Energie

Sturmtief „Xaver“ knackt Windstromrekord

Der landesweit wehende Sturm „Xaver“ hat für einen Höchstwert bei der Stromproduktion gesorgt. Noch nie lieferten Windräder in Deutschland so viel Strom. Die Netzbetreiber stellte das vor Herausforderungen.
Update: 06.12.2013 - 10:15 Uhr 68 Kommentare
Windpark in Niebüll, Schleswig-Holstein: Die Windenergiebranche stellte einen neuen Rekord auf. Quelle: dpa

Windpark in Niebüll, Schleswig-Holstein: Die Windenergiebranche stellte einen neuen Rekord auf.

(Foto: dpa)

DüsseldorfAm späten Donnerstagnachmittag haben die Windräder in Deutschland mehr Strom geliefert als jemals zuvor. In der Stunde von 17 bis 18 Uhr produzierten die Anlagen im ganzen Land etwa 26 Gigawattstunden Strom – das entspricht der Leistung von etwa 15 Atomkraftwerken. Den bisherigen Rekord hatte laut Energieinstitut IWR das Sturmtief „Christian“ Ende Oktober mit einer Spitzenleistung von 24,7 Gigawatt Stromproduktion in der Spitze aufgestellt.

Bei zu starkem Wind ab Windstärke 9 oder 10 drehen die meisten Windräder die Blätter aus dem Wind, um Schäden zu vermeiden. Bei starken Stürmen sinkt daher die Windstromproduktion in den betroffenen Regionen häufig auf null. Dadurch, dass „Xaver“ jedoch über ganz Deutschland kräftig wehte (Liveblog zu „Xaver“), fielen die Abschaltungen kaum ins Gewicht. In den späten Abendstunden des Donnerstags stammten fast 40 Prozent des gesamten in Deutschland produzierten Stroms aus Windenergie.

Den gesamten Tag über hatten die Netzbetreiber daher alle Hände voll zu tun. Sie fürchteten zum einen Schäden an Hochspannungsleitungen wegen möglicherweise umstürzender Bäume. Außerdem kamen die Übertragungsleitungen in Richtung Süddeutschland an ihre Kapazitätsgrenzen, wie etwa die Welt berichtete.

Die Netzbetreiber forderten daher von süddeutschen Kraftwerken eine höhere Stromproduktion an und drosselten die Produktion in konventionellen Kraftwerken in Norddeutschland. Windstrom wird mit Priorität ins Netz eingespeist. Die Entschädigungszahlungen für solche außergewöhnlichen Maßnahmen trägt der Stromverbraucher über die Netzentgelte, die Teil des Strompreises sind.

Auf Basis der Daten des Energiebörse EEX errechnet sich für Donnerstag eine Windstromproduktion von 479 Gigawattstunden, aus konventionellen Quellen stammten fast 1100 Gigawattstunden. Auch am Freitag dürfte ein ähnlicher Wert für die Windstromproduktion erreicht werden, denn die Stromnetzbetreiber erwarten jeweils mehr als 20 Gigawattstunden Windstrom pro Stunde.

Zum Stichtag 30. Juni 2013 drehten sich in Deutschland 23.312 Windräder mit einer Maximalleistung von 32 Gigawatt. Nur ein kleiner Teil der Anlagen steht auf offener See (zum Stichtag 89 Windräder mit einer Kapazität von 0,39 Gigawatt).

Anm. d. Red.: In einer ersten Fassung waren versehentlich die Windstromdaten für Österreich mit angegeben worden, an der Grundaussage ändert sich nichts. Die EEX weist offiziell viertelstündlich die Spitzenleistung der Energieerzeugung aus (in MW). Eine Mittlung der viertelstündlichen Werte auf eine Stunde lässt auf die produzierte Strommenge in MWh bzw. GWh schließen.

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68 Kommentare zu "Sturmtief: „Xaver“ knackt Windstromrekord"

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  • Zitat: "Machen Sie sich nicht lächerlich. "

    Geben Sie sich keine Mühe. Die großen Entscheider in den Energiekonzernen haben früher auch mal über die grünen Spinner gelacht, die mit Windrädchen oder Solarpaneelen Strom erzeugen wollten.

    Glauben Sie etwa, dass bei Vattenfall, RWE, Eon oder EnBW noch jemand über die erneuerbaren Energien lacht??

