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Energie

Technologiekonzern Siemens muss sich in Russland einen neuen Joint-Venture-Partner suchen

Power Machines steigt aus dem Gemeinschaftsunternehmen mit den Münchnern aus. Siemens droht in Russland nun ein starker Konkurrenzkampf.
02.03.2020 - 17:25 Uhr Kommentieren
Power Machines hat das Joint Venture beendet. Quelle: dpa
Gasturbine von Siemens

Power Machines hat das Joint Venture beendet.

(Foto: dpa)

Moskau Am Ende sind die Gegensätze offenbar zu groß gewesen: Nach neun Jahren beendet der in St. Petersburg beheimatete Turbinenhersteller „Silowyje Maschiny“ (Power Machines) sein Joint Venture mit Siemens. Das Unternehmen von Milliardär Alexej Mordaschow nutzt dazu seine Option zum Verkauf seiner Anteile am Gemeinschaftsunternehmen Siemens Gas Turbines Technologies (SGTT). Power Machines hat bisher 35 Prozent der Anteile gehalten. Nun verhandeln beide Seiten über die Ablösesumme.

Die Möglichkeit eines Ausstiegs wurde bereits bei der Bildung der Partnerschaft vereinbart. Alle drei Jahre erhielt Power Machines dafür ein Zeitfenster von drei Monaten. Das aktuelle endete am 1. März, Berichten zufolge verhandeln die Münchener und Power Machines seit Mitte Januar über eine Summe.

Laut Vertrag müssen sie sich innerhalb von zwei Monaten einigen, andernfalls wird ein unabhängiger Gutachter beauftragt. Eine Person aus dem Umfeld von Power Machines nannte laut der russischen Zeitung „Kommersant“ eine Summe zwischen fünf und sechs Millionen Dollar als Richtwert. SGTT sei derzeit nicht viel mehr als eine Montageanlage für die aus Deutschland kommenden Einzelteile. Zudem sei das Joint Venture nur zu 60 bis 70 Prozent ausgelastet, heißt es.

Tatsächlich hatte das Gemeinschaftsunternehmen in den vergangenen Jahren geschwächelt. Hintergrund ist ein Streit zwischen den Aktionären wegen der Lieferung von Gasturbinen auf die von Russland annektierte Halbinsel Krim.

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    Nachdem 2017 trotz westlicher Sanktionen Siemens-Turbinen auf die Krim gelangt waren, musste sich der deutsche Konzern erklären. Nach einer Untersuchung gab die Siemens-Führung bekannt, vom Partner betrogen worden zu sein – und vermied so empfindliche Strafen. Dafür landeten Mordaschow und sein Konzern Power Machines auf der schwarzen Liste.

    Bruch zeichnete sich ab

    Mordaschow wurde mit seinem Stahlkonzern Severstahl reich. Seit 2015 ist er auch am Reisekonzern Tui beteiligt und pflegt als Vizepräsident der Deutsch-Russischen Außenhandelskammer zahlreiche Verbindungen zur deutschen Wirtschaft. Als Power Machines auf die schwarze Liste kam, wollte sich der Manager nicht mit der Rolle des Schuldigen abfinden und drohte schon damals mit einem Beziehungsabbruch.

    Nach zwei Jahren hat er die Drohung nun wahr gemacht. Power Machines plant, selbstständig Gasturbinen zu entwickeln. Das war dem russischen Unternehmen außerhalb des Joint Ventures wegen der Aktionärsvereinbarung bislang untersagt.

    Der russische Markt für Gasturbinen ist lukrativ. Die Regierung will eine Reihe von Kraftwerken modernisieren und mit Turbinen mittlerer und großer Leistung ausstatten. Solche Technologien gibt es in Russland bislang noch nicht. Power Machines hofft auf staatliche Hilfe, um diesen Markt zu besetzen.

    Aber auch Siemens dürfte an dem Geschäft interessiert sein. Um auf dem Markt zu agieren, brauchen die Münchener allerdings einen neuen Joint-Venture-Partner. Den könnte Siemens bereits gefunden haben: Seit Monaten halten sich Gerüchte, dass Siemens Power Machines durch die staatliche Gazprom Energieholding ersetzen könnte. Offiziell bestätigt worden sind diese Spekulationen bislang noch nicht. Dennoch betreibt Mordaschow bei der russischen Regierung bereits Lobbyarbeit gegen Siemens.

    So hat Timur Lipatow, Generaldirektor von Power Machines, schon 2019 die Regierung aufgefordert, Siemens einen Special Investment Contract (SPIC) zu verweigern. Dieser Vertrag sieht gewisse Steuererleichterungen vor, die auf föderaler und regionaler Ebene im Gegenzug für Investitionen und eine Verlagerung der Produktion nach Russland gegeben werden.

    Siemens werde aus politischen Gründen die Kontrolle über seine Technologien nicht an Russland abgeben, behauptete er. Seit der Krim-Affäre fordert der Kreml bei staatlichen Aufträgen – und Großturbinen werden in der Regel staatlich finanziert – eine Produktion in Russland.

    Siemens braucht den SPIC, um Zeit für die Verlagerung seiner Produktion von Deutschland nach Russland zu gewinnen. Siemens-Russlandchef Alexander Liberow missfiel das Verhalten des Partners. Solche Erklärungen würden die Vereinbarungen des Joint Ventures verletzen, kritisierte er.

    Nach dem Ende der Partnerschaft dürften die Versuche, Siemens als Konkurrenten auszuschalten, nun zunehmen. Auch deshalb ist Gazprom ein lukrativer Partner für Siemens, zumal der Gasriese über eine gewaltige Lobby im Kreml verfügt.

    Mehr: Proteste und unzufriedene Investoren: Der Druck auf Siemens-CEO Joe Kaeser wächst.

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