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Energie

Stromproduzent Uniper-Zerschlagung abgewendet: Fortum unterstützt Hedgefonds nicht

Großaktionär Fortum hätte die brisanten Anträge von Elliott und Knight Vinke nicht unterstützt. Allerdings wird der Uniper-Vorstand wohl nicht entlastet.
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Der Showdown auf der Hauptversammlung des Stromproduzenten bleibt aus. Quelle: Reuters
Uniper

Der Showdown auf der Hauptversammlung des Stromproduzenten bleibt aus.

(Foto: Reuters)

DüsseldorfSeit Wochen schauen die Mitarbeiter von Uniper der Hauptversammlung am 22. Mai mit großer Sorge entgegen. Schließlich war ihr Unternehmen mit brisanten Anträgen zur Tagesordnung konfrontiert: Der Stromproduzent konnte die Selbstständigkeit verlieren – oder sogar zerschlagen werden.

Erst in der vergangenen Woche wurden die Mitarbeiter im Intranet noch einmal mobilisiert, um mit ihren eigenen Aktien gegen die brisanten Anträge zu stimmen.

Management und Mitarbeiter können sich aber vorerst wieder entspannen. Der Showdown auf der Hauptversammlung bleibt aus. Die Aktionäre Elliott und Knight Vinke, die die Anträge gestellt hatten, zogen sie am Dienstagnachmittag kurzfristig zurück. Offenbar erkannten die beiden Aktionäre, dass die Anträge keine Chancen auf Erfolg hatten.

Großaktionär Fortum, der 49,99 Prozent der Anteile hält, hätte sie nicht unterstützt. Das stellte Fortum-Chef Pekka Lundmark im Gespräch mit dem Handelsblatt klar: „Wir hätten gegen den Beherrschungsvertrag gestimmt – und wir hätten auch gegen die Vorschläge gestimmt, die eine Aufspaltung von Uniper forderten“, sagte er: „Ich bin froh, dass es jetzt gar nicht erst zu der Abstimmung kommt.“

Für die Mitarbeiter von Uniper endet damit eine wochenlange Phase der Unsicherheit. Fortum hatte die Anträge sorgfältig geprüft und noch vor eineinhalb Wochen betont, noch keine Entscheidung über das Abstimmverhalten auf der Hauptversammlung getroffen zu haben. Selbst der Vorstand von Uniper war nach eigenen Angaben im Unklaren. Das Szenario, das auf dem Aktionärstreffen im Congress Center Düsseldorf die Zerschlagung des Stromproduzenten beschlossen würde, war also realistisch.

Noch am Montag forderte die Gewerkschaft Verdi von Fortum, endlich Farbe zu bekennen. „Die Mitarbeiter von Uniper sind beunruhigt. Es ist sehr schwierig, wenn der neue Anteilseigner offenlässt, wie er auf der Hauptversammlung abstimmen wird“, sagte Bundesvorstandsmitglied Andreas Scheidt der Nachrichtenagentur Reuters. „Ich erwarte, dass Fortum Verantwortung übernimmt und die Anträge von Elliott und Knight Vinke ablehnt.“

Der Hedgefonds Elliott hatte gefordert, dass Uniper mit Fortum einen Beherrschungsvertrag abschließt. Knight Vinke verlangte die Aufspaltung von Uniper. Entweder sollte das Geschäft in Russland ausgegliedert werden oder Aktivitäten in Schweden. Elliott hält 16,5 Prozent der Anteile, Knight Vinke fünf Prozent.

Alleine hätten beide zwar keine Chance auf eine Mehrheit. Aber das lange Schweigen von Fortum verunsicherte die Mitarbeiter – zumal zumindest die Anträge von Knight Vinke tatsächlich im Interesse von Fortum hätten sein können.

