Energie

Vattenfall bestellt Turbinen Großauftrag für kriselnde Siemens-Windtochter

Lichtblick bei Siemens Gamesa: Die angeschlagene Ökotochter des Dax-Konzerns schließt mit Vattenfall einen Liefervertrag über 113 Turbinen ab. Der Energieversorger will damit drei riesige Meerwindparks ausrüsten.
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Im Oktober schockte das Unternehmen die Anleger mit einer Gewinnwarnung. Quelle: Reuters
Siemens Gamesa

Im Oktober schockte das Unternehmen die Anleger mit einer Gewinnwarnung.

(Foto: Reuters)

AmsterdamMarkus Tacke ist Gegenwind gewöhnt. Der Siemens-Manager arbeitet schließlich seit mehr als 20 Jahren im Energiesektor – einer Industrie, die durch die Energiewende mit enormen Strukturbrüchen kämpfen muss. Als Tacke im Mai Vorstandschef des neuen Windkraftkonzerns Siemens Gamesa wurde, betonte der promovierte Maschinenbauer daher, wie wichtig „technische Exzellenz und konsequentes Kostenmanagement“ für ihn seien. Bei Siemens Gamesa, urteilte er damals, hätten er und seine Kollegen jedenfalls „noch viel Arbeit vor uns“.

Wie viel Arbeit auf Tacke wirklich zukommt, dürfte das Energieurgestein dann aber doch unterschätzt haben. Im Oktober schockte sein Unternehmen, das aus dem Zusammenschluss des Windenergiegeschäfts von Siemens mit dem spanischen Konkurrenten Gamesa entstanden ist, die Anleger mit einer Gewinnwarnung. Zwei Vorstände wurden in der Folge austauscht. Dann rutschte das Windkraftunternehmen im vierten Quartal auch noch die roten Zahlen und verkündete, bis 2020 rund 6000 Stellen weltweit zu streichen – mehr als ein Fünftel der Belegschaft.

Die Börse reagierte entsetzt. Seit Jahresbeginn hat sich der Aktienkurs von Siemens Gamesa mehr als halbiert. In dem Reigen aus schlechten Nachrichten kann Tacke aber jetzt erstmals einen wichtigen Erfolg verkünden: Siemens Gamesa sichert sich einen Großauftrag im Wert von mehreren Hundert Millionen Euro.

Wie der schwedische Energieversorger Vattenfall am Dienstag bekanntgab, setzt der Konzern beim Bau von drei Offshore-Windprojekten auf Technik aus dem Hause Siemens Gamesa. Konkret liefert der Windkraftkonzern 113 Turbinen mit einer Leistung von jeweils acht Megawatt für die Errichtung der Vattenfall Meerwindparks Vesterhav Nord und Syd vor der dänischen Westküste sowie das Projekt Kriegers Flak in der Ostsee.

Das sind die größten Windkraft-Konzerne der Welt
Platz 14: XEMC (China)
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Nirgendwo auf der Welt werden jährlich mehr Windräder ans Stromnetz angeschlossen als in China. XEMC profitiert zwar von diesem Boom, hat aber durch einen etwas schwächeren Windmarkt an Bedeutung verloren. Der chinesische Elektrokonzern hat im Jahr 2009 die niederländische Energiefirma Darwind gekauft und sich so wertvolles Know-how für die Herstellung von Windturbinen und Rotorblättern gesichert, den wichtigsten Komponenten von Windenergieanlagen. Nach Berechnungen der Marktforschungsfirma FTI Intelligence brachte es XEMC 2017 auf fast tausend verkaufte Turbinen und einen Marktanteil von 1,8 Prozent.

Marktanteil 1,8 Prozent.  

Platz 13: Sewind (China)
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Im vergangenen Jahr fand sich auf diesem Platz noch der chinesische Staatskonzern Dongfang, im Ranking 2017 wird er von seinem ebenfalls chinesischen Konkurrenten Sewind zwei Plätze nach hinten verwiesen. Die Windkraftsparte des chinesischen Staatskonzerns Shanghai Electric produziert in zwei Fabriken jährlich mehr als 3.000 Windräder. Besonders erfolgreich ist das Unternehmen mit seinen Anlagen auf hoher See. Im Segment Offshore-Wind zählt Sewind zu den drei größten Herstellern weltweit. In Deutschland sind die Chinesen zudem am Maschinenbauer Manz AG beteiligt.

Marktanteil: 2,1 Prozent.  

