Energie

Stromspeicher Neues Leben für alte Batterien

Zuerst BMW, jetzt Daimler: Autobauer wollen ausrangierte Elektrowagen-Batterien als Stromspeicher zweitverwerten. Das Ziel: stabilere Stromnetze und sinkende Akku-Kosten. Die Verlierer dabei? Alle Energieversorger.
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In Lünen bei Dortmund entsteht ein Batteriespeicher der Megawatt-Klasse. Er soll dazu beitragen, Schwankungen im Stromnetz sekundenschnell auszugleichen. Quelle: dpa
Projekt Batteriespeicher

In Lünen bei Dortmund entsteht ein Batteriespeicher der Megawatt-Klasse. Er soll dazu beitragen, Schwankungen im Stromnetz sekundenschnell auszugleichen.

(Foto: dpa)

DüsseldorfMit den Elektroautos, seufzte Dieter Zetsche, sei es wie mit den Windrädern: „Jeder findet die Idee toll, aber keiner will sie vor der eigenen Haustür haben.“ Die Verkaufszahlen der Stromer? Schlichtweg enttäuschend, räumte der Daimler-Chef ein. Man hatte sich in der Vergangenheit weit mehr erhofft. Vom Ziel der Bundesregierung, bis 2020 rund eine Million Elektroautos auf die Straßen zu bringen, ist Deutschland weit entfernt. Gerade einmal rund 19.000 rein mit Strom betriebene Pkw rollen durch die Republik.

Die größten Hemmnisse für den Kauf eines Elektroautos: die geringe Reichweite, zu wenige Lademöglichkeiten und der hohe Preis. Zumindest die Kosten will Daimler jetzt deutlich reduzieren. Gelingen soll das auch, indem neue Geschäftsfelder erschlossen werden, etwa im Energiesektor.

Am Dienstag startete Daimler deshalb zusammen mit drei Partnern den Bau eines neuartigen Stromspeichers. In Lünen bei Dortmund soll Anfang 2016 einer der größten Batteriespeicher Deutschlands ans Netz gehen und künftig helfen, Schwankungen im Stromnetz auszugleichen. Das Besondere: Die Kapazität von 13 Megawattstunden kommt ausschließlich aus gebrauchten Akkus von Elektroautos. Gut 650 ausrangierte Batterien aus Leasingwagen des Modells Smart sollen so den Strombedarf der etwa 85.000 Einwohner zählenden Stadt Lünen eine Stunde lang abdecken können.

Daimler-Chef Zetsche hofft darauf, mit dem neuen Speicher die Wirtschaftlichkeit von Elektroautos zu verbessen. Denn: Geteilte Kosten sind halbe Kosten. Die Zweitverwertung helfe, die Preise für Batterien weiter zu senken. „Fortschritte bei der E-Mobilität brauchen Fortschritte bei der Batterie“, erklärte Top-Manager Zetzsche dazu. Akkus aus Elektroautos könnten auch nach ihrer Ausmusterung aus den Fahrzeugen noch mindestens zehn Jahre als Stromspeicher eingesetzt werden.

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Akkumulator

Ein wiederaufladbarer Speicher für elektrische Energie auf elektrochemischer Basis. Im engeren Sinne ist mit Akkumulator beziehungsweise Akku lediglich eine einzelne Speicherzelle gemeint, allgemeinsprachlich werden aber auch die zusammengeschalteten Speicherelemente wie sie im E-Auto vorkommen als „Akku“ bezeichnet.

Auch die Bezeichnung „Batterie“ ist hierfür gängig, auch wenn sie historisch oder fachsprachlich in etwas eingeschränkterem Sinne genutzt wurde und wird. Häufig in der Bedeutung von „nicht-aufladbare Batterie“. Letztlich kann man „Batterie“ als Oberbegriff verstehen, unter den neben nicht-wiederaufladbaren Speichern eben auch Akkus fallen. In vielen Fällen werden beide Begriffe heute synonym verwendet, lediglich, wenn speziell die Wiederaufladbarkeit betont werden soll, empfiehlt sich das präzisere „Akku“.

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Ampere

Einheit der elektrischen Stromstärke (A). Stellt man sich den Stromfluss analog als Fließen von Wasser durch ein Rohr vor, entspricht die Stromstärke dem Rohrdurchmesser. Der Wasserdruck ließe sich mit der Stromspannung (V) gleichsetzen. Beide Faktoren gemeinsam entscheiden, wie hoch die Leistung ist. Letztlich also, wie viel Energie für den Betrieb eines Wasserrades oder Motors zur Verfügung steht.

