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Energie
BP

Unter dem Strich stieg der reine Gewinn (der sogenannte „underlying replacement cost profit“) von 2,6 auf 6,2 Milliarden Dollar und war damit mehr als doppelt so hoch wie 2016.

(Foto: Bloomberg/Getty Images)

Serie – Globale Konkurrenten im Check (14) Wie der Ölriese BP die schwerste Krise seiner Geschichte gemeistert hat

Die Katastrophe der „Deepwater Horizon“ und Einbrüche beim Ölpreis haben BP angeschlagen hinterlassen. Doch der Energieriese ist zurück auf Wachstumskurs.
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Düsseldorf, LondonAls Bob Dudley den BP-Vorstandsvorsitz übernahm, stand das britische Unternehmen vor dem Kollaps. Erst musste der Ölkonzern 2010 nach der Explosion der Bohrinsel „Deepwater Horizon“ mit den Folgen einer der größten Umweltkatastrophen der Geschichte kämpfen. Dann brachen die Ölpreise um fast 70 Prozent ein. Bei Rohstoffriesen wie BP erodierten Gewinne und Umsätze. Einzig die Nettoschulden stiegen kontinuierlich an. Aber spätestens seit vier Wochen ist der Energiekonzern zurück auf Wachstumskurs – und mindestens so ambitioniert wie vor der Krise.

10,5 Milliarden US-Dollar wird BP in die Übernahme von Schieferöl- und Gasfeldern des australisch-britischen Bergbaukonzerns BHP Billiton stecken. Für BP der größte Deal seit 20 Jahren. Für CEO Dudley eine „revolutionäre Investition“. Mit dem Kauf erhalten die Briten wieder Zugang zu dem ertragreichen Permian-Becken in New Mexiko und Texas, wo die Böden mit den begehrten Rohstoffen prall gefüllt sind.

Eine historische Rückkehr für BP, das schon einmal in der Region aktiv war, seine Rechte jedoch nach der Katastrophe von Deepwater Horizon verkaufen musste, um die dadurch anfallenden Kosten zu finanzieren. Die schlagen sich bis heute in der Bilanz des Ölkonzerns nieder.

Vor acht Jahren hatte die Explosion auf der Ölbohrplattform im Golf von Mexiko zu der schwersten Umweltkatastrophe in der Geschichte der USA geführt. Elf Arbeiter starben, 87 Tage lang floss Öl aus einem Leck in 1500 Meter Tiefe. 780 Millionen Liter des Rohstoffes verschmutzten einen über 1000 Kilometer langen Küstenabschnitt von Louisiana bis Florida, unzählige Tiere verendeten.

Den Energieriesen BP brachte „der Vorfall“, wie die Katastrophe bei dem Förderprojekt namens „Macondo“ intern genannt wird, an den Rand des Ruins. Über 67 Milliarden Dollar muss das Unternehmen für Strafen, Entschädigungen und Aufräumarbeiten zahlen.

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Noch immer taucht der Posten Jahr für Jahr in der BP-Bilanz auf. Aber die Kosten sinken. 2017 musste BP noch über fünf Milliarden Dollar für Macondo ausgeben, 2018 sollen es nur noch drei Milliarden sein. Für 2019 kalkuliert das Unternehmen nur zwei Milliarden Dollar ein, und für die Jahre danach eine Milliarde. Das sind Summen, die BP mit einem Cashflow von knapp 19 Milliarden Dollar stemmen kann – weswegen Dudley und sein Team nun wieder nach vorne blicken. Mit seinem neuen Zukauf kann BP seine Öl- und Gasressourcen an Land in den USA um 57 Prozent erhöhen.

Auch jetzt läuft es schon mehr als gut für den Ölkonzern. Im zweiten Quartal stieg der Gewinn auf 2,8 Milliarden Dollar von 684 Millionen ein Jahr zuvor und lag damit sogar über den Schätzungen der Börsianer, die mit 2,7 Milliarden Dollar gerechnet hatten. „BP profitiert natürlich wie alle anderen Ölkonzerne von dem gestiegenen Ölpreis, neue Öl- und Gasprojekte haben außerdem die Produktion steigen lassen, und durch die massiv gesenkten Kosten ist das Unternehmen heute bei niedrigeren Preisen deutlich profitabler als noch vor zwei Jahren“, erklärt Independent-Research-Analyst Sven Diermeier.

