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Energie

Volatiler Ölpreis Big Oil zwischen Milliarden-Gewinnen und der Sorge vor Iran-Sanktionen

Das Förderkartell Opec hat die Ölpreise in die Höhe getrieben. Doch die Ölkonzerne blicken nun mit Sorge auf die USA.
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Der Preis der Nordseesorte Brent ist auf 73 Dollar pro Barrel geklettert. Quelle: Reuters
Öl-Plattform in der Nordsee vor Schottland.

Der Preis der Nordseesorte Brent ist auf 73 Dollar pro Barrel geklettert.

(Foto: Reuters)

Wien, LondonDer Anstieg des Ölpreises hat in den vergangenen Monaten die Aktienkurse der großen Ölmultis wie Total und Shell getrieben. Den fünf Großen in Europa – Shell, BP, Total, Eni und Statoil – geht es wirtschaftlich gut. Nach einer Studie der US-Bank Morgan Stanley stieg ihr Nettogewinn im Vergleich zum Vorjahr um stolze 36 Prozent.

Der in London ansässige Ölriese BP beispielsweise vermeldete in dieser Woche einen Quartalsgewinn (bereinigt) von 2,6 Milliarden Dollar – deutlich mehr, als der Markt erwartet hatte, und das höchste Quartalsergebnis seit drei Jahren.

„Definitiv haben wir von dem höheren Ölpreis profitiert“, sagte Finanzchef Brian Gilvary, wenngleich auch noch andere Faktoren wie etwa die Erschließung neuer Ölvorkommen eine Rolle gespielt hätten.

Für den Rest des Jahres zeigte sich Gilvary zuversichtlich, dass die Nachfrage nach Öl stark bleiben dürfte. Doch Rainer Seele ist mit seinen Prognosen vorsichtiger: Eben erst hat der Chef des österreichischen Ölkonzerns OMV seine Schätzung für den durchschnittlichen Preis der Nordseesorte Brent von 60 Dollar auf 68 Dollar pro Fass (159 Liter) nach oben korrigiert. Doch der Preis liegt derzeit bei 73 Dollar. „Der Preis bewegt sich derzeit auf dem richtigen Niveau“, sagt Seele.

Die Zurückhaltung des Ölmanagers hat einen guten Grund: Dem Ölpreis droht wegen unkalkulierbaren politischen Risiken in den kommenden Monaten eine Achterbahnfahrt – und die Ölmultis schauen derzeit mit Bangen nach Washington.

US-Präsident Donald Trump hat gedroht, den Atom-Vertrag mit Iran spätestens am 12. Mai aufzukündigen. In dem Abkommen hat sich das Schwergewicht der Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec) verpflichtet, auf Atomwaffen zu verzichten und die Überprüfung seiner Atomanlagen zu gestatten.

Israels Premier Benjamin Netanjahu hatte kürzlich angebliche Beweise für eine geheime Entwicklung einer Atombombe im Iran vorgelegt. Im Gegensatz zu Europa schenken die USA der israelischen Darstellung Glauben.

Sollte Trump den Vertrag mit dem Iran aufkündigen und die Sanktionen wieder in Kraft setzen, wären deutlich höhere Ölpreise die Folge. „Natürlich wird die Entscheidung des US-Präsidenten einen Einfluss auf die Ölförderung haben“, sagte Seele dem Handelsblatt.

Der frühere Chef der BASF-Tochter Wintershall sieht ein Aufwärtspotenzial für den Ölpreis, wenn „die gegenwärtigen geopolitischen Spannungen auch die Volatilität des Ölpreises dominieren“.

Seele erwartet dann Ölpreise von bis zu 80 Dollar pro Barrel. Der Finanzvorstand des britischen Ölriesen BP, Brian Gilvary, ist der gleichen Ansicht. „Ich denke, der Ölpreis wird volatil bleiben“, sagte der Ölmanager kürzlich.

Der Chef der konzernunabhängigen Energieforschungsfirma JBC, David Wech, sagte dem Handelsblatt: „Temporär sind weitere Anstiege und 80 Dollar pro Fass sicher möglich, und der Markt ist allgemein in einer sehr optimistischen Stimmung.“

Allerdings scheinen viele Faktoren wie das geopolitische Risiko und der saisonale Anstieg der Nachfrage bereits vom Markt eingepreist zu sein. „Deshalb werden sich wohl auch wieder schwächere Preisphasen einstellen“, sagt Wech.

Viel hängt davon ab, wie wirksam mögliche neue Iran-Sanktionen wären, notieren die Rohstoffanalysten der Commerzbank: „Entscheidend wird, ob auch andere Länder dazu gezwungen werden, diese Sanktionen umzusetzen. Erst dann hätte dies Auswirkungen auf das Ölangebot aus dem Iran“, heißt es in einer Studie.

Iran hatte zuletzt nach eigenen Angaben die Rekordmenge von 2,6 Millionen Fass pro Tag gefördert. Das ist ein Spitzenwert seit der Aufhebung der Sanktionen.

Dennoch dürften neue Sanktionen nur geringe Auswirkungen auf den Ölpreis haben, glaubt Anges Horvath, Chefökonomin des ungarischen Energiekonzerns Mol. Der Markt werde realisieren, dass die Sanktionen „mehr Rauch als Feuer“ sein würden. Schließlich würden China und Indien Sanktionen ablehnen, selbst die EU zögere.

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