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Energie

Südamerika Ölmarkt wartet auf den Machtwechsel in Venezuela

Venezuela ist das ölreichste Land der Welt. Doch selbst wenn Maduros Herrschaft enden sollte – der Wiederaufstieg als Öl-Großmacht ist weit entfernt.
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Das lateinamerikanische Land verfügt mit gut 300 Milliarden Barrel über die größten nachgewiesenen Ölreserven der Welt. Quelle: LightRocket/Getty Images
Öl-Monument in Caracas

Das lateinamerikanische Land verfügt mit gut 300 Milliarden Barrel über die größten nachgewiesenen Ölreserven der Welt.

(Foto: LightRocket/Getty Images)

WienDer Druck der USA und Europas auf einen Machtwechsel in Venezuela wächst. Denn die Zahl der Länder, die den 35-jährigen Parlamentspräsidenten Juan Guaidó als Interimspräsidenten des 30 Millionen Einwohner zählenden Landes anerkennen, nimmt zu.

Mehrere EU-Staaten, darunter Deutschland, stellten dem bisherigen Präsidenten Nicolás Maduro nun gar ein achttägiges Ultimatum für freie und faire Wahlen. Der wies dies scharf zurück: „Venezuela ist nicht an Europa gebunden. Das ist eine Frechheit“, sagte der seit 2013 regierende Maduro. Und Ölminister Manuel Quevedo erklärte per Twitter: „Wir sind keine Kolonie der europäischen Länder.“ Der Ölmarkt reagiert auf die sich überschlagenden Ereignisse in Venezuela unterdessen abwartend.

Einen Grund zu großer Nervosität gibt es schließlich nicht. Denn das ölreichste Land der Welt spielt angesichts seiner heruntergewirtschafteten Ölindustrie global nur noch eine bescheidene Nebenrolle. „Venezuela produziert nur 1,5 Prozent des weltweiten Rohöls“, sagte David Wech, Chef der Ölmarktagentur JBC, zur gesunkenen Bedeutung.

Die Ölförderung des Mitglieds der Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec) ist allein in den vergangenen zwei Jahren drastisch gefallen. In diesem Zeitraum ist Venezuela vom sechstgrößten Produzenten unter den 15 Opec-Mitgliedern auf Platz acht abgerutscht. „Venezuela hat in den letzten Jahren sowohl innerhalb der Opec als auch auf dem internationalen Ölmarkt an Gewicht verloren.

Ohne ausländische Investitionen wird sich daran wohl auch wenig ändern“, sagte Hannes Loacker, Ölexperte der österreichischen Bank Raiffeisen, dem Handelsblatt.

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Die sozialistischen Regierungen unter Präsident Hugo Chávez und seinem Nachfolger Nicolás Maduro haben die Ölindustrie in den vergangenen anderthalb Jahrzehnten abgewirtschaftet. „Begonnen hat das ganze Fiasko mit den venezolanischen Generalstreiks 2002 und 2003. Damals entließ Chávez 19.000 Mitarbeiter – etwa die Hälfte der Belegschaft der staatlichen Ölgesellschaft Petróleos de Venezuela S.A. (PDVSA) – und ersetzte sie durch regierungstreue Mitarbeiter“, resümiert Loacker.

Auch seinem Nachfolger Maduro gelang es nicht, die Ölindustrie wieder flottzumachen – im Gegenteil: Wie Marktexperten berichten, seien viele westliche Ölservicefirmen in Venezuela für ihre Arbeit in den vergangenen Monaten nicht oder nur unzureichend bezahlt worden. Deshalb hätten sie ihre Aktivitäten in dem lateinamerikanischen Land mehr und mehr zurückgefahren.

Viele Fachkräfte fehlen

Experten kritisieren zudem, dass Maduro den Ölstaatskonzern PDVSA mit loyalen Anhängern in Schlüsselpositionen besetzt habe, die kaum oder gar keine Ahnung vom Ölgeschäft hätten. Angesichts der galoppierenden Inflation fehlen zudem viele Fachkräfte, um die Ölproduktion nach oben zu hieven.

