Energie

Windkraftindustrie Der deutsche Markt droht zu implodieren

Rund 60 Prozent des Stroms in Deutschland wurde nach Neujahr durch Windräder erzeugt. Ein Rekord in Zeiten der Energiewende. Doch die Branche feiert nicht. Im Gegenteil: Sie fürchtet Markteinbrüche und Jobabbau.
46 Kommentare
Windkraftindustrie: Existenzsorgen trotz Ökostrom-Rekorden Quelle: ZB
Windkraftpark in Brandenburg

Noch nie wurde so viel Strom durch Windenergie erzeugt – trotzdem hat die Branche Existenzsorgen.

(Foto: ZB)

DüsseldorfMan sollte meinen, das Jahr hätte für die heimische Windkraftindustrie kaum besser beginnen können. Noch nie zuvor haben die 28.200 Mühlen, die sich mittlerweile landauf, landab in Deutschland drehen, so viel Strom erzeugt wie am 3. Januar. Insgesamt waren es laut Branchenverband Wind Europe 925 Gigawattstunden an Elektrizität. Oder anders ausgedrückt: Rund 60 Prozent des heimischen Stroms wurde in Spitzenzeiten nur durch die Kraft des Windes gewonnen.

Schon rund um die Festtage drehten sich die Windmühlen in ganz Europa wie verrückt. Im Schnitt wurde so zwischen Weihnachten und Neujahr gut ein Fünftel der Elektrizität auf dem Kontinent mit Windkraftanlagen erzeugt. Es sind imposante Zahlen, die in der Branche normalerweise für Jubelstürme sorgen. Doch dieses Mal hält sich die Feierlaune in Grenzen. Es herrscht Krisenstimmung.

Der Grund: Wegen gekappter Förderungen und schwindender Aufträge stehen bei den Herstellern von Turbinen und Rotorblättern, den wichtigsten Komponenten von Windrädern, Tausende Stellen auf der Kippe. Viele Zulieferer fürchten gar um ihre Existenz. Und Besserung ist nicht in Sicht: Im Gegenteil. Der deutsche Markt droht zu implodieren.

Das sind die größten Windkraft-Konzerne der Welt
Platz 14: XEMC (China)
1 von 14

Nirgendwo auf der Welt werden jährlich mehr Windräder ans Stromnetz angeschlossen als in China. XEMC profitiert zwar von diesem Boom, hat aber durch einen etwas schwächeren Windmarkt an Bedeutung verloren. Der chinesische Elektrokonzern hat im Jahr 2009 die niederländische Energiefirma Darwind gekauft und sich so wertvolles Know-how für die Herstellung von Windturbinen und Rotorblättern gesichert, den wichtigsten Komponenten von Windenergieanlagen. Nach Berechnungen der Marktforschungsfirma FTI Intelligence brachte es XEMC 2017 auf fast tausend verkaufte Turbinen und einen Marktanteil von 1,8 Prozent.

Marktanteil 1,8 Prozent.  

Platz 13: Sewind (China)
2 von 14

Im vergangenen Jahr fand sich auf diesem Platz noch der chinesische Staatskonzern Dongfang, im Ranking 2017 wird er von seinem ebenfalls chinesischen Konkurrenten Sewind zwei Plätze nach hinten verwiesen. Die Windkraftsparte des chinesischen Staatskonzerns Shanghai Electric produziert in zwei Fabriken jährlich mehr als 3.000 Windräder. Besonders erfolgreich ist das Unternehmen mit seinen Anlagen auf hoher See. Im Segment Offshore-Wind zählt Sewind zu den drei größten Herstellern weltweit. In Deutschland sind die Chinesen zudem am Maschinenbauer Manz AG beteiligt.

Marktanteil: 2,1 Prozent.  

Platz 12: CSIC Haizhuang (China)
3 von 14

Unter den 15 führenden Windkraftkonzernen der Welt befinden sich gleich acht Unternehmen aus China. Der Grund ist simpel: Im Reich der Mitte wurden alleine 2017 mehr als 45 Prozent der weltweit neu installierten Windräder ans Stromnetz angeschlossen. Ausländische Firmen kommen in China kaum zum Zug, der Markt ist weitgehend abgeschottet. Dieser Heimatbonus beflügelt Konzerne wie CSIC Haizhuang – sie prägen verstärkt den Weltmarkt.

Marktanteil: 2,3 Prozent.

