Energie

Shell treibt Projekt voran Bohren um jeden Preis

Die Ölpreisentwicklung zwingt den Ölkonzern Shell auf Investitionen zu verzichten. Ausgerechnet ein hoch umstrittenes Prestigeprojekt vor Alaska will der Konzern aber unter allen Umständen vorantreiben.
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Shell treibt sein umstrittenes Bohrprojekt vor Alaksa gegen alle Widerstände voran. Quelle: dpa
Ölkonzern hält an Arktis-Projekt fest

Shell treibt sein umstrittenes Bohrprojekt vor Alaksa gegen alle Widerstände voran.

(Foto: dpa)

LondonUngeachtet des Drucks durch drastisch eingebrochene Weltmarktpreise hält der britisch-niederländische Ölkonzern Shell an seinem umstrittenen Arktis-Projekt in Alaska fest. Shell wolle noch in diesem Jahr mit den Bohrungen beginnen, sagte Vorstandschef Ben van Beurden am Donnerstag bei der Jahrespressekonferenz des Konzerns in London. Gegen das Projekt bestehen erhebliche Bedenken von Umweltschützern. Wichtige Genehmigungen der US-Bundesregierung stehen noch aus.

„Wir glauben nicht nur daran, dass wir die Herausforderungen beherrschen können, wir haben dafür auch Datenmaterial“, sagte Shell-Finanzvorstand Simon Henry. Nach seinen Angaben kostet den Konzern die Logistik für das Arktik-Projekt in diesem Jahr mehr als eine Milliarde US-Dollar, für den Fall dass gebohrt werden kann. „Falls nicht, kostet es knapp eine Milliarde“, sagte er.

Die Umweltorganisation Greenpeace kritisierte die Pläne scharf. „Dort zu bohren bedeutet eine umweltschützerische und finanzielle Katastrophe“, sagte Greenpeace-Aktivist Charlie Kronick. Die Investoren müssten begreifen, dass Shell die Jagd nach Öl in den Gewässern vor der Arktis nicht länger rechtfertigen könne.

Shell hat im abgelaufenen Geschäftsjahr die Investitionen weltweit deutlich zurückgeschraubt. In den nächsten drei Jahren will der Konzern auf ursprünglich geplante Investitionen in Höhe von 15 Milliarden Dollar verzichten. Allein im vergangenen Jahr seien Firmenwerte in gleicher Größenordnung verkauft worden.

Welche Multis den Ölmarkt dominieren
Waves crash over the conical drilling unit Kulluk where it sits aground on the southeast side of Sitkalidak Island, Alaska
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Stürmische Zeiten: Trotz der weltweiten Wirtschaftsflaute fahren die größten Ölkonzerne der Welt satte Gewinne ein. Der Energie-Informationsdienst Oilandgasiq hat die zehn größten Öl- und Gaskonzerne nach dem täglichen Fördervolumen zusammengestellt.

Stand: Mai 2013

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Platz 10: Kuwait Petroleum Corporation (KPC)

Den letzten Rang unter den Top-10 Ölkonzernen der Welt erreicht der staatliche Ölförderer von Kuwait. Die Kuwait Petroleum Corporation ging aus der Anglo-Persian Oil (heute BP) und Gulf Oil (heute Chevron) hervor. Die Kuwaitis beschäftigen 15.800 Menschen und fördern 3,2 Millionen Fass Öl am Tag. Ein Fass oder Barrel entspricht rund 159 Litern. Im Golfkrieg in den 1990ern setzten irakischen Streitkräfte mehr als 700 kuwaitische Ölquellen in Brand.

Pump jacks are seen in the Midway Sunset oilfield in this file photo
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Platz 9: Chevron

Die Wurzeln des drittgrößten Unternehmens der USA reichen bis 1879 zurück, als die Pacific Coast Oil Company gegründet wurde. Später schluckte Standard Oil das Unternehmen und nannte es SoCal. 1984 schlossen sich dann SoCal und Gulf Oil unter dem Namen Chevron zusammen. Die Kalifornier fördern 3,5 Millionen Barrel am Tag. Rund 62.000 Menschen arbeiten weltweit für den Konzern.

The "Lolair" drilling platform from state oil monopoly Petroleos Mexicanos (PEMEX) is seen off the port of Veracruz, Mexico
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Platz 8: Pemex

Mexiko verstaatlichte 1938 die gesamte Ölindustrie. Heute gilt der Energieriese als eines der größten Unternehmen Lateinamerikas und größter Steuerzahler Mexikos. Die 138.000 Mitarbeiter fördern 3,6 Millionen Fass Öl am Tag.

An old Shell logo is seen on a vintage fuel wagon at a railway station in the town of Naumburg
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Platz 7: Royal Dutch Shell

Der siebtgrößte Ölförderer der Welt entstand 1907 aus dem Zusammenschluss einer niederländischen und einer britischen Firma. Der weltweit bekannte Konzern setzte sich 2012 mit einer Marktkapitalisierung von 140 Milliarden Dollar an die Spitze des britischen Leitindex FTSE. Mit 87.000 Angestellten fördert der Multi 3,9 Millionen Barrel Öl am Tag.

Gulf Oil Spill-Settlement
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Platz 6: BP

Auf eine lange Historie blickt auch British Petroleum, kurz BP, zurück. Die Burmah Oil Company ging 1909 in der Anglo-Persian Oil Company auf, die später zur Anglo Iranian Oil und schließlich zu BP wurde. Einen schweren Schlag erhielt der Konzern, als eine Explosion auf der Plattform Deepwater Horizon 2010 mehrere Arbeiter töte. Das auslaufende Öl verseuchte den Golf von Mexiko und richtete eine der größten Umweltkatastrophen an. Der Konzern wurde zu Milliardenstrafen und Entschädigungen verurteilt. Weitere Prozesse laufen.

BP beschäftigt 85.700 Menschen und fördert 4,1 Millionen Fass Öl am Tag.

A oil field worker works at a well head in PetroChina's Daqing oil field in China's northeastern Heilongjiang province
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Platz 5: Petrochina

Den fünften Rang unter den größten Energiekonzernen der Welt hat Chinas Petrochina erobert. Die Karriere des erst 1999 gegründeten Unternehmens ist steil. Der staatseigene Konzern fördert mit 550.000 Arbeitern 4,4 Millionen Barrel.

Ungeachtet der fallenden Ölpreise hat Shell seinen Gewinn im vergangenen Jahr deutlich gesteigert. Netto verdiente der Konzern 19,7 Milliarden Dollar, im Vergleich zu 16,7 Milliarden im Jahr zuvor.

Van Beurden erklärte, dass mit kleineren Projekten, etwa Bohrungen in der Nähe bereits bestehender Felder, erhebliche Produktivitätsreserven gehoben werden könnten. Er kündigte weitere Öl-Aktivitäten in Nigeria an, wo Shell-Projekte in der Vergangenheit große Umweltschäden verursacht hatten. Ein schwieriges Feld bleibe das Nordsee-Öl. Van Beurden versicherte aber: „Ja, die Nordsee hat eine Zukunft.“

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  • dpa
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