Energie

Solarworld in der Krise Den Bonnern geht das Geld aus

Deutschlands größter Photovoltaikkonzern Solarworld schlittert immer tiefer in die Krise. Wegen des globalen Preisverfalls bei Modulen wird das Geld knapp. Um zu überleben, brauchen die Bonner wohl eine Kapitalspritze.
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Solarworld-Chef Frank Asbeck kämpft um den Fortbestand seines Photovoltaikkonzerns. Quelle: dpa
Schwere Zeiten für Solarworld

Solarworld-Chef Frank Asbeck kämpft um den Fortbestand seines Photovoltaikkonzerns.

(Foto: dpa)

DüsseldorfIm Frühjahr schien die Welt für Frank Asbeck noch in Ordnung. „Der Solarmarkt ist voll intakt“, erklärte damals der Gründer und Chef von Solarworld. Die Produktionsstätten von Deutschlands größtem Photovoltaikkonzern würden auf Hochtouren laufen. „Alles brummt“, frohlockte Asbeck noch im März und verkündete, dass seine Firma dieses Jahr endlich wieder in die Gewinnzone zurückkehren werde. Heute, mehr als ein halbes Jahr später, sind Asbecks Ankündigungen nur noch Makulatur.

Die Lage für Solarworld hat sich binnen weniger Monate dramatisch verschlechtert. „Seit dem Sommer haben fast alle Solarhersteller und auch wir mit einer neuen globalen Preiserosion zu kämpfen“, schreibt Asbeck im jüngsten Quartalsbericht an seine Aktionäre. Die Ursache: Überkapazitäten chinesischer Produzenten, die jetzt den Weltmarkt mit Billigmodulen fluten. Die Folge: Solarworld verbrennt Geld im Rekordtempo.

So groß sind die Solar-Marktführer
Platz 15: Solarworld (Deutschland)
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Solarworld-Chef Frank Asbeck ist der letzte Überlebende aus der Glanzzeit der deutschen Solarindustrie. Während beinahe alle anderen heimischen Photovoltaikkonzerne in den vergangenen Jahren im Kampf gegen die asiatische Billigkonkurrenz pleitegingen, existiert die Firma des Bonner Ökopioniers immer noch. Dennoch ist die Zukunft von Solarworld ungewiss. Ein 770-Millionen-Dollar schwerer Rechtsstreit mit dem Siliziumhersteller Hemlock Semiconductor bedroht den Fortbestand des Unternehmens. Die drei Fabriken von Solarworld liefen 2015 ungeachtet der Klage aber auf Hochtouren. Nach Berechnungen des Analysehauses IHS produzierte Solarworld Paneele mit einer Kapazität von mehr als tausend Megawatt.

Jahresproduktion: 1.117 Megawatt

Platz 14: REC Group (Norwegen)
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Neben Solarworld ist REC die größte verbliebene Photovoltaik-Marke in Europa. Richtig europäisch ist REC freilich nicht. Das Unternehmen hat zwar seinen Hauptsitz in Norwegen, aber produziert wird vorrangig in Singapur. Anfang 2015 wurde REC zudem von der Elkem Group übernommen. Elkem ist eine Tochter des chinesischen Konzerns Bluestar und stellt Silizium her – das Ausgangsmaterial für die Erzeugung von Photovoltaikzellen. REC beschäftigt rund 2000 Mitarbeiter weltweit und erwirtschaftete 2015 einen Umsatz von rund 755 Millionen Dollar.

Jahresproduktion: 1.188 Megawatt

Platz 13: Sunpower (USA)
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Amerikas zweitgrößter Photovoltaikkonzern ist 2015 wieder in die roten Zahlen gerutscht. Bei einem Umsatz von rund 1,4 Milliarden Dollar meldet Sunpower Verluste in der Höhe von fast 300 Millionen Dollar. 2016 soll es aber wieder aufwärts gehen. Das kalifornische Unternehmen rechnet mit Erlösen von bis zu drei Milliarden Dollar. Sunpower fertigt nicht nur Module, sondern errichtet und betreibt auch eigene Solarparks. In Deutschland erlangte der Konzern als Haupt- und Trikotsponsor des Fußballvereins Bayer 04 Leverkusen Bekanntheit. Die Partnerschaft endete 2013 aber bereits nach zwei Jahren, weil Sunpower wirtschaftlich in Probleme geriet.
Jahresproduktion: 1.253 Megawatt

Platz 12: Shanghai Aerospace Automobile (China)
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In keinem anderen Land der Welt werden so viele Solarmodule hergestellt und Photovoltaikanlagen ans Stromnetz angeschlossen wie in China. Das Reich der Mitte hat Deutschland 2015 als größte Solarnation abgelöst. Und kein Land schickt sich derzeit an, China wieder vom Thron zu stoßen. Im Gegenteil. Bis 2020 will die Staatsregierung in Peking die Solarkapazitäten sogar auf 143 Gigawatt ausbauen. Das wäre eine Verdreifachung der bisherigen Kapazitäten. Einer der größten Profiteure der fernöstlichen Ökorevolution ist schon jetzt die chinesische Firma Shanghai Aerospace Automobile.