Platz 11: United Power (China)
4 von 14

Der chinesische Windkraft-Konzern, United Power, bekommt die gedämpfte Entwicklung auf dem Heimatmarkt stark zu spüren. Vom siebten geht es auf den elften Platz und der Marktanteil schrumpft um ganze 1,2 Prozent. Die Tochtergesellschaft des staatlichen Stromversorgers China Guodian produziert Turbinen für Windräder an Land und auf hoher See in beinahe allen Leistungsklassen.

Marktanteil: 2,6 Prozent.

Platz 10: Suzion (Indien)
5 von 14

Dank eines Boom-Jahres auf dem heimischen Markt, hat der indische Windturbinenhersteller Suzion es in die Top 15 geschafft. Das ist allerdings auch der Markt, auf den fast 40 Prozent des Geschäfts von Suzion entfallen. Im laufenden Jahr wird aufgrund von der Umstellung auf offene Ausschreibungen erst einmal mit einem Einbruch des indischen Marktes gerechnet, dann muss auch der Windradbauer zunächst mit einem Auftragseinbruch rechnen.

Marktanteil: 2,6 Prozent.

Platz 9: Senvion (Deutschland)
6 von 14

Deutschlands viertgrößter Windkraftkonzern Senvion hat es auch global wieder unter die Top 10 geschafft. Ganze drei Plätze brachte ihn ein Rekordjahr auf dem deutschen Markt nach vorne. In der Bundesrepublik wurde noch nie soviel Windkraftleistung installiert wie im vergangenen Jahr: Ganze 6,5 Megawatt. Im nächsten Jahr könnte das aber wieder ganz anders aussehen. Die Hamburger kämpfen mit schwindenden Subventionen, massiven Preiskampf und sinkenden Umsätzen.

Marktanteil: 3,7 Prozent.

Platz 8: Mingyang (China)
7 von 14

Chinas drittgrößter Windkraftkonzern will sich vom Maschinenbauer zum Service-Unternehmen wandeln. Zwar soll die Produktion von Turbinen, Gondeln und Rotorblättern weiterhin eine wesentliche Säule des Geschäfts bleiben, aber die Wartung und Instandhaltung von Windrädern verspricht höhere Renditen. Im Gegensatz zu den meisten anderen chinesischen Windkonzernen, konnte Mingyang seinen Marktanteil 2017 sogar vergrößern.

Marktanteil: 4,7 Prozent.

Genau dieses Szenario wollen jetzt Betriebsräte aus 19 führenden Unternehmen der Branche verhindern. In einer Resolution fordern sie die Verantwortlichen in Industrie und Politik auf, einen Kahlschlag und den Verlust von wertvollem Know-how durch gemeinsame Anstrengungen zu verhindern.

„Es geht um die Menschen und die Zukunft der Windindustrie – nicht nur um Rendite“, heißt es in dem zweiseitigen Schreiben der Arbeitnehmervertreter. Sie warnen vor unbedachtem Abbau von Arbeitsplätzen. Denn trotz „aller Rückschläge sehen wir die Energiewende weiter als beschäftigungs- und industriepolitische Chance – insbesondere für die norddeutschen Bundesländer“, schreiben die Betriebsräte von Unternehmen wie Siemens Wind Power, Vestas oder Senvion.

Die Arbeitnehmervertreter haben sich im Netzwerk Windindustrie der Gewerkschaft IG Metall zusammengeschlossen und machten am Freitag bei Niedersachsens Energieminister Olaf Lies (SPD) Druck für ihre Anliegen.

In Lies haben die Betriebsräte und die IG Metall einen wichtigen Verbündeten. Schließlich entfallen alleine 32.000 der 150.000 Arbeitsplätze in der deutschen Windkraftindustrie auf Niedersachsen. Zudem drehen sich in keinem anderen Bundesland so viele Windräder. Und Niedersachsens sozialdemokratischer Ministerpräsident Stephan Weil ist bei den Sondierungsgesprächen für eine neue Große Koalition mit CDU und CSU thematisch für den Bereich Energie verantwortlich.

„Die Ministerpräsidenten der Nordländer müssen das Thema in Berlin auf die Agenda setzen“, appelliert Meinhard Geiken. Der Bezirksleiter der IG Metall Küste fordert einen deutlich stärkeren Ausbau der Windenergie an Land und auf hoher See. „Anders sind die Klimaschutzziele nicht zu erreichen, und nur so kann die Energiewende für neue Industrieansiedlungen und Beschäftigung in Norddeutschland, aber auch in anderen Regionen sorgen“, sagt Geiken.