    Da lacht keiner mehr denn die haben mitbekommen, dass es auch ohne sie geht. Und wenn die nicht langsam spuren und die Energiewende aktiv mittragen, sind diese Versorger bald weg vom Fenster.

  • @ Adauenst „...dass die Zeit des Monopols für Großkraftwerke insbesondere der AKWs abläuft.“

    Bis zur „Regulierung des Strommarktes“ durch die EU in D waren die Energieversorger mehrheitlich in der Hand der Kommunen, sprich der Bürger. Daß diese Unternehmen Gewinne machen, ist klar, denn sonst könnten sie ihre Kraftwerke nicht unterhalten und Geld für deren Ersatz generieren.

    „Die Energiewende hin zu verantwortbarer Energieversorgung ist aber unumkehrbar.“

    Mit anderen Worten, Sie halten die Versorgung eines Landes durch Zufallsstrom für verantwortbar. Sind Sie sich dieser Konsequenz bewußt?

  • @ Mad_Cow „Warum sollten wir das tun?“
    Weil mit modernen Kernkraftwerken eine stetige und umweltfreundliche Energieversorgung möglich ist. Mit Windmühle und Co bleibt die Versorgung dem Zufall Wetter überlassen. Mit welcher Technik gedenken Sie die Zeit zwischen den Winden, das sind ca. 6860 Std/a, zu überbrücken? Mit welcher Technik regulieren Sie Einspeiseschwankungen der Windmühlen?

    „Die Menschen in Deutschland sind mit großer Mehrheit dafür, die zukünftige Energieversorgung auf die Basis der erneuerbaren Energieträger zu stellen.“

    Sind „die Menschen“ in D jemals dazu befragt worden ob sie das wirklich wollen? Ich kann mich nicht daran erinnern. Wissen diese Menschen auch, wie ein Drehstromstromnetz funktioniert? Welche „Mehrheit“ hat sich dazu geäußert? War es zufällig die, die mit diesen Windmühlen Geld verdient? Also Projektierer, Banken, Hersteller? Daß die daran ein Interesse haben, kann ich mir lebhaft vorstellen.

    „Die Politik ist nicht dazu da, die Wünsche einzelner Menschen oder einzelner Interessensgruppen oder einzelner Konzerne zu befriedigen.“

    Das tut sie seit Verabschiedung des Einspeisegesetzes unter Kohl und der Verabschiedung des EEG unter Schröder. Mit diesen Gesetzen wurden/werden Partikularinteressen auf Kosten der Allgemeinheit bedient. Das EEG sorgt zudem dafür, daß die bis dahin zuverlässige, stetige und kostengünstige Versorgung mit elektrischer Energie getauscht wird in ein System, das witterungsabhängig Strom produziert. Für den Industriestandort D eine Katastrophe.

    „....etwas mehr Verantwortung für unsere Zukunft auf diesem Planeten zeigen.“

    Und was möchten Sie mit dem Produkt Zufallsstrom in D retten? Die Welt, „das Klima“? Machen Sie sich nicht lächerlich.

  • Es müssen sich einige eben erst daran gewöhnen, dass die Zeit des Monopols für Großkraftwerke insbesondere der AKWs abläuft. Ich verstehe den Frust derer, die jahrzehntelang Miliiardengewinne daraus schöpften. Die Energiewende hin zu verantwortbarer Energieversorgung ist aber unumkehrbar. Und das ist gut so.

  • Zitat: "Moderne KKW bauen, in denen diese Reststoffe aufgebraucht werden können."

    Warum sollten wir das tun? Die Menschen in Deutschland sind mit großer Mehrheit dafür, die zukünftige Energieversorgung auf die Basis der erneuerbaren Energieträger zu stellen.

    Die Politik ist nicht dazu da, die Wünsche einzelner Menschen oder einzelner Interessensgruppen oder einzelner Konzerne zu befriedigen. Das wurde im Fall der großen Energieversorger nach meiner Meinung viel zu lange gemacht.

    Und jetzt ist Schluss damit.

    Die erneuerbaren Energien sind Gebot der Stunde. Die heutige Generation sollte mal etwas mehr Verantwortung für unsere Zukunft auf diesem Planeten zeigen. Und wem das nicht passt, der hat eben Pech gehabt.

  • @ leser (2)

    „..Menschen, die an Verstrahlung leiden,...“

    Mir ist bisher kein Mitarbeiter eines KKW bekannt, der an seinem Arbeitsplatz „verstrahlt“ wurde. Und näher als die kann man dem Reaktor nicht sein.

