Energie

Solarmodulhersteller Wie Sunways in die Pleite schlitterte

Nun hat es auch Sunways erwischt: Das Amtsgericht Konstanz hat ein Insolvenzverfahren über den Solarmodulhersteller eröffnet. Die Geschichte eines abgestürzten Stars.
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Ein Bild aus besseren Zeiten: Der Preisverfall in der Solarbranche macht Sunways zu schaffen.+ Quelle: dpa

Ein Bild aus besseren Zeiten: Der Preisverfall in der Solarbranche macht Sunways zu schaffen.+

(Foto: dpa)

DüsseldorfAuf dem Höhepunkt des Erfolgs, mitten im Geschäftsjahr 2010, will der Solarmodulhersteller Sunways die Weichen für die Zukunft stellen. Niemand ahnt, dass der Weg gut zwei Jahre später aufs Abstellgleis führt.

Im besten Jahr der inzwischen knapp 20-jährigen Firmengeschichte verlagert das Konstanzer Unternehmen einen Teil seiner Produktion nach China. Sunways lässt seine in Deutschland produzierten Solarzellen beim chinesischen LDK-Konzern zu Modulen zusammenbauen.

Die Preise für Photovoltaikmodule fallen in dieser Zeit um etwa 14 Prozent im Jahr. Der Weg nach China soll verhindern, dass den Konstanzern die Abwärtsspirale einmal zum Verhängnis wird. 2010 schließt der 344-Mann-Betrieb mit einem Gewinn von mehr als neun Millionen Euro ab. Es ist das letzte Jahr mit schwarzen Zahlen.

Ein paar Monate später holt der Markt das Unternehmen brutal ein. Die Preise rauschen mit 40 Prozent pro Jahr in den Keller. Bis die fertigen Module mit dem Schiff aus China zurückkommen, vergehen acht bis zehn Wochen. In dieser Zeit verbilligt sich die Ware schon wieder so stark, dass Sunways sie nicht mehr kostendeckend verkaufen kann.

Aus Sicht der hiesigen Anbieter sind dafür nicht nur chinesische Billiglöhne verantwortlich. Die Miesere sei auch eine Folge riesiger staatlicher Subventionen: „Chinesische Firmen bekommen von ihrer Regierung kostenloses Land und sogar ganze Produktionshallen zur Verfügung gestellt. Sie müssen nur noch die Maschinen kaufen und können loslegen“, schimpft eine Managerin aus dem Schwarzwald.

Auf Drängen einiger europäischer Solarfirmen ermittelt seit September die EU-Kommission. Die Behörde des Handelskommissars Karel De Gucht prüft Strafmaßnahmen für Dumping, also den Auslands-Verkauf von Gütern unter Wert. Heute hat die EU-Kommission offenbar grünes Licht für Strafzölle auf chinesische Solarpanels gegeben. Die Zölle sollen ab dem 6. Juni in Kraft treten und bei durchschnittlich 47 Prozent liegen, sagten zwei EU-Mitarbeiter der Nachrichtenagentur Reuters.

Für etliche Hersteller kommt dieser Vorstoß aber bereits zu spät. Unternehmen wie Q-Cells, Solon, Centrotherm oder Solarhybrid haben längst Insolvenz angemeldet. Seit Dienstag Abend ist die Liste der deutschen Solarpleiten um einen Namen länger: Auf Antrag der BW-Bank hat das Amtsgericht Konstanz auch über die Sunways AG ein Insolvenzverfahren eröffnet.

Der Fall zeigt einmal mehr, wie brutal sich die gigantischen Überkapazitäten der Branche in China hierzulande auswirken: Innerhalb von zwei Jahren ist der Umsatz von Sunways um 80 Prozent nach unten gekracht. Im operativen Geschäft gab das Unternehmen in dieser Zeit fast 40 Millionen Euro mehr aus, als es einnahm.

