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Energie

Strommarkt Blockchain-Technologie könnte die nächste Energiewende einleiten

Wer Blockchain liest, denkt meistens an Kryptowährungen. Doch die Technologie könnte in Zukunft den kompletten Energiemarkt revolutionieren.
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13 Prozent der deutschen Energieunternehmen haben bereits Blockchain-Aktivitäten gestartet. Quelle: dpa
Energiewende

13 Prozent der deutschen Energieunternehmen haben bereits Blockchain-Aktivitäten gestartet.

(Foto: dpa)

Düsseldorf Immer mehr Menschen beziehen ihren Strom von sogenannten grünen Anbietern. Trotzdem ist das, was aus der Steckdose kommt, damit noch lange nicht automatisch grüner Strom. Der Verbraucher hat keine Möglichkeit herauszufinden, ob er für sein Geld tatsächlich erneuerbare Energien bekommt oder nicht.

Das könnte sich zukünftig ändern. Möglich machen soll das die Blockchain-Technologie. Sie hat das Potenzial, den gesamten Energiemarkt zu revolutionieren. Manche Verfechter glauben sogar, dass sie Energieversorger wie RWE, Eon und Co. komplett überflüssig machen könnte.

Digitalexperten sehen in der Technologie gar die größte Zeitenwende seit der Erfindung des Internets. Besonders im Umgang mit erneuerbaren Energien kann sie zum Meilenstein werden. „Die Technologie eignet sich besonders beim Managen einer Unmenge von Datenströmen und zur dezentralen Sicherung dieser Daten“, erklärt Blockchain-Experte Philipp Richard von der Deutschen Energieagentur (Dena).

Wind-, Solar- und Biogasanlagen verteilen sich anders als Atom- und Kohlekraftwerke über unzählige Parks, bis hin zu einzelnen Hausdächern quer über die ganze Republik. Die Energieversorgung liegt also nicht mehr nur bei ein paar großen Stromanbietern, sondern teilweise beim einzelnen Hausbesitzer.

Die Blockchain könnte dabei helfen, diese Vielzahl von Erzeugern mit einer Vielzahl von Abnehmern zusammenzubringen. „Die Blockchain-Technologie ist nicht nur ein Hype, sondern kann wirklich helfen, der Energiewende noch einmal einen Schub zu verleihen“, ist Richard überzeugt.

Wer zum Beispiel von seinem Solardach einige grüne Kilowatt übrig hat, könnte diese an seinen Nachbarn liefern, der im Keller über einen großen Stromspeicher verfügt. Der schickt dann den Strom zurück, wenn die Sonne nicht scheint. In der Blockchain werden diese Transaktionen in Echtzeit aufgezeichnet und verrechnet – gut verschlüsselt, aber für alle Teilnehmer zugänglich und somit besonders vertrauenswürdig.

Heute sind solche Mini-Transaktionen über die zentralen Handels- und Energieplattformen im Verhältnis zu ihrem Transaktionswert zu aufwendig und zu kostenintensiv. Dezentrale Geschäfte, die ohne einen zentralen Händler oder Vertrieb auskommen, würden dieses Problem ohne viel administrativen Aufwand beheben und so auch die Verwaltungskosten sparen. In den direkten Stromtausch können sich weitere Partner einklinken – eine Plattform für lokalen Stromhandel entsteht, ganz ohne große Energiekonzerne und Zwischenhändler. Das spart nicht nur Zeit, sondern auch Geld.

Wo die Stromverteilung heute noch in Steuerungszentralen mit einem Tag Vorlauf organisiert wird, könnte sie mithilfe von Blockchain in Echtzeit abgewickelt werden. Das ist besonders bei der schwankenden Stromerzeugung erneuerbarer Anlagen wichtig, die mehr Flexibilität brauchen als ein stabil laufendes Kohlekraftwerk. Aber solche Szenarien liegen noch in weiter Ferne. Die Energiewelt traut sich nur mit kleinen Schritten in Richtung Blockchain-Revolution.

Einzelne Pilotprojekte wie Enerchain, eine Plattform, die den Handel von Energie und Gas vereinfachen soll, sind zwar schon in der Entwicklung, gehen aber erst Ende des Jahres an den Start. 45 große Unternehmen aus ganz Europa sind mit an Bord. Dazu zählen unter anderem RWE, Eon, Uniper, Vattenfall und EnBW aus Deutschland, OMV aus Österreich und Enel aus Italien.

