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Energie

SMA Solar Deutschlands letzter Solarkonzern gibt den chinesischen Markt auf

Umsatzwarnungen, Chefwechsel und rote Zahlen. Jetzt räumt SMA Solar auf: Das Kasseler Unternehmen zieht sich komplett aus dem chinesischen Markt zurück. 
Update: 12.12.2018 - 15:38 Uhr Kommentieren
Der Wechselrichter-Produzent hat 2018 bereits mehrfach seine Jahresziele reduziert. Quelle: dpa
SMA Solar

Der Wechselrichter-Produzent hat 2018 bereits mehrfach seine Jahresziele reduziert.

(Foto: dpa)

DüsseldorfAuf der letzten Bilanzpressekonferenz hatte SMA Solar noch stolz verkündet, dass man in diesem Jahr kräftig wachsen wolle, den Umsatz wieder auf bis zu eine Milliarde Euro in die Höhe schrauben werde und das Geschäft in China gut laufe. Von den guten Vorsätzen ist am Ende des Jahres nicht mehr viel übrig geblieben. 

Zweimal musste der Kasseler Wechselrichterhersteller seine Prognose für das laufende Jahr senken. Statt einer Milliarde soll der Umsatz 2018 jetzt bei 760 bis 780 Millionen Euro liegen. Statt eines Gewinns wird ein operativer Verlust im mittleren bis oberen zweistelligen Millionen-Bereich erwartet. Und statt einem „guten China-Geschäft“, stampft der Solarkonzern seine Produktion fernab der Heimat komplett ein. 

Am Mittwochmorgen kündigte der letzte große Solarkonzern Deutschlands den Rückzug aus dem chinesischen Markt an. Die entsprechenden Standorte werden aufgegeben und an das dortige Management verkauft. 

Die Folge: Weltweit fallen mehr als zehn Prozent der rund 3.300 Stellen weg. 425 Jobs werden abgebaut, darunter 100 in Deutschland. „Wir müssen uns verschlanken“, sagte Jürgen Reinert, Vorstandssprecher von SMA dem Handelsblatt.

Schon vor ein paar Wochen hatte der plötzliche Abgang seines langjährigen Vorgängers Pierre-Pascal Urbon für Spekulationen gesorgt. Dass SMA seinen Traum vom erfolgreichen Eintritt im chinesischen Markt gerade jetzt aufgibt, kann Zufall sein, sei aber eher unwahrscheinlich, meint Solarexperte Götz Fischbeck von Smart Solar Consulting. 

„In den vergangenen sechs Jahren hat SMA viel Geld in China verbrannt, ohne je eine Perspektive auf einen nachhaltigen Erfolg zu haben“, erklärt der Experte. Eine Idee, die von Urbon kam. 

Unter Führung des jungen Managers sollte sich der Kasseler Konzern zu einem international ausgerichteten Unternehmen wandeln. 2012 erfolgte die Übernahme des chinesischen Wettbewerbers Zeversolar, durch den man sich erhoffte, mit dem Preiskampf der chinesischen Konkurrenz mithalten zu können. „Der Versuch den Sprung in den chinesischen Markt zu schaffen wird SMA einen erheblichen Betrag in dreistelliger Millionenhöhe gekostet haben“, erklärt Solarexperte Fischbeck.  

SMA-Chef Reinert sieht den Grund für das Scheitern hauptsächlich in der überraschenden Kürzung der Ausbauziele und die Senkung der Einspeisevergütung im Reich der Mitte. Um nicht auf ihren Modulen sitzen zu bleiben, überschwemmten die chinesischen Solarfirmen den Weltmarkt mit Billig-Produkten und verschärften den ohnehin schon harten Wettbewerb noch einmal deutlich.

„Die Ankündigung aus Peking kam im Mai, bis September herrschte aufgrund dessen eine starke Flaute im Markt. In der Folge haben wir mit einem schlechteren Auftragseingang und kleineren Margen zu kämpfen“, gesteht Reinert ein. Die Jobstreichungen seien deswegen unumgänglich und sollen nun bis 2020 sozialverträglich umgesetzt werden. Den Preiskampf mit China habe man verloren, „für uns jetzt nur der Weg nach vorne machbar“, sagt Reinert. 

Der Konzern will sich von einem Hardware-Hersteller mit dünnen Margen zu einem Energiedienstleister wandeln, der mit cleverer Software und günstigem Sonnenstrom die Gewinne zum Sprudeln bringt. Und das muss SMA auch, warnt Experte Fischbeck. „Nach dem Scheitern im Billig-Segment ist es umso wichtiger, dass die Ergänzung des alten Geschäftsmodells ein Erfolg wird. Das muss klappen, sonst geht die Margenerosion weiter.“

SMA-Chef Reinert will jetzt noch mehr auf den US-Markt setzen. Auch hier habe man im vergangenen Jahr viel verloren, sehe aber die Möglichkeit das auch wieder zurück zu gewinnen. „In diesem Jahr hatten wir schon wieder einen starken Auftragszuwachs“, sagt er optimistisch. 

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