Energie

Umstrittenes Fracking Schiefergas krempelt den Energiemarkt um

Die Energieversorgung der Welt steht vor einer radikalen Umwälzung. Neue Techniken erschließen bislang unerreichbare Öl- und Gasquellen in der Tiefe. Doch die alternativen Fördermethoden rufen Kritiker auf den Plan.
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Eine Protestaktion gegen das sogenannte „Fracking“ vor dem Bundesrat in Berlin. Quelle: dpa

Eine Protestaktion gegen das sogenannte „Fracking“ vor dem Bundesrat in Berlin.

(Foto: dpa)

London/FrankfurtDer Energie-Markt steht vor einer radikalen Umwälzung. Dank neuer Techniken können in Schiefergestein gebundenes Erdöl und Erdgas gefördert werden. Durch die Ausbeutung dieser sogenannten unkonventionellen Lagerstätten können einige Staaten, die bislang von Öl- und Gas-Importen abhängig sind, zu Exporteuren aufsteigen. Gleichzeitig erwarten Börsianer durch das Zusatzangebot fallende Preise, die wiederum der Konjunktur Auftrieb geben.

„Die Diskussion darüber hat in den vergangenen ein, zwei Monaten explosionsartig zugenommen“, sagt ING-Volkswirt Simon Quijano-Evans. Grund seien die positiven Erfahrungen in den USA. Dank großer Schiefer-Lagerstätten werden die USA 2015 Russland bei der Gas-Förderung überholen, prognostiziert die Internationale Energieagentur (IEA). Zwei Jahre darauf dürften die USA Saudi-Arabien bei der Ölproduktion überflügeln und 2035 von Energie-Importen komplett unabhängig sein.

Schieferöl und -gas wird mit Hilfe des sogenannten „Fracking“ gewonnen. Dabei werden die Rohstoffe mit Horizontalbohrungen unter Einsatz von hohem Druck und Chemikalien aus dem Schiefergestein gelöst. Die dafür notwendige Technik steht erst seit einigen Jahren zur Verfügung. Außerdem lohnte sich der Abbau wegen der vergleichsweise hohen Kosten lange Zeit nicht.

Bislang trennen Investoren Länder in Rohstoff-Exporteure wie Russland oder Brasilien und Rohstoff-Importeure wie China oder Indien. Diese Grenze dürfte in den kommenden Jahren wohl neu gezogen werden. So könnte China - bislang Top-Kunde für Öl und Gas - zu einem Netto-Exporteur aufsteigen. Experten vermuten im „Reich der Mitte“ die weltweit größten Vorkommen an Schieferöl und -gas.

Aber auch Europa könnte vor einem Rohstoff-Boom stehen. Die Informationsabteilung des US-Energieministeriums (EIA) schätzt, dass die Schiefergas-Reserven Rumäniens, Bulgariens und Ungarns den jährlichen Erdgas-Bedarf ganz Europas übertreffen. In Polen, Mexiko oder Argentinien werden ebenfalls größere Lagerstätten vermutet.

Gleiches gilt übrigens für Deutschland. Die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) taxiert die förderbare Gasmenge auf bis zu 2,3 Billionen Kubikmeter. Zum Vergleich: Den Angaben des Wirtschaftsverbands Erdöl- und Erdgasgewinnung zufolge werden hierzulande jährlich 100 Milliarden Kubikmeter Erdgas verbraucht.

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21 Kommentare zu "Umstrittenes Fracking: Schiefergas krempelt den Energiemarkt um"

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  • Freuen wir uns über Fracking.
    Die absehbaren Rohstoffkriege werden vermutlich 30 -50 Jahre in die Zukunft verschoben.
    Die Windräter und Biomasse sind allerdings völlig out.
    Das Weltklima ist ohnehin kein ernsthaftes Thema.

    Henry

    Henry

  • - die polnische Regierung forciert Schiefergas auf Teufel komm raus, um vom Russengas unabhängig zu werden (da gibt es historische Animositäten)

    Das ist generell ein Land, das von anderen nur profitieren will ! Mit Russen haben die es sich versaut, weil sie beim Bau der Jamal-Pipeline die Russen über den Tisch gezogen haben ( die Verlaufstrecke der Pipeline plötzlich zum Naturschutzgebiet erklärt und die Russen abgezockt haben ).
    Jetzt versuchen sie bei der EU Gelder herauszupressen mit Fracking-Drohungen mittels Amerikanischer Firmen in ihrem Land. Polen ist ein absolutes Problemland, das man am besten in die Kandaren nehmen sollte, sonst werden die uns noch eine Menge Geld kosten !

    - die Umweltgruppen freuen sich, ein neues Thema gefunden zu haben, da der Atomausstieg in D mittlerweile einigermaßen Konsens ist usw.