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Brennstoffzelle

Spricht man von einem Brennstoffzellen- oder Wasserstoff-Fahrzeug, so ist dennoch ein Elektrofahrzeug gemeint. Bei diesem tank man statt Strom, Diesel oder Benzin aber flüssigen Wasserstoff. In einer chemischen Reaktion wird das Hydrogen in der Brennstoffzelle in elektrische Energie umgewandelt, die dann das Fahrzeug antreibt. Anders als bei reinen Elektrofahrzeugen ist die Infrastruktur für den Wasserstoff eine ungelöste Frage. Vorteil der Brennstoffzellenfahrzeuge ist ihre größere Reichweite.

huGO-BildID: 17868798 Mitsubishi Motors Corporation Führende Automobilhersteller für Standards bei der Elektromobilität * Projekt CHAdeMO* ni
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Chademo

Abkürzung für „Charge de Move“ und Bezeichnung des japanischen Schnellladesteckers-Systems, das vom Energiekonzern Tepco und den Autoherstellern Nissan, Mitsubishi, Toyota und Subaru entwickelt wurde. Die typische Ladeleistung liegt bei 50 kW, es sind allerdings auch höhere Werte möglich. Konkurrenzstandard ist das deutsche CCS-System, beide Steckertypen sind nicht kompatibel.

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CCS

Steht für „Combined Charging System” und ist die deutsche Version des Schnellladesteckers für Gleichstrom mit hohen Ladeleistungen bis 170 kW. Er kommt lediglich als festes Ladekabel an Stationen vor. Genutzt werden kann er aktuell nur von sehr wenigen Fahrzeugen, etwa dem VW E-Up.

Der Konkurrenz-Standard ist das Chademo-System eines japanischen Konsortiums, der vor allem von japanischen und französischen Autos unterstützt wird. Alle Hersteller des europäischen Automobilhersteller-Verbandes ACEA unterstützen den CCS-Standard. 

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Elektroauto

Im engeren Sinne die Bezeichnung für ein batteriegetriebenes E-Auto mit oder ohne Range Extender. Im weiteren Sinne sind bezogen auf ihre Antriebsart auch Brennstoffzellen-Fahrzeuge E-Autos. Auch Plug-in-Hybride werden häufig – besonders in offiziellen Statistiken – den E-Autos zugeschlagen.

Dass Batterien am Ende ihres Lebenszyklus in Autos immer noch wertvoll sind und als stationärer Pufferspeicher über viele Jahre eingesetzt werden können, hat vor Daimler schon BMW erkannt. Der Münchner Mercedes-Konkurrent hat bereits Anfang des Jahres angekündigt, in Hamburg alte Elektroauto-Batterien zusammenzuschalten, um so zwei Kernelemente der Energiewende voranzutreiben: Die Elektromobilität und Stromspeicher.

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44 Kommentare zu "Stromspeicher: Neues Leben für alte Batterien"

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  • Eine Kapazität von 13 Megawatt? Megawatt ist eine Leistungsangabe, Kapazität eine Energieangabe! Wohl eher Megawattstunden (MWh), oder? Oder verbraucht ihr Auto 5 PS auf 100 km?

  • Naja, mit scheint, die "Handelshemmnisse" für Elektroautos bestehen weniger aus den unbetritten hohen Kosten, sondern vor allem in Totalversagen des Marketings. Nicht nur bunte Alukapseln mit ein paar Krümeln Kaffepulver bekommt man in eigens dafür vorgesehene "Boutiquen" zu aberwitzigen Preisen unter die Leute. Die Stars in den Werbespots der Autohersteller sind völlig sinnfreie, plumpe, bullige Hausfrauenpanzer, die reißenden Absatz finden. Die Augen der Käufer glänzen und nach den Kosten fragt da niemand.

  • „Umweltschädliche Wind- und Solaranlagen speisen gem. den Zufällen des Wetters, der Tageszeit und der Jahreszeit zwischen 0 und Nennleistung Strom ein.“
    Zum Thema „Stabilität des Stromnetzes“ äußere ich mich mal lieber nicht, dafür habe ich (trotz diverser Sendungen zu diesem Thema wie „Quarks & Co.“ viel zu wenig Ahnung davon.

    Aber zu Ihrem obigen Argument und angesichts der Tatsache, dass die Wetterbedingungen überall sehr unterschiedlich sind (irgendwo scheint gerade immer die Sonne und weht der Wind):

    Da sollte man doch meinen, dass dieser Umstand statt gegen diese Energiequellen viel eher gerade auch bei Fragen der Energieversorgung für eine weitaus engere supranationale Zusammenarbeit und Verzahnung bei der Projektierung zukünftiger Versorgungsnetze spricht?

    Statt dass jede Nation weiterhin energiepolitisch mehr oder weniger ihr eigenes Süppchen kocht?

  • Zitat: "... der CO2-gehalt der Athmosphäre vor 500 Mio Jahren 20fach (!!) so hoch war wie heute."

    Und dann "findet die Erde" ein Verfahren und bringt das alles unter die Erde !!

    Und heute 500 Mio Jahre später kommt der Mensch und buddelt das alles wieder aus - und hat schon fast 50% verbrannt => CO2

    Verheizt Kohle & Gas und "wundert" sich, das das Klima wärmer wird. Dazu kommt noch, das dies in ca. 200 Jahren passiert ist UND wir jetzt > 8 Mrd. Menschen sind - und nicht ein paar versprengte Säugetiere o.ä.