Um sich angesichts der niedrigen Preise für ihre Produkte über Wasser zu halten, musste BP – wie alle anderen Ölmultis – harte Einschnitte vornehmen. Über 10.000 Mitarbeiter verloren im Zuge radikaler Sparmaßnahmen ihren Job, große Teile des Geschäfts wurden verkauft. Die Zeiten sind nun vorbei: Im vergangenen Jahr wurden für den Liter Rohöl der Nordseesorte Brent im Schnitt 54 Dollar gezahlt.

Das war das erste Jahr seit 2012, in dem der durchschnittliche Ölpreis wieder gestiegen ist, und das habe auch dazu beigetragen, dass die für 2017 vorgelegten Zahlen deutlich besser als in den Vorjahren ausgefallen sind, wie BP-Chef Dudley sichtlich stolz bei der Präsentation der Jahresergebnisse im Februar erklärte.

BP senkt seine Kosten

Unter dem Strich stieg der reine Gewinn (der sogenannte „underlying replacement cost profit“) von 2,6 auf 6,2 Milliarden Dollar und war damit mehr als doppelt so hoch wie 2016. Das ist nicht nur auf den Ölpreis zurückzuführen. BP ist mittlerweile sehr viel profitabler als noch vor einigen Jahren. Die Rendite auf das durchschnittlich eingesetzte Kapital (ROACE) stieg von 2,8 auf 5,8 Prozent. Im Rahmen der bis zum Jahre 2021 ausgerichteten Wachstumsstrategie strebt BP jetzt sogar die Zehn-Prozent-Marke an, bei einem Ölpreis von rund 55 Dollar das Barrel.

Seit 2013 sind die Kosten, die für ein Barrel anfallen, um 46 Prozent auf sieben Dollar gesunken. Bereits bei einem Ölpreis von 50 Dollar erwirtschaftet BP seine Kosten und die Dividendenzahlungen für die Aktionäre. 2021 soll die Marke auf 35 bis 40 Dollar gedrückt werden. Alles im Konzern – nicht nur die Ölförderung – wird daraufhin geprüft, ob es sich nicht günstiger herstellen oder erledigen lässt.

Dabei setzt BP auch auf die Hilfe technologischer Innovationen: Bei Wartung und Kontrolle der Ölplattformen und -pipelines suchen neue Computersysteme nach Schwachstellen, und wo früher Menschen langwierige und gefährliche Checks vornahmen, kriechen nun kleine Roboter über die Anlagen, oder Drohnen ziehen ihre Kreise. „2017 war eines der stärksten Jahre in der jüngeren Geschichte von BP“, erklärte Dudley.

Hinzu kommt, dass allein im vergangenen Jahr dank neuer Projekte die Produktion um zehn Prozent gesteigert wurde. 3,5 Millionen Barrel Öl fördert BP mittlerweile pro Tag. 2017 wurden sieben neue Öl- und Gasfelder in Betrieb genommen. Sechs weitere sollen in diesem Jahr eröffnet werden.

Auch die Minderheitsbeteiligung am russischen Ölkonzern Rosneft steht den Briten gut zu Buche. Mit den 20 Prozent, die BP an dem Staatskonzern hält, fließen 2017 immerhin 836 Millionen Dollar zusätzlich in die Kasse. Nicht nur finanziell profitiert BP von dem Deal, sondern auch durch eine bessere Beziehung zu Russland. So arbeiten BP und Rosneft gemeinsam an der Exploration von Gasvorkommen in Westsibirien.

Auch wenn viele den Untergang der Ölkonzerne heraufbeschwören, noch machen Branchenriesen wie BP den Hauptteil ihres Gewinns mit der Förderung, Verarbeitung und dem Verkauf von Öl und Gas. Fast 70 Prozent der Einnahmen stammten aus den zwei Geschäftssparten. Die Zeiten, in denen Öl Autos, Fabriken und Heizungen zum Laufen bringt, sind nach Ansicht des Konzerns noch lange nicht vorbei. Bis 2040 würden Öl und Gas rund 40 Prozent der benötigten Energie liefern, prognostizieren Experten von BP in London.

Die Nachfrage nach Energie wächst weiter, „getrieben von steigenden Einkommen in Schwellenländern und einer bis 2040 auf neun Milliarden wachsenden Weltbevölkerung“. Das Wachstum werde sich aber verlangsamen – und zu unterschiedlichen Maßen aus den verschiedenen Energiequellen zusammensetzen. Bis 2040 dürften erneuerbare Energien am deutlichsten zulegen – aber letztlich dann doch nur 14 Prozent des gesamten Energiebedarfs decken.

