Energie

Systemrelevanz entscheidet Energiekonzerne wollen alte Kraftwerke abschalten

Der Bundesnetzagentur liegen Anträge auf die Stilllegung von 28 mit fossilen Brennstoffen betriebenen Kraftwerken vor. Die meisten seien für die Betreiberkonzerne nicht mehr rentabel – aber für das Netz relevant.
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Hochspannungsleitung: „Eine Stilllegung von Kraftwerken im südlichen Deutschland gefährdet die Systemsicherheit und kann deshalb nicht hingenommen werden.“ Quelle: dpa

Hochspannungsleitung: „Eine Stilllegung von Kraftwerken im südlichen Deutschland gefährdet die Systemsicherheit und kann deshalb nicht hingenommen werden.“

(Foto: dpa)

DüsseldorfDeutschlands Energiekonzerne wollen knapp 30 alte Kohle- und Gaskraftwerke stilllegen. Entsprechende Anträge lägen der Bundesnetzagentur für 28 Kraftwerksblöcke vor, sagte eine Sprecherin der Regulierungsbehörde in Bonn. Die Anträge würden nun geprüft. Stelle sich dabei heraus, dass die Kraftwerke für den Netzbetrieb und die Sicherheit der Stromversorgung wichtig seien, werde den Betreibern die Stilllegung untersagt.

Grund für die Anträge dürfte in den meisten Fällen sein, dass sich der Betrieb der Kraftwerke aufgrund der Konkurrenz von Ökostrom nicht mehr lohnt. Netzagentur-Präsident Jochen Homann sagte der „Rheinischen Post“, es sei jedoch damit zu rechnen, dass Stilllegungen in zahlreichen Fällen abgelehnt würden. Genehmigt werden könnten nur Kraftwerk-Stilllegungen nördlich des Mains.

Wie die Netzagentur-Sprecherin sagte, liegen von den 28 Kraftwerken mit einer Erzeugungskapazität von insgesamt knapp 7000 Megawatt acht in Süddeutschland. Diese acht Kraftwerke machten in etwa ein Viertel der Erzeugungskapazität aus. Knapp ein Dutzend Anträge sei schon geprüft, beim überwiegenden Teil hingegen seien die Prüfverfahren noch nicht abgeschlossen.

Die Bundesnetzagentur hatte bereits im Sommer erklärt, Kraftwerk-Stilllegungen im Süden kritisch zu bewerten. Im Bericht zur Stromversorgung im vergangenen Winter hatte die Regulierungsbehörde festgestellt: „Eine Stilllegung von Kraftwerken im südlichen Deutschland gefährdet die Systemsicherheit und kann deshalb nicht hingenommen werden.“ Denkbar sei der Verzicht auf einzelne konventionelle Kraftwerke „erst mit erfolgtem Netzausbau und abgeschlossenem Kernenergie-Ausstieg“.

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7 Kommentare zu "Systemrelevanz entscheidet: Energiekonzerne wollen alte Kraftwerke abschalten"

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  • @Antiillusionist
    "Es bleibt dabei: Frau Merkel ist mit ihrer Energiewende die größte und gefährlichste Zerstörerin der deutschen Volkswirtschaft seit dem Krieg."

    In der Wirkung gehe ich mit Ihnen einig, nur nicht in der primären Ursache. Da ist IMHO das nunmehr seit Jahren gesungene "Euro-Euro-über-Alles" wesentlich "produktiver".

    Ich behaupte nicht, daß die Energiewende zum Nulltarif zu machen ist. Dafür hatten die Anlagenbetreiber zu lange ungestraft Zeit untätig die Füße hochzulegen und unser Stromnetz billig billig verrotten zu lassen. Auch diese aufgeschobene Zeche zahlt jetzt der Verbraucher und Steuerzahler.

    Durchsichtig medienwirksame Erpressungsversuche in Richtung Blackout wegen systemischer Unter- oder Überversorgung oder aus Mangel an Leitungskapazität gehen deshalb auch auf das Konto dieser Verschleppungspolitik zugunsten "etablierter" Energiegewinnung ohne Berücksichtigung aller Folgekosten wenigstens für die nächsten Jahrhunderte.