    Wir ein Anderer schon bemerkte, einige Kommentoren waren bestimmt auch gegen Kat's und Filtern bei Kraftwerken o. ä. Ich empfehle einmal zu einem Oldtimertreffen zu gehen und sich deren Auspußgase bei der heutigen Anzahl der PKW' und LKW's vorzustellen.

    Die Todzeit des Regelalgorithmus ist bei diesen Personen deutlich zulange.

  • Etliche der tierischen Vorfahren werden aber ausgestorben sein, damals. Einfach deshalb, weil sie sich nicht an die sicher recht warmen Verhältnisse anpassen konnten.
    Genauso wenig wird die Menschheit solche Verhältnisse überleben.
    Verstanden haben Sie recht wenig von dem was so zum Thema "Klimawandel" erklärt wird. Das Leben wird weitergehen, aber in anderer Form...

  • Wenn ich mich nicht irre, hat die Ukraine letztens einen Deal mit Russland gemacht und bezieht russisches Gas zu 200 USD pro Tausend Kubikmeter.

    Wenn ich was zu sagen hätte würde ich russisches Erdgas beziehen und damit die Gaskraftwerke in D betreibe. Pro Kubikmeter sind ja rd. 10 KWh enthalten, sogar die Abwärme könnte genutzt werden. Dies würde dann einen Strompreis von 5 Cent/KWh realisierbar machen. Dumm nur, dass dann der Finanzminister und die Erneeuerbaren-Betreiber nix mehr zum abkassieren hätten.

    Aber auf mich hört ja keiner.... :-)

  • Herr Meier, ein (ökoreligiöser) Glauben erspart die Mühen sich Wissen anzueignen.

    Bereits im Studium hatte ich eine Arbeit an einer Dampfturbine gemacht. Diese enthält ein Düsensystem mit entsprechenden Ventilen mit denen der Dampfzufluss gesteuert wird. Ensprechende Darstellungen findet man auf Wikipedia und diversen Lehrbüchern.

  • Warum verlässt Journalisten bei Energiethemen so gern der Sachverstand? 13 MW soll das Ding haben, und der Artikel spricht vom "größten Stromspeicher". In Wahrheit ist es ein Fliegenschiss. Ein einziger durchschnittlicher Pumpspeicher kommt auf locker auf die 20-fache Leistung
    (gibt auch viel größere)! Es mag sich vielleicht um den größten BATTERIEspeicher handeln. Aber das zeigt nur, wie irrelevant Batteriespeicher sind und bleiben werden.

    Selbst beim klassischen Pumpspeicher sind die spezifischen Kosten zu hoch, als dass damit Strom über mehr als einen Tag wirtschaftlich speicherbar wäre. Für Batteriespeicher gilt das in noch viel stärkerem Ausmaß. Vor denen braucht die Energiewirtschaft nicht zu zittern - völlig egal, ob sie in Autos, in Kellern von Solarmüllern oder bei Daimler-Benz errichtet werden.

    Ich kenne eine einzige Speichertechnologie, die das Zeug hätte, die Stromwende wirklich voranzubringen, weil sie extrem niedrige spezifische Kosten berspricht. Schauen Sie mal unter lageenergiespeicher.de (nein, das ist keine Schleichwerbung. Der gute Professor heimst einen Preis nach dem anderen ein, aber offenbar wagt sich kein Politiker oder Energiekonzern an die Umsetzung).






    Wenn die Stromversorger vor irgendetwas KEINE Angst haben müssen, dann sind das Batteriespeicher. Völlig egal, ob aus ausrangierten oder aus frischen Batterien.

  • Sachlich, technisch sind die sehr geringen Mengen radiotoxischer Abfälle aus kommerziellen Kernkraftwerken sicherlich ein grosser Vorteil gegenüber Kohle, oder umweltschädlichen Windmühlen und Solaranlagen.

    Allerdings scheint die Ökosaga der "Ungelösten Endlagerfrage" wohl gerade wegen ihrer Substanzlosigkeit die populärste Ökosaga, populärer als Waldsterben, "Klimawandel", Ozonloch zu sein.

  • Herr Wolf...zum technischen Verständnis..

    Die kurzfristige Frequenzregelung (Bereich bis wenige Sekunden) erfolgt durch diese rotativen Massen. Bei Frequenzanstieg wird die Dampfzufuhr zur Turbine gedrosselt, bei Frequenzabfall vergrössert. Die Dampfzufuhr speist sich aus dem Kessel. Insbesondere bei Siedewasserreaktoren haben bauartbedingt eine grosse Kesselreserve (Dampf im Reaktor). Der Wirkungsgrad wird durch diese Regelung nur sehr unwesentlich beeinflusst. Ich hoffe das war verständlicher.

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