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Energie

Shell, BP, Total Ölkonzerne schreiben Milliardenverluste im zweiten Quartal

Die großen Ölmultis haben ihre Zahlen für das zweite Quartal vorgelegt. Erst jetzt zeigt sich das Ausmaß der Corona-Pandemie bei den Energiekonzernen. 
04.08.2020 - 10:59 Uhr Kommentieren
Für die Milliardenkonzerne ist es eines der schlimmsten Quartale in der Geschichte.  Quelle: dpa
Ölmarkt

Für die Milliardenkonzerne ist es eines der schlimmsten Quartale in der Geschichte. 

(Foto: dpa)

Düsseldorf Als Shell sich vor vier Monaten in einer historischen Entscheidung dazu durchrang, seine Dividende zum ersten Mal seit Ende des Zweiten Weltkriegs zu senken, machte BP genau das Gegenteil: Der britische Ölkonzern erhöhte seine Dividende gar um 2,4 Prozent auf 10,5 Cent je Aktie. Doch nun knickt auch BP ein. 

Zum ersten Mal seit zehn Jahren kürzt das Londoner Unternehmen seine Dividende. Den Aktionären zahlt BP für das zweite Quartal nur noch 5,25 US-Cent pro Aktie.

„Insbesondere das Zurücksetzen der langfristigen Preisannahmen und die damit verbundenen Wertminderungs- und Abschreibungskosten hatten einen großen Einfluss auf unser Ergebnis. Darunter blieb unsere Leistung jedoch stabil mit einem guten Cashflow und vor allem einem sicheren und zuverlässigen Betrieb“, sagte BP-Chef Bernard Looney bei der Vorstellung der Zahlen in London.

Insgesamt meldete BP einen Verlust von 16,8 Milliarden Dollar für das zweite Quartal. Und kommt damit neben seinen Wettbewerbern sogar noch einigermaßen günstig davon. Für die Ölmultis ist es eines der schlechtesten Quartale in der Geschichte der Branche. 

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    Zusammen genommen machten die fünf größten Ölkonzerne Shell, Exxon Mobil, BP, Total und Chevron von März bis Juni bei einem Umsatz von über 131 Milliarden Dollar ein Minus von 52,7 Milliarden Dollar. Im ersten Quartal war Big Oil zusammen immerhin noch auf ein Plus von einer Milliarde Dollar gekommen.

    Seit zwanzig Jahren haben die Ölmultis nicht mehr so hohe Verluste eingefahren. Die Zeiten der großen Gewinne sind erst einmal vorbei. 

    Wegen der Coronakrise ist die Nachfrage nach Öl und Gas weltweit über Nacht eingebrochen. Und das auf einem Markt, der schon lange vor der Pandemie viel mehr fossile Rohstoffe förderte, als verbraucht wurden. In der Folge stürzten die Ölpreise ein. Im April rutschte der Preis für ein Barrel der US-Sorte WTI sogar kurzzeitig ins Minus.

    Zwar haben sich die Preise mittlerweile auf knapp 40 Dollar je Barrel eingependelt. Seit Dienstag sind sie allerdings aufgrund der weltweiten Angst vor einer zweiten Corona-Welle wieder auf dem Weg nach unten. 

    Exxon Mobil und Chevron kriseln

    US-Riese Exxon Mobil musste seine Produktion im zweiten Quartal wegen der gesunkenen Nachfrage um sieben Prozent auf 3,6 Millionen Barrel (je 159 Liter) pro Tag zurückfahren. Die Erlöse halbierten sich auf 32,6 Milliarden Dollar. Mit einem Verlust von 1,1 Milliarden Dollar kam der texanische Konzern allerdings noch verhältnismäßig günstig davon. 

    Chevron erlitt den größten Quartalsverlust seit zwanzig Jahren. Unterm Strich machte das US-Unternehmen ein Minus von 8,3 Milliarden Dollar. Ein Jahr zuvor hatte Chevron noch 4,3 Milliarden Dollar verdient. 

    Die wirtschaftlichen Folgen der Covid-19-Pandemie hätten die Nachfrage und die Preise an den Rohstoffmärkten stark gedrückt, erklärte Chevron-Chef Michael Wirth. Der Umsatz brach um rund 65 Prozent auf 13,5 Milliarden Dollar ein. 

    Zudem fielen nach einer Kündigungswelle hohe Kosten für Abfindungen und milliardenschwere Abschreibungen auf Öl- und Gasanlagen an. Das Geschäft im krisengeschüttelten Venezuela wurde komplett abgeschrieben. Waren Chevron-Aktien Anfang August 2019 noch 106 Dollar wert, sind sie ein Jahr später um 32 Prozent gefallen. Bei Konkurrent Exxon beträgt der Wertverlust gar 42 Prozent. 

    Shell mit dem größten Verlust

    Auch den französischen Total-Konzern holt die Krise im zweiten Quartal ein. Acht Milliarden Dollar muss das Unternehmen aus Paris innerhalb von drei Monaten abschreiben. Im zweiten Quartal sei der Preis für Rohöl der Sorte Brent auf im Schnitt 30 Dollar je Fass abgesackt, begründete Total-Chef Patrick Pouyanné den Milliardenverlust. Der Gaspreis habe einen historischen Tiefstand erreicht und die Margen im Raffinerie-Geschäft seien eingebrochen.

    Den größten Verlust musste allerdings der britisch-niederländische Shell-Konzern hinnehmen. Wie angekündigt, musste der Ölriese aufgrund von Abschreibungen ein Minus von über 18 Milliarden Dollar im zweiten Quartal verbuchen. Die Aktie des Konzerns sackte innerhalb von einem Jahr um über 48 Prozent auf 13,22 Dollar ab. 

    Die historisch schlechten Ergebnisse verschärfen Probleme der Ölgiganten, die schon vor der Krise mehr als real waren. Dazu gehört nicht nur ein überversorgter Markt, sondern auch Investoren, die vor dem Hintergrund des Klimawandels und der zunehmenden Konkurrenz durch erneuerbare Energien immer kritischer auf die fossilen Riesen schauen. 

    Laut der Investmentbank Evercore ISI befinden sich die Anlagen der Multis auf einem 15-Jahrestief. BP, Shell und Total notieren im Vergleich zum gesamten S&P 500 so schlecht wie seit 30 Jahren nicht mehr. Bei Exxon sieht es im S-&-P-500-Vergleich sogar so schlecht aus wie zuletzt 1977. 

    Die Ölpreise haben sich mittlerweile zwar einigermaßen stabilisiert. Aber mit einer schnellen Erholung nach der Krise rechnen selbst die Ölkonzerne nicht mehr.  

    Mehr: Die Ölkonzerne stehen vor ihrer größten Herausforderung

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