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Start-up-CheckWie das Klima-Fintech Senken den Emissionsmarkt nachhaltiger gestalten will

Der freiwillige Handel mit CO2-Zertifikaten ist häufig intransparent und ineffizient. Mit Blockchain-Technologie versucht das Start-up, einen „gesunden“ CO2-Markt herzustellen.Julia Leonhardt 06.07.2023 - 11:21 Uhr Artikel anhören

Das Gründerteam des Klima Fin-Tech Senken wirbt nicht mehr mit dem Begriff Blockchain.

Foto: Michael Hudler

Berlin. Der Emissionshandel ist ein wichtiger Teil der europäischen Klimapolitik. Die EU-Kommission legt fest, wie viele Tonnen Emissionen in die Atmosphäre gelangen dürfen, und verteilt entsprechende Zertifikate. Europaweit sind rund 10.000 Anlagen aus den Sektoren Energie und Industrie verpflichtet, am Emissionshandel teilzunehmen.

Viele mittelständische Firmen möchten jedoch eigenständig ihren CO2-Fußabdruck reduzieren – und begeben sich in den freiwilligen Emissionshandel. Für diesen Markt hat das Start-up Senken eine digitale Handelsplattform erschaffen.

Das Klima-Fintech möchte damit den freiwilligen Emissionsmarkt transparenter und nachhaltiger gestalten. Dafür nutzt es die Blockchain-Technologie, um den Handel zu automatisieren. Auf der Plattform werden Projektentwickler und Unternehmen zusammengebracht.

Der freiwillige Emissionsmarkt ist unreguliert, Unternehmen und Einzelpersonen können dort Emissionsreduktionen oder Klimaschutzmaßnahmen kaufen und verkaufen. Gehandelt werden verschiedene Arten von Klimaschutzprojekten oder -maßnahmen.

Um wen geht es?

Senken wurde im März 2022 von Adrian Wons, Djamel Mekibes und René Schäfer gegründet. Wons ist Ingenieur und hat vor der Gründung im Bereich Blockchain bei der Wirtschaftsberatung EY sowie dem Autozulieferer Continental gearbeitet. Nach seinem Umzug nach Südafrika kam er mit Projektentwicklern ins Gespräch, die Klimainitiativen umsetzen. Was Wons lernte: Der freiwillige Handel mit CO₂-Zertifikaten ist häufig intransparent und ineffizient.

Mit seinen Mitgründern ging er daraufhin das Klima-Fintech an, im Oktober 2022 ging die Plattform live. Was das Berliner Unternehmen leistet: Es klammert auf dem digitalen Handelsplatz für Emissionszertifikate Zwischenhändler aus und stellt so Transparenz her. Aktuell beschäftigt Senken 36 Mitarbeitende.

Das Start-up finanziert sich durch Venture-Capital, in der vergangenen Finanzierungsrunde im Januar 2023 kamen 7,5 Millionen Dollar zusammen. Zu den Investoren gehören in Deutschland Vanagon Ventures, zudem sind Geldgeber aus dem Silicon Valley dabei.

Wie funktioniert die digitale Handelsplattform?

„Wir bringen auf der einen Seite die Projektentwickler und auf der anderen Seite Unternehmen zusammen, die am freiwilligen Emissionshandel teilnehmen wollen“, erklärt Adrian Wons. Im Gegensatz zu anderen Anbietern auf dem freiwilligen Emissionsmarkt nutzt Senken keine Zwischenhändler, die Transaktionen über das Telefon abschließen.

Bei Senken wird der Handel mithilfe der Blockchain-Technologie abgewickelt. Unternehmen kaufen über die Plattform sogenannte Carbon-Credits. Auf dem digitalen Marktplatz können die Nutzer dann aus verschiedenen Klimaprojekten auswählen, die den Schaden durch eigenen CO2-Ausstoß ausgleichen sollen. Die Projekte werden häufig in Schwellen- oder Entwicklungsländern realisiert. Die freiwillig Zertifikate beziehenden Unternehmen bezeichnen sich in der Folge häufig als klimaneutral.

Online werden die Projekte den Nutzern transparent angezeigt, und Unternehmen können einsehen, wie viel Geld tatsächlich beim jeweiligen Klimaschutzprojekt ankommt. „Die ganze Historie wird komplett auf der Blockchain getrackt“, erklärt Wons. Das Start-up nimmt zwei Prozent Transaktionskosten. Dies ist möglich, weil die Geschäfte automatisch durch einen sogenannten Smart Contract erstellt werden. Aktuell hat Senken rund 5900 Nutzer.

Um sicherzustellen, dass die Zertifikate echt sind, arbeitet Senken mit Unternehmen zusammen, die die Transaktionen verifizieren. Daneben nutzt das Klima-Fintech auch Ratingagenturen. Die Projekte werden von den Agenturen bewertet und in unterschiedliche Klassen eingestuft.

Sandro Stark von Vanagon Ventures sieht das Start-up als Paradebeispiel für die Anwendung der Blockchain: „Projekte können einfach gelistet werden und der Zugang ist zu jeder Uhrzeit, für jede Person und jedes Unternehmen weltweit möglich.“ Das ermögliche ein rasantes Wachstum.

Welche Herausforderungen gibt es?

Obwohl die Blockchain-Technologie ein entscheidender Teil des Start-ups ist, war der Begriff für Nutzer und Investoren zunächst abschreckend. Co-Gründer Adrian Wons erzählt: „Die Begriffe Klimaschutz und Blockchain sind zwei Themen, die polarisieren. Das war für viele erst mal abschreckend.“ Mittlerweile läuft die Technologie im Hintergrund und das Unternehmen wirbt weniger damit. Im Fokus sind besonders der Nachhaltigkeitsaspekt und die Transparenz.

Weitere Teile der Serie Start-up-Check:

Zudem steht der Handel mit Emissionszertifikaten immer wieder in der Kritik. Unternehmen versuchen, ihre Verantwortung für den Klimawandel auf die Zertifikate zu übertragen, anstatt selbst Maßnahmen zu ergreifen. Auch wird das Überangebot von Emissionszertifikaten kritisiert, das die Preise dämpft. Außerdem sind wichtige Sektoren wie Straßenverkehr, Wärme und Landwirtschaft bisher nicht im Emissionshandel vertreten.

„Senken scheint einen Marktplatz zu kreieren, das verringert Such- und Informationskosten“, erklärt Christine Merk, stellvertretende Direktorin des Forschungszentrums Globale Gemeinschaftsgüter und Klimapolitik am Kieler Institut. Das eigentliche Problem, die Überwachung der Projekte und die Verifizierung der CO2-Einsparungen, löse es aber nicht, warnt die Emissionsforscherin.

Wie geht es jetzt weiter?

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Adrian Wons hat eine klare Vorstellung für die kommenden Jahre: „Wir positionieren uns immer mehr als komplette Climate-Asset-Plattform.“ Neben Zertifikaten möchte das Start-up auch Energiestrategien zukünftig mit in die Plattform integrieren.

Anderen Gründern rät er, so schnell wie möglich den ersten Prototyp zu veröffentlichen. Wenn man mit den ersten Entwicklungen und Ideen herausgehe, komme direkt Feedback, und das helfe bei der Verbesserung des Produkts.
Auf dem freiwilligen Markt geschehe gerade sehr viel: Produkte tragen Label wie „klimaneutral“ und Zertifizierungsorganisationen stehen in der Kritik wegen schöngerechneter Kompensationsleistungen.

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