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Energie

Streit um LNG Terminal Öl- und Gaskonzern Wintershall sieht keinen Bedarf für Flüssiggas-Hafen

Ein Flüssiggas-Hafen soll Deutschland unabhängiger von Russland machen. Doch Wintershall-Chef Mario Mehren sieht das Projekt skeptisch – aus einem Grund.
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LNG-Terminal: Wintershall stellt sich gegen Hafen für Flüssiggas Quelle: dpa
Flüssiggasverladung in Stade

Flüssiggas hat das Potenzial, Deutschland weniger abhängig von Gaspipelines – und somit von Russland – zu machen.

(Foto: dpa)

Düsseldorf, BerlinDie Idee ist eigentlich bestechend: Deutschland soll erstmals einen Hafen bekommen, um Gas in verflüssigter Form (LNG) zu importieren. Mit LNG, das per Schiff über weite Strecken transportiert wird, könnte Deutschland unabhängiger von russischem Gas werden, das per Pipeline angeliefert wird.

Seit der Plan im Sommer öffentlich wurde, findet er auch immer mehr Anklang. Politiker und Unternehmen haben ihre Unterstützung zugesagt. Es wird schon über einen möglichen Standort gestritten: Wilhelmshaven, Brunsbüttel oder Stade sind in der Überlegung.

Ein Unternehmen steht der Idee aber äußerst skeptisch gegenüber. Es ist ausgerechnet Deutschlands mächtigster Öl- und Gaskonzern Wintershall. „Wir sind nicht an Investitionen in ein deutsches LNG-Terminal interessiert“, stellte Wintershall-Chef Mario Mehren gegenüber dem Handelsblatt klar. Mehren argumentiert dabei rein wirtschaftlich, findet das Projekt unrentabel und hält für sein Unternehmen fest: „Wir sind an profitablem Wachstum interessiert.“

Damit stellt sich Mehren, der nach der Fusion von Wintershall mit Dea einen noch mächtigeren Produzenten führen wird, klar gegen die konkurrierenden Unternehmen RWE und Uniper. Dabei geht es in der Diskussion um Sinn und Zweck eines deutschen LNG-Terminals nicht nur um wirtschaftliche Überlegungen.

Sie wird auch durch politische Argumente bestimmt – insbesondere den Streit, ob Europa zu sehr von russischen Gaslieferungen abhängig ist. Schließlich importierte Deutschland im vergangenen Jahr mehr als die Hälfte seines Gases aus sibirischen Feldern.

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Weil Gas jahrzehntelang nur über Pipelines transportiert werden konnte, war Deutschland auf erreichbare Bezugsquellen angewiesen wie Russland, Norwegen oder die Niederlande. In verflüssigter Form lässt sich Gas aber auch aus fernen Regionen wie den USA oder dem Nahen Osten importieren.

Europa muss mehr Gas importieren

Dabei wird das Erdgas im Exportland auf minus 162 Grad abgekühlt, um es zu verflüssigen. Nach dem Transport per Schiff muss das Gas in Anlandeterminals wieder aufbereitet werden, um es ins Gasnetz einspeisen zu können. Bislang gibt es Terminals in einigen südeuropäischen Ländern oder den Niederlanden. Deutschland galt wegen der guten Anbindung per Pipeline lange als zu unattraktiv.

RWE und Uniper bewerten das jetzt anders. „Wir sehen die Planung für ein deutsches Terminal grundsätzlich positiv“, bekräftigte Andree Stracke, in der Geschäftsführung von RWE Supply & Trading verantwortlich für das Gasgeschäft, gegenüber dem Handelsblatt.

Uniper unterstützt auch ein deutsches Terminal – weil die Gasproduktion aus eigenen Quellen deutlich zurückgehe und Europa „mehr und mehr Gas“ einführen müsse, hielt Keith Martin, der im Vorstand das Handelsgeschäft verantwortet, auf Anfrage fest: „Dazu sollten wir alle Quellen nutzen können: Erdgas aus Pipelines ebenso wie verflüssigtes Erdgas über Tankerlieferungen, die direkt europäische Terminals ansteuern können.“

Dass die Gasproduktion in Europa zurückgeht, ist unbestritten. Insbesondere die Niederlande, aus denen Deutschland im vergangenen Jahr noch gut ein Fünftel seines Gases bezog, werden mittelfristig ausfallen. Die Produktion in der Nordsee geht zurück. Das Land hat schon angekündigt, den Export ab 2020 schrittweise zu senken.

