Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke
Energie

Sunfire Deutsches Wasserstoff-Start-up arbeitet mit Ölriesen zusammen

In einem gemeinsamen Pilotprojekt will der französische Ölriese Total mit dem Power-To-X-Start-up synthetisches Methanol herstellen. Und das soll erst der Anfang sein.
2 Kommentare
Wegen der sinkenden Nachfrage nach Benzin und Diesel wird die Total-Raffinerie in Leuna für 300 Millionen Euro umgebaut - sie soll mehr Methanol produzieren.  Quelle: dpa
Raffinerie in Leuna

Wegen der sinkenden Nachfrage nach Benzin und Diesel wird die Total-Raffinerie in Leuna für 300 Millionen Euro umgebaut - sie soll mehr Methanol produzieren. 

(Foto: dpa)

Düsseldorf Für Sunfire ist es einer der größten Aufträge, die das Power-To-X-Start-up bislang bekommen hat: Das Unternehmen aus Dresden kooperiert mit dem französischen Ölriesen Total. Die Wasserstoff-Spezialisten sollen dem Milliardenkonzern bei einem Pilotprojekt zur Herstellung von synthetischem Methanol helfen. 

„Mit dem Projekt wollen wir demonstrieren, dass synthetisches Methanol im industriellen Maßstab hergestellt werden kann. Das nötige CO2-kommt von der Total-Raffinerie in Leuna in Sachsen-Anhalt, und das produzierte grüne Methanol wird ebenfalls von uns dort verarbeitet“, sagt David Nevicato, Total-Experte für das Thema CO2-Verarbeitung und -Speicherung, im Gespräch mit dem Handelsblatt. Das Pilotprojekt ist zunächst auf drei Jahre begrenzt, soll aber erst der Anfang sein. Es sei ein erster Schritt von vielen, kündigt Nevicato an.

Methanol ist einer der wichtigsten Grundstoffe der chemischen Industrie und wird unter anderem zur Herstellung von Kraftstoffzusätzen, Kunststoffen, Leim und vielen anderen Alltagsgegenständen verwendet. Noch wird der Stoff aus Erdöl-Rückständen gewonnen und setzt damit bei der Produktion viel CO2 frei. 

Bei dem Pilotprojekt soll hingegen in einem ersten Schritt mit dem Verfahren der Elektrolyse Wasser und erneuerbarer Strom zu grünem Wasserstoff verarbeitet werden, um daraus in einem zweiten Schritt unter der Zugabe von Co2 synthetisches Methanol herzustellen. Durch die Umwandlungsprozesse geht zwar ein erheblicher Teil der Energie verloren, gleichzeitig kann Total allerdings seine Co2-Bilanz aufbessern. Langfristig will der Konzern deswegen mehr und mehr synthetisches Methanol aus grünem Wasserstoff produzieren. 

Ölriesen wie Total, die britische BP oder der britisch-niederländische Shell-Konzern stehen immer mehr unter dem Druck von Politik, Aktivisten und klimabewussten Investoren. So sehr, dass sie sich teilweise gezwungen sehen, ihr Geschäftsmodell für die Zukunft radikal umzubauen. 

Während Shell mithilfe von grünem Strom zum weltweit größten Energiekonzern werden will, kündigt Total-Chef Patrick Pouyanné an, immerhin 20 Prozent der Unternehmensgewinne bis 2040 aus dem Geschäft mit erneuerbarer Energie reinzuholen. Auch seine CO2-Emissionen will der Ölriese bis 2030 um 15 Prozent reduzieren. 

Damit das gelingt, steckt Total Milliarden in grüne Technologien wie die des Dresdner Wasserstoff-Start-ups. Über seine Venture-Capital-Tochter Total Energy Ventures hat der Ölmulti schon mehrere Millionen in Sunfire investiert. 

Das Pilotprojekt in der Nähe des Chemie-Standortes Leuna in Sachsen-Anhalt ist trotzdem verhältnismäßig klein. Eine Leistung von gerade mal einem Megawatt soll die Elektrolyse-Anlage haben, die aus CO2, Wasserstoff und Strom grünes Methanol produzieren soll. In der insgesamt dreijährigen Laufzeit sollen so rund 500 Tonnen des synthetischen Grundstoffs entstehen. Zum Vergleich: Die Total-Raffinerie in Leuna produziert 700.000 Tonnen Methanol - jedes Jahr. Immerhin, pro Tonne Methanol werden auch 1,4 Tonnen CO2 verarbeitet. 

Und genau darin sieht Total ein Geschäftsmodell für die Zukunft: „Wir glauben, dass CCU-Technologien ein Baustein zum Erreichen der Klimaneutralität sind, aber wir sehen in der Entwicklung solcher Produkte natürlich auch eine Geschäftschance“, sagt Nevicato. CCU - also Carbon Capture and Utilization (CO2-Abscheidung und -Verwendung) ist ein Oberbegriff für die Weiterverarbeitung von schwer vermeidbarem CO2.

Große Hoffnung: CO2-Verarbeitung

Gerade Ölunternehmen setzen große Hoffnung auf die technologischen Entwicklungen in diesem Bereich. Total will pro Jahr 100 Millionen Dollar in die CO2-Abscheidung und -Verwendung, aber auch in die Speicherung des klimaschädlichen Gases (Carbon Capture and Storage, kurz CCS) stecken. In Norwegen arbeitet der Konzern zusammen mit Shell und dem norwegischen Energieunternehmen Equinor an dem Projekt „Northern Lights“. In Kollsnes soll in leeren Öl- und Gasfeldern das erste Kohlendioxid-Zwischenlager der Welt entstehen. Im Gegensatz zu einer Weiterverarbeitung des Treibhausgases ist eine solche Speicherung von CO2 jedoch nicht unumstritten. 

Trotzdem kündigte auch der größte Ölkonzern der Welt, Saudi Aramco, auf der Weltenergiekonferenz in Abu Dhabi an, in den nächsten Jahren viel Geld in die Entwicklung von Technologien zur Weiterverarbeitung und Speicherung von CO2 zu investieren. Hier sehe man „großes Marktpotenzial“, sagte Tidjani Niass von der saudi-arabischen Universität Kaust, der den heimischen Konzern in Sachen CCU und Storage berät. 

Sunfire hat sich auf die Herstellung von grünem Methanol spezialisiert und sieht in dem Pilotprojekt mit Total trotz des eher kleinindustriellen Maßstabs großes Potenzial: „Für uns ist dieses Projekt mit einem der größten Mineralölunternehmen der Welt ein Flaggschiff für die Power-To-X-Industrie. Während die Bundesregierung noch darüber diskutiert, wo Power-To-X Sinn macht, zeigen wir schon, wo es in der Praxis funktioniert“, sagt Nils Aldag, Mitgründer von Sunfire, dem Handelsblatt. Die Elektrolyse der Dresdner soll schon Mitte kommenden Jahres in Betrieb gehen, die Methanol-Produktion startet dann ein Jahr später. 

Mehr: Auf der Weltenergiekonferenz diskutieren die Staaten über Power to X. Dass die Energiewende ohne die Technologie nicht zu bewältigen ist, stellt fast niemand mehr in Frage.

Startseite

2 Kommentare zu "Sunfire: Deutsches Wasserstoff-Start-up arbeitet mit Ölriesen zusammen"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Man hätte den Olah-Prozess erwähnen können, mit dem nennenswerte Mengen MeOH aus CO2 erzeugt werden.

  • Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: „Kommentare sind keine Werbeflächen“ http://www.handelsblatt.com/netiquette

Serviceangebote