Der Gewerkschafter zeigt sich angesichts der schwierigen Lage der Industrie sehr besorgt über die Zukunft der grünen Hoffnungsbranche. Ausgerechnet im Vorzeigeland der Energiewende könnte der Markt für Windenergie massiv einbrechen und im schlimmsten Fall auf nur noch ein Viertel seiner aktuellen Größe schrumpfen.

Wurden hierzulande 2016 noch Windräder mit einer Leistung von 4600 Megawatt am Festland neu gebaut, könnten es 2019 nach Berechnungen des Marktforschungsunternehmens Windresearch nur noch 1100 Megawatt sein. Die Folge dieser Entwicklung: Bei den Turbinenbauern bricht die Auftragslage ein. Projektentwickler befürchten einen massiven Einbruch ihres Geschäfts.

Handelsblatt Energie Briefing
2000 Jobs bereits verloren
Seite 12Alles auf einer Seite anzeigen

Mehr zu: Windkraftindustrie - Der deutsche Markt droht zu implodieren

46 Kommentare zu "Windkraftindustrie: Der deutsche Markt droht zu implodieren"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • @Herr Peter Spiegel, 05.01.2018, 19:11 Uhr

    „Sehr geehrte Frau Annette Bollmohr, nur weil die Regierung erzählt, daß CO2 schädlich ist, stimmt es noch lange nicht. Ihre Art eine Wahrheit zu kreieren, die mit nichts bewiesen ist. halte ich für nicht statthaft.“

    „Nicht statthaft“? Interessanter Ausdruck. Wer „gestattet“ denn hier was?

    Aus meiner Sicht kommt’s in der Politik im Wesentlichen nur auf zwei Dinge an:

    Zum einen objektive, auf der Basis von nach den universellen, d.h. allgemeingültigen Grundsätzen der Wissenschaft anerkannten wissenschaftlichen Erkenntnissen - oder aufgrund ihrer Offensichtlichkeit - von jedermann als solche anerkannte, d.h. beleg- und beweisbare Fakten (zum Beispiel der Fakt, dass die Erde eine Kugel und keine Scheibe ist).

    Und zum anderen die subjektive Ansicht eines jedes Einzelnen zu diesen Fakten, also die – wiederum auf den ganz persönlichen Erfahrungen, die er in seinem Leben gemacht hat beruhende - Meinung, die er sich dazu bildet.

    Auf diese eigene Meinung hat selbstverständlich j e d e r ein Recht (mal ganz abgesehen davon, dass sie sich ohnehin nicht verbieten, sondern allenfalls mit Gewalt unterdrücken ließe).

    Und ich bin der Ansicht, dass Ihre Meinung (ich meine: zum Glück!) von der großen Mehrheit Ihrer Mitmenschen n i c h t geteilt wird. Aber ob dem so ist oder nicht, ließe sich ja bei demokratischen Abstimmungen leicht herausfinden.

  • Das "meiner" in der 1. Zeile sollte "seiner" heißen und das "einer" davor dafür entfallen.

  • Herr Spiegel,

    Nehmen Sie bitte zur Kenntnis, dass Alle, die nicht einer meiner Meinung mit dem, der mit Facettenausgen unterwegs ist, sind, grundsätzliche Gegner sind. Derr Futterneid ist einfach zu groß.

  • Herr Maidan, Ihre heutigen Beiträge in diesem Forum verbieten es, mit Ihnen als Sozialdemokrat zu sprechen. Sozialdemokrat ist ohnehin eine Lüge an sich, entweder man ist Sozialist oder Demokrat.

  • Metz, Sie glauben doch wohl nicht im Ernst, dass Sie einen Sozialdemokraten mit NIETZSCHE Zitaten überzeugen können? Wieso zitieren sie nicht Oswald Spengler oder Joseph Goebbels?

  • Solch ein saublödes Blabla habe ich im echten Leben noch nie gehört "Herr" Metz.

    Niemand, den ich kenne, hat in (Nord-)Deutschland das Gefühl, in einer DIKTATUR zu leben. Niemand hat das Gefühl, die NATO müsse aufgelöst werden, weil man in einem besetzten land leben würde. Niemand hat den Eindruck, dass die von ziemlich hohen Gebühren finanzierten GEZ-Journalisten unredlich arbeiten würden - und wie in anderen Ländern, sich Geld privat dazuverdienen müssten (durch entsprechende Berichterstattung). All diese Themen kenne ich nicht, von denen im Internet ständig im Gestus höchster Alarmiertheit gesprochen wird.