    „Ich bin sicher mit weiteren Investments und durch den weiteren Ausbau werden die Kosten für EEs weiter sinken....“

    Wo hinein wollen Sie investieren? In veraltete Windmühlentechnik? In weiteren Ausbau dieses ineffektiven Unfugs? Daß die Kosten für EE sinken, wird uns schon seit über 30 Jahren erzählt, bisher ist das Gegenteil der Fall, da hilft auch ein weiterer Ausbau dieser Uralttechnik nicht weiter. Denn wenn es keinen Wind gibt, produzieren diese Mühlen Null Wattsekunden/h. Der sog. „Ökostrom“ macht gerade einmal 12% der Gesamtstromerzeugung aus und hat in diesem Jahr 24Mrd. € gekostet, pro kWh ca. 32 ct.. Die konventionell hergestellte kWh kostet ca. 5ct. Erklären Sie mir einmal, weshalb ich für das selbe Produkt mehr als 6 mal soviel bezahlen soll und es nicht einmal ständig verfügbar ist.

    „EEs sind mit meinem Gewissen vereinbar - AKWs nicht.“

    Ihr Gewissen in allen Ehren, wie werden Sie Ihren Nachkommen begründen, daß sie keinen Arbeitsplatz haben werden und den mit Windmühlen hergestellten Strom nicht bezahlen können, daß Sie sie dazu verdammt haben im 21Jhdt wie im 18ten leben zu müssen.
    Nicht einmal die DDR hat Windmühlen aufgestellt, obwohl die ein ständiges Energieproblem hatte. Die vorherigen nationalen Sozialisten haben dieses Verfahren ausprobiert und fallengelassen, wegen Unwirtschaftlichkeit. Zu dem selben Schluß sind die Ingenieure, die die Growian bei Marne als Forschungsobjekt betreuten gekommen, unwirtschaftlich, denn an dieser Technik ist keine auffallende Entwicklung mehr möglich.

  • @ leser (1) „Hat jemand absichtlich den Gau herbeigeführt? Sicher nicht.“

    Doch, genau das ist passiert. Der gesamte Vorgang ist z.B. auf Wiki nachzulesen.

    „Haben wir (die Betreiber) die Technik vollständig im Griff?“

    Sie vergleichen Äpfel mit Birnen. Die Tschernobyltechnik ist eine völlig andere gewesen, als die in westlichen Reaktoren verwendete. Zudem galten schon zu diesem Zeitpunkt in D wesentlich höhere Sicherheitsstandards als in der SU. Im Sozialismus wurde es mit der Sicherheit nicht so genau genommen.

    „Der Begriff verletzt niemanden...“

    Der Begriff suggeriert etwas, was physikalisch nicht möglich ist, von daher kein Fall für Sprachwissenschaftler. Das sich hauptsächlich Juristen, Soziologen, Deutschlehrer und Pastoren mit der Energieversorgung im Industriestandort D „beschäftigen“ ist eines der Hauptprobleme der sog. EE. Dies ist ein Fall für Fachleute aus dem Bereich Elektrotechnik, Physik.

    „...für den erzeugten Atommüll ....“

    Dieser „Müll“ ist Energie an der falschen Stelle. Dessen Verbleib ist in jeder Hinsicht geklärt, wird aus politischen und ideologischen Gründen nicht publiziert, man braucht den Popanz. Die Lagerung bezahlt der Einlieferer, dafür hat er schon jetzt Rücklagen gebildet, ebenso für den Rückbau der KKW.
    Was „wir“ mit dem „Zeug“ machen sollen? Moderne KKW bauen, in denen diese Reststoffe aufgebraucht werden können.

