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Energie

Umbau Rohstoffriese unter neuer Führung: Experte für Batteriemetalle wird Chefaufseher bei Glencore

Nach dem Abtritt von CEO Ivan Glasenberg bekommt der Rohstoffkonzern mit Kalidas Madhavpeddi auch einen neuen Chairman. Die Personalie ist ein strategisches Zeichen.
05.07.2021 - 16:45 Uhr Kommentieren
Der Schweizer Rohstoffriese steckt im Umbruch. Quelle: Reuters
Glencore-Zentrale in Baar

Der Schweizer Rohstoffriese steckt im Umbruch.

(Foto: Reuters)

Zürich Der Umbau im Top-Management des weltgrößten Rohstoffkonzerns ist abgeschlossen: Kalidas Madhavpeddi, 65 Jahre alt, löst Tony Hayward als Chairman des Aufsichtsrates von Glencore ab. Das teilte das Unternehmen am Montag mit.

Hayward, von 2007 bis 2010 Chef des britischen Ölmultis BP, gehörte dem Gremium seit 2010 an und war seit 2013 Chefaufseher von Glencore. Ende Juni hatte bereits Langzeit-CEO und Großaktionär Ivan Glasenberg die Verantwortung an seinen Nachfolger, Gary Nagle übergeben.

Damit endet bei Glencore eine Ära: Das Führungs-Duo aus Glasenberg und Hayward hatte den Rohstoffhändler nach dem Börsengang 2011 und der Übernahme des Bergbaukonzerns Xstrata 2012 geprägt. Den Ausstieg aus dem Kohleabbau und der Ausbau des Geschäfts mit Industriemetallen, die für die Energiewende benötigt werden, müssen nun Nagle und Chefaufseher Madhavpeddi vorantreiben.

Die Personalie ist auch ein strategisches Signal für die Ausrichtung des Konzerns, der zwei Drittel seines Vorsteuerergebnisses im Bergbau und ein Drittel im Rohstoffhandel erwirtschaftet.

Der US-Amerikaner Madhavpeddi hat 40 Jahre lang in der Bergbauindustrie gearbeitet. Von 2008 bis 2018 war er Chef von China Molybdenum (China Moly), einem der weltgrößten Produzenten von strategisch wichtigen Industriemetallen wie Molybdän und Wolfram, die in der Luftfahrt- und Rüstungsindustrie eingesetzt werden.

Der indischstämmige Manager mit US-Pass übernimmt Ende Juli das Präsidium von Glencore. Quelle: Glencore
Kalidas Madhavpeddi

Der indischstämmige Manager mit US-Pass übernimmt Ende Juli das Präsidium von Glencore.

(Foto: Glencore)

China Moly betreibt zudem – ebenso wie Glencore – eine Kupfer- und Kobaltmine in der Demokratischen Republik Kongo. Kobalt ist ein wichtiger Bestandteil von Batterien für Elektroautos. Auch Molybdän kann Forschern der Universität Texas zufolge E-Autobatterien zu einer deutlich höheren Reichweite verhelfen.

Der neue Glencore-Chairman kennt sich daher bestens aus mit jenen Rohstoffen, die für Autobauer weltweit überlebenswichtig werden. „Ich freue mich, in solch einer spannenden Zeit für das Geschäft zum Chairman ernannt worden zu sein“, wird Madhavpeddi in der Mitteilung des Unternehmens zitiert. Das Portfolio von Glencore sei bestens positioniert, um eine Schlüsselrolle bei der Energiewende zu spielen.

Glencore ist im Umbruch

Auch der Konzern selbst steckt mitten in der Transformation. Glencore ist einer der größten Exporteure von Kraftwerkskohle. Erst in der vergangenen Woche hat der Konzern eine Kohlemine in Kolumbien übernommen.

Gleichzeitig hat sich das Unternehmen verpflichtet, bis 2050 klimaneutral zu sein. Zudem hat das Unternehmen früh in Kupfer- und Kobaltprojekte etwa im Kongo investiert.

Heute ist das Unternehmen der größte Kobaltproduzent und einer der weltgrößten Kupferförderer und Händler. Der Ausbau der erneuerbaren Energien dürfte die Nachfrage nach Kupfer, Kobalt und Co. nach Einschätzung von Experten deutlich steigern – und Glencore ist führend in diesen Märkten.

Glencore-CEO Nagle sagte, die jahrzehntelange Erfahrung von Madhavpeddi in der Minenbranche werde sich als wertvoll erweisen, auf dem Weg nachhaltigen Ertrag für die Aktionäre zu schaffen und den Fokus auf die Energiewende zu legen. Diesen Spagat – gleichzeitig großer Kohleproduzent und Akteur der Green Economy – zu sein, wird Madhavpeddi gegenüber Investoren erklären müssen.

Zumal auch die Investitionen in Batteriemetalle im Kongo eine Reihe von Problemen mit sich brachten. Wegen des schwachen Kobaltpreises musste das Unternehmen die Produktion aussetzen. Zudem ermitteln unter anderem Strafverfolgungsbehörden in den USA und der Schweiz gegen Glencore-Manager wegen des Verdachts der Korruption im Zusammenhang mit Deals im Kongo.

Übergabe an Nagle ist abgeschlossen

Die Ermittlungen sowie der geplante Rückzug von CEO Glasenberg waren der Grund dafür, dass Chefaufseher Hayward auf der Hauptversammlung 2020 noch einmal für ein Jahr verlängerte. Zwar muss sich nun Madhavpeddi mit den laufenden Strafverfahren befassen. Doch immerhin die Übergabe des omnipräsenten Glasenberg an seinen Nachfolger Nagle ist abgeschlossen. Nagle ist wie sein Vorgänger gebürtiger Südafrikaner und hat – ebenfalls wie Glasenberg – vor seinem Antritt als CEO das Kohlegeschäft geleitet.

Trotz der neu aufgestellten Führung besitzt Glasenberg bei Glencore weiter großen Einfluss. Er ist mit einem Anteil von mehr als neun Prozent weiterhin Großaktionär – und er gedenke, seine Anteile zu behalten, wie er bei der letzten von ihm verantworteten Präsentation der Quartalszahlen betonte. Der Ex-CEO formulierte auch eine klare Erwartung an das neue Führungsteam: Eine stabile Dividende auf seine Glencore-Aktien. Der Boom bei Batterierohstoffen dürfte dabei helfen, dieses Ziel zu erreichen.

Mehr: Glencore-CEO Ivan Glasenberg verabschiedet sich mit starkem Handelsgewinn.

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