Wintershall-Chef Mehren hat aber Zweifel, dass sich ein LNG-Terminal in Deutschland rentiert. „Die Terminals, die wir derzeit in Europa haben, sind in der Regel nicht einmal zu einem Viertel ausgelastet“, sagt Mehren: „Wenn wir LNG importieren wollten, könnten wir das also schon. Bislang ist LNG aus den USA aber schlichtweg zu teuer.“

LNG-Verfechter weisen Zweifel an Rentabilität zurück

Zweifel an der Rentabilität der Terminals, wie Mehren sie äußert, weisen die LNG-Verfechter zurück. Zwar sei die tatsächliche Auslastung vieler Terminals in der EU gering. „Das Geschäft wird aber damit gemacht, die Kapazitäten zu vermieten. Ob sie dann nachher auch wirklich physisch genutzt werden, spielt keine Rolle“, sagt ein Branchen-Insider.

So kann ein LNG-Importeur beispielsweise eine LNG-Lieferung ordern; je nach Vertragsgestaltung steht es dem Lieferanten aber unter Umständen frei, seinen Tanker kurzfristig ein LNG-Terminal in einer anderen Weltregion ansteuern zu lassen, wo ihm mehr für das Gas bezahlt wird. Dem Betreiber des LNG-Terminals ist das gleichgültig, weil der Importeur bei ihm Kapazitäten gebucht und bezahlt hat.

Aktuell gibt es 22 Anlandeterminals in Europa. Damit stehen nach Angaben von Gas Infrastructure Europe (GIE) in der EU derzeit Regasifizierungsanlagen für 245 Milliarden Kubikmeter zur Verfügung. Damit könnte LNG bereits heute 40 Prozent des Erdgasbedarfs in Europa decken. Tatsächlich sind es aber nur zehn Prozent, wie Mehren betont.

Uniper sieht dagegen nach eigenen Angaben „bereits heute eine deutlich stärkere Nachfrage nach verflüssigtem Erdgas als in den vergangenen Jahren“. Vor dem Hintergrund der künftig steigenden Bedeutung von LNG erwarte man „einen wachsenden Bedarf an Terminalkapazitäten auch in Deutschland“. Weil Erdgas in Deutschland zuletzt teurer geworden sei, werde LNG attraktiver und die Volumina seien auch schon „deutlich gestiegen“.

„Flüssiggas wird künftig eine wichtigere Rolle im Gasmarkt Nord- und Westeuropas spielen“, lautet die Einschätzung von RWE-Manager Stracke: „Wir sind davon überzeugt, dass wir gemeinsam mit German LNG Terminal ein bedeutendes Geschäftsfeld für die Lieferung von LNG und Gas an unsere Kunden in Deutschland und in ganz Europa aufbauen können.“

Derzeit sei LNG im Vergleich zu Pipelinegas zwar noch nicht in Gänze wettbewerbsfähig, sagt Stracke: „Aber gerade in den letzten Monaten sehen wir einen starken Anstieg bei den Preisen für Pipelinegas, der Preisunterschied zwischen LNG und Pipelinegas ist kleiner geworden.“

USA wollen Gas nach Europa liefern

Stracke widerspricht auch Mehrens Einschätzung, was LNG-Lieferungen aus den USA angeht: „Auf reiner Kostenbasis betrachtet, ist es derzeit schon attraktiv, amerikanisches LNG nach Europa zu liefern.“

In der Politik werden die Pläne für ein deutsches Terminal insbesondere als Alternative zur geplanten und umstrittenen zweiten Ostseepipeline begrüßt. Durch Nord Stream 2 werde Europa noch abhängiger von russischem Gas, argumentieren die Kritiker. LNG wiederum ist ebenfalls zum Politikum geworden. US-Präsident Donald Trump macht massiv Stimmung gegen Nord Stream 2, droht den beteiligten Unternehmen mit Sanktionen und drängt Deutschland, eine eigene LNG-Infrastruktur aufzubauen. Allerdings, so halten die Befürworter von Nord Stream 2 entgegen, dürfte Trump dabei auch handfeste wirtschaftliche Interessen verfolgen: Er wolle schlicht einen Absatzkanal für LNG aus den USA schaffen, argumentieren sie.