    Das sehe ich auch anders. Die Energiewende wird scheitern ( ist bereits gescheitert ) und die ganze Ökoreligiöse fetischistische Bewegung wird zum erliegen kommen ! Der Verbraucher wird diesen Mist nicht lange mittragen.
    Die nutzlosen Windräder auf den Äcker und die Photovoltaik-Platten werden auch wieder verschwinden ! Auch die Kulturen für den Bio-Sprit werden wieder abgeschafft , wodurch auch unser Grundwasser mit Chemikalien und Pestiziden in Mitleidenschaft gezogen worden ist.

    Es wird wieder einen vernünftigen Mix aus Atomstrom, Kraftwerksstrom und Strom aus Erneuerbaren Energien ( im vernünftigen Rahmen ) geben !

    Und Fracking brauchen wir nicht !

  • @ Geologe

    Zitat : Ich glaube Sie sehen nicht, daß Sie einem Propaganda Film aufgesessen sind.

    Dass sehen Sie eindeutig verkehrt : ich bin aus dem Alter schon lange raus, in dem mich eine Propaganda einfangen könnte...ich schalte überall nur den gesunden ( hoffe ich doch, dass ich ihn besitze ) Verstand ein .

    - die Russen möchten ihr Gas durch die teure Ostseepipeline verkaufen, und wollen keine Konkurrenz durch Schiefergas in Europa

    das sehe ich auch anders. Es ist das gute Recht der Russen, ihr Gas bei uns anzubieten, zumal sie eine Menge davon haben. Und es ist wiederum ein Glück für uns, die Russen vor der Haustür in Europa zu haben, die uns nun seit mehr als 35 Jahren sehr zuverlässig mit Gas beliefern ! Und den Preis machen nicht die Russen, sondern die Anbindung an den Öl-Preis.

    - die französische Regierung hat das Fracking erst mal untersagt, um ihre Atomindustrie vor Billigstrom aus Gaskraftwerken zu schützen

    Man kann dies so sehen , aber auch anders. Warum sollen die Franzosen ihre Landschaft verschandeln, wenn sie absolut am Atomstrom hängen ? Warum sollen die Franzosen mit Fracking beginnen, wenn sie das Gas aus Algerien oder auch Russland beziehen können ?

  • @Vicario

    Ich glaube Sie sehen nicht, daß Sie einem Propaganda Film aufgesessen sind. Es gibt politische Interessen in diesem Streit, z.B.
    - die Russen möchten ihr Gas durch die teure Ostseepipeline verkaufen, und wollen keine Konkurrenz durch Schiefergas in Europa
    - die französische Regierung hat das Fracking erst mal untersagt, um ihre Atomindustrie vor Billigstrom aus Gaskraftwerken zu schützen
    - die polnische Regierung forciert Schiefergas auf Teufel komm raus, um vom Russengas unabhängig zu werden (da gibt es historische Animositäten)
    - die Umweltgruppen freuen sich, ein neues Thema gefunden zu haben, da der Atomausstieg in D mittlerweile einigermaßen Konsens ist usw.

    Versuchen Sie doch mal, sich über die Fakten zu inforieren, anstatt blindlings irgendwelcher Propaganda hinterher zu laufen.

    Kein Konzern / keine Firma in D kann es sich (mehr) leisten, die Umwelt zu versauen - da ist das Image dahin! Aber nach dem Sankt Florians Prinzip zu handeln geht auch nicht, nach dem Moto, was gehen mich die Umweltsauereien in Russland an, bei mir kommt das Erdgas aus der Leitung, das geht auch nicht. Dann lieber eine umweltverträgliche Förderung hier nach allen technischen Standards.

    Abgesehen davon, haben uns die Russen in den letzten Wintern schon 2-mal das Gas abgedreht. Der Verbraucher in D - im Gegensatz zu Südeuropa (!) - hat nur deshalb nichts davon gemerkt, weil unsere Speicher groß genug waren. Das muss in Zukunft nicht immer so sein!

  • @Vicario

    Bitte lesen mal http://www.wintershall.com/uploads/user_pxbxconnector/pxbxrawdata/50/wintershall-antworten-nrw-landtag-anhoerung-31052011.pdf

    und nein, ich arbeite nicht für Wintershall, aber das Dokument ist allgemein verständlich (Anhörung zu einem Antrag der CDU-Fraktion)

  • @ HofmannM

    Schauen sie sich "Gasland" an, bevor sie hier groß herumtrompeten !

  • @ Geologe

    Es ist ja gut, dass sie so überzeugend ihren Standpunkt vertreten. Das respektiere ich absolut.

    Nun überzeugen lasse ich mich von Ihren Argumenten nicht.

    Ich habe "Gasland" gesehen, habe mir den Fracking-Dreck 2 Stunden lang hereingezogen und die vielen Fälle gesehen, die dieses Gift verursacht hat : die halbverreckten Kühe und Schafe, Katzen und Hunde, die erkrankten Menschen, die verschandelten Landschaften....hier können sie nicht mit dem Argument kommen, dass der Autor das alles erfunden hat !

    Außerdem habe ich beruflich mit den konventionellen Gasfeldern zu tun und weiß, was man in den Förderstätten vorfindet : kahle, vergiftete Landschaft und in Gasmasken ( Vorschrift ) herumlaufenden Menschen.

