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Energie

Solarbranche EU hebt Schutzzölle für Solarmodule auf – deutsche Hersteller müssen sich Wettbewerb stellen

Verbraucher können sich freuen, Europas Solarindustrie nicht: Mit Aufhebung der Schutzzölle auf chinesische Solarmodule erwartet sie ein verschärfter Preiskampf.
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Für deutsche Solarhersteller dürfte sich der Preiskampf verschärfen. Quelle: dpa
Solaranlage in Deutschland

Für deutsche Solarhersteller dürfte sich der Preiskampf verschärfen.

(Foto: dpa)

DüsseldorfMindestpreise auf chinesische Solarmodule- und Zellen sollten die europäische Photovoltaikbranche vor dem totalen Kollaps retten. Dieser Plan ist nun Geschichte. Am Dienstag wurden die Anti-Dumping- und Anti-Subventionszölle auf Solarmodule aus China aufgehoben. Die deutschen Solarhersteller sind nun auf sich alleine gestellt und müssen sich im marktwirtschaftlichen Wettbewerb beweisen.

Für die Verbraucher bedeutete die Aufhebung zunächst eine Entlastung. Die Energiebranche rechnet mit sinkenden Kosten für Solarstrom nach dem Auslaufen der EU-Schutzzölle. „Das entlastet auch das Portemonnaie der Stromverbraucher“, erklärte der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW).

Die europäischen Solarhersteller allerdings sehen in der Aufhebung der Schutzzölle eine vitale Bedrohung für ihr Geschäft. Per Antrag hatten sie versucht, die Aufhebung zu verhindern. Die EU-Kommission jedoch lehnte eine erneute Verlängerung ab.

Die Entscheidung kommt für die europäische Solarindustrie zur Unzeit. In Europa bestehen seit 2013 Mindestpreise auf chinesische Solarmodule- und Zellen. Wer sich nicht an die Mindestpreise hält, wird bislang mit Strafzöllen bedacht.

Viele deutsche Solarmodulhersteller- und Zulieferer schlitterten vor fünf Jahren im Wettstreit mit chinesischen Anbietern in die Insolvenz. Erst im vergangenen Jahr konnte die verbliebene deutsche Solarindustrie erstmals wieder auf niedrigem Niveau wachsen.

Im Schutz der Zölle ist es den europäischen Herstellern gelungen, die Produktionskosten zu drücken. Unter anderem deswegen wurde bereits 2017 entschieden, die Zölle schrittweise zu reduzieren. Ursprünglich waren Anti-Dumping-Zölle von bis zu 64,9 Prozent erhoben worden.

Dennoch verschärft sich der Preiskampf weiter – auch, weil Chinas Nationale Entwicklungs- und Reformkommission (NDRC) kürzlich überraschend verkündete, die Fördermittel für die gesamte Solarindustrie zu kürzen und neue Projekte deutlich einzuschränken. Aktien von Solarfirmen wie Jinko Solar oder SMA brachen innerhalb kürzester Zeit um bis zu 30 Prozent ein.

In der Folge erwartet die europäische Solarbranche eine erneute Schwemme von Billigmodulen aus China. „Während andere Länder wie die USA, Indien, Kanada oder die Türkei längst strikte Maßnahmen gegen die drohende Solarschwemme aus China einführen, beendet die EU ihre Anti-Dumping-Zölle und macht die Tür weit auf“, warnt EU-ProSun-Präsident Milan Nitzschke.

Nun erwägen bereits mehrere Unternehmen die Möglichkeit, gegen die Entscheidung vor dem Europäischen Gerichtshof in Luxemburg zu klagen, so der Verband. „Nur die EU verwirft gleichzeitig verantwortungslos alle Maßnahmen und fordert die chinesischen Produzenten auf, den Wettbewerb in Europa und Drittländern auf dem EU-Markt zu beenden“, sagte Nitzschke.

Der Verband Solar Power Europe hingegen, der den Teil der Solarbranche vertritt, der sich gegen Zölle ausspricht, weist auf Studien der Kommission und der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft EY hin. Demnach könnte die Nachfrage auf Solarmodule durch das Auslaufen der Zölle um bis zu 30 Prozent steigen und so etwa 45.000 Arbeitsplätze schaffen.

Solarkonzerne wie der Wechselrichterhersteller SMA aus Kassel rechnen mit einer Verschärfung des ohnehin schon harten Wettbewerbs und aufgrund der restriktiveren Solarförderung in China mit einem deutlich niedrigerem Marktwachstum für den Rest der Branche. Die nun auslaufenden Anti-Dumping-Vorschriften der EU dürften die Wachstumsaussichten nun weiter eintrüben.

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