Energie

Siemens Investoren fordern vorzeitigen Cromme-Rückzug

Der Druck auf den Aufsichtsratsvorsitzenden von Siemens wächst. Vor der Hauptversammlung fordern wichtige Investoren Gerhard Cromme auf, seine Nachfolge vorzubereiten. Doch Cromme hat auch Unterstützer.
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Gerhard Cromme, der Aufsichtsratsvorsitzende von Siemens, muss sich Kritik der Aktionäre stellen. Quelle: dpa

Gerhard Cromme, der Aufsichtsratsvorsitzende von Siemens, muss sich Kritik der Aktionäre stellen.

(Foto: dpa)

MünchenUnmittelbar vor der Siemens-Hauptversammlung erhöhen wichtige Investoren den Druck auf Aufsichtsratschef Gerhard Cromme. Es gehe bei Siemens inzwischen weniger um Compliance-Themen als um die Begleitung des Vorstands bei Zukunftsthemen wie Technologie und Innovation, sagte Hans-Christof Hirt von Hermes Equity Ownership dem Handelsblatt (Montagausgabe). „Und da stellt sich zwingenderweise die Frage, ob Cromme der richtige Mann ist.“ Investoren aus dem In- und Ausland hätten Cromme in den vergangenen Tagen in Gesprächen wie auch schriftlich aufgefordert, „einen Wechsel an der Aufsichtsratsspitze vorzubereiten und auf der Hauptversammlung 2015 zu präsentieren.“

Cromme ist bis 2018 in den Aufsichtsrat gewählt. Auch Ingo Speich von der Fondsgesellschaft Union Investment sagte aber: „Herr Cromme muss sich um seine Nachfolge kümmern.“ Es gebe keinen Grund für einen sofortigen Rücktritt. Bei aller Kritik habe Cromme auch einiges richtig gemacht, zudem sei Siemens ein hochkomplexer Konzern, den nicht einfach sofort ein anderer Aufsichtsratsvorsitzender übernehmen könne. „Doch erwarten wir in absehbarer Zeit eine konkrete Aussage zur möglichen Nachfolgeregelung.“

Wer über Löschers Nachfolge entschieden hat
ThyssenKrupp - Gerhard Cromme
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Gerhard Cromme - Vorsitzender des Siemens-Aufsichtsrats

Einen bitteren Abgang musste Gerhard Cromme zuletzt selbst verkraften. Beim Industriekonzern Thyssen-Krupp verlor der 70-Jährige seinen Posten als Aufsichtsratschef, nachdem Querelen um Fehlinvestitionen in Süd- und Nordamerika sowie eine Reihe an Kartellverfahren den Konzern erschüttert hatten. Dabei hatte Thyssen-Krupp-Partriarch Berthold Beitz mit einer seltenen öffentlichen Äußerungen zunächst noch im Handelsblatt verkündet: „Cromme bleibt.“

Jetzt ist Cromme der Treiber eines unrühmlichen Abgangs. Bei Siemens ist er Aufsichtsratschef und drängt den Mann aus dem Amt, den er 2007 selbst an die Spitze des Münchener Großunternehmens gehievt hatte: Peter Löscher. Damals war der weitgehend unbekannte Löscher auserkoren worden, den Industrieriesen nach Korruptionsaffären wieder in ein helleres Licht zu rücken. Doch zuletzt fehlte es Siemens an Schwung – und Löscher gilt als Schuldiger. Kraft Amt ist Cromme Mitglied im Präsidium des Aufsichtsrat, das für die Vorbereitung aller Fragen rund um Vorstände und ihre Verträge zuständig ist.

Berthold Huber, leader of Germany's metal worker union IG Metall addresses the media during a news conference at the union's headquarter in Frankfurt
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Berthold Huber - Stellvertretender Aufsichtsratschef

Der Vorsitzende der Gewerkschaft IG Metall, Berthold Huber, ist der oberste Vertreter der Arbeitnehmer im 20-köpfigen Siemens-Aufsichtsrat. Er ist auch Mitglied im vierköpfigen Präsidium des Aufsichtsrates. Huber galt als eines derjenigen Aufsichtsratsmitglieder, auf die Noch-Siemens-Chef Peter Löscher zählen konnte – das galt aber auch für Cromme. Doch auch die Loyalität des Gewerkschaftsmanns ist gebröckelt. Am Samstag tagte Huber mit anderen Arbeitnehmervertretern. Der Abschied Löschers konkretisierte sich und ein Nachfolger wurde in Abstimmung mit den Vertretern der Eigner im Aufsichtsrat erkoren – Siemens-Finanzchef Joe Kaser.

