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Energie

Stromkonzern Wird Uniper zerschlagen? Mitarbeiter blicken mit Sorge auf Großaktionär Fortum

Seit eineinhalb Jahren schwelt der Konflikt zwischen Management und seinen Aktionären nun schon – und auf dem Aktionärstreffen in wenigen Tagen könnte er eskalieren.
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Uniper: Großaktionäre fordern Beherrschung oder Zerschlagung Quelle: Reuters
Uniper

Großaktionär Elliott fordert einen Beherrschungsvertrag, Knight Vinke eine Aufspaltung.

(Foto: Reuters)

Düsseldorf Die entscheidenden Fragen, die die Mitarbeiter des Stromproduzenten Uniper derzeit umtreibt, kann Finanzvorstand Christopher Delbrück nicht beantworten: Wie wird sich Großaktionär Fortum auf der kommenden Hauptversammlung verhalten? Werden die Finnen Anträge unterstützen, die nicht weniger als einen Beherrschungsvertrag oder gar die Zerschlagung fordern?

„Ob sie mit ‚ja‘ oder mit ‚nein‘ stimmen oder ob sie sich enthalten? Wir wissen es nicht – und sie haben sich auch nicht geäußert“, sagt der 52-Jährige in die Kamera. Delbrück steht mit der Moderatorin des Chats an einem schmalen Stehtisch in der neuen Konzernzentrale im Düsseldorfer Medienhafen. Das Interview wird live im Intranet übertragen. An vielen Standorten im In- und Ausland verfolgen Mitarbeiter gespannt die Aussagen – und voller Sorge.

Thema des Chats ist die kommende Hauptversammlung, am 22. Mai. Auf den Termin im Congress Center Düsseldorf schauen die Mitarbeiter mit bangem Blick. Seit eineinhalb Jahren schwelt der Konflikt zwischen Management und seinen Aktionären nun schon – und auf dem Aktionärstreffen könnte er eskalieren. Gleich zwei Investoren haben brisante Anträge zur Abstimmung gestellt, die Uniper in der Konsequenz die Selbstständigkeit nehmen würden.

Elliott, der berüchtigte Hedgefonds, fordert, dass Uniper mit dem größten Aktionär Fortum, der inzwischen 49,99 Prozent hält, einen Beherrschungsvertrag abschließt. Knight Vinke verlangt die Aufspaltung von Uniper. Entweder soll das Geschäft in Russland ausgegliedert werden oder Aktivitäten in Schweden.

Elliott hält 16,5 Prozent der Anteile, Knight Vinke fünf Prozent. Alleine haben beide keine Chance auf eine Mehrheit. Aber zwei Fakten verunsichern die Mitarbeiter. Erstens: Fortum hält sich bewusst bedeckt – auch auf Anfrage des Handelsblatts. Zweitens: Vor allem die Anträge von Knight Vinke könnten tatsächlich im Interesse von Fortum sein.

„Können Sie sagen, was wir in Vorbereitung der Hauptversammlung machen, um uns mit unseren Aktionären abzustimmen?“, fragt eine Mitarbeiterin während des Chats, der vor zwei Wochen aufgezeichnet wurde und in den das Handelsblatt Einblick hat. „Welche realistischen Beherrschungsszenarien sind möglich“, fragt ein anderer, „welchen Aktienanteil braucht man dafür mindestens?“

Die Unsicherheit über die Zukunft ihres Unternehmens zieht sich für die Beschäftigten jetzt schon seit eineinhalb Jahren. Im Herbst 2017 wurde Uniper mit einer Übernahmeofferte von Fortum konfrontiert – und fast schon vor vollendete Tatsachen gestellt.

Wut auf ehemalige Mutter Eon

Die Finnen hatten sich mit dem ehemaligen Mutterkonzern Eon bereits geeinigt und dessen verbliebenen Anteil von knapp 47 Prozent gesichert. Das Management um CEO Klaus Schäfer reagierte erbost – vor allem auch auf Eon. Schäfer und andere Manager fühlten sich von der ehemaligen Mutter verraten und verkauft.

Erst Anfang 2016 hatte Eon die Kohle- und Gaskraftwerke und den Energiegroßhandel ausgegliedert und im Herbst 2016 an die Börse gebracht. Und obwohl das Unternehmen als „Resterampe“ geschmäht worden war, wurde der Börsengang zum Erfolg, Schäfer und seine Mitstreiter brachten Uniper auf Kurs. Und dann nahm Eon dem Newcomer schon wieder die Selbstständigkeit. Die Wut auf Eon wurde damals von den meisten Mitarbeitern geteilt – und der Abwehrkampf auf breiter Front unterstützt.

Tatsächlich war der Vorstand auch teilweise erfolgreich. Fortum erhielt zwar alle Genehmigungen für den Einstieg in Russland, wo Uniper einen großen Stromerzeuger betreibt, aber nur unter einer entscheidenden Auflage. Die russischen Behörden billigten den Einstieg nur bis zur Schwelle von 50 Prozent. Fortum darf also nicht ohne Weiteres die Mehrheit erwerben.

Fortum-Chef Pekka Lundmark reagierte seinerseits erbost. Schließlich hängt die Auflage an einer äußerst kleinen Aktivität, einer Wasseraufbereitungsanlage. Die wird zwar von den Russen als strategisch wichtig eingestuft, das Uniper-Management, so zürnte Lundmark, hätte das Problem aber leicht beseitigen können.

