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Energie

US-Ölkonzern Lobbyisten-Videos bringen Exxon-Chef Darren Woods in Schwierigkeiten

Aufnahmen zeigen, dass der US-Ölkonzern kein Interesse an der Bekämpfung der Klima-Krise hat. Die Demokraten wollen den Ölmanager nach der peinlichen Enthüllung nun vorladen.
06.07.2021 - 17:20 Uhr 1 Kommentar
Der CEO von Exxon Mobil musste sich öffentlich entschuldigen. Quelle: Reuters
Darren Woods

Der CEO von Exxon Mobil musste sich öffentlich entschuldigen.

(Foto: Reuters)

New York Der Posten an der Spitze des US-Ölkonzerns Exxon Mobile wird immer ungemütlicher. Jetzt hat sich der Vorstandsvorsitzende und Chairman Darren Woods, 57, öffentlich dafür entschuldigt, was seine Lobbyisten bei einem vorgetäuschten Job-Interview gegenüber Greenpeace-Aktivisten gesagt haben.

In den Videos haben die Mitarbeiter erklärt, wie sie gegen die Wissenschaft zum Klimawandel gearbeitet haben und wie sie versuchen, den Klimaschutz aus dem Infrastrukturpaket des US-Präsidenten Joe Biden herauszuhalten. Exxons Unterstützung der CO2-Steuer sei nur ein Lippenbekenntnis, weil sich der Konzern ohnehin sicher sein könnte, dass der Vorschlag nicht die nötigen Stimmen hat, sagt einer der Lobbyisten. Das wüssten sie, weil sie zum Teil wöchentlich mit Senatoren sprechen, die außerdem Geld von Exxon erhalten.

„Wir verurteilen die Aussagen und bedauern diese sehr, inklusive jene über gewählte Volksvertreter“, teilte Woods in einer seiner seltenen Entschuldigungen mit. „Wir waren schockiert über diese Interviews und stehen weiterhin zu unserem Einsatz, Lösungen für den Klimawandel zu suchen.“

„Dieses Video bestätigt, was wir bereits wussten: Ölkonzerne haben die Öffentlichkeit, Aufsichtsbehörden und den Kongress über Jahre über die Gefahr ihrer Produkte belogen“, twitterte der Demokrat Ro Khanna, der dem Umweltausschuss im Abgeordnetenhaus vorsitzt. Zusammen mit seinen Parteikollegen will er noch diese Woche Vorladungen an die Top-Manager der Ölindustrie herausschicken. 

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    Mit dem jüngsten Lobby-Skandal steht Woods erneut unter Druck. Erst vor wenigen Wochen musste der Konzernchef nach einer Niederlage auf der Hauptversammlung drei seiner zwölf Board-Mitglieder austauschen. Das war auf Druck des aktivistischen Hedgefonds „Engine No1“ geschehen, der zusammen mit mächtigen Pensionsfonds und Vermögensverwaltern wie Blackrock und Vanguard ein Umdenken des US-Ölkonzerns fordert.

    Mit Donald Trump verstand Woods sich prächtig

    Anders als die meisten europäischen Öl- und Gaskonzerne setzt Exxon nur auf fossile Brennstoffe und lehnt es bisher ab, in alternative Energien wie Wind und Solar zu investieren. Woods investiert zwar ein paar Milliarden in Carbon Capture and Storage-Technologie, also die Abscheidung und unterirdische Speicherung von CO2. Aber den aktivistischen Investoren geht das nicht weit genug.

    Dass sich die Lage für ihn so zuspitzt, hätte Woods sich wohl kaum ausmalen können, als er seinen Posten 2017 angetreten hat. Damals war sein Vorgänger Rex Tillerson als Wirtschaftsminister ins Weiße Haus gerufen worden, und so stieg der Chef der profitablen Raffinerie- und Chemiesparte zum CEO auf. Von aktivistischen Umweltaktionären war noch nichts zu spüren, und im Weißen Haus saß mit Donald Trump noch ein treuer Freund der Ölindustrie.

    Woods war ein Mann ganz nach Donald Trumps Geschmack: Er glaubt an die fossilen Brennstoffe und kann gut verkaufen. Gleich nach seinem Antritt versprach er vor allem im Golf von Mexiko Milliardeninvestitionen, Tausende neue Jobs und schwärmte von der Zukunft des Erdöls.

    Die meisten Investitionen waren zwar längst geplant. Aber er hat sie – als guter Verkäufer – geschickt zusammengefasst und ihnen unter dem Slogan „Growing the Gulf“ einen neuen Namen gegeben.

    Die Beziehung der beiden war so gut, dass Trump sich im Wahlkampf gar damit brüstete, er bräuchte nur den Hörer abzuheben, ein paar Genehmigungen für Ölförderungen zu erwähnen, und schon würde der Exxon-Chef 25 Millionen Dollar als Wahlkampfspenden lockermachen. Das ging Woods dann doch zu weit. Er ließ per Twitter mitteilen, dass ein solches hypothetisches Telefonat „niemals stattgefunden“ habe.

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    Rekordverlust von 22 Milliarden Dollar in 2020

    Beim Pariser Abkommen zum Klimaschutz war Woods zwar anderer Meinung als Trump. Der Ingenieur mit MBA, der zwei Jahre seiner 28-jährigen Karriere bei Exxon in Brüssel als Chef des Geschäfts in Europa, Afrika und dem Nahen Osten verbracht hat, hatte sich noch 2017 in einem Brief an Trump persönlich dafür eingesetzt, dass die USA Teil des Abkommens bleiben. Aber das tat er vor allem mit dem Ziel, Washington einen Platz am Tisch bei den Verhandlungen zu sichern.

    Als Aktionäre zwei Jahre später klare Ziele für die Reduzierung von Kohlendioxidemissionen durch die Verbrennung von Öl und Gas forderten, beschwerte sich Woods dagegen bei der Börsenaufsicht SEC. Die wies die Forderung als unrechtmäßige Einmischung in das Geschäft zurück.

    Doch der Sieg war nur vorübergehend. Zwei Jahre später ließen die aktivistischen Aktionäre von „Engine No1“ dann gleich drei Verwaltungsratsposten mit Leuten besetzen, die Erfahrung mit alternativen Energien haben. Die Zeit der Kuschelrunden mit Ja-Sagern im gesamten Board sind damit vorbei.

    Auch geschäftlich ging es Woods zuletzt weniger gut. Der Einbruch von Ölpreis und Nachfrage wegen Corona hat dazu geführt, dass der Konzern 2020 mit einem Rekordverlust von 22 Milliarden Dollar abgeschlossen hat – das schlechteste Ergebnis in vier Jahrzehnten. Vor einem Jahr flog Exxon sogar aus dem renommierten Dow-Jones-Index.

    Und der Widerstand der Investoren und der Politik wird wohl eher noch zunehmen. Joe Biden hat den Kampf gegen den Klimawandel zur Priorität erklärt. Der jüngste Lobby-Skandal wirft kein gutes Licht auf Woods.

    Mehr: Vom Hedgefonds-König zum Öko-Kapitalisten – Chris James zwingt Exxon zum Umdenken.

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    1 Kommentar zu "US-Ölkonzern: Lobbyisten-Videos bringen Exxon-Chef Darren Woods in Schwierigkeiten"

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    • Ich wünsche Exxon einen schönen harten und tiefen fall, etwas anderes hat es Exxon einfach nicht verdient.

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