    Auch den Armen geht es in Deutschland halbwegs gut, ist mein Eindruck - besonders im Vergleich zu anderen Ländern.

    Diese aufgekratzten Unzufriedenheiten, die man im Internet liest, besitzen einen völlig anderen Ton, als das, was man im echten Leben hört.

    In meiner Kneipe sind auch viele Leute, die lange arbeitslos sind und ziemlich stinkig drauf sind. Alle stänkern gegen Schröder, gegen das Amt, etc. Die meisten von denen wählen Linkspartei. Aber niemand von denen würde auf die Idee kommen, im Internet Donald Trump zu loben. Das ist hirnrissig, absurd. Was hat es auf sich, mit dieser Diskrepanz aus echtem Leben und Internet?

  • Sehr geehrte Frau Annette Bollmohr, nur weil die Regierung erzählt, daß CO2 schädlich ist, stimmt es noch lange nicht. Ihre Art eine Wahrheit zu kreieren, die mit nichts bewiesen ist. halte ich für nicht statthaft. Sie sprechen die Bilanz eines Spuren Gases an. Das ist doch absurd und genau so wie die Wahrheit der Regierung.
    Hier gilt der Betrag von Herrn Metz.
    "Staat? Was ist das? Wohlan! jetzt tut mir die Ohren auf, denn jetzt sage ich euch mein Wort vom Tode der Völker.
    Staat heißt das kälteste aller kalten Ungeheuer. Kalt lügt es auch; und diese Lüge kriecht aus seinem Munde: "Ich, der Staat, bin das Volk." (...)
    Aber der Staat lügt in allen Zungen des Guten und Bösen; und was er auch redet, er lügt - und was er auch hat, gestohlen hat er´s. (...)
    Dort, wo der Staat aufhört, da beginnt erst der Mensch, der nicht überflüssig ist: da beginnt das Lied des Notwendigen, die einmalige und unersetzliche Weise." (Vom neuen Götzen)

  • Wen juckt es, wenn ein Trollo nur noch Trolle sieht?

  • @Herr Peter Spiegel, 05.01.2018, 14:40 Uhr

    „Wenn der Zufallsstrom nur wertlos wäre aber er wird ins Ausland verkauft und zwar mit Verlust“

    Im Hinblick auf die „Kosten“, die der hiesigen Marktwirtschaft aus dem falsch konzipierten und fehlgeleiteten EEG entstehen ist das zweifellos ein Verlust (und zugleich ein klarer Hinweis auf derart grundlegende Fehler im System, dass dessen Funktionsfähigkeit nicht nur nicht gegeben ist, sondern es auch nicht zu "reparieren" ist). Aber nicht unbedingt für die globale CO²-Bilanz.

    Aber die ist Ihnen vermutlich genauso egal wie eine gute Zukunftsperspektive für unsere gesamte Gesellschaft?

  • @ Thomas Maidan

    Vielleicht sind es einfach nur FREIDENKER, die durch den staatlichen Bildungsgulag und die Massenmedien noch nicht vollständig indoktriniert sind.
    Dann finden sich hier im Gegensatz dazu natürlich auch etliche staats- und obrigkeitshörige Untertanen und perfekte Mitläufer.
    Übrigens hätten Sie als überzeugter Etatist vermutlich auch den größten deutschen Philosophen, Friedrich Nietzsche (danach ging es nur noch bergab), einkerkern lassen, der so FREI war zu schreiben:
    "Staat? Was ist das? Wohlan! jetzt tut mir die Ohren auf, denn jetzt sage ich euch mein Wort vom Tode der Völker.
    Staat heißt das kälteste aller kalten Ungeheuer. Kalt lügt es auch; und diese Lüge kriecht aus seinem Munde: "Ich, der Staat, bin das Volk." (...)
    Aber der Staat lügt in allen Zungen des Guten und Bösen; und was er auch redet, er lügt - und was er auch hat, gestohlen hat er´s. (...)
    Dort, wo der Staat aufhört, da beginnt erst der Mensch, der nicht überflüssig ist: da beginnt das Lied des Notwendigen, die einmalige und unersetzliche Weise." (Vom neuen Götzen)

Alle Kommentare lesen
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%