Energie

Streit um Aluminium-Lager Ein Dosenpfand für Banken

Die Industrie stöhnt: Firmen müssen derzeit lange auf den Nachschub an Aluminium warten. Schuld an der Misere sollen US-Großbanken sein, die kräftig im Rohstoffhandel mitmischen. Deren Engagement steht nun vor dem Aus.
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Getränkedosen: Mehrere Getränkekonzerne beschweren sich über zu hohe Aluminiumpreise. Quelle: ap

Getränkedosen: Mehrere Getränkekonzerne beschweren sich über zu hohe Aluminiumpreise.

(Foto: ap)

DüsseldorfEin paar Sonnenstrahlen verirren sich in die riesige Halle. Das spärliche Licht fällt auf silbern schimmernde Barren: Aluminium. Das Leichtmetall ruht auf Paletten. Die rohen Blöcke sind mehrere Meter hoch gestapelt. Frachtkähne schipperten den Rohstoff aus dem russischen Murmansk oder von Island hierher in den Hafen von Rotterdam. In der Halle lagert das Metall, bis Abnehmer zugreifen. Die Industrie nutzt Aluminium beim Bau von Autos sowie Flugzeugen – oder presst es zu Getränkedosen.

Ein Streit um diese Alublöcke bringt nun die US-Großbanken JP Morgan und Goldman Sachs in Bedrängnis. Denn die Metallblöcke bleiben immer länger in den Hallen liegen, welche die Finanzinstitute vor drei Jahren aufgekauft haben. Vor allem die Aluminiumlager rund um die US-Metropole Detroit sind voll, aber die Abnehmer kommen nicht an den Rohstoff ran. Ähnlich sieht es in Vlissingen, Antwerpen, New Orleans und dem malaysischen Johor aus. Das macht das Rohmaterial, das derzeit eigentlich im Überfluss vorhanden ist, zu einem knappen Gut. Der Kurs steigt.

Die Abnehmer des Metalls erheben nun schwere Vorwürfe an die Lagerhausbetreiber und ihre Eigner, JP Morgan und Goldman Sachs. Die Institute sollen bewusst die Preisspirale losgetreten haben. Sie sollen die Auslieferungen des Metalls aus den Hallen verzögern, damit das Angebot verknappen und den Preis treiben. Die Vorwürfe der Industrie werfen erneut ein Schlaglicht auf das Treiben der Banken im Rohstoffsektor – und stellt das Engagement der Finanzinstitute immer mehr infrage.

Der Alu-Verarbeiter Superior Extrusion hat bei einem Gericht in Detroit Klage gegen die US-Investmentbank Goldman Sachs eingereicht. Die Firma Master Screens als Nutzer von Aluprodukten und der Privatmann Daniel Price Bart als „Käufer von Getränken in Aluminiumdosen“ reichten wenige Tage später vor einem Bezirksgericht in Florida Klagen gegen JP Morgan ein. In den Klagen werden die zwei Banken als „Schmarotzer“ bezeichnet, die mit ihrem Einstieg eine bislang gesunde Branche geschädigt hätten. Weitere Beklagte sind der Rohstoffkonzern Glencore Xstrata und die Londoner Metallbörse LME.

Der Vorwurfe: Die Lagerhausgesellschaften sollen zunächst Marktteilnehmer über attraktive Preise dazu verleitet haben, Aluminium in den bankeigenen Hallen einzulagern. Dann hätten die Betreiber aber die Auslieferung aus den Lagerhäusern gedrosselt. Die Abnehmer müssten auf ihre Ware warten. Vor den Lagerhäusern bildeten damit Warteschlangen. Um an den künstlich verknappten Rohstoff zu kommen, seien die Hersteller dann bereit, Aufschläge auf den an der LME ermittelten Börsenkurs zu zahlen.

Goldman Sachs hatte den Lagerhausbetreiber Metro International 2010 für 550 Millionen Dollar gekauft. Die Gesellschaft Henry Bath ging im gleichen Jahr im Zuge der 1,7 Milliarden Dollar schweren Übernahme des globalen Metall- und Ölgeschäfts von RBS Sempra an JP Morgan. Und der Rohstoffhändler Glencore kontrolliert mittlerweile das Metalllagergeschäft von Pacorini.

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10 Kommentare zu "Streit um Aluminium-Lager: Ein Dosenpfand für Banken"

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  • @Joker1

    Ich würde nicht soweit gehen, gleich von 'kriminell' zu reden. In einer Marktwirtschaft werden Geschäftsmodelle laufend korrigiert und an die Situation angepaßt. Wenn am Markt keine Äpfel verlangt werden (oder deren Verkauf reglementiert wird), verkauft man eben Birnen oder Kürbisse oder Hasch. So ähnlich ist ja auch die Mafia entstanden.

