Energie

Steigende Strompreise Die Furcht vor dem Kohleausstieg wächst

Die Energiekosten könnten für deutsche Unternehmen wieder zum Standortnachteil werden. Viele Firmen betrachten den Kohleausstieg mit Sorge.
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Die deutsche Industrie fürchtet bei einem überstürzten Kohleausstieg vor allem Wettbewerbsnachteile gegenüber dem Konkurrenten China. Quelle: dpa
Stromkabel vor Kraftwerk

Die deutsche Industrie fürchtet bei einem überstürzten Kohleausstieg vor allem Wettbewerbsnachteile gegenüber dem Konkurrenten China.

(Foto: dpa)

DüsseldorfDer Strompreis steigt und steigt – und damit wächst auch die Nervosität bei den energieintensiven Unternehmen in Deutschland. Noch haben große Stromverbraucher aus der Aluminium-, Stahl- oder Chemieindustrie die Kosten im Griff, weil sie sich zu einem beträchtlichen Teil langfristig abgesichert haben.

Jede Änderung der politischen Rahmenbedingungen könnte die Energiekosten aber wieder zum entscheidenden Standortnachteil im globalen Wettbewerb werden lassen.

Mit großen Sorgen beobachten viele Stromkunden deshalb die Kohlekommission, die am Dienstag ihre Arbeit aufgenommen hat und den Ausstieg aus der Braunkohleförderung und der Kohleverstromung in Deutschland regeln soll.

„Mit einer Grundlastversorgung, die sich bei einem abrupten Ausstieg aus der Kohleverstromung überwiegend auf teure Gaskraftwerke stützt, wäre eine energieintensive Industrieproduktion in Deutschland nicht mehr wettbewerbsfähig“, sagt Martin Iffert, Vorstandschef des Aluminiumherstellers Trimet. Bei der Aluminiumproduktion ist Strom der größte Kostenblock. Trimet verbraucht alleine fast ein Prozent der deutschen Stromproduktion.

Iffert befürchtet bei einem überstürzten Kohleausstieg vor allem Wettbewerbsnachteile gegenüber der Konkurrenz aus China. Die Volksrepublik habe inzwischen einen Weltmarktanteil von 60 Prozent an der Aluminiumproduktion erreicht. Die Unternehmen bezögen dort ihren Strom zu 90 Prozent aus Kohlekraftwerken.

Der weltweite Aluminiumpreis sei deshalb stark an den Kohlepreis gekoppelt. Weil der steigende Steinkohlepreis aktuell nicht nur den Strompreis treibe, sondern auch den Aluminiumpreis, könnten die deutschen Aluminiumwerke den Preisanstieg verkraften. Das wäre aber nicht mehr möglich, wenn hierzulande der Strompreis von den teureren Gaskraftwerken gesetzt werde.

„Die deutschen Aluminiumhütten sind in dieses System eingebunden und können sich darin behaupten“, erläutert Trimet-Chef Iffert: „Faire Wettbewerbsbedingungen würden allerdings massiv gefährdet, wenn Deutschland sich unvermittelt aus der ‚Leitwährung‘ des Strompreises auskoppeln würde.“

Kohlekraftwerke belasten das Klima

Die Kommission „Wachstum, Strukturwandel und Beschäftigung“ soll aber schon bis Ende des Jahres ein Datum festlegen, bis zu dem Deutschland aus der Kohleförderung und -verstromung aussteigt. Umweltverbände fordern den Kohleausstieg schon bis 2030, weil Kohlekraftwerke besonders viel CO2 ausstoßen und damit das Klima besonders stark belasten.

Der Verband der Industriellen Energie- und Kraftwirtschaft (VIK), der die großen Stromverbraucher in Deutschland vertritt, appellierte aber auch, auf die Interessen der Industrie zu achten: „Die Kommission hat nicht nur den Auftrag, eine konkrete Perspektive für neue, zukunftssichere Arbeitsplätze in den betroffenen Regionen zu schaffen – sie muss bei der Entwicklung eines klimapolitischen Maßnahmenkatalogs auch die daraus resultierenden Konsequenzen für die energieintensive Industrie im Blick behalten“, sagte Barbara Minderjahn, Hauptgeschäftsführerin des VIK. „Dazu gehört der Strompreis, der ein entscheidender Standortfaktor für die stromintensive Industrie ist.“

Derzeit werde der Strompreis im Großhandel durch die Braunkohlekraftwerke, die vergleichsweise günstig produzieren, gedämpft, erklärte Minderjahn. Sie rechnet aber damit, dass „ein nationaler Ausstieg aus der Kohleverstromung“ direkt „zu steigenden Strompreisen führt, insbesondere im internationalen Vergleich“.

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