Der Amerikaner hat den Ölkonzern vor dem Kollaps bewahrt. Quelle: Bloomberg
BP-Chef Bob Dudley

Der Amerikaner hat den Ölkonzern vor dem Kollaps bewahrt.

(Foto: Bloomberg)

Folglich spielen Erneuerbare Energien für BP noch eine untergeordnete Rolle – wenngleich sich der Konzern auch dort mit Zukäufen verstärkt. Erst vor wenigen Wochen hatte BP sich an dem britischen Solarunternehmen Lightsource beteiligt und dafür rund 200 Millionen Dollar auf den Tisch gelegt. Der Ölkonzern will 500 Millionen Dollar pro Jahr in grüne Projekte investieren, was allerdings nur einen Bruchteil des gesamten Budgets ausmacht.

Mit seiner Prognose ist der britische Ölkonzern allerdings optimistischer als die Konkurrenz. So rechnet etwa Shell schon 2025 mit dem Erreichen des sogenannten „peak oil demand“, also dem Höhepunkt der weltweiten Ölnachfrage. BP-Analysten geben dem Rohstoff in ihrem Szenario hingegen zehn Jahre mehr Zeit. Beide Konzerne setzen für die mittelbare Zukunft deswegen zwar auf Gas, in dem Bereich hinke BP allerdings hinterher, warnt Analyst Diermeier.

„Gas ist schon jetzt der am schnellsten wachsende fossile Energieträger, und die CO2-Diskussion wird sich in den nächsten Jahren noch verschärfen. Jetzt wird über das Ende der Kohle diskutiert, in zehn bis 20 Jahren wird Öl kein großer Wachstumsfaktor mehr sein, dann kommt es auf das Gasgeschäft an“, erklärt der Analyst. Vor allem in Sachen Flüssigerdgas liegt BP im Rückstand. Der Treibstoff gilt besonders für die Schifffahrt als gute Alternative zu Schweröl und Diesel.

Erste Dividendenerhöhung seit 2014

Hier haben Shell, mit der Übernahme des britischen Gasspezialisten BG Group, und auch der französische Konkurrent Total deutlich mehr investiert, so Diermeier. Erst im Juli verkündete das Pariser Unternehmen die Übernahme der LNG-Sparte des heimischen Energieversorgers Engie im Wert von 1,5 Milliarden Dollar. Damit ist Total weltweit die Nummer zwei in Sachen Flüssigerdgas.

Bei BP ist man trotzdem zufrieden. „Es hat einige Zeit gedauert, aber jetzt ist BP in einer großartigen Verfassung“, lobt BP-Chef Dudley sich und seine 74.000 Mitarbeiter. Auch die Aktionäre scheinen geneigt, die Krise abzuhaken, wozu auch die erste Dividendenerhöhung seit 2014 beigetragen haben dürfte. Seit Jahresbeginn hat das in London notierte Papier knapp fünf Prozent zugelegt, in den vergangenen zwölf Monaten ging es 20 Prozent bergauf – deutlich mehr als bei der Konkurrenz von Royal Dutch Shell.

Angesichts der guten Entwicklung blieb dieses Jahr die Kritik an dem Gehalt des Firmenchefs aus. Vor zwei Jahren, als der Konzern für 2015 die höchsten Verluste in der Firmengeschichte auswies und Dudley zugleich das Spitzengehalt von 19,6 Millionen Dollar erhalten sollte, hatte die üppige Vergütung zu heftigen Protesten der Aktionäre geführt. Dieses Jahr belief sich die Entlohnung für den 62-Jährigen auf 13,4 Millionen Dollar.

Ans Aufhören denkt der Amerikaner aber auch nach acht Jahren noch nicht, wie er Anfang des Jahres der britischen „Times“ sagte: Er komme aus einem Umfeld, in dem man nicht vor dem Alter von 65 ans Aufhören denke. „Es gibt keine Deadline, kein Ende“, erklärte er. „Das ist ein langfristiges Business. Wir haben noch viel zu tun.“

Der weltweite Kampf der Konzerne um Marktanteile war noch nie so hart wie heute. Das Handelsblatt stellt in loser Folge wichtige internationale Akteure vor und analysiert ihre Stärken und Schwächen.

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