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Energie

Streit um Ostsee-Gasleitung OMV-Chef Rainer Seele kämpft um Nord Stream 2

Der Chef des österreichischen Öl- und Gaskonzerns warnt vor teurem Flüssiggas aus den USA. In ein LNG-Terminal will der Konzern nicht investieren.
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Der Manager warnt vor teurem Flüssiggas aus den USA. Quelle: picture alliance / Lukas Ilgner
OMV-Chef Rainer Seele

Der Manager warnt vor teurem Flüssiggas aus den USA.

(Foto: picture alliance / Lukas Ilgner)

WienDie umstrittene Ostsee-Pipeline Nord Stream 2 richtet sich aus der Sicht des Öl- und Gaskonzerns OMV nicht gegen die osteuropäischen Staaten. „Nord Stream 2 wird nicht gebaut, um die Pipeline durch die Ukraine zu ersetzen. Es geht darum, die Versorgung zu diversifizieren“, sagte Vorstandschef Rainer Seele auf der Handelsblatt-Tagung Energiewirtschaft Österreich in Wien.

„Wir haben derzeit nur eine einzige Monopolroute durch die Ukraine. Das ist für mich kein guter Zustand“, ergänzte der 58-jährige Chef des größten Unternehmens in Österreich.

Aus der Sicht des teilstaatlichen Energiekonzerns ist das russische Gas wichtiger denn je. „Die Eigenproduktion von Gas geht in Europa schneller zurück als prognostiziert“, warnte der frühere CEO der BASF-Tochter Wintershall. Von 130 Milliarden Kubikmetern im Jahr 2016 würde die Förderung von Erdgas auf 85 Milliarden Kubikmeter in diesem Jahr sinken.

Insbesondere Großbritannien und die Niederlande würden künftig als traditionelle Gasförderländer ausfallen. „Europa muss deutlich größere Mengen an Gas importieren. Die Versorgungssicherheit steht auf der Tagesordnung“, mahnte der OMV-Chef.

Erst am Wochenende hatte Seele Gazprom-CEO Alexej Miller in St. Petersburg getroffen. Die beiden Konzernchefs schlossen dort einen Vertrag mit der Garantie für zusätzlich eine Milliarde Kubikmeter Gas pro Jahr für OMV. „In den vergangenen Jahren erzielte Gazprom neue Exportrekorde nach Österreich. Allein in den ersten zehn Monaten dieses Jahres sind die Gaslieferungen um ein Drittel im Vergleich zur selben Periode des Vorjahres gestiegen und haben 8,8 Milliarden Kubikmeter erreicht“, sagte Miller angesichts der Ausweitung des Exports.

OMV pflegt seit mehr als 50 Jahren eine enge Partnerschaft mit dem weltgrößten Gaslieferanten aus Russland. „Wir sind gut zahlende Kunden. Gazprom braucht jeden Euro von uns“, sagte Seele selbstbewusst. Bereits Ende 2019 soll durch die 1 230 Kilometer lange Pipeline Nord Stream 2 russisches Gas nach Deutschland fließen. Die 9,5 Milliarden Euro teure Leitung wird von Gazprom, Wintershall, Uniper sowie den Ölkonzernen OMV, Shell und dem französischen Energieunternehmen Engie finanziert.

Nord Stream 2 ist die Erweiterung der bereits bestehenden Nord-Stream-Erdgas-Pipeline. Die Gasleitung mit einem maximalen Volumen von jährlich 55 Milliarden Kubikmetern wird in Lubmin bei Greifswald (Mecklenburg-Vorpommern) anlanden. Die Kapazitäten auf der Pipelinetrasse werden sich mit Nord Stream 2 verdoppeln.

Ablehnung aus Osteuropa

Zahlreiche osteuropäische Länder wie Polen und die baltischen Staaten lehnen die neue Gasleitung jedoch ab. Vor allem die Ukraine kritisiert das Projekt lautstark. Das Land fürchtet um rund zwei Milliarden Euro Einnahmen aus Transitgebühren pro Jahr. Das Geld aus Moskau ist ein wichtiger Posten im Staatshaushalt der ehemaligen Sowjetrepublik. Die USA bekämpfen die Ostsee-Gasleitung hingegen nicht nur aus wirtschaftlichen, sondern auch aus politischen Gründen. Angesichts der riesigen Mengen an Schiefergas würden die Amerikaner liebend gerne Flüssiggas, in der Branche LNG genannt, in großen Mengen nach Europa liefern.

