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Energie
Solarstraße in Erftstadt

16.000 Kilowattstunden Strom soll das kleine Pilotprojekt in der Nähe von Köln erzeugen.

(Foto: Solmove)

Solarstraßen Wenn die Straße zum Kraftwerk wird

Die erste deutsche Solarstraße spendet Strom, schluckt Lärm, beleuchtet sich nachts und denkt sogar mit. Für den Solmove-Gründer ist das erst der Anfang.
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Düsseldorf Es sind nur 90 Meter. Aber für Donald Müller-Judex ist es der Anfang von etwas ganz Großem. Mitte November hat er im rheinischen Erftstadt die erste Solarstraße Deutschlands eröffnet. Und der gelernte Maschinenbauer träumt mit seinem Start-up Solmove schon von ganzen Solarautobahnen.

Das Prinzip klingt simpel: Spezielle Solarmodule, die auf dem Asphalt verlegt werden, leiten Energie ins öffentliche Netz und befreien sich durch Wärmeerzeugung im Winter sogar selbst von Schnee und Eis. 16.000 Kilowattstunden Strom soll das kleine Pilotprojekt in der Nähe von Köln erzeugen.

Im Moment ist der Weg in die Zukunft noch für Fahrräder gedacht. „Aber möglich ist mit der Technologie auch die Beleuchtung der Straße und natürlich das Laden von Elektroautos während der Fahrt“, erklärt der 56-jährige Gründer.

Die Idee sei ihm während einer Autofahrt durch das Allgäu gekommen. Überall habe er nach freien Dächern für eine Solaranlage gesucht, „aber alles war bereits belegt.“ Und so fing er an darüber nachzudenken, ob nicht die asphaltierte Fläche selbst genutzt werden könne. „Ein Viertel der Straßen in Deutschland könnte den Strom für 30 Millionen E-Autos liefern“, begeistert sich der gebürtige Rheinland-Pfälzer.

Ein Quadratmeter Solarteppich erzeuge etwa 100 Watt elektrische Leistung. In einem relativ sonnenarmen Land wie Deutschland komme ein Photovoltaik-Modul von Solmove auf ungefähr 100 Kilowattstunden im Jahr. Den Berechnungen des Gründers zufolge reichen damit 33 Quadratmeter aus, um einen durchschnittlichen Haushalt mit Strom zu beliefern. Oder eben ein Elektroauto 20.000 Kilometer über die Straße zu treiben.

„Ein Viertel der Straßen in Deutschland könnte den Strom für 30 Millionen E-Autos liefern.“
Donald Müller-Judex

„Ein Viertel der Straßen in Deutschland könnte den Strom für 30 Millionen E-Autos liefern.“

Mit seiner Idee ist Müller-Judex allerdings nicht allein. In China ist seit fast einem Jahr die mit einem Kilometer längste Solarstraße der Welt in Betrieb. Auch in den Niederlanden gibt es bereits einen Solarweg für Radfahrer. Und in Frankreich hat Wattaway den ersten Autobahnkilometer eröffnet.

Allerdings mussten die Straßen bislang unter hohem finanziellen Aufwand aufgerissen werden, um die Solarmodule zu verlegen. Solmove legt dagegen eine Art Solarteppich auf den üblichen Straßenbelag auf.

Weitere Testanlagen entstehen

„Im Moment ist das Feedback sehr positiv“, erzählt Müller-Judex. „Wir führen Gespräche für Projekte in Dubai, den USA, Chile und Griechenland.“ Für Rheinenergie und die Ruhrkohle AG entstehen weitere Testanlagen in Köln und Recklinghausen, und mit der Deutschen Bahn prüft er das Potenzial von Solarmodulen auf Gleisen. Im kommenden Jahr startet zudem der Verkauf der Solarmodule an Privatpersonen und Firmen, die ihre Einfahrten und Parkplätze damit pflastern wollen.

Die aktuellen Kosten will Müller-Judex nicht offenlegen. „Natürlich ist das Ganze noch sehr teuer“, gibt er zu. Aber das seien neue Technologien ja immer. An Optimismus mangelt es dem Wahl-Potsdamer schon mal nicht. Er ist überzeugt, dass er von der Serienfertigung nur ein paar Jahre entfernt ist.

Noch produziert eine Spezialglas-Manufaktur im Bayerischen Wald die Gläser, aber Müller-Judex ist bereits in Gesprächen mit Produzenten aus China, die er im Dezember besucht hat. „Wir wollen zukünftig Teile sowohl in China, als auch in Deutschland produzieren“, sagt er.

Damit das Konzept aufgeht, muss die Autoindustrie allerdings erst einmal nachziehen. Induktives Laden während der Fahrt ist bei den heutigen Elektroautomodellen noch keine Serienausstattung. „Auf dem Automarkt gibt es so viel Dynamik wie seit hundert Jahren nicht mehr. Das geht heute alles viel schneller“, ist Müller-Judex sicher.

Der zweifache Familienvater sieht sich mehr als Überzeugungstäter, denn als reiner Unternehmer. „Wir können uns kurzfristige Lösungen nicht mehr leisten. Wir müssen weiter denken, als die Politik. Diesen Pioniergeist, den wir am Anfang der Energiewende hatten, den brauchen wir jetzt mehr als je zuvor“, appelliert er. Müller-Judex ist jedenfalls überzeugt, dass er auf dem richtigen Weg ist. Buchstäblich.

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1 Kommentar zu "Solarstraßen: Wenn die Straße zum Kraftwerk wird"

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  • Gehwege und Radwege sind sicherlich sinnvoller. Die werden nicht von Schwerlast-LKW befahren, Netzanschlüsse sind meist in unmittelbarer Nähe. Da kann man dann auch damit leben, dass in Städten durch Schlagschatten weniger Sonne drauf scheint, das macht der gerungere Wartungs- und Installationsaufwand wett.

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