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Energie

Strompreise Warum die Energie-Industrie zum Jahreswechsel Strom verschenkt

Eine Baustelle der Energiewende: 2018 gab es wieder Dutzende Stunden mit einem negativen Strompreis. Experten beurteilen diese Entwicklung kontrovers.
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Die Preise für Strom schwanken oft heftig – eine Begleiterscheinung der Energiewende. Quelle: dpa
Strompreise

Die Preise für Strom schwanken oft heftig – eine Begleiterscheinung der Energiewende.

(Foto: dpa)

Berlin Alle Jahre wieder das gleiche Bild: Zwischen Weihnachten und Beginn des neuen Jahres, wenn das öffentliche Leben und die wirtschaftliche Aktivität in Deutschland auf Sparflamme köcheln, fallen die Strompreise im Großhandel für ein paar Stunden ins Bodenlose.

Mehr noch: Sie durchstoßen die Nulllinie und werden für ein paar Stunden sogar negativ. Wer in diesen Situationen Strom abnimmt, bekommt ihn nicht nur geschenkt, sondern erhält noch Geld obendrauf. An mehreren Stunden des Neujahrestages ist das so geschehen.

Dieses Phänomen tritt seit einigen Jahren immer wieder auf und ist eine Begleiterscheinung der Energiewende. Insgesamt gab es nach Angaben der Bundesnetzagentur 2018 in Deutschland 134 Stunden mit negativen Strompreisen. 2017 waren es noch 146 Stunden, nach 97 Stunden im Jahr 2016 und 126 Stunden im Jahr 2015.

Die Ursachen für die Entwicklung sind vielschichtig – und rücken einige Baustellen der Energiewende in den Fokus: Das Zusammenspiel von erneuerbaren Energien, fossilen Kraftwerken und Netzen funktioniert nicht immer reibungslos.

Wenn an einem stürmischen Tag mit geringer Nachfrage der Strom aus den Windparks in die Netze drückt, können die konventionellen Kraftwerke nicht schnell genug heruntergefahren werden, um Platz für den Windstrom zu schaffen.

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Einige Kraftwerksbetreiber wollen ihre Anlagen auch gar nicht runterfahren, weil sie Lieferverpflichtungen erfüllen müssen, die stärker wirken als die Preissignale des Stromgroßhandels.

Hinzu kommt: Die Möglichkeiten, den Strom ins benachbarte Ausland zu verkaufen, sind beschränkt. Die grenzüberschreitenden Leitungskapazitäten dafür fehlen einfach.

76 Euro als Belohnung

So entstehen Situationen, in denen der Strom verramscht werden muss. Abnehmer werden dafür belohnt, Strom zu verbrauchen. Am Neujahrstag 2018 gab es in der Spitze 76 Euro je Megawattstunde Strom obendrauf. Zur Einordnung: Der Wert liegt deutlich über dem durchschnittlichen Großhandelsverkaufspreis des vergangenen Jahres.

Aus der Sicht der Bundesnetzagentur ist das nicht dramatisch. „Es ist übliches Marktgeschehen, dass an der Strombörse hin und wieder negative Strompreise auftreten“, sagt ein Sprecher. Das Auftreten negativer Preise sei „ein wertvolles Signal des Marktes, das bei entsprechender Häufung zu wichtigen Flexibilisierungsanreizen führt“.

Ähnlich sieht es die Denkfabrik Agora Energiewende: „Obwohl 2018 abermals mehr Strom aus erneuerbaren Energien erzeugt wurde, ist sowohl die Zahl der Stunden mit negativen Strompreisen als auch deren Höhe zurückgegangen. Das zeigt, dass negative Strompreise Reaktionsfähigkeit und Flexibilität des Stromsystems verbessern können“, sagt Patrick Graichen, Direktor bei Agora Energiewende, dem Handelsblatt.

Die Kräfte des Strommarktes trügen somit zum Gelingen der Energiewende bei. „Mit weiter zunehmender Flexibilität, dem Bau von Stromleitungen in Nachbarländer, dem Bau von Speichersystemen wie auch dem Aufbau von Erzeugungskapazitäten für grünen Wasserstoff werden die negativen Strompreise weiter abnehmen“, ist Graichen überzeugt. Auch die Abschaltung der Kernkraftwerke bis 2022 werde Entlastung bringen, weil diese Kraftwerke ihre Stromproduktion bei negativen Strompreisen kaum drosselten, so Graichen.

Hubertus Bardt, Geschäftsführer beim Institut der deutschen Wirtschaft (IW), bewertet das Auftreten negativer Strompreise deutlich kritischer. Grundsätzlich zeigten schwankende Strompreise Knappheiten an und seien daher wichtig für die Koordination von Angebot und Nachfrage, sagt Bardt. „Wenn die Preise jedoch sogar negativ werden, entstehen doppelte Kosten: Erst werden Ressourcen aufgewendet, um den Strom zu produzieren, dann muss er kostenpflichtig entsorgt werden. Das regelmäßige Auftreten von negativen Strompreisen zeigt deutlich, dass die erneuerbare Stromproduktion sich nicht ausreichend auf die Nachfrage einstellen kann“, sagt Bardt.

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