Sollte es zu einem baldigen Machtwechsel kommen, wird es dennoch etliche Jahre dauern, bis Venezuela im globalen Ölmarkt wieder mitreden kann. „Der Machtwechsel selbst bedeutet noch keine Lösung für die Ölproduktion“, sagte Chefökonomin Agnes Horvath des ungarischen Ölkonzerns Mol dem Handelsblatt. „Die viel zu geringen Investitionen in die Ölindustrie werden die Förderquote drücken.“

Experte Wech rechnet bei einem friedlichen Regierungswechsel und einem vom Ausland geförderten Aufbau der Ölindustrie in einem Zeitraum von ein bis zwei Jahren nur mit einer Förderung „Richtung zwei Millionen Fass pro Tag“. Um die marode Infrastruktur zu reparieren, brauche Venezuela weitere zwei bis drei Jahre, bis das Land wieder auf eine Ölförderung von 2,5 Millionen Fass pro Tag komme.

Die aktuelle Fördermenge ist der niedrigste Stand seit Jahrzehnten. Marktteilnehmer rechnen damit, dass die Ölförderung aufgrund der schweren Staatskrise unter die psychologisch wichtige Marke von einer Million Barrel pro Tag fallen wird. Die Experten Helima Croft und Michael Tran von der Royal Bank of Canada gehen von einem Rückgang zwischen 300.000 bis 500.000 Barrel (159 Liter) im laufenden Jahr aus.

Die rückläufige Förderung in Venezuela könnte für die US-Ölraffinerien im Golf von Mexiko zum Problem werden. Denn sie brauchen das „schwere“, schwefelhaltige venezolanische Öl mit hoher Dichte zur Weiterverarbeitung. Die USA importierten zuletzt rund 350.000 Barrel Rohöl aus dem lateinamerikanischen Land. „Die ,schlechte‘ Qualität des venezolanischen Öls ist aber paradoxerweise jene, die der Markt derzeit besonders vermisst.

Die modernen und komplexen Raffinerieanlagen an der US-Golfküste und in einigen asiatischen Ländern sind darauf ausgelegt, diese Qualität Rohöl zu verarbeiten“, sagt Ölanalyst Wech. Der Preis möglicher Ersatzrohöle sei kürzlich deutlich angestiegen. Venezuela verfügt mit gut 300 Milliarden Barrel über die größten nachgewiesenen Ölreserven des Planeten.

Marktkenner gehen davon aus, dass sich die politische Unsicherheit in Venezuela auf den Ölpreis auswirkt. „Ganz kalt lässt die Staatskrise den Ölmarkt sicher nicht“, so Ölexperte Wech. Die US-Rohölsorte West Texas Intermediate (WTI) legte bereits am Freitag um knapp ein Prozent auf 53,77 Dollar zu. Die Nordseesorte Brenz stieg hingegen nur um 0,68 Prozent auf 61,68 Dollar.

Ein möglicher Regierungswechsel in Venezuela kommt für die Opec unterdessen höchst ungelegen. Denn bislang setzt das Ölkartell uneingeschränkt auf Maduro. Opec-Generalsekretär Mohammed Sanusi Barkindo war erst im Januar in die Hauptstadt Caracas gereist, um bei der Vereidigung von Maduro für seine zweite Präsidentschaft dabei zu sein. Der frühere Ölmanager aus Nigeria wünschte dem Präsidenten eine erfolgreiche Amtszeit bis zum Jahr 2025.

Maduro selbst nannte im Oktober bei einer Begegnung mit Barkindo in der Hauptstadt Caracas die Kooperation mit der Opec „sehr fruchtbar“. Die Ölorganisation arbeitet inzwischen auch eng mit Russland zusammen, dem wichtigsten Unterstützer der Regierung Maduros.

Sollte es zu einem Machtwechsel unter dem proamerikanischen Parlamentspräsidenten Juan Guaidó kommen, stellt sich indirekt auch die Frage nach der Zukunft der Opec-Mitgliedschaft. Zuletzt hatte der Golfstaat Katar mit seinem unerwarteten Austritt im Dezember vergangenen Jahres das Ölkartell geschwächt.

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