Auf der Handelsblatt Energie-Tagung in Wien warnte Seele davor, in Zukunft auf Flüssiggas aus den Vereinigten Staaten zu setzen. „Das Flüssiggas aus den USA kostet ein Drittel mehr. Die Politik ist am wenigsten bereit, uns eine Prämie für den Einkauf von LNG zu zahlen“, sagte der Vorstandschef. „Wir können es uns in Europa nicht leisten, teures Erdgas einzukaufen und durch höhere Energiepreise an Wettbewerbsfähigkeit zu verlieren.“ Investments in ein LNG-Terminal lehnte er für den eigenen Konzern ab.

50 Prozent des Gases in Österreich kommen aus Russland. Deutschland hingegen will den Bau eines Flüssiggasterminals beschleunigen, betonte Kanzlerin Angela Merkel bei einem Besuch in Polen am vergangenen Freitag. Dennoch droht sich der Konflikt mit den Amerikanern zuzuspitzen. Der Transatlantik-Koordinator der Bundesregierung, Peter Beyer, erwartet eine Eskalation Anfang 2019. „Darauf müssen wir uns einstellen“, sagte der CDU-Politiker der Nachrichtenagentur Reuters.

OMV versucht unterdessen, seine Erdgasförderung eigenständig zu diversifizieren, um die Abhängigkeit von Russland zu verringern. „Wir werden die Produktion in einem norwegischen Gasfeld aufnehmen, und wir investieren in die Gasproduktion in Nordafrika“, sagte Seele. In dem nordafrikanischen Bürgerkriegsland Libyen ist der Wiener Konzern seit Jahrzehnten engagiert. Doch wegen beschädigter Pipelines und Häfen kommt es dort immer wieder zu Unterbrechungen. „Nordafrika macht mir am meisten Sorgen“, bekannte der Vorstandschef offenherzig.

In Tunesien verkauft OMV zum Jahreswechsel einen Teil seiner Ölförderung für 65 Millionen Dollar an das britische Öl- und Gasunternehmen Panoro Energy ASA. Damit will der Konzern sein Portfolio optimieren, sagte Konzernvize Johann Pleininger am Dienstag.

Dänemark unter Druck

Ob Nord Stream 2 so schnell fertig gebaut werden kann wie ursprünglich geplant, ist jedoch weiterhin unklar. Denn während andere skandinavische Länder wie Finnland und Schweden die Gasleitung längst genehmigt haben, hadert Dänemark mit dem Projekt. Der politische Druck auf das kleine EU-Land insbesondere vonseiten der USA sei gewaltig, berichten Insider. Deshalb wurde über den im April 2017 gestellten Antrag noch nicht endgültig entschieden. Nach den ursprünglichen Planungen sollten 87 Kilometer durch die Territorialgewässer vor der dänischen Insel Bornholm verlaufen.

In seiner Not hat das Nord-Stream-2-Konsortium unter Federführung des teilstaatlichen Gasriesen Gazprom mittlerweile sogar eine Alternativroute von 174 Kilometern nördlich der dänischen Ostsee-Insel entwickelt. Mitte August wurde ein entsprechender Antrag eingereicht. Die dänische Regierung hat über ihre staatliche Energieagentur einen dreimonatigen Zeitraum für die Beteiligung der Öffentlichkeit initiiert – mit offenem Ausgang.

Nord Stream 2 versucht unterdessen, Fakten zu schaffen. „Wir haben bereits rund 200 Kilometer der Pipeline in der Ostsee verlegt“, sagte ein Sprecher des im schweizerischen Zug ansässigen Unternehmens dem Handelsblatt. In deutschen Gewässern ist das Schiff „Audacia“ zum Verlegen der zwölf Meter langen und 24 Tonnen schweren Rohre unterwegs. Dort sollen die Arbeiten vor der Küste Mecklenburg-Vorpommerns bis Jahresende abgeschlossen sein.

Nord Stream 2 – Warum Dänemark die Baupläne durchkreuzen könnte

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