Platz 12: CSIC Haizhuang (China)
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Unter den 15 führenden Windkraftkonzernen der Welt befinden sich gleich acht Unternehmen aus China. Der Grund ist simpel: Im Reich der Mitte wurden alleine 2017 mehr als 45 Prozent der weltweit neu installierten Windräder ans Stromnetz angeschlossen. Ausländische Firmen kommen in China kaum zum Zug, der Markt ist weitgehend abgeschottet. Dieser Heimatbonus beflügelt Konzerne wie CSIC Haizhuang – sie prägen verstärkt den Weltmarkt.

Marktanteil: 2,3 Prozent.

Platz 11: United Power (China)
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Der chinesische Windkraft-Konzern, United Power, bekommt die gedämpfte Entwicklung auf dem Heimatmarkt stark zu spüren. Vom siebten geht es auf den elften Platz und der Marktanteil schrumpft um ganze 1,2 Prozent. Die Tochtergesellschaft des staatlichen Stromversorgers China Guodian produziert Turbinen für Windräder an Land und auf hoher See in beinahe allen Leistungsklassen.

Marktanteil: 2,6 Prozent.

Platz 10: Suzion (Indien)
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Dank eines Boom-Jahres auf dem heimischen Markt, hat der indische Windturbinenhersteller Suzion es in die Top 15 geschafft. Das ist allerdings auch der Markt, auf den fast 40 Prozent des Geschäfts von Suzion entfallen. Im laufenden Jahr wird aufgrund von der Umstellung auf offene Ausschreibungen erst einmal mit einem Einbruch des indischen Marktes gerechnet, dann muss auch der Windradbauer zunächst mit einem Auftragseinbruch rechnen.

Marktanteil: 2,6 Prozent.

Platz 9: Senvion (Deutschland)
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Deutschlands viertgrößter Windkraftkonzern Senvion hat es auch global wieder unter die Top 10 geschafft. Ganze drei Plätze brachte ihn ein Rekordjahr auf dem deutschen Markt nach vorne. In der Bundesrepublik wurde noch nie soviel Windkraftleistung installiert wie im vergangenen Jahr: Ganze 6,5 Megawatt. Im nächsten Jahr könnte das aber wieder ganz anders aussehen. Die Hamburger kämpfen mit schwindenden Subventionen, massiven Preiskampf und sinkenden Umsätzen.

Marktanteil: 3,7 Prozent.

Platz 8: Mingyang (China)
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Chinas drittgrößter Windkraftkonzern will sich vom Maschinenbauer zum Service-Unternehmen wandeln. Zwar soll die Produktion von Turbinen, Gondeln und Rotorblättern weiterhin eine wesentliche Säule des Geschäfts bleiben, aber die Wartung und Instandhaltung von Windrädern verspricht höhere Renditen. Im Gegensatz zu den meisten anderen chinesischen Windkonzernen, konnte Mingyang seinen Marktanteil 2017 sogar vergrößern.

Marktanteil: 4,7 Prozent.

Das Auftragsvolumen umfasst eine installierte Leistung von insgesamt 950 Megawatt. Vattenfall investiert in den Bau der drei Windparks auf hoher See mehr als 1,7 Milliarden Euro. Wie viel Geld davon auf die Turbinen von Siemens Gamesa entfällt, nannte der Konzern nicht. In Branchenkreisen wird aber damit kalkuliert, dass die Turbinen als wichtigste Komponente einer jeden Windenergieanlage mit etwa der Hälfte der Projektkosten eines Windparks zu Buche schlagen.

Auch Siemens-Chef Joe Kaeser dürfte den Großauftrag bei der Windtochter wohlwollend zur Kenntnis nehmen. Der Münchener Dax-Konzern hält schließlich 59 Prozent an Siemens Gamesa. Zudem steht Kaeser weiterhin wegen der radikalen Stellenstreichungen in der Kraftwerkssparte in der Kritik. Fast 7000 Jobs bei „Power and Gas“ sollen weltweit eingespart werde, die Hälfte davon in Deutschland. Nicht zuletzt dank des riesigen Offshore-Windauftrags dürfte der geplante Kahlschlag bei der Windtochter hierzulande weit weniger radikal ausfallen als in der Kraftwerkssparte.

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1 Kommentar zu "Vattenfall bestellt Turbinen: Großauftrag für kriselnde Siemens-Windtochter"

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  • Siemens investiert mit Gamesa in einen Zukunftsmarkt.
    Dabei hat Siemens den langen Atem den es braucht um Durststrecken durchzustehen.
    Zumal der große Konkurrent General Elektrik schwächelt.

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