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Energie

Siemens-Vorstand Sen wird Chef der Siemens-Energiesparte – und verliert das Rennen um die Kaeser-Nachfolge

Der Siemens-Vorstand wird Chef der Energiesparte, die kurz vor der Abspaltung steht. Nun hat ein anderer Kandidat beste Chancen, Joe Kaeser zu folgen.
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Sen ist mit dem Siemens-Konzern eng verbunden: Bereits sein Vater war dort Betriebsrat. Quelle: dpa
Michael Sen

Sen ist mit dem Siemens-Konzern eng verbunden: Bereits sein Vater war dort Betriebsrat.

(Foto: dpa)

München Michael Sen erinnert viele Mitarbeiter in der Siemens-Zentrale am Wittelsbacher Platz in München ein wenig an Vorstandschef Joe Kaeser. Beide hatten als Finanzer angefangen, entwickelten aber früh auch einen Blick für das strategische Ganze. Zudem sollen beide sehr selbstbewusst sein – und ein wenig eitel. Und: Sen galt als einer von zwei internen Kandidaten für die Kaeser-Nachfolge, wenn der voraussichtlich Anfang 2021 aufhört.

Doch nun soll der 50-jährige Sen die Energiesparte führen, deren Abspaltung im kommenden Jahr geplant ist. Und er soll den Börsengang über die Bühne bringen. Der Aufsichtsrat tagte am Mittwochnachmittag und bestätigte die Personalie. „Sen bringt vieles mit, was nun gebraucht wird“, hieß es in Aufsichtsratskreisen.

Für Siemens ist die Aufspaltung ein historischer Schritt. Das traditionsreiche Energiegeschäft mit den Gaskraftwerken und der Mehrheitsbeteiligung an Siemens Gamesa steht immerhin für 40 Prozent der Umsätze. Sen wird einen Energiekonzern von Dax-Format führen.

Der Manager hatte lange für die Medizintechniksparte gearbeitet. Im Raum neben seinem Vorstandsbüro hat er Bilder hängen, die ein Gehirn zeigen. Die bunten MRT-Aufnahmen geben die Richtung der Nervenbahnen an. Konkret sind es die von Michael Sen, der als hochintelligenter Analytiker gilt – und hier Modell stand.

Sen bringt einige Voraussetzungen mit für den neuen Job. Der Energiekonzern sei im Grunde eine Art Konglomerat, heißt es in Aufsichtsratskreisen, schließlich ist dort unter anderem die Mehrheitsbeteiligung am Windkraftspezialisten Siemens Gamesa aufgehängt, für den Sen im Siemens-Vorstand verantwortlich ist. Als Finanzexperte beherrscht er das Portfolio-Management. Er war der Kopf hinter dem Börsengang der Medizintechniksparte und ist als Aufsichtsratschef weiter bei Healthineers engagiert.

Sen kennt die Energiebranche

Diese Erfahrungen dürften ihm bei der Abspaltung des Energiegeschäfts – intern derzeit „Powerhouse“ genannt – an die Börse helfen. Auch die Energiebranche kennt Sen, aus Kundensicht: Von 2015 bis zu seiner Rückkehr zu Siemens 2017 war er Finanzvorstand bei Eon.

Bis auf den kurzen Abstecher ist der am Niederrhein geborene Sen aber ein Siemensianer. Seine Karriere startete er mit einer Stammhauslehre, und schon sein Vater war Betriebsrat bei Siemens.

Nach dem BWL-Studium startete er 1996 zunächst in der Finanzabteilung. Als früherer Leiter der Investor-Relations-Abteilung ist er in der Kommunikation mit den Kapitalmärkten geübt. Er hat aber einen breiteren Horizont: Sen war bereits in der Strategieabteilung des Konzerns aktiv und bastelte an den Renditeprogrammen „Fit 4 2010“ und „Fit 4 More“ mit. Mit Kaeser arbeitete er lange zusammen.

Neben Technikvorstand Roland Busch galt Sen bislang als heißester Kandidat für die Kaeser-Nachfolge. „Sen würde sich jeden Job zutrauen“, sagt ein Personalberater. Doch nun ist für Busch, wenn er denn keine gravierenden Fehler macht, der Weg frei.

Als Chief Operating Officer und Technikvorstand hat er schon heute eine Schlüsselposition inne. „Der Konzern braucht jetzt einen Techniker, der die verbliebenen Geschäfte zusammenhält“, sagt ein Kontrolleur, der sich künftig Busch an der Spitze wünscht. Kaesers Vertrag läuft Anfang 2021 aus. In Industriekreisen wird derzeit nicht damit gerechnet, dass er noch einmal verlängert wird. Und: In der künftigen Siemens AG geht es vor allem um Innovationen – da passt Busch.

Bei „Powerhouse“ dagegen um riesige Infrastrukturaufträge. Da muss der Chef um die Welt reisen und Großaufträge hereinholen – und diese dann bei der Abwicklung eng kontrollieren. Da gilt der geschliffen redende Sen vielen im Konzern als gute Besetzung.

In den vergangenen Monaten war er schon öfter auf diplomatischer Mission unterwegs, zuletzt in einer Delegation mit Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier in China. Generell hat Sen aber wenig Auslandserfahrung, sein komplettes Berufsleben verbrachte er in Deutschland. „Das kann man aber lernen“, sagt ein Siemens-Aufsichtsrat.

Mehr: Bei Siemens werden in den kommenden Wochen wichtige personelle Weichen gestellt – auch in der Frage, ob der Chef einen weiteren Vertrag bekommen soll.

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