„Amerika will Rohstoffe nach Europa liefern“, hält Wintershall-Chef Mehren fest. Sein Unternehmen produziert nicht nur selbst im großen Stil Gas in Russland. Wintershall will sich auch an der Finanzierung von der Pipeline Nord Stream 2 beteiligen: „Wir brauchen sie, um den steigenden Importbedarf in Europa preiswert decken zu können“, sagt er: „Ein LNG-Terminal in Deutschland kann für Verbraucher und Industrie keine Alternative zu Pipeline-Gas sein, sondern nur eine Ergänzung.“ Ob Europa lieber amerikanisches LNG, LNG aus Katar oder Pipelinegas aus Norwegen, Russland oder Nordafrika bezieht, solle der Markt entscheiden.

Uniper gehört ebenfalls zu den westlichen Konzernen, die Gazprom an der Finanzierung von Nord Stream 2 beteiligen will – sieht jedoch einen Bedarf für die neue Pipeline und gleichzeitig für ein deutsches LNG-Terminal: „Wir halten beide Bezugswege für notwendig, um den Wettbewerb im Gassektor zu stärken.“

Aber auch die Befürworter eines deutschen LNG-Terminals sind sich nicht einig – zumindest was den Standort angeht. RWE soll sich bereits Kapazitäten am geplanten Terminal Brunsbüttel gesichert haben.

Für Uniper wäre dagegen der Tiefwasserhafen in Wilhelmshaven „logistisch bestens geeignet“. Dort könnte relativ schnell und kostengünstig ein LNG-Terminal errichtet werden, das von Schiffen aller Größen angefahren werden kann. Und Wilhelmshaven wäre gut an die vorhandene Pipeline- und Gasspeicher-Infrastruktur angebunden.

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2 Kommentare zu "Streit um LNG Terminal: Öl- und Gaskonzern Wintershall sieht keinen Bedarf für Flüssiggas-Hafen"

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  • Hallo lieber Schreiber dieses Artikels
    Flüssiggas ist Propan oder Butan oder ein Gemisch der beiden. Das ist bei normalen Temperaturen bereits bei 5 bar flüssig wird in Tanks oder Flaschen abgefüllt und auch z. B. als Treibgas in fahrzeugen verwendet.
    Das, wovon sie hier schreiben ist Flüssigerdgas. Der Energieaufwand zum Verflüssigen und es wieder in Gasform zurückzuführen ist enorm und daher eigentlich unsinnig.

  • Wozu sich auf diese Dinge konzentrieren und neue Flüssiggas-Häfen bauen, wenn es Alternativen für Emissionsfreie Energien gibt. Neutrino-Energy wird die zukünftige Energiequelle mit unendlichem Potential. Neutrinos als kleinste Partikel der solaren Strömung, die uns Tag und Nacht erreicht, haben eine nachgewiesene Masse ( Nobelpreis 2015 für Physik) und sind darum für eine neue Technologie der Kleinstkraftwerke für die dezentrale und mobile Haushaltsversorgung nutzbar. ABER auch in der Elektromobilität anzuwenden, ein ein geplantes Kleinfahrzeug PI wird mit einem Power Cube angetrieben, der quasi unendlich Neutrino-Energy wandelt und damit ohne Limit fahrbar ist, ohne Aufladen an irgendwelchen Steckdosen. Diese revolutionäre neue Energienutzung sollte an Herren der RWE oder Wintershall herangetragen werden. Die Berliner Neutrino Group bietet internationale Patentlösungen und Lizensen diese neue Technologie zu entwickeln. Unsere Systeme von Grossversorgung durch Grosskraftwerke werden sich extrem verändern - das ist zu vergleichen wie die Ablösung von Festnetztelefonie zur Mobiltelefonie. Auf diesen Prozess sollten wir uns jetzt Einlassen um in der Energiewende voranzukommen.