    Die Quintessenz ist wohl, daß 2008 die Bankenrettung zwar wohlgemeint, aber verfehlt war. Wäre damals die Hälfte der Banken untergegangen, wäre jetzt die Szene sauber. Aber wie so oft hat die Politik den Schock gescheut und mit ihrem bedenkenlosen Eingreifen die Krise nur verschleppt. Jetzt husten fast alle.

  • @mondahu
    Sie haben das Problem richtig dargestellt und erkannt.
    Man kann nicht permanent über seine Verhältnisse leben
    und die Steuerzahler in Deutschland für die Versäumnisse
    der Politik zahlen lassen.
    Das Problem fing mit der Euroeinführung für den für die
    Deutschen vernichtenden Kurs 1:1.95583 an.
    Die Einkommen und Ersparnisse der Normalbürger wurden
    halbiert. Die Politkaste und ihre Bimbesquellen sowie die
    Bankster haben ihre persönlichen Einkommen unmittelbar an-
    gepasst. Jetzt klemmts, weil die kriminellen Geschäfts-
    modelle auffliegen und die "normalen, banküblichen" Geschäfte nicht soviel abwerfen, um den Wasserkopf und
    die angepassten Einkommen zu finanzieren.
    Die Politkaste ist nicht minder verkommen, nur hier zahlt
    wiederrum der Steuerzahler die nicht gedeckten Pensionen,
    die von dieser "Elite" auch noch an "junge" Ehefrauen"
    weitervererbt werden.

  • Man muß vielleicht weiter zurückdenken. In der Finanzkrise hat man den Banken ihre Geschäftsmodelle beschnitten. Ob gerechtfertigt oder nicht, soll hier nicht untersucht werden. Die Bankbilanzen wurden allerorten erheblich ein gedampft, der Apparat ist aber nach wie vor vorhanden, und bei 0.5% Referenzzins ist im ordentlichen Bankgeschäft keine Bohne zu verdienen.

    Hingegen ist bei den Banken dank FED/EZB jede Menge überschüssige Liquidität vorhanden. Das Contango-Problem im Rohstoffhandel ist in diesen Kreisen auch allgemein bekannt, aber mit Liquidität zum Nulltarif läßt sich das beheben. Die Folgen sind jetzt zu besichtigen.

    Sobald Geld wieder was kostet, sagen wir 4%, ist dieser Spuk wieder vorbei. Die Lehre daraus ist, daß jeder Eingriff in die Wirtschaft und den Markt sofort unvorhergesehene Gegen- und Ausweichreaktionen erzeugt. Nur die Rückkehr zu 'normalen' Verhältnissen bringt die Dinge wieder ins Lot. Dazu gehören allerdings auch einige Staatsbankrotte und eine ganze Menge Bankpleiten, bis die Luft wieder rein ist.

  • Die Finanzindustrie (oder eher Finanzmafia) ist eine Schande für die Demokratie. Viele Arbeitnehmer der Branche haben doch gar keine Wahl als in Banken etc. zu arbeiten, wenn diese das Geld aus anderen Branchen saugt. Hier muss die Politik eingreifen, um einen freien Markt aufrecht zu erhalten.

  • @BrainStorm
    Was sind Sie für eine Leuchte?

  • Sehr geehrter "BrainStorm",
    in Europa wird auch Weißblech bei der Herstellung von Getränkedosen verwendet, wie Sie richtig bemerken, in den USA jedoch häufig Aluminium.
    Mit freundlichen Grüßen
    Ihre Redaktion

  • Noch ´ne unbedarfte Frage:
    Im Artikel steht, dass die Industrie Aluminium zu Getränkedosen presst.

    Komisch, dass man dann manchmal im Gebüsch verrostete
    Getränkedosen finden kann, und dass man sie mit Magneten
    anziehen kann.

    Könnte es sein, dass hier Aluminium
    schlichtweg mit Weißblechverwechselt wurde?

  • Hier mal die Frage eines Unbedarften:
    Wenn Öl heute billig ist und für Oktober teurer, und wenn
    dann heute das Angebot verknappt wird und auf Oktober verschoben, dann wird es zwar heute teurer, dafür aber
    später um so billiger, je mehr dahin verschoben wird.

    Und was ist jetzt daran schlecht?

  • Es gibt parasitäre Geschäftsmodelle. Wenn hier keine Gesetze existieren, können auch keine gebrochen werden.
    Auch wenn diese sogar trickbetrügerische Elemente beinhalten.

    Ein Motiv lautet GIER. Ein sehr altes Motiv.

    Die Abnehmer sind aber nicht waffenlos. Sie können ihre Interessen bündeln und auch Boykotte gegen bestimmte parasitäre Dienstleister aussprechen.
    Auch die jeweiligen Staaten können die Gesetzeslage für Dienstleister verschärfen.

    Es können so ... wirksame Medikamente gegen Parasiten entwickelt werden.

  • Verbrecher wohin man schaut.
    Jetzt können sich die Ganoven wieder ganz dem Euro und
    der Eurozone widmen. Diese Banden gehören kollektiv
    in den Knast und enteignet.

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