„Seit Februar verhandeln wir mit dem Management von Uniper über eine tiefgreifende Kooperation. Die Gespräche kommen gut voran und wir sind optimistisch, dass wir sie erfolgreich abschließen werden“, sagte Lundmark: „Ein Beherrschungsvertrag oder eine Aufspaltung wäre mit Sicherheit keine gute Grundlage für die gewünschte Kooperation.“

Zu der Abstimmung wird es aber auch nicht kommen. Allerdings steht noch ein weiterer brisanter Antrag auf der Tagesordnung. Elliott fordert eine Sonderprüfung zum Verhalten des Uniper-Managements beim Genehmigungsprozess. Lundmark erklärte, Fortum unterstütze den Antrag nicht. Er ließ aber offen, ob sein Unternehmen sich enthalten wird. Damit könnte der Antrag durchaus Chancen auf Erfolg haben.

Und Fortum selbst wird nach Lundmarks Worten beantragen, die Entlastung des Vorstands für die Jahre 2017 und 2018 zu vertagen. „Es gibt nach wie vor ungeklärte Fragen“, sagte Lundmark.

Schließlich ist auch das Verhältnis von Uniper zum größten Aktionär angespannt, seit die Finnen im Herbst 2017 den Einstieg angekündigt hatten. Der finnische Energiekonzern unterbreitete damals eine Übernahmeofferte – und stellte Uniper fast schon vor vollendete Tatsachen. Die Finnen hatten sich mit dem ehemaligen Mutterkonzern Eon bereits geeinigt und dessen verbliebenen Anteil von knapp 47 Prozent gesichert.

Das Management um CEO Klaus Schäfer reagierte erbost – vor allem auch auf Eon. Schäfer und Co. fühlten sich von der ehemaligen Mutter verraten und verkauft. Erst Anfang 2016 hatte Eon die Kohle- und Gaskraftwerke und den Energiegroßhandel ausgegliedert und im Herbst 2016 an die Börse gebracht – und gab den Newcomer schon wieder zur Übernahme frei.

Signale der Kooperation von Uniper

Der Vorstand kämpfte gegen den Einstieg der Finnen und war auch teilweise erfolgreich. In Russland, wo Uniper einen großen Stromerzeuger betreibt, billigten die Genehmigungsbehörden zwar das Engagement der Finnen, aber nur bis zur Schwelle von 50 Prozent. Fortum darf also nicht ohne Weiteres die Mehrheit erwerben.

Fortum-Chef Pekka Lundmark reagierte seinerseits erbost. Schließlich hängt die Auflage an einer äußerst kleinen Aktivität, einer Wasseraufbereitungsanlage. Die wird zwar von den Russen als strategisch wichtig eingestuft, das Uniper-Management, so zürnte Lundmark, hätte das Problem aber leicht beseitigen können.

Mit dem Antrag von Knight Vinke hätte Fortum das Problem vermutlich selbst beseitigen können. Gemäß dem Antrag würde die russische Tochter mit dem Segment „internationale Erzeugung“ in eine neue Gesellschaft überführt. Fortum wäre dann an beiden Unternehmen mit 49,99 Prozent beteiligt – und könnte den Anteil an Uniper auf mehr als 50 Prozent aufstocken. Für Fortum wäre es also durchaus reizvoll gewesen, zumindest diesen Antrag anzunehmen.

Allerdings hat Fortum inzwischen auch berechtigte Hoffnungen, dass Uniper sich von sich aus auf eine Kooperation einlässt und sich nicht weiter gegen den Großaktionär wehrt. Anfang Februar verlor Uniper-Aufsichtsratschef Bernhard Reutersberg nämlich die Geduld und ordnete einen „Neuanfang“ an. Ein „weiter so“ dürfe es nicht mehr geben, schimpfte er. Seither haben die Managements beider Unternehmen ihre Gespräche über die künftige Zusammenarbeit intensiviert.

Und um den Neuanfang möglich zu machen, müssen Schäfer und Finanzvorstand Christopher Delbrück zum ersten Juni ihre Posten räumen. Die Nachfolger sind schon bestimmt. Neuer CEO wird der ehemalige Thyssen-Krupp-Manager Andreas Schierenbeck, das Finanzressort übernimmt Sascha Bibert, den Reutersberg von Eon kennt.

Mehr zum Thema: „Wir sind an Uniper als Ganzes interessiert“ – lesen Sie hier das vollständige Interview mit Fortum-Chef Pekka Lundmark

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