    In Sachen Energiespeicherung stehen wir heute eigentlich nur deshalb noch immer ganz am Anfang, weil in den letzten Jahrzehnten keiner wirklich dorthin forschen durfte. War ja nicht im Interesse der "etablierten" Energiegewinnung, die auf sofortigen Verbrauch zählt.

    In Sachen Windkraft gibt's z.B. inoffiziell auch nicht nur diese riesigen Windmühlen, sondern unter anderem auch kleinere Horizontal- und Vertikalturbinen, die auf weniger Raum auch schon bei gefühlter Windstille Energie produzieren.

    Selbst die schon totgeglaubte Solartechnik macht nun endlich Fortschritte. Kombiniert mit intelligenter Elektronik reicht sogar in unseren Breiten eine Eigenheim-Dachfläche, um den darunterliegenden Haushalt zu versorgen. Sofern man damit keine strombefeuert steinzeitige Nachtspeicherheizung mehr betreibt.

    In Kombination aller Erneuerbaren wäre das aber eine dezentralisierte Stromversorgung. Und die ist von den bisherigen Energie-Herren ausdrücklich nicht gewollt.

  • In Deutschland wurden viel zu wenig neue Kohlekraftwerke gebaut. Die meisten Kohle- und auch Gasgefeuerten Kraftwerke sind veraltet und kosten sehr viel Geld für den Unterhalt. Weiter benötigen die alten Kraftwerke sehr viel Personal. Diese Kraftwerke sind auch sehr unsicher. Die Elektrotechnik und Leittechnik ist uralt und Ersatz gibt es teilweise nicht oder ist sehr teuer. Sie laufen so lange bis sie sich selber abstellen. Hinzu kommt, dass das Reparaturpersonal nicht vorhanden ist und billig aus dem Ausland geholt wird wegen der Kosten. Keiner der Kaufleute und Politiker hört sich die Probleme der Betriebsleitungen an. Das Sagen hat der Kaufmann. Das gilt für ganz Europa. Fehlinvestitionen in Milliarden wurden politisch getätigt. Wo bleit die Logik?

  • Wieder so ein Staatsgläubiger. Auch wenn der Staat die Kraftwerke für 1 € übernimmt, bleiben sie unwirtschaftlich weil sie nur wenige Stunden im Jahr laufen.

  • @ EinEuroKraftwerke

    "Systemrelevante Kraftwerke gehören nicht als Faustpfand in Privathand, die damit zwecks "Profitoptimierung" die Bevölkerung erpressen kann."

    Man kann die Meinung vertreten, dass die Stromversorgung eine allgemeine Aufgabe der staatlichen Daseinsvorsorge ist wie z.B. der Straßenbau. Bis vor ein paar Jahrzehnten ist das in Deutschland ja auch so gehandhabt worden.

    Man sollte aber zwei Dinge dabei nicht vergessen:

    1. Dass Kraftwerke systemrelevant sind, ist nicht auf die Bosheit der Betreiber zurückzuführen, sondern auch die unveränderlichen Gesetze der Physik. Diese Gesetze schreiben nun einmal zwingend vor, das in einem funktionierenden Stromnetz in jedem Augenblick Leistungsangebot und Leistungsnachfrage im Gleichgewicht sein müssen. Da die Leistungsnachfrage immer schwankend sein wird, z.B. abhängig von Tag-Nacht-Rhythmus, kann das Gleichgewicht nur durch flexibel regulierbare Wärme- bzw. Wasserkraftwerke gewährleistet werden. Deshalb sind alle diese Kraftwerke systemrelevant und werden es bleiben.

    Bei einer Verstaatlichung dieser Kraftwerke ändert sich nichts am Erpressungspotential, dieses Potential wandert nur von den im Wettbewerb stehenden, also zum Maßhalten gezwungenen Einzelunternehmen zum konkurrenzlosen Staatsmonopolisten. Kann man das wollen?

