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Energie

Strommarkt Verdacht der Marktmanipulation: Netzagentur ermittelt gegen Stromfirmen

Im vergangenen Jahr drohten an drei Tagen im Juni Stromausfälle. Nach langen Ermittlungen geht die Bundesnetzagentur jetzt gegen drei Marktteilnehmer vor.
07.09.2020 - 14:16 Uhr Kommentieren
Strommarkt: Ermittlungen gegen 3 Stromfirmen wegen Manipulationsverdacht Quelle: dpa
Hochspannungsleitung

Im Juni 2019 kam es in Deutschland fast zum Blackout.

(Foto: dpa)

Düsseldorf Im Juni vergangenen Jahres herrschte bei den Betreibern des deutschen Stromnetzes gleich mehrfach Alarmstimmung. An drei Tagen war plötzlich zu wenig Strom vorhanden, um die Nachfrage zu decken. Die vier Übertragungsnetzbetreiber Amprion, 50Hertz, Tennet und TransnetBW bezeichneten die Situation im Nachgang selbst als „kritisch“ und konnten offenbar nur mit Mühe großflächige Stromausfälle vermeiden.

Jetzt leitete die Bundesnetzagentur nach einer ausführlichen Analyse der Vorgänge gegen drei Marktteilnehmer Bußgeldverfahren ein. Der Vorwurf: Verdacht der Marktmanipulation am Energiegroßhandel.

Die Behörde verdächtigt die Unternehmen, beim „Abschluss einer Transaktion oder Erteilen eines Handelsauftrags falsche oder irreführende Signale“ für das Angebot, die Nachfrage oder den Preis von Energiegroßhandelsprodukten gesendet zu haben. Die Bundesnetzagentur untersuchte monatelang, ob einzelne Marktteilnehmer gezielt Strom am Intradaymarkt zu sehr hohen Preisen verkauft haben – „ohne die Absicht, diesen Strom tatsächlich zu beschaffen oder selbst zu erzeugen“.

Im Jahr 2019 hatten die Netzbetreiber an drei Tagen, am 6., 12. und am 25. Juni, massive Ungleichgewichte im deutschen Stromnetz festgestellt. Unerwartet war nicht genug Strom im Markt. Wenn Angebot und Nachfrage nicht im Einklang sind, drohen aber Stromausfälle.

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    Die Übertragungsnetzbetreiber mussten deshalb drastisch eingreifen und unter anderem die Reserve, die für den Ausgleich von kurzfristigen Schwankungen bei Angebot und Nachfrage bereitgehalten wird, über längere Zeiträume vollständig einsetzen. Dabei stiegen die Preise im Stromgroßhandel zeitweise über die im Regelfall deutlich höheren Preise für diese Reserve, die sogenannte Regelenergie.

    Die Kosten für die Ausgleichsenergie waren dabei zeitweise günstiger als der kurzfristige Strompreis an der Börse. Deshalb war schnell der Verdacht aufgekommen, dass Marktteilnehmer auf diese Differenz gewettet und nicht genug Strom nachgekauft hatten. Was letztlich dazu führte, dass zu wenig Strom zur Verfügung stand.

    Die Bundesnetzagentur sieht nun offenbar ausreichende Anhaltspunkte, dass an diesen Tagen unzulässig spekuliert worden war. Sie hat inzwischen 100 Millionen Daten zu den Vorgängen auf dem Strommarkt an diesen drei Tagen ausgewertet. In 21 Handelssituationen gebe es Anhaltspunkte dafür, „dass durch Verkaufsgebote falsche oder irreführende Signale hinsichtlich des Angebots von Strom gesendet wurden“.

    Zusätzlich laufen mehrere Aufsichtsverfahren

    Die Bußgeldverfahren wurden gegen drei Marktteilnehmer eingeleitet, die die extreme Situation an den drei Tagen im Handel ausgenutzt haben sollen. Daneben laufen gegen fünf Unternehmen aber auch noch Aufsichtsverfahren. Hier geht es darum, ob die betroffenen Unternehmen ihrer Pflicht zum Ausgleich von Angebot und Nachfrage ausreichend nachgekommen sind.

    An den drei Tagen im Juni 2019 hatten die vier Übertragungsnetzbetreiber eine „starke Unterspeisung“ festgestellt. Weil zu wenig Strom vorhanden war, sank die Frequenz im gesamten europäischen Verbundnetz ab. Neben dem massiven Einsatz von Regelenergie konnte das Netz nur mit kurzfristigen Stromimporten aus dem Ausland stabil gehalten werden.

    In der Spitze fehlten sechs Gigawatt an Leistung. Das entspricht in etwa der Leistung von sechs großen Kernkraftwerken. Der Puffer, den die Netzbetreiber zum kurzfristigen Eingreifen zur Verfügung gehalten hatten, betrug nur drei Gigawatt.

    „Die Lage war sehr angespannt und konnte nur mit Unterstützung der europäischen Partner gemeistert werden“, teilten die vier großen Netzbetreiber damals in einer Stellungnahme mit. „Da durfte nicht mehr viel passieren“, hieß es ergänzend in Unternehmenskreisen.

    Die vier Übertragungsnetzbetreiber sind für die überregionalen Stromautobahnen zuständig, die den Strom über weite Entfernungen transportieren, ehe er in den regionalen Netzen verteilt wird. Sie müssen dafür sorgen, dass Angebot und Nachfrage stets im Gleichklang sind, um Stromausfälle zu vermeiden. Das wird mit der Energiewende immer aufwendiger, weil das Angebot von Wind- und Solarenergie schwierig zu prognostizieren ist.

    Umso anfälliger wird das System für Marktmanipulationen, wie sie die Bundesnetzagentur jetzt offenbar festgestellt hat.
    Mehr: Blackout-Gefahr: Im deutschen Netz wurde der Strom knapp

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