strom- und Gasnetzen haben – oder wo sie neue erwerben wollen. „Für Kommunen ist der Zugang zum schnellen Internet ein wichtiger Standortfaktor“, erläutert Innogy-Vorständin Müller. „Aber das ist nicht der einzige Grund für unser Engagement. Wir sehen im Breitbandausbau auch ein lukratives Geschäft.“

Und das gleich mehrfach. Zum einen vermieten die Energieunternehmen die Kapazitäten im Breitband an Telekommunikationskonzerne wie die Telekom. Zum anderen – und hier wird es für Telekom und Co. kritisch – drängen sie selbst in den Markt. Innogy beispielsweise bietet mit der Tochter TelNet selbst Internet und Telefon an – als Bündelprodukte mit Strom.

Das Geschäft ist erst im Aufbau, hat aber schon eine fünfstellige Zahl an Kunden gewonnen. „Viele Kunden sind froh, wenn sie viele Dienstleistungen aus einer Hand bekommen“, sagt Müller. Innogy verlegt die Glasfaserleitungen deshalb jetzt auch verstärkt direkt zu den Häusern. Bisher war in der Regel beim Verteilerkasten Schluss. Mittelfristig will Innogy nach Müllers Worten auch bundesweit aktiv sein.

Die EnBW-Tochter NetCom BW hat schon 40.000 Privatkunden für Internet und Telefon und will die Zahl in den kommenden Jahren jeweils um 25 Prozent steigern. Hinzu kommen rund 5000 Geschäftskunden. Hier sollen Jahr für Jahr 700 bis 1000 hinzukommen.

Besonders erfolgreich ist Regionalversorger EWE. Das Unternehmen aus Norddeutschland hatte schon vor 22 Jahren EWE Tel gegründet und bietet seither neben Strom und Gas auch Telekommunikationsdienstleistungen an. Insgesamt hat EWE stolze 855.000 Telekommunikationskunden.

Neue Möglichkeiten für die Versorger

In den 90er-Jahren, als der Telekommunikationsmarkt liberalisiert wurde, hatte sich die Energiebranche schon einmal im großen Stil in das Geschäft vorgewagt. Eons Vorläufer Veba und Innogys Mutterkonzern RWE hatten damals ausgehend von einem historisch gewachsenen internen Fernmeldenetz eigene Telefongesellschaften gegründet und sie später zum Anbieter Otelo fusioniert.

Zwischenzeitlich war Otelo einer der größten Wettbewerber der Telekom, wurde aber schon bald an Mannesmann verkauft. Der Wettbewerb um Telefonkunden war damals so hart, dass sich die Energieunternehmen rasch wieder zurückzogen. EWE hielt als einer der wenigen an dem Geschäft fest.

Mit dem Breitbandausbau ergeben sich jetzt aber ganz neue Möglichkeiten. „Breitband und Telekommunikation passen gut zu Energieversorgern, wenn eine kritische Größe erreicht wird“, meint Berater Stender: „Es gibt ja eine große Nähe zum bisherigen Geschäft.“

Die Versorger hoffen sogar auf Impulse für das Energiegeschäft. Auch in der Energiebranche ist die Digitalisierung das beherrschende Thema. Die Branche baut das Stromnetz zum intelligenten Netz um, mit dem Stromangebot und -nachfrage in der Welt der Dezentralisierung und der erneuerbaren Energien besser in Einklang gebracht werden können.

Deshalb brauchten auch Energieunternehmen neben Stromnetzen „intelligente Datennetze“, wie EWE-Vorstand Heidkamp erklärt: Diese böten die Grundlage für digitale Geschäftsmodelle, die auch die Energiewelt in kürzester Zeit „beherrschen werden“.

„Glasfaser ist die Infrastruktur der Zukunft“, hält Heidkamp fest. Auch für Energieversorger.

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