    Wo man Gift mit Gift an die Oberfläche befördert, entstehen auch Pannen..wie bei der Atomwirtschaft auch. Es gibt hier keine absolute Absicherung.

    Und wir haben kein weites Land wie Alaska und Sibirien :

    mein Fazit lautet nach wie vor :

    Finger weg vom Fracking, schon deshalb, weil wir im dicht besiedelten Europa wohnen !!!

  • @Vicario

    - Benzol wird in Frackflüssigkeit NICHT verwendet; Hauptbestandteil ist z.B unter 0,5% Guar, ein Geliermittel das auch als Speiseversdickungsmittel zugelassen ist, unter 0,2 % Cholinclorid als Tonstabilisator (in Rinderleber zu 0,5% enthalten) usw.; einige Firmen haben die "Zutaten" auf entsprechenden internetseiten veröffentlicht - informieren Sie sich;
    - es ist richtig, dass durch die natürlichen Bewegungen der Erde in Jahrmillionen Risse (Störungen) entstehen können, durch die Erdgas sogar bis zur Erdoberfläche gelangt (brennt z.B. in Griechenland und Iran), hat aber nichts mit Fracking zu tun!;
    - Die Frackflüssigkeit wird in Deutschland in geschlossenen Tanks aufbewahrt und verdunstet nicht, wenn würde uch nur das Wasser verdunsten und nicht die Chemikalien!;
    - und noch einmal, es gibt keine Subventionen zugunsten der Erdgasproduzenten (anders als für die Atomstromer, Windenergie, Solarenergie).

  • @Vicario
    Herr Gott nochmal! Von welchen Gift schwaffeln Sie denn!?
    Jede Domestosflache im Haushalt ist giftiger als dieses Sand-Wasser Gemisch!
    Jedes Giftmülllager in Deutschland ist gefährlicher! Jede Solar- und Windmühlenanlage ist verseuchter! Jede unterirdische Verpressung von CO2 ist gefährlicher! Jedes Sonenbad ohne Schutz vor der Sonne ist gefährlicher! Jede mobile Bewegung (Fahrrad,Auto,Bahn,Schiff fahren) ist gefährlicher. Jeder Flug ist durch die Höhenstrahlung gefährlicher als diese Frackingmischung bzw. als ein Kernkraftwerk!
    Wenn Sie und ihre ökosozialistischen Aposteln so weitermachen, dann können Sie zum Schluss das ganze Leben als Gefahr ansehen und dieses von vornherein verbieten. So zu sagen "Die Geburt des Menschen" verbieten. Wenn das eh nicht von vornherein eurer Intention ist...!?

  • @ Geologe

    Zitat : - Die verwendeten Chemikalien sind weder kreberregend noch giftig sondern gehören wie Gülle in die Wasergefährdungsklasse 1, sind zudem startk verdünnt, weil die Frackflüssigkeit zu 98% aus Wasser und Sand besteht;
    Wenn verwendete Benzole nicht krebserregend sind, dann hat das Gesundheitsamt uns permanent angelogen....und die anderen 500 Chemikalien, die Anwendung finden und von den Firmen nicht veröffentlicht werden, scheinen auch nicht giftig zu sein....dann soll man diese doch veröffentlichen !
    Halte ihre Aussage hierzu für nicht realistisch
    - Länge von Fracks beträgt max. 150-200m, in Teifen von meist mehreren Tausend Metern, ein Kontakt zu Grundwasser führenden Schichten ist völlig unmöglich;
    Diese Aussage ist auch eine überzogene Theorie. Die Erde bewegt sich und es entstehen Risse. Dadurch tritt das Gas auch aus.

    - Es ist technisch völlig unmöglich, dass die Frackflüssigkeit außerhalb des Bohrlochs nach oben strömt, schon gar nicht durch menschliches Versagen; sollte Flüssigkeit an der Oberfläche verschüttet werden, sind die Bohrplätze dafür zementiert oder geteert und mit einer Auffangdrainage umgeben;

    Das stimmt so nicht. Die Flüssigkeit wird z. Teil wieder ausgepumpt und zwischengelagert, bis diese abtransportiert wird. Während der Zwischenlagerung verdunstet ein Teil des Giftes und kommt mit Niederschlägen in das Grundwasser und versickert auch im Grundwasser ! Dadurch wird die Flora und Fauna in Mitleidenschaft gezogen.
    - die Kosten für die Erdgasförderung tragen die Unternehmen, es gibt keine Subventionen für die Erdgasförderung! Für Schäden haften ebenfalls die Unternehmen, die Aufsicht darüber führt die Bergbehörde, die natürlich auch die Einhaltung des Wasserhaushaltsgesetzes beachten muss!

    Über die Tricks der Unternehmen, ihre Subventionen von der Steuer abschreiben und vom Steuerzahler wieder erstatten zu lassen, brauchen wir uns hier nicht zu unterhalten !

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