Die Wuppertaler Stadtwerke (WSW) sind mit ihrem Projekt Tal.markt da schon einen Schritt weiter. Auf der Onlineplattform können Kunden ihren Ökostrom bei lokalen Anbietern kaufen und so ihren Energiemix selbst zusammenstellen. Mit der Blockchain-Technologie wird nach Angaben der WSW sichergestellt, dass keine Kilowattstunde Solar- oder Windstrom doppelt verkauft werden kann. Die Stadtwerke sind Betreiber der Handelsplattform und kümmern sich um die Formalitäten, insbesondere die Abrechnung.

„Aktuell kommt ja ein Strommix aus Atom, Kohle und Erneuerbaren aus unserer Steckdose. Mit der Blockchain-Technologie könnte man genau sagen, wann welcher Strom wo produziert wurde. Damit könnte eine Alternative zu Grünstromzertifikaten entstehen, die dem Verbraucher mehr Klarheit darüber gibt, woher sein Strom wirklich kommt“, erklärt Dena-Experte Richard.

Auch die RWE-Tochter Innogy hat mit ihrer App „Share and Charge“ eine Plattform auf Blockchain-Basis im Angebot, die Anbieter von E-Ladestationen und strombedürftige E-Auto-Besitzer miteinander ins Geschäft bringt. Der Besitzer einer Ladesäule kann so seinen Strom direkt an einen ihm unbekannten Fahrer eines E-Autos verkaufen.

Ein anderes Beispiel ist der bayerische Batteriehersteller Sonnen. Zusammen mit dem Übertragungsnetzbetreiber Tennet arbeitet Sonnen daran, dezentrale Batteriespeicher über eine Blockchain-Lösung in das Energieversorgungssystem einzubinden, damit Haushalte selbst zur Stabilisierung des Stromnetzes beitragen können.

Aber die Blockchain kann noch mehr. Das beweist gerade der Grünstrom-Händler Energy2market (e2m). Das Unternehmen mit Sitz in Leipzig nimmt Strom von über 3 500 kleinen und mittleren Anlagen ab, bündelt ihn in einem virtuellen Kraftwerk und verkauft ihn an der Börse weiter. Die installierte Leistung, die das Unternehmen so verwaltet, entspricht in etwa der eines kleinen Atomkraftwerks. Erst vor Kurzem hat e2m eine Kooperation mit der Blockchain-Plattform Swytch bekanntgegeben.

Swytch ist sozusagen der Bitcoin der regenerativen Energiewelt. Aber anstatt sich nur nach der Menge der erzeugten Energie zu richten, wird für einen Token der ökologische Fußabdruck angerechnet. „Zum Beispiel die Luftverschmutzung an dem Standort der Ökostromanlage oder die CO2-Einsparung durch das Ersetzen umweltschädlicher Technologien“, erklärt Clemens Geisel, zuständig für die wirtschaftlichen Nutzungsmöglichkeiten der Blockchain bei e2m.

Mini-Stromnetz in New York

So sollen – neben der Vergütung für den Strom – zusätzliche Investitionsanreize für erneuerbare Energien geschaffen werden. „Wir sind der festen Überzeugung, dass die innovative Blockchain-Technologie genutzt werden kann, um den Wert der europäischen Erzeugungsanlagen nach dem Auslaufen des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) langfristig zu sichern“, sagte Andreas Keil, Geschäftsführer der e2m.

In einem Viertel in New York ist das schon gelebte Wirklichkeit. Hier läuft seit zwei Jahren ein subversives Pilotprojekt. Betreiber von Photovoltaikanlagen an oder auf ihren Häusern speisen den überschüssigen Strom in das bestehende lokale Netz und erhalten hierfür von den Abnehmern eine Vergütung.

So haben die Anlagen ihren eigenen Wert, auch ohne Förderung. Möglich machen das sogenannte „Microgrids“ (Mikronetze), die die Teilnehmer untereinander in einer Art Mini-Stromnetz verbinden. Auf Basis der Blockchain-Technologie können Haushalte dann ohne Zwischenhändler kleinste Mengen grünen Strom handeln.