Jahresproduktion: 1.282 Megawatt

Platz 11: Risen Energy (China)
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In der ostchinesischen Provinz Zheijang ist Risen Energy beheimatet. Das Unternehmen wurde 1986 gegründet und beschäftigt aktuell etwa 3000 Mitarbeiter. Seine Solarmodule verkauft Risen überwiegend direkt im Reich der Mitte. Einen Grund daran etwas zu ändern, gibt es ohnehin nicht. Schließlich wächst der chinesische Solarmarkt aktuell um gut 48 Prozent pro Jahr.

Jahresproduktion: 1.292 Megawatt

Platz 10: EGing PV (China)
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Allein 2015 war der chinesische Markt für 32 Prozent der weltweit neu installierten Photovoltaikkapazität verantwortlich. Von diesem gigantischen Wachstum profitiert auch die Firma EGing PV überproportional. Das Unternehmen existiert seit 2003 und ist in Schanghai an der Börse notiert. Das Geschäftsmodell der chinesischen Firma umfasst nach eigenen Angaben die Produktion sämtlicher Solarprodukte – von Ingots, Wafern und Zellen bis hin zu Photovoltaikmodulen und der kompletten Errichtung von Solaranlagen.

Jahresproduktion: 1.324 Megawatt

Platz 9: GCL (China)
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Von den 15 weltgrößten Solarkonzernen kommen gleich zehn Unternehmen aus China. Die Staatsregierung rief vor mehr als einem Jahrzehnt zum Aufbau einer eigenen Photovoltaikindustrie auf. GCL zählt zu den führenden Modulproduzenten in China und könnte künftig noch größer werden. Der Konzern ist zuletzt bei dem angeschlagenen Konkurrenten Chaori Solar eingestiegen.

Jahresproduktion: 1.722 Megawatt

Seit Jahresbeginn sind die flüssigen Mittel des Unternehmens um mehr als 100 Millionen Euro geschrumpft – auf nur noch 84 Millionen Euro. Die Eigenkapitalquote von Solarworld ist auf 18,4 Prozent abgesackt. Die Nettoverschuldung schoss parallel um ein Drittel in die Höhe – auf beinahe 315 Millionen Euro. Dadurch hat sich die Risikolage von Solarworld „verschärft“, schreibt der Konzern. Die wirtschaftliche Situation der Firma bewertet der Vorstand nun als „sehr schwierig“. Zuvor hat das Management die Lage stets mit „schwierig“ beschrieben.

Weil Solarworld zum 30. September bestimmte Unternehmenskennzahlen nicht eingehalten hat, musste der Konzern Finanzverbindlichkeiten aus dem langfristigen in den kurzfristigen Bereich in der Bilanz verschieben – mit möglicherweise schwerwiegenden Folgen. Denn theoretisch könnten die Darlehensgläubiger von Solarworld nun Schulden in Höhe von mehr als 180 Millionen Euro fällig stellen. Kommt es dazu, benötigt die Firma wohl eine Kapitalspritze, um zu überleben. Schließlich würden die Forderungen der Darlehensgläubiger die liquiden Mittel von Solarworld um derzeit fast 100 Millionen Euro übersteigen.

„Die Finanzierungssituation von Solarworld hat sich im dritten Quartal erkennbar verschärft“, sagte Arash Roshan Zamir dem Handelsblatt. Dass Solarworld bis 2019 keine Anschlussfinanzierung benötigt, so wie das der Konzern etwa im Konzernbericht 2015 dargestellt hat, ist für Roshan Zamir „so nicht mehr haltbar“.

Solarworld-Sprecher Milan Nitzschke erklärte dem Handelsblatt hingegen: „Die Verfehlung von Covenants-Zahlen führt aufgrund bestehender Vereinbarungen nicht zu einer Veränderung der Kreditlaufzeit.“ Weitere Angaben, warum gerissene Kreditvereinbarungen dahingehend keine Konsequenzen haben sollen, machte Nitzschke nicht.  

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  • Was sollte eine Finanzspritze bewirken ?Von Verlusten kann man nicht leben.

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