  • Hallo Leser,
    der Staat ist grundsätzlich ein schlechter Unternehmer, da gibt es genug Beispiele für. Schauen Sie sich mal die Zusammensetzung des Bundestages an, wie viele Unternehmer da noch drin sitzen, dann wissen Sie Bescheid. Wenn Sie sich dann noch ansehen, wie die öffentlichen Haushalte und die Sozialversicherungen von Vater Staat gemanagt werden, dann wird Ihnen schwarz vor Augen (Stichwort: Zweckentfremdung von Versicherungsbeiträgen). Viele Politiker waren und sind ja in Aufsichtsräten in der Wirtschaft vertreten und machen da nicht unbedingt eine gute Figur. Und deshalb auch das Durcheinander in der Energiepolitik: hier hat der Staat in ein "running system" eingegriffen. Das Räderwerk ist durcheinander, ein Marktferner Eingriff jagt den Nächsten. Die heutige Entwicklung konnte man sich an fünf Fingern abzählen. Wundern tut mich das nicht. Und wenn Sie jetzt in langen Zeiträumen denken, ist klar was auf Deutschland zukommt. Nehmen Sie hierfür keine Monate und Jahre, sondern Jahrzehnte. Dann ist die Industrie aus Deutschland raus, der Mittelstand und die Mittelschicht ist verarmt und wir gehen wieder Kartoffeln auf dem Acker ernten. Ich habe da kein Problem damit, ich kenne das noch aus den 60er/70ern. Aber viele unserer zeitgenossen meinen scheinbar, wenn die Industrie im Ausland ist, bliebe alles beim alten. Pustekuchen, die werden sich noch wundern.
    Mein Eindruck: alles Private soll langfristig zurückgedrängt werden: die Private Krankenversicherung: frisst der Neidkomplex, die Private Vorsorge: frisst der Staat, Eigentum: wofür. Persönliche Freiheiten? ......Sozialismus ist angesagt. Nur die wenigsten habens scheinbar gemerkt.
    So. gleich starte ich meinen unökologischen V8 und höre Supermax aus den 70ern (I wanna be free) und zwar unökologisch laut und sehe mir nachher das ökologische rote Blinkermeer an den Sch....ss-Windrädern vom Wohnzimmer aus an. :-)

  • @Rainer
    Danke - gutes Feedback.

    Eines stösst mir halt auch da auf - der Begriff "Absprache". Klar, wenn man ein Kraftwerk baut muss man wissen woran man ist. Wirtschaft fördert Wettbewerb, Staatsbetriebe neigen dazu Geld zu verprassen, sind kein Garant für Innovationen.

    Aber: m.E. gehört ein AKW nicht unbedingt in private Hände - man stelle sich mal das folgende unsinnige Szenario vor - alle AKW-Betreiber einigen sich auf Streik, da sie höhere Preise wollen und erpressen den Staat damit mal ein paar Tage ihre Kraftwerke auszuschalten. Dann gute Nacht. Ebensowenig sollte eine Bahn privatisiert sein - warum? Es macht Sinn die Bevölkerung kostengünstig mobil zu machen. Früher hielten Züge in jedem Kaff - heute werden immer mehr Bahnhöfe und Strecken stillgelegt - da unrenatabel. Rentabilität darf hier aber nicht das Ziel sein, sondern die Versorgung der Bevölkerung. Das gleiche im Gesundheitswesen usw. Kann aber ein solcher privatisierter Betrieb dann auch nicht die Kosten decken entstehen Risiken. Siehe Fukushima - der Kraftwerksbetreiber hat u.a. Probleme, weil er nicht genug Geld hat für die nun entstandenen immensen Aufwände - ich zweifel daran, dass dies anderen Kraftwerken des Betreibers gut tut. Zweifeln Sie daran? Oder: im Gesundheitswesen versucht auch jede Klinik möglichst viel Gewinn zu erzielen. Den Preis zahlt der (Kassen)Patient, weil er nicht die Versorgung bekommt, die er haben könnte. Ein Beispiel: Wie oft wird kein MRT gemacht - obwohl es schonender als Röntgen ist und bessere Ergebnisse liefert. Oder: bei der Bahn steht dann halt mal der Mainzer Bahnhof still. Ursache - Einsparung beim Personal und warum? Die Bahn möchte Gewinn ausweisen. Staatsbetriebe dagegen müssen keinen Gewinn erzielen - sollen die Bevölkerung aber möglichst optimal versorgen und natürlich nicht ohne die Kosten im Auge zu behalten - das ist auch klar. Das kann man sicher auch besser machen als es der Staat tut...

  • hallo Wolfsfreund,
    besser hätte ich es auch nicht ausdrücken können! "Die Natur wird dem Ökogötzen geopfert!" So ist es. Und wer sich das mal in Natura ansehen möchte, braucht nur den Hunsrück zu besuchen und wird blass werden, wenn er die Zerstörung von Natur und Lebensraum mal in Grossform sieht. Aus einer schönen Idee für die Menschen wird eine Ideologie. Der Ideologie müssen sich dann die Menschen unterordnen, obwohl sie doch vorgeblich zu deren Nutzen sein sollte. Noch ein Paradoxon.

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