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Energie

Solarworld unterliegt Hemlock Asbeck kassiert schwere Niederlage vor US-Gericht

Teure Schlappe für Solarworld: Der Konzern muss laut einem US-Gericht knapp 800 Millionen Dollar Schadenersatz an Hemlock zahlen. Firmenchef Frank Asbeck will sich aber weiter gegen das existenzgefährdende Urteil wehren.
Update: 27.07.2016 - 10:37 Uhr
Der Solarworld-Chef sieht für Hemlock keine Möglichkeit, die Forderungen in Deutschland durchzusetzen. Quelle: Christoph Papsch
Frank Asbeck

Der Solarworld-Chef sieht für Hemlock keine Möglichkeit, die Forderungen in Deutschland durchzusetzen.

(Foto: Christoph Papsch)

Düsseldorf Der Verluste schreibende Solarkonzern Solarworld ist von einem US-Gericht zur Zahlung von knapp 800 Millionen Dollar verdonnert worden. Ein Gericht in Michigan gab der Klage des US-Siliziumlieferanten Hemlock in voller Höhe statt. Solarworld dürfte einen Geldbetrag in dieser Höhe aber nur schwer aufbringen können.

Vorstandschef Frank Asbeck bekräftigte am Mittwoch, gegen den Beschluss in erster Instanz Rechtsmittel einzulegen. „Das Urteil ist in seiner Höhe absurd“, sagte Asbeck der Nachrichtenagentur Reuters. Allein die Anzahlung von über 100 Millionen Dollar, die Solarworld geleistet habe, decke den vermeintlichen Schaden des US-Konzerns. Asbeck, der sich auf einen mehrjährigen Klageweg einstellt, versucht jedoch weiterhin, sich außergerichtlich zu einigen. „Wir sind in permanenten Gesprächen mit Hemlock“, betonte er.

Hemlock hat die Solarworld-Tochter Deutsche Solar verklagt. Hintergrund ist eine Auseinandersetzung um nicht abgenommenes Silizium. In den Boom-Jahren der Solarbranche waren Zellenhersteller bereit, fast jeden Preis für Silizium zu zahlen und schlossen langfristige Verträge. Im Abschwung rächte sich das. Neben Solarworld streitet sich Hemlock in gleicher Sache auch mit der chinesischen JA Solar und fordert knapp eine Milliarde Dollar.

Vor gut zwei Wochen hatte das zuständige Bezirksgericht in Michigan einem Antrag von Hemlock auf ein verkürztes Verfahren stattgegeben. Nachdem Hemlock nun all seine Forderungen aufgelistet hat, kann der Richter jederzeit ein Urteil fällen. Im Falle einer Verurteilung drohen Solarworld negative Auswirkungen „bis hin zur Bestandsgefährdung“, wie es im Geschäftsbericht des Konzerns heißt. Die geforderte Schadensersatzsumme von 793 Million Dollar übersteigt die liquiden Mittel von Solarworld um gut das Vierfache.

Die Bonner haben keinerlei Rückstellungen für eine Prozessniederlage gebildet. Beim Beschreiten des weiteren Klagewegs kann es in den USA allerdings verpflichtend sein, eine Sicherheitsleistung zu hinterlegen, um eine Vollstreckung des Urteils zumindest hinauszögern zu können. In Deutschland sei eine Hinterlegung solch einer Sicherheitsleistung aber nicht üblich. „Und die beklagte Firma ist nun mal eine deutsche.“ Asbeck hatte die liquiden Mittel zuletzt mit rund 183 Millionen Euro beziffert. 2015 verbuchte der seit Jahren rote Zahlen schreibende Solarkonzern bei einem Umsatz von 763 Millionen Euro einen Fehlbetrag von 33,2 Millionen Euro.

So groß sind die Solar-Marktführer
Platz 15: Solarworld (Deutschland)
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Solarworld-Chef Frank Asbeck ist der letzte Überlebende aus der Glanzzeit der deutschen Solarindustrie. Während beinahe alle anderen heimischen Photovoltaikkonzerne in den vergangenen Jahren im Kampf gegen die asiatische Billigkonkurrenz pleitegingen, existiert die Firma des Bonner Ökopioniers immer noch. Dennoch ist die Zukunft von Solarworld ungewiss. Ein 770-Millionen-Dollar schwerer Rechtsstreit mit dem Siliziumhersteller Hemlock Semiconductor bedroht den Fortbestand des Unternehmens. Die drei Fabriken von Solarworld liefen 2015 ungeachtet der Klage aber auf Hochtouren. Nach Berechnungen des Analysehauses IHS produzierte Solarworld Paneele mit einer Kapazität von mehr als tausend Megawatt.