    2. Die bittere Erfahrung mit dem Staatsmonopol sah in der Vergangenheit so aus, dass der Staat sein Monopol skrupellos zur Haushausltfinanzierung, für Parteispenden und zur Versorung verdienter Parteigenossen gut dotierten Posten ausgenutzt hat. Die Preise waren entsprechend noch.

    Als dann die Privatisierung kam, sanken die Preise. Erst der Ökowahn und insbesondere das EEG lassen sie erneut durch die Decke gehen.

    Es bleibt dabei: Frau Merkel ist mit ihrer Energiewende die größte und gefährlichste Zerstörerin der deutschen Volkswirtschaft seit dem Krieg.



  • Systemrelevante Kraftwerke gehören nicht als Faustpfand in Privathand, die damit zwecks "Profitoptimierung" die Bevölkerung erpressen kann.

    Wenn die Anlagenbetreiber mit ihren Kraftwerken tatsächlich 'draufzahlen, werden sie sicher mit Freuden diese Anlagen für einen symbolischen Euro an den Steuerzahler übergeben, der ja eh auf die eine oder andere Tour für saisonale "Verluste" aus dem Betrieb dieser systemrelevanten Kraftwerke aufkommen muß.

    Also ich könnte mich zur Not sicher breitschlagen lassen, für eins dieser 28 Ein-Euro-Kraftwerke den Symbolischen zu spenden. Die damit verbundene Zeche inklusive Entsorgungs- und Endlagerkosten zahlt ja sowieso schon seit Jahrzehnten die Allgemeinheit.

    Bisher geht die Kohle aber immer zuerst durch's Säckel der Privaten.

  • Artikel: "Eine Studie zeigte indes, dass große Solarkraftwerke auf Freiflächen in Süddeutschland auf lange Sicht den günstigsten Ökostrom erzeugen können."

    Viele haben schon verstanden, dass nachts die Sonne in ganz Deutschalnd nicht scheint. Die Autoren der Studie/ des Artikels offenbar noch nicht.

    Wenn man die Kosten für Stromspeicher hinzurechnet, kommen eben nicht einstellige Werte (ct/kWh) heraus, sondern unbezahlbare.

  • " „Eine Stilllegung von Kraftwerken im südlichen Deutschland gefährdet die Systemsicherheit und kann deshalb nicht hingenommen werden.“ Denkbar sei der Verzicht auf einzelne konventionelle Kraftwerke „erst mit erfolgtem Netzausbau und abgeschlossenem Kernenergie-Ausstieg“."

    Es lohnt sich lohnt sich, über diese Äußerung der Bundesnetzagentur ein paar Minuten nachzudenken.

    Lobenswert an der Meinung der Bundesnetzagentur ist, dass sie den Zusammenhang zwischen Netzstabilität und regulierbaren Wärmekraftwerken anspricht. Sie scheint, wie der erste Satz erkennen lässt, zu ahnen, dass Wind und Sonne eben diese Netzstabilität nicht garantieren können.

    In zweiten Teil ihrer Äußerung jedoch fällt sie wieder hinter diese Erkenntnis zurück. Das geht jedenfalls aus ihrer Meinung hervor, dass man nach "erfolgtem Netzausbau" auf einzelne konventionelle Kraftwerke verzichten könne.

    Welch ein Blödsinn! Welch eine Volksverdummung! Schon in der Schule lernt jeder, dass Null mal X immer Null ist. Das bedeutet: Auch wenn die ganze Republik mit einem so dichten Netz aus Stromleitungen überzogen sein sollte, dass über jedem Quadratmeter Leitungen zu sehen sind, gälte: Wenn kein Wind weht und keine Sonne scheint, gibt es keinen Strom. Null mal X ist und bleibt Null.

    Man wird auf kein einziges der Kraftwerke verzichten können, die vor dem Bau von Wind- und Solarkraftwerken notwendig waren. Man wird eine totale Doppelstruktur von Kraftwerken benötigen. Die Kosten dürften jährlich im dreistelligen Milliardenbereich anzusiedeln sein.

    Deutschland wird das nicht bezahlen können. Der wirtschaftliche Niedergang ist die zwangsläufige Folge. Frau Merkel betreibt eine Politik der verbrannten Erde.

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