Ackermann chairman of Zurich Insurance Group answers questions after delivering opening speech of Reuters Global Wealth Management Summit in Geneva
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Josef Ackermann - Stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender

Der ehemalige Chef der Deutschen Bank, Josef Ackermann, wurde zunächst als möglicher Nachfolger Crommes gehandelt, sollte dieser ebenfalls über den Abgang Löschers stolpern. Irgendwelche Ambitionen in diese Richtung dementierte Ackermann aber. Mittlerweile gab er bekannt, dass er sich ganz aus dem Gremium zurückzieht. Zuvor war er bereits als Verwaltungsratspräsident bei der Zurich Versicherung abgetreten. In der Nachfolgesuche hatte Ackermann als Mitglied des Präsidialausschusses ebenfalls eine zentrale Rolle inne. Der Präsidialausschuss entscheidet auch über eine Abfindung beziehungsweise die Details der Vertragsauflösung Löschers (hier geht's zur Ausschuss-Geschäftsordnung).

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Lothar Adler - Gesamtbetriebsratschef Siemens

Viertes Mitglied im Aufsichtsratspräsidium ist Lothar Adler, Gesamtbetriebsratschef bei Siemens. Auch er könnte noch weitere heiße Stunden vor sich haben. Denn Siemens-Chef Peter Löscher will es auf eine Kampfabstimmung im Aufsichtsrat anlegen – für die Abstimmung über einen möglichen Nachfolger werden dort zwei Drittel der Stimmen benötigt. Würde dieses Quorum nicht erreicht, käme der Vermittlungsausschuss des Aufsichtsrats zum Einsatz. Dieses Untergremium ist allerdings genauso besetzt wie das Präsidium. Eine Kompromisssuche läge also in den Händen derer, die den ursprünglichen Wahlvorschlag unterbreitet haben.

Die Arbeitnehmer stellen neben Huber und Adler acht weitere Aufsichtsratsmitglieder.

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Gerd von Brandenstein - Vertreter der Siemens-Familie

Nicht unterschätzt werden darf beim Konzern der Einfluss der Familie Siemens: Sie hält zwar über Stiftungen und Vermögensverwaltungen nur noch einen Anteil von sechs Prozent – die große Mehrheit ist in Besitz vor allem angelsächsischer Anlagegesellschaften. „Doch wenn die Familie über einen Vorstandschef den Daumen senkt, war's das für ihn“, sagt ein Siemens-Insider. Allerdings hält sich die Dynastie, die Gerd von Brandenstein im Aufsichtsrat vertritt, mit direkter Einflussnahme traditionell ebenso zurück wie mit öffentlichen Auftritten. Doch die Familie Siemens ist die stille Macht im Konzern.

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Hans Michael Gaul

Zu den zehn Vertretern der Kapitalseite im Aufsichtsrat, also der Eigentümer der Siemens-Aktien, zählt Hans Michael Gaul. Der ehemalige Vorstand des Energiekonzerns Eon ist Vorsitzender des Prüfungsausschusses des Konzerns, das heißt, er kontrolliert maßgeblich die Aufstellung von Gewinnabschlüssen und Bilanzen.

Werner Wenning
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Werner Wenning

Der ehemalige Vorstandsvorsitzende und amtierende Aufsichtsratschef des Chemie- und Pharmakonzerns Bayer, Werner Wenning, kennt sich aus mit schwierigen Nachfolgeprozessen. Im Aufsichtsrat der Deutschen Bank hatte Wenning mitgemischt, als es dort um das Ausscheiden Josef Ackermanns als Vorstandschef heftige Scharmützel gegeben hatte. Mittlerweile hat der 66-Jährige das Mandat bei der Bank aber niedergelegt.

Handelsblatt Energie Briefing
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