Jahresproduktion: 1.117 Megawatt

(Foto: dpa)
Platz 14: REC Group (Norwegen)
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Neben Solarworld ist REC die größte verbliebene Photovoltaik-Marke in Europa. Richtig europäisch ist REC freilich nicht. Das Unternehmen hat zwar seinen Hauptsitz in Norwegen, aber produziert wird vorrangig in Singapur. Anfang 2015 wurde REC zudem von der Elkem Group übernommen. Elkem ist eine Tochter des chinesischen Konzerns Bluestar und stellt Silizium her – das Ausgangsmaterial für die Erzeugung von Photovoltaikzellen. REC beschäftigt rund 2000 Mitarbeiter weltweit und erwirtschaftete 2015 einen Umsatz von rund 755 Millionen Dollar.

Jahresproduktion: 1.188 Megawatt

(Foto: PR)
Platz 13: Sunpower (USA)
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Amerikas zweitgrößter Photovoltaikkonzern ist 2015 wieder in die roten Zahlen gerutscht. Bei einem Umsatz von rund 1,4 Milliarden Dollar meldet Sunpower Verluste in der Höhe von fast 300 Millionen Dollar. 2016 soll es aber wieder aufwärts gehen. Das kalifornische Unternehmen rechnet mit Erlösen von bis zu drei Milliarden Dollar. Sunpower fertigt nicht nur Module, sondern errichtet und betreibt auch eigene Solarparks. In Deutschland erlangte der Konzern als Haupt- und Trikotsponsor des Fußballvereins Bayer 04 Leverkusen Bekanntheit. Die Partnerschaft endete 2013 aber bereits nach zwei Jahren, weil Sunpower wirtschaftlich in Probleme geriet.
Jahresproduktion: 1.253 Megawatt

(Foto: Imago)
Platz 12: Shanghai Aerospace Automobile (China)
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In keinem anderen Land der Welt werden so viele Solarmodule hergestellt und Photovoltaikanlagen ans Stromnetz angeschlossen wie in China. Das Reich der Mitte hat Deutschland 2015 als größte Solarnation abgelöst. Und kein Land schickt sich derzeit an, China wieder vom Thron zu stoßen. Im Gegenteil. Bis 2020 will die Staatsregierung in Peking die Solarkapazitäten sogar auf 143 Gigawatt ausbauen. Das wäre eine Verdreifachung der bisherigen Kapazitäten. Einer der größten Profiteure der fernöstlichen Ökorevolution ist schon jetzt die chinesische Firma Shanghai Aerospace Automobile.

Jahresproduktion: 1.282 Megawatt

(Foto: Reuters)
Platz 11: Risen Energy (China)
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In der ostchinesischen Provinz Zheijang ist Risen Energy beheimatet. Das Unternehmen wurde 1986 gegründet und beschäftigt aktuell etwa 3000 Mitarbeiter. Seine Solarmodule verkauft Risen überwiegend direkt im Reich der Mitte. Einen Grund daran etwas zu ändern, gibt es ohnehin nicht. Schließlich wächst der chinesische Solarmarkt aktuell um gut 48 Prozent pro Jahr.

Jahresproduktion: 1.292 Megawatt

(Foto: Imago)
Platz 10: EGing PV (China)
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Allein 2015 war der chinesische Markt für 32 Prozent der weltweit neu installierten Photovoltaikkapazität verantwortlich. Von diesem gigantischen Wachstum profitiert auch die Firma EGing PV überproportional. Das Unternehmen existiert seit 2003 und ist in Schanghai an der Börse notiert. Das Geschäftsmodell der chinesischen Firma umfasst nach eigenen Angaben die Produktion sämtlicher Solarprodukte – von Ingots, Wafern und Zellen bis hin zu Photovoltaikmodulen und der kompletten Errichtung von Solaranlagen.

Jahresproduktion: 1.324 Megawatt

(Foto: Imago)
Platz 9: GCL (China)
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Von den 15 weltgrößten Solarkonzernen kommen gleich zehn Unternehmen aus China. Die Staatsregierung rief vor mehr als einem Jahrzehnt zum Aufbau einer eigenen Photovoltaikindustrie auf. GCL zählt zu den führenden Modulproduzenten in China und könnte künftig noch größer werden. Der Konzern ist zuletzt bei dem angeschlagenen Konkurrenten Chaori Solar eingestiegen.

Jahresproduktion: 1.722 Megawatt

(Foto: Imago)

Solarworld hatte bereits angekündigt, gegen ein etwaiges erstinstanzliches Urteil Rechtsmittel in den USA einzulegen. Die Juristen des Bonner Konzerns sind überzeugt, dass die Lieferverträge mit Hemlock nichtig sind, da sie gegen europäisches Kartellrecht verstoßen würden. Solarworld will durch alle Instanzen gehen und stellt sich auf ein langes Rechtsverfahren ein.

An der Börse sorgte das Urteil kaum für Furore. Die Solarworld-Aktie gab lediglich um knapp drei Prozent auf 4,85 Euro nach. Allerdings haben die Papiere in den vergangenen drei Monaten bereits 50 Prozent an Wert eingebüßt.

  • fhu
  • rtr
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