Energie

Siemens Kaesers Öl-Phantasien

„Eine coole Industrie“ sagt Siemens-Chef Joe Kaeser über die Öl-Branche. Kaum hat er den Industrieausrüster Dresser-Rand gekauft, wird schon über weitere Zukäufe spekuliert. Ein solcher Schritt käme überraschend.
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Vorstandschef Joe Kaeser hat bereits den Ölkonzern-Ausrüster Dresser-Rand gekauft. Quelle: dpa

Vorstandschef Joe Kaeser hat bereits den Ölkonzern-Ausrüster Dresser-Rand gekauft.

(Foto: dpa)

MünchenVor gut zwei Monaten war Joe Kaeser bei der Erdöl-Fördergemeinschaft Opec zu Besuch. Der Siemens-Chef fühlte sich von dem Empfang geschmeichelt, er hat seinen Gefallen an der Ölbranche gefunden. „Eine coole Industrie“, da gelte noch ein Händedruck, sagte er bei der Energie-Messe Ceraweek in dieser Woche. In den Vereinigten Staaten trommelte er dieser Tage für seine Öl-Strategie. Die teure Übernahme des Kompressorenherstellers Dresser-Rand, lautete seine Botschaft, werde sich langfristig trotz des Ölpreisverfalls auszahlen.

Denn eins gilt weiterhin: Kaeser will unbedingt ins Öl- und Gasgeschäft. Bislang spielte Siemens dort als Spezialist so gut wie gar keine Rolle. Anders als der große Rivale General Electric (GE). Um aufzuholen holte Kaeser die US-Amerikanerin Lisa Davis zu Siemens („Die Feuerwehrfrau von Siemens“), die ihr ganzes bisheriges Berufsleben in der Ölbranche verbracht hat. Sie führt die Energiesparte von Siemens nun von Houston aus – um noch näher dran zu sein.

Was mal alles Siemens war
Siemens will sechs Milliarden Euro sparen
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Siemens Hausgeräte

Die bekannten Waschmaschinen, Kaffeeautomaten oder Staubsauger mit dem Siemens-Logo stammen in der Regel vom Gemeinschaftsunternehmen Bosch und Siemens Hausgeräte GmbH (BSH), das bereits seit 1967 existiert. Im Jahr 2013 stieg der BSH-Umsatz um 7 Prozent auf 10,5 Milliarden Euro. Inzwischen hat sich Siemens aus dem Geschäft ganz zurückgezogen und die Anteile für drei Milliarden Euro an den Partner Bosch verkauft.

Siemens Gamesa
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Das Geschäft mit Windturbinen hat Siemens im Jahr 2016 mit der spanischen Firma Gamesa zusammengelegt zu „Siemens Gamesa“. An der neuen Gemeinschaftsfirma hält Siemens 59 Prozent.

Im November 2017 besuchte die britische Königin Elizabeth ein Werk des Unternehmens in Kingston upon Hull (Bild).

Siemens Hörgeräte
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Die Hörgerätetochter wollte Siemens ursprünglich an die Börse bringen. Nun verkauft der Konzern sie für 2,15 Milliarden Euro. Die neuen Eigentümer sind der schwedische Finanzinvestor EQT und die Hexal-Gründerfamilie Strüngmann. Sollte sich das Geschäft gut entwickeln, bekommen die Münchner über einen Besserungsschein noch einen Nachschlag. Siemens bleibt mit 200 Millionen Euro Vorzugskapital an der traditionsreichen Tochter beteiligt.

Osram
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Osram

„Licht ist Osram“, lautet der Werbespruch von Osram. Von 1978 bis 2013 gehörte der Hersteller zu Siemens, dann brachte der Mutterkonzern die Tochter an die Börse. Die Siemens-Aktionäre wurden beteiligt. Der Markt ist jedoch im Umbruch, die Preise für LED-Leuchten sind wegen der großen Konkurrenz unter Druck. Der Hersteller fährt deswegen einen Sparkurs und streicht Stellen.

Gigaset bilanziert zweites Quartal
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Gigaset

Das Geschäft mit schnurlosen Telefonen hat Siemens im Jahr 2008 an den Finanzinvestor Arques verkauft, der seit 2011 als Gigaset AG firmiert. Ein Streit über den Verkaufspreis zog sich bis weit in das Jahr 2010 hin, Siemens verzichtet schließlich wohl auf einen niedrigen zweistelligen Millionenbetrag.

huGO-BildID: 8061727 ** ARCHIV ** Ein Stopschild ist am 28. Sept. 2006 in Kamp-Lintfort an einer Produktionshalle des Handy-Herstellers BenQ zu sehe
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Siemens Mobile

Der Verkauf der Handy-Sparte an den taiwanischen Elektronikkonzern 2005 war für Siemens ein unrühmliches Kapitel. Das Rennen mit Branchengrößen wie Nokia konnte Siemens nicht mithalten, doch auch unter den neuen Besitzer hatte das Unternehmen keine Zukunft. Die Firma mit etwa 7000 Mitarbeitern stellte Ende 2006 die Produktion ein.

huGO-BildID: 31796967 FILES - A general view of Nokia Siemens Networks in Espoo on November 23, 2011. Finnish telecom equipment maker Nokia is buying
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Siemens Networks

Das Geschäft mit der Ausrüstung für Telefonnetze brachte Siemens im Jahr 2007 in ein Gemeinschaftsunternehmen mit Nokia ein. Nokia Siemens Networks machte danach etliche Sparrunden durch. Anfang Juli kündigte Siemens den Verkauf seines 50-Prozent-Anteil für 1,7 Milliarden Euro an Nokia an.
Siemens hatte bereits seit langem den Ausstieg aus dem Gemeinschaftsunternehmen gesucht. Mit dem Verkauf des NSN-Anteils treibe das Unternehmen die „Fokussierung auf unser Kerngeschäft weiter konsequent voran“, teilte Joe Kaeser, damals Siemens-Finanzvorstand, mit.

Auch vom Preisverfall beim Öl lässt sich Kaeser bislang nicht irritieren. Der sei nicht nachfragebedingt, argumentiert er. Überhaupt: Die Zyklen im Ölgeschäft gingen über Jahrzehnte. Was macht da schon ein kurzfristiger Preisverfall?

Kein Wunder, dass manche glauben, Kaesers Übernahmehunger sei noch nicht gestillt. Schließlich ist GE noch immer eine deutlich größere Nummer in dem Sektor. Noch ist die umstrittene Dresser-Rand-Akquisition noch gar nicht vollzogen, da machen daher schon Gerüchte über neue Zukaufpläne die Runde. An Teilen von Halliburton soll Siemens interessiert sein. Die Münchener erwägten ein Gebot, berichtet die Finanznachrichtenagentur Bloomberg. Wieder geht es um Milliarden-Summen. Siemens wollte die Gerüchte am Freitag nicht kommentieren. Zu solchen Spekulationen äußert sich der Konzern grundsätzlich nicht.

Handelsblatt Energie Briefing
Schüren Investmentbanken das Interesse an Halliburton?
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