Pyrrhussieg Russland-Einstieg

Spätestens auf der kommenden Hauptversammlung könnte sich der Teilerfolg in Russland aber als Pyrrhussieg herausstellen. Sollte Knight Vinke mit seinem Antrag Erfolg haben, würde die russische Tochter mit dem Segment 'internationale Erzeugung' in eine neue Gesellschaft überführt. Fortum wäre dann an beiden Unternehmen mit 49,99 Prozent beteiligt – und könnte den Anteil an Uniper auf mehr als 50 Prozent aufstocken.

Für Fortum wäre es also durchaus reizvoll, zumindest diesen Antrag anzunehmen. Ob es im Interesse von Fortum sei, dass Aktivitäten abgespalten werden? „Das ist eine Spekulation“, sagt Delbrück beim Chat mit seinen Mitarbeitern. Die Finnen hätten bei der Vorlage ihres Zwischenberichts betont, dass sie sich nicht zum Verhalten auf der Uniper-Hauptversammlung äußern wollten.

„Als langfristiger Großaktionär prüfen wir die vorliegenden Anträge zur Tagesordnung selbstverständlich sehr gründlich“, bekräftigte Fortum-Sprecherin Pauliina Vuosio auf Anfrage des Handelsblatts: „Wir haben aber noch keine abschließende Entscheidung getroffen und auch deshalb werden wir uns jetzt nicht zur bevorstehenden Hauptversammlung von Uniper äußern.“

Das Uniper-Management selbst hat inzwischen gemeinsam mit dem Aufsichtsrat seine Stellungnahmen zu den Anträgen veröffentlicht. Beide weisen die geforderte Zerschlagung natürlich klar zurück. Unipers Strategie gründe sich auf einem „integrierten Geschäftsmodell“ der derzeitigen Geschäftssegmente. Die geforderten Maßnahmen stünden damit „nicht im Einklang“. „Vorstand und Aufsichtsrat lehnen daher das Ergänzungsverlangen des Antragstellers ab“, heißt es in der Stellungnahme.

Investor Knight Vinke, der seit 2016 bei Uniper engagiert ist, zeigt sich dagegen in seinem Ergänzungsverlangen verärgert über die Blockade: „Der Schaden, der durch diese offensichtlich fehlende Einigkeit ausgelöst wird, wirkt sich in mehrfacher Hinsicht negativ aus“, heißt es in dem Schreiben. „Uniper verfolgt aktuell eine Strategie, die offensichtlich von der Mehrheit ihrer Aktionäre nicht mitgetragen wird.“

Mitarbeiter haben kein Verständnis für den Vorstand

Die Kritik wird inzwischen auch von Mitarbeitern geteilt. Während sie anfangs fast geschlossen hinter dem Management standen und den Abwehrkampf mittrugen, haben viele inzwischen kein Verständnis, warum der Vorstand nicht früher auf den Großaktionär zugegangen ist. „Spätestens im vergangenen Sommer, als der Einstieg perfekt war, war klar, dass die Finnen hier über kurz oder lang das Sagen haben werden“, sagt ein besorgter Mitarbeiter. Aber statt Frieden zu schließen, habe man den neuen Eigentümer weiter verärgert.

Im Januar wurden die Gespräche zwischen den beiden Managements zwar intensiviert, über den Verlauf bleiben Öffentlichkeit und Mitarbeiter aber im Unklaren. Ergebnisse der Kooperationsgespräche werde es „nicht vor Sommer“ geben, stellte Delbrück in der vergangenen Woche bei der Vorlage des Zwischenberichts klar – also erst nach der Hauptversammlung.

Dass überhaupt Chancen für eine Kooperation mit dem Großaktionär ausgelotet werden, dafür bedurfte es eines Machtworts des Aufsichtsratschefs. Anfang Februar verlor Bernhard Reutersberg die Geduld und ordnete einen „Neunanfang“ an. Ein „weiter so“ dürfe es nicht mehr geben, schimpfte er. Und um den Neuanfang möglich zu machen, müssen Schäfer und auch Delbrück zum ersten Juni ihre Posten räumen. Die Nachfolger sind schon bestimmt. Neuer CEO wird der ehemalige Thyssen-Manager Andreas Schierenbeck, das Finanzressort übernimmt Sascha Bibert, den Reutersberg von Eon kennt.

Mit dem personellen Neustart verbinden sich Hoffnungen der Mitarbeiter auf einen wirklichen Neustart mit Fortum. „Ich kann mir nicht vorstellen, dass Schierenbeck hier anfängt, ohne sich schon mit Fortum abgestimmt zu haben“, meint ein Mitarbeiter.

Noch ist das eine vage Hoffnung. Noch ist unklar, wie sich Fortum auf der Hauptversammlung verhält. Dort wird Delbrück noch ein letztes Mal für Unipers Interessen kämpfen. Er muss den erkrankten Vorstandschef Schäfer vertreten und die Rede halten.

Und Delbrück weiß um die Ängste der Belegschaft. „Wenn ganz klar ist, wie sich Fortum auf der Hauptversammlung zu den unterschiedlichen Themen positioniert, ist vielleicht die Unsicherheit, die noch im Unternehmen herrscht, vorbei“, hofft er, „und dann können wir alle entspannt in die Zukunft schauen.“

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