Der Preis für den Strom wird durch automatische Auktionen bestimmt, die sich nach dem Höchstpreis richten, den ein Stromkonsument pro Kilowattstunde zu zahlen bereit ist. Bis Ende des Jahres werden in Brooklyn tausend Teilnehmer angepeilt, die dem Stromnetz angeschlossen sind und durch den Handel die Erzeugung sowie den Verbrauch des Stroms auf lokaler Ebene ausbalancieren. Ein zentraler Versorger wird nicht mehr benötigt.

Das Thema greift die großen Trends der Energiewende auf: Digitalisierung, Demokratisierung und Dezentralisierung. Viele Start-ups träumen schon von einem volldigitalisierten Energienetz, bei dem die bisherigen Vollversorger nicht mehr viel zu melden haben – ähnlich wie bei den Kryptowährungen, die ja auch ganz gut ohne traditionelle Banken auskommen.

„Die ursprünglichen Rollen und Aufgaben von Energieversorgern werden sich auf jeden Fall nachhaltig verändern, weil traditionelle wertschöpfende Tätigkeiten wegfallen“, glaubt auch Blockchain-Experte Jens Strüker von der Hochschule Fresenius.

Trotzdem geht er nicht davon aus, dass Energieversorger in den nächsten 20 Jahren überflüssig werden. Die Frage sei aber, wie stark sie an den neuen wertschöpfenden Prozessen teilhaben können. „Hierzu gilt es, konsequent Geschäftsmodelle zu erproben und Risiken einzugehen. Das ist man bislang natürlich nicht gewohnt, noch hat man dafür die passende Eigentümerstruktur.“

Bis so etwas wie in New York im ganz großen Stil möglich ist, kann allerdings noch viel Zeit vergehen. Allein regulatorisch gesehen stellt die Blockchain den Staat vor große Herausforderungen. Hier befindet man sich derzeit im Graubereich. Im deutschen Energiewirtschaftsgesetz (EnWG) gibt es keine Regelung dafür, was passiert, wenn ein privater Erzeuger nicht nur Verbraucher, sondern gleichzeitig auch noch Energiehändler ist. Eines der größten Bedenken seitens der Akteure der derzeitigen Energiewirtschaft stellt zudem die Versorgungssicherheit dar. Ein verlässliches Energiesystem ist schließlich die Basis für den Wohlstand jeder Volkswirtschaft.

Außerdem sind für solche Anwendungen digitale und kommunikationsfähige Stromzähler (Smart Meter), intelligente Netze (Smart Grids) und vor allem ein funktionierender Breitbandausbau notwendige Voraussetzungen. Und bei diesen Zukunftsthemen steht Deutschland noch ganz am Anfang.

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1 Kommentar zu "Strommarkt: Blockchain-Technologie könnte die nächste Energiewende einleiten"

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  • Es ist wichtig zu wissen woher unser Strom kommt. Wenn Blockchain hier revolutionieren kann, bin ich dafür. Es müssen die Strecken eh gekürzt und vereinfacht werden, damit weniger Energie - Verluste entstehen. Weg von Grosskraftwerken die alles zentral Speisen und Verwalten. Dezentrale und mobile Haushalte Energie sowie Elektromobilität bietet auch die neueste und revolutionärste Entdeckung von Neutrino-Energy für die Menschheit des 21.Jahrhunderts. Es strömen Billliarden Neutrinos Tag und Nacht weltweit mit der solaren Strömung, die wir seit neuestem Wissen (Physik Nobelpreis 2015 & etliche internationale, universitäre Studien) in Energie wandeln können - für die mobile & dezentrale Haushaltsenergie und die Elektromobilität! Bei dieser Technologie braucht es keine Grosskraftwerke und demzufolge keine Speicher mehr. Auch materialaufwendige Akkus und Batterien werden durch kleinere Powercubes und Neutrino-Chips ersetzt. Ein Grosses Umdenken in Politik und Wirtschaft, wie etwa in den 80iger Jahren steht an: weg von Festnetztelefonie zur Mobilen Telekommunikation oder die Verbreitung von News anstelle mit Drucksachen über das Internet " Social Media, so auch in der Energienutzung hin zur mobilen und dezentralen Energie. Die Berliner Neutrino Group und ihr wissenschaftliches Team und internationalen Partner, bieten Lizenzen aus weltweiterForschung für die Nutzung von Neutrino-Energy. Das ist machbar Hier und Jetzt und Neutrino-Energy wird zukünftig 30-50% des Strombedarfs Abdecken können. Das neue Gold der Zukunft, kommt mit der solaren Strömung.

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