An der Misere konnte auch der Einstieg des LDK-Konzerns bei Sunways nichts ändern. Der einstige chinesische Billigdienstleister wurde 2012 zum Mehrheitseigner. Bislang griff der Konzern aus Fernost den Konstanzern mit einem geschätzten zweistelligen Millionenbetrag unter die Arme. Doch seit ein paar Wochen ist klar, dass auch die Chinesen Probleme haben. LDK konnte im April eine Wandelanleihe nicht voll bedienen und gilt spätestens seit diesem Vorgang selbst als angeschlagen.

Die Dominanz der Chinesen lässt nach
Q-Cells firmiert als Hanwha Q.Cells
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Platz 9: Hanwha Solar One und REC

Das Research-Team des Handelsblatts hat aus Daten von Bloomberg, des Marktforschers IHS und Unternehmensangaben die aktuell zehn größten Solarmodul-Hersteller der Welt ermittelt. Die Liste dürfte vor allem für die Deutschen ernüchternd sein.

Den zehnten Platz teilen sich das koreanische Unternehmen Hanwha Solar und das norwegische Unternehmen REC. Beide verkauften 2012 jeweils Solarmodule mit einem Erzeugungspotenzial von 750 Megawatt.

File photo of Obama touring the DeSoto Next Generation Solar Energy Center in Arcadia
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Platz 8: Sun Power

Das 1985 im US-amerikanischen Silicon Valley gegründete Unternehmen Sun Power machte im vergangenen Jahr rund 1,9 Milliarden Euro Umsatz und verkaufte Solarmodule mit einer Erzeugungskapazität von 850 Megawatt; des entspricht in etwa der Leistung eines mittleren Kohlekraftwerks.

Im Bild besichtigt US-Präsident Barack Obama eine Solaranlage in Florida.

Studie: Deutsche Solarfirmen unter Druck
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Platz 7: Jinko Solar

Auf dem siebten Platz befindet sich das chinesische Unternehmen Jinko Solar. Es setzte 2012 mit Auslieferungen von Solarmodulen mit einer Erzeugungskapazität in Höhe von 900 Megawatt insgesamt 591 Millionen Euro um.

Sharp Corporation net loss of 1.27 Billion US Dollars for April-J
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Platz 6: Sharp

Zu den großen Gewinnern beim Ranking 2012 gehört Sharp. Das Unternehmen lieferte im vergangen Jahr Solarmodule mit einem Stromerzeugungspotenzial von 1050 Megawatt aus. 2011 waren es noch 725 MW, was Sharp damals den 16. Platz in der Weltrangliste brachte.

huGO-BildID: 30343792 A man walks outside the headquarters of Suntech Power Holdings Ltd. in Wuxi, in eastern China's Jiangsu province Thursday
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Platz 5: Suntech

Der chinesische Konzern Suntech stürzte mit verkauften Solarmodulen mit einer Erzeugungskapazität von geschätzt 1390 Megawatt vom ersten Platz im Jahr 2011 auf den fünften Platz ab. Im April musste das Unternehmen seine Zahlungsunfähigkeit mitteilen und ist nun offenbar auf der Suche nach einem strategischen Investor.

The International Photovoltaic Power Generation Expo in Japan
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Platz 4: Canadian Solar

Das Unternehmen Canadian Solar wurde erst im Jahr 2001 im kanadischen Ontario gegründet. Nun befindet es sich bereits auf dem vierten Platz der Weltrangliste. Im Jahr 2012 verkaufte es Solarmodule mit einem Stromerzeugungspotenzial von 1550 Megawatt.

Neuer Solarpark geht ans Netz
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Platz 3: Trina Solar

Das chinesische Unternehmen Trina Solar schaffte einen großen Sprung vom fünften Platz 2011 auf den dritten Platz 2012. Im vergangenen Jahr lieferte das Unternehmen Solarmodule mit einer Erzeugungskapazität von 1600 Megawatt aus.

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